Jau, ganz richtig gelesen und auch kein Tippfehler! Es geht ums Schoppen, was lediglich im entfernten Sinne mit dem Shoppen zu tun hat und auch nichts mit dem Schoppen Wein oder Bier. Shoppen mache ich nur, wenn es sich nicht vermeiden lässt. Beim Schoppen sieht es anders aus. Wenn auch nicht viel. Dem Schoppen gehen wir alle ab und an nach, denke ich.
Schibbolethe sind schön!
Ich fange besser vorne an. Mit dem Schibboleth. Das ist nämlich ein Erkennungszeichen, ein Losungswort und ein Merkmal. Letzteres trifft in diesem Fall zu, denn so ein Schibboleth kennzeichnet die sprachliche Herkunft, bzw. die sprachliche Besonderheit, mit der sich ein Sprecher einer regionalen oder/und sozialen Gruppe zuordnen lässt. Oder anders: Unsere Aussprache und unsere Wortwahl verraten unsere Herkunft. Schibbolethe können wir nämlich nicht einfach abstellen, meist wissen wir nicht einmal, dass wir welche haben.
Sie sind international und in allen Sprachen, bei allen Menschen und an allen Orten der Welt zu finden. Meine Abstammung ist gemischt, d. h. meine Schibbolethe kann ich zumeist im Ruhrgebiet verorten, was zuweilen deutlich hör- und erkennbar ist. Der Name der Nachbarstadt Dortmund ist so ein Beispiel, denn ich sage Doatmund. Immer. Oder Bannhoff, und nicht Bahnhof.
In der Schweiz! In der Schweiz! In der Schweiz!
Der weltbeste Mann, der eindeutig, nachweislich und auf jeden Fall meiner ist, ist Schweizer - und verfügt daher über eine Fülle von Schibbolethen. Von Haus aus und ohne große Anstrengung. Gut, er spricht nicht Deutsch wie Emil, der übrigens eine Schweizer Variante des ganz gewöhnlichen Standarddeutschen oder Schweizer Hochdeutsch spricht und nicht, wie wir oftmals glauben, einen Schweizer Dialekt zur Schau trägt - dennoch schimmert selbst bei meinem Gespons der helvetische Einschlag durch. Zum Beispiel bei der Betonung und der Aussprache - und bei der Wortwahl und der Wortbedeutung, womit wir bei den Helvetismen sind.
Schweizerdeutsch, das es so gar nicht gibt, nennt einen überreichen Schatz an Wörtern sein Eigen, die wir hier im Norden gar nicht kennen. Ja, richtig gehört, für ziemliche viele Schweizer bin ich als Bochumerin eine Norddeutsche, was daran liegt, dass alles südlich von, hm, sagen wir mal Karlsruhe sprachlich immer fremder wird. Das liegt wiederum daran, dass das Schweizer Standarddeutsch und die Schweizer Dialekte dem Alemannischen entstammen und keine eigene Sprache sind. Bevor die Empörung der Helveten über mich kommt, wechsel ich nonchalant zum Wort und Verb schoppen.
Rein oder raus: Schoppen im Süden und im Norden
Während ich, wenn ich schoppe, zum Beispiel ein T-Shirt ein wenig aus der Hose ziehe oder die Socken locker nach unten drappiere, sieht das bei meinem Herzallerliebsten ganz anders aus: Wenn er schoppt, stopft er Kleidung in Kleidung hinein. Wenn er sein T-Shirt schoppt, engt es ihn nicht wie bei mir ein und sitzt zu stramm - es hängt an ihm herum und er stopft es in die Hose.
Ich ziehe rein, er heraus. Ich bausche (auf), er stopft (hinein). Bayern, Österreicher und Schweizer gehen dem Hineinstopfen nach, wir anderen dem Bauschen, alle schoppen wir.
Etymologisch kommt schoppen aus dem Mittelhochdeutschen und zwar von dem mittelhochdeutschen Verb schoppen, einer Intensivbildung des Verbes schieben. Interessanterweise lautete der althochdeutsche Vorgänger scioban und der gotische tiuhan - Sprache lebt. Wie und wann es zur genauen Bedeutungsänderung des Wortes schoppen gekommen ist, wie weit die 2. Lautverschiebung, die die Deutschschweizer Dialekte nur bedingt mitgemacht haben, damit zu tun hat - nun, das würde vielleicht zu weit führen.
Also, schnell das Deutscherschweizer Idiotikon, das Wörterbuch der Schweizer Mundarten, und das deutsche Pendant, Grimms Wörterbuch, aufgeschlagen und nachgeschaut. Und tada:
Belassen wir es dabei, dass alle, die Deutsch sprechen, Kleidung schieben. Manche rein, manche raus. So ist das halt mit den Schibbolethen. Und nun denke ich über gesmokte Blusen und das Smoken an sich nach ...
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Dienstag, 16. August 2016
Montag, 27. April 2015
sprechen wir es aus: deutsche dialekte und deutsche hochsprache.
Dialekt ist angesagt, zumindest als Thema: Neben dem Test namens Moin, Grüezi, Servus - wie wir wo sprechen, der überraschend zielgenau ist, finden sich immer wieder Artikel, die auf den Verfall und das Aussterben der Dialekte hinweisen. Heute hat Spiegel Online wieder einen rausgehauen, der mich zum Nachdenken bringt.
Es geht um das Image von Dialekten und Dialektsprechern - und den Umgang mit dem heimischen Dialekt.
Ich tue mich schwer, eine Variante zu bevorzugen, für mich dürfen, können und sollen beide nebeneinander existieren. Es ist schön und gut, wenn man beide beherrscht, den lokalen Dialekt und die Hochsprache. Was mich irritiert, ist die Bevorzugung und Betonung einer Seite, sie gehören zusammen, sind sie doch lediglich Variationen oder Ausprägungen.
Die Realität weicht oft von meiner Sichtweise ab: Während in Deutschland Dialektsprecher als dumm oder ungebildeter angesehen werden, sieht es in der Schweiz und in Österreich anders aus, denn dort wird die eigene Identität, das Wohlfühlgefühl, die Verbundenheit untereinander und mit der Heimat sehr stark mit dem eigenen Dialekt in Verbindung gebracht. Meinetwegen, wenn es nicht in Patriotismus und Nationalismus ausartet – und andere ausgrenzt.
Die Koexistenz von Dialekt und Hochsprache scheint schwierig zu sein. Hochsprache wird schon einmal als blasiert, hart oder auch direkt angesehen, während der heimische Dialekt bevorzugt und gestreichelt wird. Dabei wird gerne vergessen, dass das sogenannte Schriftdeutsch doch auch die Mutter- oder Vatersprache ist und vornehmlich einem Sinn und Zweck dient: der Verständigung, dem Austausch und dem Miteinander. Und das funktioniert sehr viel leichter, wenn es einen gemeinsamen Nenner gibt, der in diesem Fall für Deutschland, Österreich und die Schweiz wie am Schnürchen laufen könnte.
Könnte, weil es leider nicht immer so ist, wie der Artikel vorgibt: Nicht alle Dialektsprecher sind ungemein versiert, weil mehrsprachig, und beherrschen Hochsprache und Dialekt. Eigentlich logisch, denn eine Sprache fluppt nicht so reibungslos, wenn ich sie nicht benutze und sie mir fremd, ungewohnt und unbehaglich ist. Dann fehlen Worte und Wörter, Redewendungen klingen unbekannt und die Sprachmelodie mutet hölzern an. Und dann passiert das, was passieren kann: Die Verständigung klemmt, betretenes Schweigen trifft auf und wir tun uns schwer mit- und untereinander. Da wäre es doch besser, einfach zwischen Dialekt und Standardsprache hin- und herschalten zu können, oder?
Immer wieder lese und höre ich den Vorwurf, die deutschen Dialekte sterben aus. Ist es so? Und wenn, ist es unbedingt schlecht? Es gibt eine andere Seite zu bedenken: Dialektsprecher, die sich vehement und bedingungslos für die eigenen, lokalen Sprachgewohnheiten einsetzen, wollen sich oft gar nicht austauschen, sie wollen sich meist lieber auf sicherem Terrain bewegen oder meist gar nicht bewegen oder verändern. Die anderen, fremden, neuen, nicht seit dem Mittelalter im Ort ansässigen Menschen sollen sich nämlich bewegen, sie sollen sich anpassen, besser noch assimilieren – und sprachlich dazugehören, weil dann die Welt in Ordnung ist.
Eigene Sprachmerkmale, liebgewonnene Ausdrucksweisen, einseitige Sichtweisen sind wichtiger als die der anderen, die gehören unter den Teppich und sollen die Klappe halten. Daraus entsteht eine selbstgewählte Isolation, die nicht auf Veränderung, Bewegung und Kommunikation abzielt, man bleibt unter sich, alles bleibt so, wie es ist, und gut ist. Das ist der Preis, wenn keine Offenheit vorhanden ist und die gemeinsame Basis an der Nasespitze endet. Oder Hochsprache und Dialekt dürfen neben- und miteinander sein - das wäre eine Alternative, eine Möglichkeit, die alle berücksichtigt.
In Deutschland bekommen wir von Geburt an eingetrichtert, Hochdeutsch ist die Bildungssprache und wer nur und fast nur Dialekt spricht, versaut sich Chancen auf höhere Bildung, sozialen Aufstieg, bessere Berufswahl und variable Arbeitsplätze. Ergo lernen wir zu Hause (immer im Rahmen der Möglichkeiten) Hochdeutsch, sprechen im Kindergarten Hochdeutsch und in der Schule auch – alles im Bewusstsein, der Dialekt hat seine Existenzberechtigung, aber er gehört in die Freizeit oder an den Stammtisch.
Das klingt für Österreicher und Schweizer vielleicht dogmatisch, ist es aber nur, wenn eine Variante bevorzugt wird und nicht beide gleichberechtigt nebeneinander sein dürfen. Denn üblicherweise können sich Ostfriesen, Sachsen und Bayern miteinander austauschen und reden, alle lernen und beherrschen mehr oder weniger eine Sprache, die sie unter einem Label eint – Hochdeutsch, mit zuweilen charmanten Einsprengseln des eigenen Lokalkolorits.
Es geht auch anders: Nehmen wir die Schweiz, wo der Dialekt gerne mal gepriesen wird und das Schriftdeutsche zuweilen als Bühnendeutsch abgetan und vermieden wird. So klein die Schweiz erscheinen mag, sie ist reich an Dialekten, die alle paar Kilometer wechseln. Das weiß man, kennt man, akzeptiert man und spricht miteinander. Dort lernt man meist ausschließlich Dialekt, mit 5 oder 6 Jahren kommt man üblicherweise und je nach Kanton für 1 oder 2 Jahre in die erste Klasse, den Kindergarten. Dort, und manchmal auch erst später, wird Deutsch als Schriftsprache gelernt, wie in deutschen Gefilden Englisch oder Französisch. Im Ergebnis wird die deutsche Hochsprache, die eine der 4 Landessprachen ist, als Fremdsprache empfunden und gelehrt. Das bringt oftmals eine Abneigung gegen die fremde Sprache, die im großen Kanton im Norden gesprochen wird, mit sich: Missverständnisse tauchen in der Kommunikation auf, unüberwindbare Barrieren ergeben sich. Schade, denn wir und die Deutschschweizer haben doch eine gemeinsame Basis. Wir könnten miteinander und nebeneinander, auch sprachlich.
Und jetzt mal ehrlich: Wir handeln global, reisen durch und in alle Länder der Welt, aber geht es um die eigene Sprache, die alltägliche oder schriftliche, dann handeln wir regional, lokal und sind auf einmal ganz klein.
Warum nur schränken wir uns ein, bauen Grenzen auf und machen uns gegenseitig Vorschriften? Weil das Fremde fremd ist und heimatliche Klänge Zuhause sind? Warum bereichern wir uns nicht, indem wir Möglichkeiten nutzen, statt sie verbauen?
Und wenn wir untereinander, also zwischen den einzelnen deutschen Dialektgebieten schon keinen gemeinsamen Nenner finden und nutzen wollen oder können, den die deutsche Hochsprache bietet, und jeder auf seinem Recht und Vorrang beharrt, wie, ja wie eigentlich, wollen, können und sollen wir das mit Besuchern, Gästen, Freunden, Familienmitgliedern, Kulturen, Mentalitäten und Hilfsbedürftigen aus anderen Ländern hinkriegen?
Ich tue mich schwer, eine Variante zu bevorzugen, für mich dürfen, können und sollen beide nebeneinander existieren. Es ist schön und gut, wenn man beide beherrscht, den lokalen Dialekt und die Hochsprache. Was mich irritiert, ist die Bevorzugung und Betonung einer Seite, sie gehören zusammen, sind sie doch lediglich Variationen oder Ausprägungen.
Die Realität weicht oft von meiner Sichtweise ab: Während in Deutschland Dialektsprecher als dumm oder ungebildeter angesehen werden, sieht es in der Schweiz und in Österreich anders aus, denn dort wird die eigene Identität, das Wohlfühlgefühl, die Verbundenheit untereinander und mit der Heimat sehr stark mit dem eigenen Dialekt in Verbindung gebracht. Meinetwegen, wenn es nicht in Patriotismus und Nationalismus ausartet – und andere ausgrenzt.
Die Koexistenz von Dialekt und Hochsprache scheint schwierig zu sein. Hochsprache wird schon einmal als blasiert, hart oder auch direkt angesehen, während der heimische Dialekt bevorzugt und gestreichelt wird. Dabei wird gerne vergessen, dass das sogenannte Schriftdeutsch doch auch die Mutter- oder Vatersprache ist und vornehmlich einem Sinn und Zweck dient: der Verständigung, dem Austausch und dem Miteinander. Und das funktioniert sehr viel leichter, wenn es einen gemeinsamen Nenner gibt, der in diesem Fall für Deutschland, Österreich und die Schweiz wie am Schnürchen laufen könnte.
Könnte, weil es leider nicht immer so ist, wie der Artikel vorgibt: Nicht alle Dialektsprecher sind ungemein versiert, weil mehrsprachig, und beherrschen Hochsprache und Dialekt. Eigentlich logisch, denn eine Sprache fluppt nicht so reibungslos, wenn ich sie nicht benutze und sie mir fremd, ungewohnt und unbehaglich ist. Dann fehlen Worte und Wörter, Redewendungen klingen unbekannt und die Sprachmelodie mutet hölzern an. Und dann passiert das, was passieren kann: Die Verständigung klemmt, betretenes Schweigen trifft auf und wir tun uns schwer mit- und untereinander. Da wäre es doch besser, einfach zwischen Dialekt und Standardsprache hin- und herschalten zu können, oder?
Immer wieder lese und höre ich den Vorwurf, die deutschen Dialekte sterben aus. Ist es so? Und wenn, ist es unbedingt schlecht? Es gibt eine andere Seite zu bedenken: Dialektsprecher, die sich vehement und bedingungslos für die eigenen, lokalen Sprachgewohnheiten einsetzen, wollen sich oft gar nicht austauschen, sie wollen sich meist lieber auf sicherem Terrain bewegen oder meist gar nicht bewegen oder verändern. Die anderen, fremden, neuen, nicht seit dem Mittelalter im Ort ansässigen Menschen sollen sich nämlich bewegen, sie sollen sich anpassen, besser noch assimilieren – und sprachlich dazugehören, weil dann die Welt in Ordnung ist.
Eigene Sprachmerkmale, liebgewonnene Ausdrucksweisen, einseitige Sichtweisen sind wichtiger als die der anderen, die gehören unter den Teppich und sollen die Klappe halten. Daraus entsteht eine selbstgewählte Isolation, die nicht auf Veränderung, Bewegung und Kommunikation abzielt, man bleibt unter sich, alles bleibt so, wie es ist, und gut ist. Das ist der Preis, wenn keine Offenheit vorhanden ist und die gemeinsame Basis an der Nasespitze endet. Oder Hochsprache und Dialekt dürfen neben- und miteinander sein - das wäre eine Alternative, eine Möglichkeit, die alle berücksichtigt.
In Deutschland bekommen wir von Geburt an eingetrichtert, Hochdeutsch ist die Bildungssprache und wer nur und fast nur Dialekt spricht, versaut sich Chancen auf höhere Bildung, sozialen Aufstieg, bessere Berufswahl und variable Arbeitsplätze. Ergo lernen wir zu Hause (immer im Rahmen der Möglichkeiten) Hochdeutsch, sprechen im Kindergarten Hochdeutsch und in der Schule auch – alles im Bewusstsein, der Dialekt hat seine Existenzberechtigung, aber er gehört in die Freizeit oder an den Stammtisch.
Das klingt für Österreicher und Schweizer vielleicht dogmatisch, ist es aber nur, wenn eine Variante bevorzugt wird und nicht beide gleichberechtigt nebeneinander sein dürfen. Denn üblicherweise können sich Ostfriesen, Sachsen und Bayern miteinander austauschen und reden, alle lernen und beherrschen mehr oder weniger eine Sprache, die sie unter einem Label eint – Hochdeutsch, mit zuweilen charmanten Einsprengseln des eigenen Lokalkolorits.
Es geht auch anders: Nehmen wir die Schweiz, wo der Dialekt gerne mal gepriesen wird und das Schriftdeutsche zuweilen als Bühnendeutsch abgetan und vermieden wird. So klein die Schweiz erscheinen mag, sie ist reich an Dialekten, die alle paar Kilometer wechseln. Das weiß man, kennt man, akzeptiert man und spricht miteinander. Dort lernt man meist ausschließlich Dialekt, mit 5 oder 6 Jahren kommt man üblicherweise und je nach Kanton für 1 oder 2 Jahre in die erste Klasse, den Kindergarten. Dort, und manchmal auch erst später, wird Deutsch als Schriftsprache gelernt, wie in deutschen Gefilden Englisch oder Französisch. Im Ergebnis wird die deutsche Hochsprache, die eine der 4 Landessprachen ist, als Fremdsprache empfunden und gelehrt. Das bringt oftmals eine Abneigung gegen die fremde Sprache, die im großen Kanton im Norden gesprochen wird, mit sich: Missverständnisse tauchen in der Kommunikation auf, unüberwindbare Barrieren ergeben sich. Schade, denn wir und die Deutschschweizer haben doch eine gemeinsame Basis. Wir könnten miteinander und nebeneinander, auch sprachlich.
Und jetzt mal ehrlich: Wir handeln global, reisen durch und in alle Länder der Welt, aber geht es um die eigene Sprache, die alltägliche oder schriftliche, dann handeln wir regional, lokal und sind auf einmal ganz klein.
Warum nur schränken wir uns ein, bauen Grenzen auf und machen uns gegenseitig Vorschriften? Weil das Fremde fremd ist und heimatliche Klänge Zuhause sind? Warum bereichern wir uns nicht, indem wir Möglichkeiten nutzen, statt sie verbauen?
Und wenn wir untereinander, also zwischen den einzelnen deutschen Dialektgebieten schon keinen gemeinsamen Nenner finden und nutzen wollen oder können, den die deutsche Hochsprache bietet, und jeder auf seinem Recht und Vorrang beharrt, wie, ja wie eigentlich, wollen, können und sollen wir das mit Besuchern, Gästen, Freunden, Familienmitgliedern, Kulturen, Mentalitäten und Hilfsbedürftigen aus anderen Ländern hinkriegen?
Donnerstag, 28. August 2014
helvetismen: zustupf.
Anfangs bin ich darüber gestolpert. Dachte, es ist lediglich ein Tippfehler oder Umgangssprache. Ich gebe zu, ich habe auch gekichert - über das mir unbekannte Wort Zustupf.
Fragt man Google und liest Schweizer Zeitungen, taucht er an vielen Stellen auf: Es gibt den Zustupf fürs Eigenheim, einen Zustupf für das Theater, für die Vereinskasse, er ist praktisch überall und erklärt sich mir lediglich über den Zusammenhang.
Zeit zu forschen, was ein Zustupf eigentlich ist und woher er kommt:
Der Zustupf hat zwei Bedeutungen: Beim Zustupf handelt es sich um eine (zusätzliche) Einnahme, kann also möglicherweise auch eine Spende sein, und um eine Unterstützung, einen Zuschuss, eine Beihilfe, sogar um eine Ausgleichszahlung, die finanziell oder materiell ausfallen kann, wobei der Zustupf, wie ich denke, oft staatliche Natur ist.
Im Althoch- und Spätmittelhochdeutschen ist ein Stachel oder ein Stich ein Stupf oder ein kurzer Stoß und auch ein kleiner Stich, also eine kurzfristige, nicht andauernde Sache. Hierher kommt der Zustupf.
Auf dem mitteldeutschen Verb stupfen haben sich zu Beginn des 19. Jahrhunderts übrigens heute noch absolut gebräuchliche Wörter wie stoßen und stupsen entwickelt. Die Stupsnase ist daher mit dem Zustupf verwandt.
Bleibt eine Frage: Existiert ein passendes Verb oder Adjektiv? Gibt es zustupfen oder eine zugestupfte Sache?
Fragt man Google und liest Schweizer Zeitungen, taucht er an vielen Stellen auf: Es gibt den Zustupf fürs Eigenheim, einen Zustupf für das Theater, für die Vereinskasse, er ist praktisch überall und erklärt sich mir lediglich über den Zusammenhang.
Zeit zu forschen, was ein Zustupf eigentlich ist und woher er kommt:
Zustupf, die Bedeutung
Ein Zustupf ist männlicher Natur, es heißt also der Zustupf, der Plural lautet Zustüpfe, was wiederum sehr hübsch klingt.Der Zustupf hat zwei Bedeutungen: Beim Zustupf handelt es sich um eine (zusätzliche) Einnahme, kann also möglicherweise auch eine Spende sein, und um eine Unterstützung, einen Zuschuss, eine Beihilfe, sogar um eine Ausgleichszahlung, die finanziell oder materiell ausfallen kann, wobei der Zustupf, wie ich denke, oft staatliche Natur ist.
Zustupf, die Herkunft
Im 5. bis 8. Jahrhundert trennten sich - vereinfacht - die niederdeutschen Sprachen von den hochdeutschen, eine Entwicklung, bei uns entstand Althochdeutsch. Ein Beispiel ist der Unterschied zwischen deutsch Apfel und englisch Apple. Die meisten Schweizer Dialekte haben diese 2. Lautverschiebung nicht mitgemacht, weshalb dort viele alte Worte und Wörter auch heute noch im aktiven Wortschatz vorkommen.Im Althoch- und Spätmittelhochdeutschen ist ein Stachel oder ein Stich ein Stupf oder ein kurzer Stoß und auch ein kleiner Stich, also eine kurzfristige, nicht andauernde Sache. Hierher kommt der Zustupf.
Auf dem mitteldeutschen Verb stupfen haben sich zu Beginn des 19. Jahrhunderts übrigens heute noch absolut gebräuchliche Wörter wie stoßen und stupsen entwickelt. Die Stupsnase ist daher mit dem Zustupf verwandt.
Bleibt eine Frage: Existiert ein passendes Verb oder Adjektiv? Gibt es zustupfen oder eine zugestupfte Sache?
Dienstag, 15. April 2014
aus dem alltag einer deutschschweizerisch-deutschen beziehung: vif.
Manchmal bin ich mir nicht ganz sicher, ob mir mein
Mann ein Kompliment macht, mich doch beleidigt oder ich einen
Fauxpas begangen habe. Das liegt an seiner Sprache, er kennt nämlich
Wörter, deren Bedeutung mir auf den ersten Blick fremd ist.
Ich bin vif, sagt er. Ja, denke ich, assoziiere mit dem Französischen, nicke zustimmend und verstehe, es ist Leben in mir, schließlich lebe ich nachweislich.
Er meint es wortwörtlich, denn was für mich ungewohnt, französisch und auswärts klingt, gehört in der Schweiz in den alltäglichen Sprachgebrauch. Er meint das, was mein Papa Hummeln inne Fott, meine Mutter lebhaft und Kunden erfrischend nennen. Ich bin also, wie man im Ruhrgebiet sagt, eine ganz Vife.
Der Duden kennt, im Gegensatz zu mir, vif auch:
Was ich vielleicht besser nicht sage: Das Wort vif ist in der Schweiz gebräuchlich und gilt als landschaftlich. Das bedeutet, vif ist eine sprachliche Eigentümlichkeit der Schweizer, betrifft die Sprechweise der Bewohner bestimmter Gebiete, gehört halt zur Schweizer Sprache, ist aber sonst im Gebrauch veraltet. Denn dann bin ich mir nicht ganz sicher, ob ich lobe, provoziere oder kritisiere. Bleibt also besser unter uns!
Ich bin vif, sagt er. Ja, denke ich, assoziiere mit dem Französischen, nicke zustimmend und verstehe, es ist Leben in mir, schließlich lebe ich nachweislich.
Er meint es wortwörtlich, denn was für mich ungewohnt, französisch und auswärts klingt, gehört in der Schweiz in den alltäglichen Sprachgebrauch. Er meint das, was mein Papa Hummeln inne Fott, meine Mutter lebhaft und Kunden erfrischend nennen. Ich bin also, wie man im Ruhrgebiet sagt, eine ganz Vife.
Der Duden kennt, im Gegensatz zu mir, vif auch:
Was ich vielleicht besser nicht sage: Das Wort vif ist in der Schweiz gebräuchlich und gilt als landschaftlich. Das bedeutet, vif ist eine sprachliche Eigentümlichkeit der Schweizer, betrifft die Sprechweise der Bewohner bestimmter Gebiete, gehört halt zur Schweizer Sprache, ist aber sonst im Gebrauch veraltet. Denn dann bin ich mir nicht ganz sicher, ob ich lobe, provoziere oder kritisiere. Bleibt also besser unter uns!
Montag, 18. Februar 2013
ruhrdeutsch + die bochumer polizei = rollanden
An sich, also ganz grundsätzlich, und bis auf Ausnahmen, schätze ich die Polizei und sehe sie als meinen Freund & Helfer. In Bochum habe ich bisher immer nur sehr freundliche, nette und sympathische Ordnungshüter und -hüterinnen angetroffen, die hilfreich sind. Ausnahmen mögen die Regel bestätigen. Gepaart mit dem Wissenswert, meiner Neugier und dem Folgen des Polizeitickers der Polizei Bochum bei Facebook ergibt das meist vergnügliche Kurzweil.
Klingt vielleicht ein wenig merkwürdig, schließlich geht es doch immer um Verbrechen, Gewalt, Diebe, Einbrecher und viele andere Dinge, die man nicht erleben möchte und die mich auch nicht anziehen. Aber die verwendete Sprache ist oftmals eine wahre Wonne: Da tauchen Ganoven auf, die brachial und dreist vorgehen. Hach, wunderschöne Worte, die Seltenheitswert haben und mich erfreuen.
Letztes Wochenende ging es in Bochum übrigens fast so zu wie in einer richtigen Stadt; sagt jedenfalls die Meldung. Schaut man genauer hin, liest man dies:
Na und, wird der geneigte Leser sagen, ein Tippfehler halt. Aber nein, sage ich, lasst mir die Freude! Denn die guten alten Rinderrouladen heißen umgangssprachlich in ruhrgebietlichen Gefilden schon mal Rollanden.
Wer mehr lesen und informiert sein mag, hier der Link zum Presseportal der Polizei Bochum und hier der Link zum Facebook-Polizeiticker der Polizei Bochum.
Klingt vielleicht ein wenig merkwürdig, schließlich geht es doch immer um Verbrechen, Gewalt, Diebe, Einbrecher und viele andere Dinge, die man nicht erleben möchte und die mich auch nicht anziehen. Aber die verwendete Sprache ist oftmals eine wahre Wonne: Da tauchen Ganoven auf, die brachial und dreist vorgehen. Hach, wunderschöne Worte, die Seltenheitswert haben und mich erfreuen.
Letztes Wochenende ging es in Bochum übrigens fast so zu wie in einer richtigen Stadt; sagt jedenfalls die Meldung. Schaut man genauer hin, liest man dies:
Na und, wird der geneigte Leser sagen, ein Tippfehler halt. Aber nein, sage ich, lasst mir die Freude! Denn die guten alten Rinderrouladen heißen umgangssprachlich in ruhrgebietlichen Gefilden schon mal Rollanden.
Wer mehr lesen und informiert sein mag, hier der Link zum Presseportal der Polizei Bochum und hier der Link zum Facebook-Polizeiticker der Polizei Bochum.
Montag, 21. Januar 2013
etymologische fundstücke: wichsen
Diskussionen überall - sollen und dürfen Kinderbücher umgeschrieben werden? Jein, finde ich, jedenfalls nicht ohne Erklärungen oder Erläuterungen, schließlich bringt es nicht viel, wenn ich Wörter schlichtweg unterschlage, ihre Existenz ignoriere, errötend kichere oder noch schlimmer "Das tut man nicht!" als Erklärung abgebe. Schon gar nicht, wenn ich Wörter auf eine Bedeutung reduziere und ihre Etymologie vernachlässige.
Ja, in dem Buch "Die kleine Hexe" von Otfried Preußler tauchen uns antiquiert erscheinende Wörter auf, die eine Bedeutungsänderung durchlaufen haben - na und? Haben sie nun keine Berechtigung mehr, nur weil sie nicht mehr zeitgemäß sind?
Dann müsste ich den weltbesten Mann mit seinem verqueren, eindeutig mittelhochdeutsch geprägten Schweizer Merkwürdigdeutsch ebenfalls sofort verlassen und die komplette Schweiz sowie große Teile Deutschlands der Sprachzensur unterwerfen. Veränderungen der Sprache sind für mich gang und gäbe, und warum kann man Kindern nicht erklären, was wichsen eigentlich ist? Gut, ich bin keine Pädagogin und auch keine Psychologin, ich bin nicht einmal eine Mutter, aber ich mag unsere alten Wörter.
Ein sehr schönes Beispiel ist das Wort wichsen. Huch, werden nun einige von Euch sagen oder denken, das bedeutet doch onanieren und darüber redet man nicht. Doch, tut man, und man geht noch einen Schritt weiter und bemerkt, dass dieses deutsche Verb seit dem 15. Jahrhundert belegt ist. Es ist Mundart und ich kenne aus einem frühkindlichen, völlig unverfänglichen Zusammenhang, nämlich von meinem Opa, der mir mit hochtrabenden Worten den bedeutungsvollen Vorgang des Schuheputzens erklärte. Das begann mit der Schuhwichse, pardon, der Schuhcreme und endete damit, dass man die Schuhe ordentlich wichsen muss, damit sie wetterbeständig und langlebig sind. Und genau das bedeutet wichsen ursprünglich: mit Wachs bestreichen, wächsen, blank machen oder putzen.
Erst viel später, nämlich im 18. Jahrhundert folgt die zweite Bedeutung - wichsen steht nun umgangssprachlich für prügeln, was allerdings im Ruhrdeutschen eher unter wemmsen oder wemsen läuft. Allerdings steht wemmsen/wemsen hier vor Ort auch für die dritte Bedeutung des Wörtleins wichsen, nämlich onanieren, also umgangssprachlich für die, meist männliche, Selbstbefriedigung. Diese Deutung existiert aber erst seit dem 19., bzw. 20. Jahrhundert und ehrlich gesagt, ich wichse heute noch mit Hingabe Lederschuhe ganz so, wie es mir mein Opa, dessen Vater Schuhmacher war, ausführlich und liebevoll beigebracht hat. Und Hercule Poirot wird sich für mich auf ewige Zeiten dem Ritual des Bartwichsens widmen.
Ja, in dem Buch "Die kleine Hexe" von Otfried Preußler tauchen uns antiquiert erscheinende Wörter auf, die eine Bedeutungsänderung durchlaufen haben - na und? Haben sie nun keine Berechtigung mehr, nur weil sie nicht mehr zeitgemäß sind?
Dann müsste ich den weltbesten Mann mit seinem verqueren, eindeutig mittelhochdeutsch geprägten Schweizer Merkwürdigdeutsch ebenfalls sofort verlassen und die komplette Schweiz sowie große Teile Deutschlands der Sprachzensur unterwerfen. Veränderungen der Sprache sind für mich gang und gäbe, und warum kann man Kindern nicht erklären, was wichsen eigentlich ist? Gut, ich bin keine Pädagogin und auch keine Psychologin, ich bin nicht einmal eine Mutter, aber ich mag unsere alten Wörter.
Ein sehr schönes Beispiel ist das Wort wichsen. Huch, werden nun einige von Euch sagen oder denken, das bedeutet doch onanieren und darüber redet man nicht. Doch, tut man, und man geht noch einen Schritt weiter und bemerkt, dass dieses deutsche Verb seit dem 15. Jahrhundert belegt ist. Es ist Mundart und ich kenne aus einem frühkindlichen, völlig unverfänglichen Zusammenhang, nämlich von meinem Opa, der mir mit hochtrabenden Worten den bedeutungsvollen Vorgang des Schuheputzens erklärte. Das begann mit der Schuhwichse, pardon, der Schuhcreme und endete damit, dass man die Schuhe ordentlich wichsen muss, damit sie wetterbeständig und langlebig sind. Und genau das bedeutet wichsen ursprünglich: mit Wachs bestreichen, wächsen, blank machen oder putzen.
Erst viel später, nämlich im 18. Jahrhundert folgt die zweite Bedeutung - wichsen steht nun umgangssprachlich für prügeln, was allerdings im Ruhrdeutschen eher unter wemmsen oder wemsen läuft. Allerdings steht wemmsen/wemsen hier vor Ort auch für die dritte Bedeutung des Wörtleins wichsen, nämlich onanieren, also umgangssprachlich für die, meist männliche, Selbstbefriedigung. Diese Deutung existiert aber erst seit dem 19., bzw. 20. Jahrhundert und ehrlich gesagt, ich wichse heute noch mit Hingabe Lederschuhe ganz so, wie es mir mein Opa, dessen Vater Schuhmacher war, ausführlich und liebevoll beigebracht hat. Und Hercule Poirot wird sich für mich auf ewige Zeiten dem Ritual des Bartwichsens widmen.
Dienstag, 11. Dezember 2012
atzventzkalendergeschenk: schweizerdeutsch-deutsch
Die deutschschweizerische Sprache, das Schweizerdeutsch, dieser alemannische Dialekt der Deutschschweiz - kurz: Was auch immer die da unten hinter den sieben Bergen sprechen, es ist für mich weiterhin täglich eine Herausforderung. Der weltbeste Mann verfügt halt über einen ausgeprägten Migrationshintergrund (ganz doofes Wort übrigens!), der die Kommunikation erschwert.
Dank Zweitausendeins sein Atzventzkalender bin ich nun aber ein bisschen mehr für die sprachlichen Hürden gerüstet:
So weiß ich, dass mein Mann ein Schnudderi (frecher Bengel) und ein Verschrieb ein Schreibfehler ist. Blüttle bedeutet nackt sein (woher das wohl stammt?), ein Vernehmlassungsverfahren (das haben die sich doch ausgedacht!?) ist eine Anhörung politischer Meinungen zur Verwässerung von Vorlagen und ein Stinkrüebli eine Zigarette. Potzblitz heißt Sterneföifi (ich brauche ein etymologisches Wörterbuch der Schweiz) und das (natürlich schweizerisch korrekt genormte) Paketfach am Briefkasten nennt man Milchchäschtli.
Die Liste lässt sich problemlos und schier unendlich erweitern, was ich eifrig tun werde und in ca. 20 Jahren kann ich mich dann auch endlich ohne Kichern und Fragezeichen in den Augen ganz entspannt mit meinem Mann unterhalten. Wenn er dann nicht bereits perfektes Ruhrdeutsch beherrscht und artikuliert (ja, wir versauen ihn ziemlich) oder sein (manchmal) antiquiertes Hochdeutsch upgedatet (noch so ein schreckliches Wort) hat.
Fragt bitte nicht nach der Aussprache, die helvetischen Sprachgewohnheiten durchschaue ich nur bedingt und gedenke sie auf keinen Fall auszuprobieren! Ich habe mich letzten Woche hemmungs- und haltlos in Belgisch-Niederländisch verliebt und kann dort eindeutig größere Erfolge und mehr Entgegenkommen verzeichnen.
PS. Tinas Lieblingswort pfuusen (schlafen) habe ich auch bereits entdeckt und erweitere gerne ihre Möglichkeiten:
Dank Zweitausendeins sein Atzventzkalender bin ich nun aber ein bisschen mehr für die sprachlichen Hürden gerüstet:
So weiß ich, dass mein Mann ein Schnudderi (frecher Bengel) und ein Verschrieb ein Schreibfehler ist. Blüttle bedeutet nackt sein (woher das wohl stammt?), ein Vernehmlassungsverfahren (das haben die sich doch ausgedacht!?) ist eine Anhörung politischer Meinungen zur Verwässerung von Vorlagen und ein Stinkrüebli eine Zigarette. Potzblitz heißt Sterneföifi (ich brauche ein etymologisches Wörterbuch der Schweiz) und das (natürlich schweizerisch korrekt genormte) Paketfach am Briefkasten nennt man Milchchäschtli.
Die Liste lässt sich problemlos und schier unendlich erweitern, was ich eifrig tun werde und in ca. 20 Jahren kann ich mich dann auch endlich ohne Kichern und Fragezeichen in den Augen ganz entspannt mit meinem Mann unterhalten. Wenn er dann nicht bereits perfektes Ruhrdeutsch beherrscht und artikuliert (ja, wir versauen ihn ziemlich) oder sein (manchmal) antiquiertes Hochdeutsch upgedatet (noch so ein schreckliches Wort) hat.
Fragt bitte nicht nach der Aussprache, die helvetischen Sprachgewohnheiten durchschaue ich nur bedingt und gedenke sie auf keinen Fall auszuprobieren! Ich habe mich letzten Woche hemmungs- und haltlos in Belgisch-Niederländisch verliebt und kann dort eindeutig größere Erfolge und mehr Entgegenkommen verzeichnen.
PS. Tinas Lieblingswort pfuusen (schlafen) habe ich auch bereits entdeckt und erweitere gerne ihre Möglichkeiten:
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Donnerstag, 16. Februar 2012
etymologische fundstücke: die sache mit den lappen.
Das ist mir durch die Lappen gegangen - eine ganz alltägliche Redewendung, die wir da gebrauchen. Fragt sich nur, warum was durch die Lappen geht?
Das Wort Lappen ist recht alt, im Althochdeutschen hieß es zwar noch lappa oder lappe, aber bereits im Mittelhochdeutschen lappe - die Bedeutung hat sich in den letzten Jahrhunderten aber nicht verändert: Ein Lappen bezeichnet ein herabhängendes Stück Zeug oder ein schlaffhängendes Stück Haut. Mit diesem Substantiv verwandt ist auch das niederländische Substantiv lap, das einen Fetzen, Lumpen und - war klar - einen Lappen meint. Das schwedische Wort lapp bezeichnet ebenfalls einen Lappen, Flicken oder Fetzen.
Wörter, die mit Lappen verwandt sind, lauten Laffe, Lippe, schlaff, schlapp, so auch das Ohrläppchen und der Jammerlappen.
Zurück zu durch die Lappen gehen:
Damals, als die Gummistiefel noch aus Holz waren, veranstaltete man Treibjagden, d. h. Wild wurde durch Treiber aufgescheucht und in Richtung der Schützen getrieben. Weil das sicherlich recht anstrengend und mühsam war, und das Wild nicht gleich wieder entkommen sollte, wurden Stofffetzen an Schnüren aufgehängt, die sich im Wind bewegten und so das zusammengetriebene Wild erschreckten - es lief nicht mehr weg und konnte geschossen werden. Durch die Lappen gehen stammt also aus der Jägersprache, denn wenn die Lappen in ausreichender Zahl und korrekt hängen, geht das Wild nicht durch diese Lappen.
wortfeilchen
PS. Es gibt eine Ergänzung, denn das mittelhochdeutsche Substantiv
lappe, das wir nicht mehr kennen, beschrieb auch einen einfältigen
Menschen. Die Ableitung Laffe, also ein geckenhafter Mann, ist der
Nachfolger des Lappen, der so hieß, weil er entweder eine hängende Lippe hatte oder mit offenem Mund einfältig gaffte.
PPS. Die Einwohner Lapplands mögen mir bitte den kruden Umgang mit ihrer Zugehörigkeit zu einem Volksstamm nachsehen; in Schweden und Norwegen heißt dieser Lappe schließlich auch Same.
Montag, 10. Oktober 2011
etymologische fundstücke: gully.
Man denkt doch nie drüber nach. Zum Beispiel, warum sich der Gully nicht Gulli schreibt und warum er überhaupt Gully heißt?
Die korrekte Rechtschreibung hat Herr Korrekturen.de hier erläutert:
Im Englischen ist ein Gully viel mehr als unser Gully, nämlich nicht nur ein Abzugskanal und ein Einlaufschacht, sondern auch eine enge Schlucht, ein Senkloch, ein Straßenablauf, eine Erosionsrinne, eine schlichte Rinne, ein Schlammfang, eine Saugrinne, ein Schleusenschacht, ein Sinkkasten, ein Schmutzfang, ein Saugwagen, eine Grabeneorsion, eine Wasserfurche - und für alle Leser in der Schweiz, in Süddeutschland und in Österreich auch eine Runse.
Zeit zu schauen, woher das Wort Gully überhaupt kommt:
Unser Gully ist ein noch recht junges Lehnwort aus der englischen Sprache. Eigentlich bedeutet es Rinne - ein weitreichender Begriff, der über unsere Bezeichnung Gully hinausgeht. Es stammt wahrscheinlich von dem altfranzösischen Wort goule/gole, dessen Verkleinerungsform gullet ist und Schlund bedeutet. Der französische Schlund geht zurück auf die lateinische Kehle bzw. die Speiseröhre, nämlich das Wort gula. Gueule - also recht ähnlich - ist das französische Wort für Kehle.
Kehle, verwandt mit dem Kiel, ist ein altes westgermanisches Wort und bedeutet verschlingen, verzehren und auch fressen. Im Mittelalter kannte man noch das Wort kehlen, was so viel wie rinnenartig aushöhlen, aber auch einen Fisch ausnehmen bezeichnet. Wir kennen heute noch das Verb auskehlen. Der Gully verzehrt gnadenlos alles, was ihm vor die Nase kommt, daher passt die Bezeichnung.
Unser Wort Gully hätte gar nicht den Umweg über Italien, Frankreich und England nehmen müssen, sondern gleich zu Hause bleiben und Kehle heißen können.
Montag, 26. September 2011
europäischer tag der sprachen.
Seit 2001 findet jährlich der Aktionstag Europäischer Tag der Sprachen statt - natürlich auch heute wieder.
Die Sprachen
23 Amtssprachen und 60 Sprachgemeinschaften in 45 teilnehmenden Ländern. Zu den Regional- und Minderheitensprachen gehören Katalanisch, Samisch, Bretonisch, Ladinisch, Gälisch oder Walisisch.
Die Vision
Mehr Menschen zum Erlernen von Fremdsprachen motivieren! Jeder soll zwei Fremdsprachen können, sich der Vielfalt der heimischen Sprachen bewusst werden und die sprachliche und kulturelle Fülle pflegen.
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Freitag, 2. September 2011
umgangssprache: aus daffke.
Warum ich blogge? Eigentlich aus Daffke. Es gibt so viele Dinge, die mir täglich begegnen und in der Sinn kommen, die lesens- und erwähnenswert sind. Aus Spass anner Freude und einfach so trifft es genau so wie weil ich es kann - eben aus Daffke. Dieses aus Daffke kennt sicherlich nicht jeder von Euch da draußen. Macht nichts, hier kommt die Erklärung:
Aus Daffke ist eine umgangssprachliche Wendung, die hauptsächlich im norddeutschen und Berliner Raum verwendet wird. Es gibt das Wort Daffke in der deutschen Sprache nur in dieser Verbindung, nicht als alleinstehendes Verb, Adjektiv oder sonstiges.
Macht jemand etwas aus Daffke, so man er oder sie es aus Spaß, nur so, ohne ersichtlichen Grund oder aus/zum Trotz, nun gerade sowie aus Eigensinn.
Die Etymologie von aus Daffke führt uns, wie so oft im Deutschen, über das Jiddische ins Hebräische:
Hebräisch dawqa/daṿḳā bedeutet nur so (und nicht anders), während jiddisch daffke/dafke(s)/davke(s) nun erst recht, nun gerade aussagt.
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Dienstag, 9. August 2011
wortspielchen: der sprichwortrekombinator.
Ein Sprichwort ist ein kurzer, volkstümlicher Satz, der eine praktische Lebensweisheit enthält. Aber genau da liegt manchmal die Krux. Zumindest für mich, die Konstruktionen wie In Dänemark stimmt was nicht oder Holland in Gefahr fabriziert.
Noch gekonnter mischt der Sprichwortrekombinator alte Sprichwörter zu neuen Ergüssen:
Weitere Kreationen können hier erforscht werden.
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Montag, 1. August 2011
redewendungen: frieren wie ein schneider.
Auch wenn mir das kühle, nasse Wetter der letzten Wochen ausnehmend gut gefallen hat, so gab es doch einige Beschwerden und laute Rufe nach dem Sommer. Allzu oft fielen die Worte: Ich friere wie ein Schneider!, denn so bitterlich kalt war es manchen Zeitgenossen.
Woher kommt diese Redewendung?
Damals, als unsere Kleidung noch in Handarbeit angefertigt und repariert wurde, gab es einen Handwerksberuf, der sich Schneider nannte. Es war kein sehr angesehener Berufszweig, schließlich handelte es sich dabei zumeist um einen Mann, der den ganzen Tag still in seiner Ecke saß und nähte. Ein Schneider war also ein Stubenhocker, der nicht körperlich arbeitete und dadurch verweichlicht, nicht abgehärtet und überempfindlich war. Daher dachte man, so ein Schneider müsse sehr schnell frieren - und die Redewendung bürgerte sich in unserem Sprachgebrauch ein.
Die andere Theorie besagt, dass ein Schneider ein recht ärmliches Leben führte, denn die genähte oder reparierte Kleidung wurde meist nicht bar bezahlt, sondern erst später. Schneider mussten ihre offenen Rechnungen nicht selten eintreiben, was dazu führte, dass sie ihre Werkstatt oft nicht ausreichend heizen konnten und auch schon mal hungern mussten - um die Zahlungsmoral vieler Kunden war es eher schlecht bestellt. Daher mutmaßte man, ein Schneider sei wegen seines geringen Körpergewichts sehr schwächlich und würde sehr schnell frieren.
Es gibt aber noch weitere Redewendungen, die mit einem Schneider zu tun haben:
Herein, wenn es kein Schneider ist! - auch hier gibt es zwei Deutungsmöglichkeiten: Erstens, ein Schneider war als Besucher nicht erwünscht, weil er doch immer seine Rechnungen eintreiben wollte und zweitens, weil es ursprünglich Herein, wenn es kein Schnitter ist! hieß. Der Schnitter war eine Metapher für den Sensenmann, also den Tod.
Aus dem Schneider sein, sagt man, wenn man einer unangenehmen Situation entkommen ist oder diese vermeiden konnte. Auch hier gibt es wieder mehrere Entstehungstheorien, denn belegt sind sie alle nicht: Weil ein Schneider so erbärmlich dünn war und nicht einmal 30 Lot wiegen würde, ist jeder, der mehr wiegt aus dem Schneider und dementsprechendung fit und gesund. Die Lebenserwartung eines Schneiders war wegen seiner schlechten sozialen Lage nicht besonders hoch, wurde jemand also älter als 30 Jahre, war er aus dem Schneider und hatte gute Chancen alt zu werden.
wortfeilchen
Sonntag, 17. Juli 2011
fundstück: spiritousen.
In einer gutbürgerlichen Gaststätte, die seit mehr als 60 Jahren eine Institution in Bochum ist, traf ich auf diese Schreibweise des Wortes Spirituosen - lediglich ein Buchstabendreher, hoffe ich zumindest.
Unter Spirituosen versteht man alkoholische, geistige und starke Getränke, Alkohol und Alkoholika. Umgangssprachlich nennt man Spirituosen harte Sachen, scharfe Sachen, Stoff oder Sprit.
Das Wort Spirituosen ist ein Fremdwort, dass im 18. Jahrhundert in unseren Sprachgebrauch kam und anfangs Spirituosa lautete. Es geht auf das lateinische Substantiv Spiritus zurück, was so viel wie Hauch, Lufthauch, Atem, Leben, Seele oder Geist bedeutet. Von dort gelangte es in das Französische, wurde relatinisiert und erreichte deutschsprachige Gefilde.
wortfeilchen
PS. Esprit, Aspirant, Inspiration und Spiritismus sind mit den Spirituosen verwandt.
PPS. Eine anderes Thema ist die Frage, warum sich Uerdinger Wacholder mit Dehnungs-e schreibt, aber ü ausspricht.
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Dienstag, 28. Juni 2011
ein wort mit fünf vokalen: desavouieren.
Vielleicht liegt es an meinem Beruf. Vielleicht auch daran, dass ich täglich mehrfach den Duden konsultiere, sehr viel lese und schreibe. Da fällt mir manchmal das ein oder andere Wort ins Auge - und bleibt daran hängen.
Solch ein Wunderding, das sage und schreibe fünf Vokale in sich birgt, ist das Wort desavouieren. Zugegeben, ein Wort, das ich eher selten bis gar nicht verwende, und dazu nicht einmal um seine Bedeutung wusste.
Desavouieren bedeutet so viel wie im Stich lassen, bloßstellen, nicht anerkennen, herabwürdigen, verleugnen und in Abrede stellen, blamieren, bloßstellen, kompromittieren, zum Gespött machen oder auch vorführen. Es ist - wie man sicherlich bereits hören kann - lateinisch-französischen Ursprungs.
Erwähnte ich es schon? In dem Wort desavouieren kommen fünf Vokale vor. Und an einer Stelle gleich vier hintereinander! Wow, oder?
wortfeilchen
wortfeilchen
PS. Nun muss ich nur noch eine Möglichkeit finden, um desavouieren in einem Text unterzubringen oder in einem Gespräch völlig nonchalant fallenzulassen.
Freitag, 24. Juni 2011
das ruhrgebiet zum aufkleben.
Nun gibt es sie auch für das Ruhrgebiet - einen, eigentlich sogar zwei Aufkleber, die man sich bevorzugt auf das Auto kleben kann. Beide Aufkleber zeigen den Umriss des Ruhrgebiets. So signalisiert man relativ dezent seinen Lokalpatriotismus und kann selbigen prägnant auf jeder Straße und auch jeder Autobahn ausdrücken. Die beiden Aufkleber namens Aufkleber Ruhrgebiet sehen so aus:
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| Quelle: http://www.extraruhr.de/shop |
Die Idee ist nicht neu: In den 1980ern gab es eine ähnliche Manie schon einmal in Form eines Syltaufklebers, der auf unzähligen Golf-Cabrios zu sehen war. Schön fand ich es nicht, war es doch eher Sinnbild sogenannter Yuppies, die mit Vorliebe unsägliche Polohemden zu schrecklichen Bundfaltenhosen trugen - natürlich in grausigen Farben. Pfui und peinlich war das für mich, verstanden habe ich es auch nie und fragte mich insgeheim immer, ob die das nötig haben.
Und dann mag ich auch keine Aufkleber, generell nicht und auch nicht auf meinem Auto. Obwohl die beiden Ruhrpottaufkleber nun wirklich weder einen peinlichen Spruch noch merkwürdige Farben aufweisen und auch keine einzelne Stadt der Ruhrgebiets präferieren. Hm, vielleicht denke ich doch noch einmal über den Erwerb eines Ruhrpottaufklebers nach.
Wer aber jetzt, sofort und unbedingt mag, kann einen oder beide Aufkleber für recht kleines Geld im Online-Shop von extraRuhr bestellen:
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Freitag, 20. Mai 2011
verlorene worte: malheur.
Manchmal ist ein wenig antiquiertes Chichi schön. Das Wort Malheur gehört dazu, aber wer benutzt es heute noch?
Das Malheur bezeichnet ein kleines Missgeschick, ein Unglück, einen Fehlgriff, eine Panne, eine Ungeschicklichkeit, ein Versehen, einen Fauxpas oder Lapsus, einen Ausrutscher, Schnitzer oder vielleicht auch ein Fettnäpfen sowie einfach eine Unpässlichkeit des Alltags. Der Duden meint, es sei Umgangssprache - eine Ansicht, die ich nicht teile.
Ignorant wie ich sein kann, greife ich auf meine längst zurückliegenden Französischkenntnisse zurück und übersetze Malheur als schlechte Stunde, was natürlich so nicht richtig ist, aber meine Eselsbrücke zum Antonym Bonheur (= Glück) darstellt.
Malheur ist ein Fremdwort, das im 18. Jahrhundert aus dem Französischen entlehnt wurde. Das französische Wörtlein heur (altfranzösisch eür) bezeichnet einen glücklichen Zufall und geht wiederum auf das vulgärlateinische Wort agurium zurück. Dies bedeutet Vorzeichen oder Wahrzeichen und setzt sich mit dem Bestimmungswort mal zu Malheur zusammen. Französisch mal geht übrigens auf lateinisch malus zurück, was so viel wie schlecht oder übel bedeutet.
Zum Aussterben des Malheurs zitiere ich Napoleon:
Malheur à qui en saurait la cause.
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Freitag, 1. April 2011
andere orte, andere worte: fahrausweis und führerschein
Andere Länder, andere Sitten – dies gilt besonders für sprachliche Begrifflichkeiten im deutschsprachigen Raum. Die regionalen Sprachunterschiede zwischen Deutschland, Österreich und der Schweiz zeigen sich sehr gut an dem Beispiel des amtlichen Dokuments, das zum Führen eines Fahrzeugs berechtigt:
Während die Fahrberechtigung in Deutschland Führerschein oder ganz salopp Lappen genannt wird, erteilt man in Österreich nach bestandener Fahrprüfung die Lenkberechtigung. Ganz anders in der Schweiz, wo der Name der Fahrerlaubnis in offiziellem Amtsdeutsch Führerausweis heißt, in der Umgangssprache aber meist Fahrausweis, Fahrschein, Fahrkarte oder auch Billet oder Permis genannt wird.
Ihr könnt Euch meine Verwirrung vorstellen, als ich in Zürich in eine Verkehrskontrolle geriet und der Polizist mich nach – Ihr ahnt es – meinem Fahrausweis fragte.
Dass es sich bei diesem Begriff um einen umgangssprachlichen Helvetismus halten könnte, wurde erst nach einigen Rückfragen klar: Ein Fahrausweis ist für mich als Deutsche doch etwas ganz anderes, nämlich eine Fahrkarte im öffentlichen Verkehr, also für Bus und Bahn – kein Wunder, dass man mir meine Verblüffung hinter dem Lenkrad mitten im Straßenverkehr buchstäblich ansehen konnte.
Nun achtete ich genauer auf die Schweizer Bezeichnungen, die mir dort im Alltag begegnen – und siehe da, der Fahrausweis ist auch in der Schweiz eine Fahrkarte zur Benutzung der öffentlichen Verkehrsmittel. Dieses Wort wird aber kaum genutzt, denn das, was den Deutschen die Fahrkarte ist, ist den Schweizern ihr Billet.
Weitere Nachforschungen komplizierten die Sache weiter: Wenn jemandem der Führerschein entzogen wird, wird dieser Person das Billet weggenommen.
Vielleicht sollte ich in der Schweiz doch besser zu Fuß gehen.
wortfeilchen
PS. Ja, ich verkneife mir spitze Anmerkungen zum Führerausweis.
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Donnerstag, 10. März 2011
atlas zur deutschen alltagssprache.
Nicht nur eine Reise durch Deutschland bringt es an den Tag, auch virtuell bei Facebook, twitter oder Xing und Konsorten bemerkt man es - die deutsche Sprache ist von sogenannten lautlichen Merkmalen, d. h. regionalen Sprachbesonderheiten durchzogen: Im Norden des Landes benutzt man im lokalen Dialekt (Regiolekt), also in der alltäglichen Umgangssprache und auch in der Hochsprache andere Worte als im Süden, Osten oder Westen Deutschlands.
Ein Internetprojekt der Germanistik der Universität Augsburg kümmert sich um diesen Wortschatz. Er ist vom Aussterben bedroht, da traditionelle Dialektsprecherinnen und -sprecher immer schwerer zu finden sind. Der AdA, der Atlas zur deutschen Alltagssprache beschäftigt sich seit 2003 mit deutscher Alltagssprache und deutschen Dialekten - und jeder kann etwas dazu beitragen und aktiv mitmachen.
Wie funktioniert es? So:
Mittlerweile sind wir in der achten Runde der Internetumfrage zur deutschen Alltagssprache; dort finden sich solche Fragen:
Natürlich sind die Ergebnisse mehr als spannend, aber für mich so richtig aufregend und erhellend sind die graphischen Darstellungen zu einzelnen Begriffen.
Nehmen wir die Bezeichnung für das TV-Gerät, den Fernseher als Beispiel, so sehen wir, dass man in ganz Deutschland und Österreich den Ausdruck kennt, während es nach Süden hin schließlich in der Schweiz mit Fernseh endet.
Das Taschentuch ist ein anderes Beispiel, bei dem auffällt, dass eigentlich ganz Deutschland von einem Taschentuch spricht, während der deutschsprachige Süden Sacktuch, Nastuch, Schneuztuch und Nasenlumpen kennt.
Daher: Bitte alle mitmachen, damit unsere Alltagssprache nicht ausstirbt.
wortfeilchen
PS. Ja, ich weiß, der Ausdruck Standardsprache entspricht sprachwissenschaftlich der geschriebenen und gesprochenen Form der Hochsprache, aber ich mag das Wort so gar nicht, daher benutze ich es nicht.
PPPS. Alles Liebe zum Geburtstag, Doro.
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