Ende des 17., Anfang des 18. Jahrhunderts lebte in Leipzig ein uns heute (und möglicherweise auch damals) vielleicht etwas merkwürdig anmutender Zeitgenosse, der Gottlieb Siegmund Corvinus hieß. Über sein Leben ist nicht allzu viel bekannt: Er studierte an der Universität Leipzig, wurde kaiserlicher Notar und Advokat, lehnte die Ernennung zum Hofpoeten am sächsischen Hof ab und starb.
Viel interessanter ist sein Werk, das der Schriftsteller unter dem Pseudonym Amaranthes veröffentlichte. Wir erinnern uns, Amarant, auch Amaranthus, das ist die hirseähnliche Pflanze, die auch Fuchsschwanz genannt wird und übersetzt unverwelkliche Blume heißt. Ein zum Werk passendes, vielleicht sogar humorvolles Pseudonym.
Anfangs veröffentlichte der Unverwelkliche Gedichte, die gerne wegen ihrer Anzüglichkeit konfisziert wurden, Romane und Erzählungen. Bekannt wurde er durch das Frauenzimmer-Lexicon, in dem er sich detailliert mit dem Leben der Frau beschäftigt. Oder was er für das Leben der Frau hält. Er war der Meinung, die Frau sei mit der lateinischen Terminologie der damals üblichen Lexika schlicht überfordert und gibt ihr viele Ratschläge und Tipps für alle Gelegenheiten - in deutscher Sprache.
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Dienstag, 18. Juli 2017
Donnerstag, 1. September 2016
helvetismen: warum die mieze in der schweiz ein büsi ist.
Achtung, Cat-Content! Ungewohnte Worte von mir, mag ich doch lieber Hunde als Katzen, dennoch: Es geht um Katzen, bzw. Chatz und Chätzli. Richtig, es geht um Helvetismen!
Was dem Deutschen die Miez, die Miezekatze und die Muschi, ist dem Deutschschweizer das Büsi. Und das/die Bus, Buus, Büsel und Büseli. (So ganz komme ich mit den alemannischen, bzw. helvetischen Artikeln nicht klar, daher bin ich mir nicht sicher, ob es die oder doch das heißt.) Wie kommt ein dermaßen sprachlicher Unterschied zustande? Und warum überhaupt Büsi?
Etymologisches: Von der Katze zur Mieze
Um mir einen Überblick zu verschaffen, habe ich zuerst recherchiert, wie das Wort Katze in den verschiedenen Gegenden Europas und in heimischen Gefilden damals lautet und lautete. Grimms Wörterbuch war, wie immer, eine Quelle des Wissens: Die Herkunft des Wanderwortes Katze ist nicht geklärt, das Wort klingt überall ähnlich. Wir kamen über das althochdeutsche Wort kazza, bzw. chazza zum mittelhochdeutschen Wort Katze, das wir beibehalten haben. In den Niederlanden heißt es kat, im angelsächsischen Raum cat, im dänischen kat, bzw. hunkat (Katze) und hankat (Kater), im französischen chat, im spanischen gata und gato.
Spannender wird es, wenn es um Koseformen, wie Miezekatze oder eben Büsi geht. Die Schmeichelnamen entstanden aus dem Lockruf für die Samtpfote - ich denke, jeder kennt Miez, Miez, Miez oder miezmiez. Wie erwähnt, kenne ich mich mit Katzen nicht gut aus, daher kann ich nicht sagen, ob es sich wirklich so verhält: ... wie alle dergleichen lockrufe, lautmalend nach der stimme des thieres; es hat sich nachher als schmeichelname der katze selbst ergeben, die miez und die mieze, auch verdeutlichend die miezekatze ... (Quelle: Deutsches Wörterbuch von Jacob Grimm und Wilhelm Grimm)
Während wir im deutschen Gebiet fast alle durch Miauen, Maunzen und Mauen von dem Wort Katze zu den mehr oder weniger ähnlichen Koseformen Miez, Mieze und Miezekätzchen kamen, sieht das in den uns umgebenden Ländern anders aus: In England gibt es puss, in Norwegen puse, im Elsass bise und bize, im Schwabenland buse und in der Schweiz busi und büsi. Sagt Grimms Wörterbuch, und denen glaube ich. Die Ähnlichkeiten sind vorhanden, außer zum Deutschen, woran immer das nun wieder liegen mag.
Dort, im Wörterbuch, wird allerdings ebenfalls erwähnt, dass mit bus und busch in der Deutschschweiz auch Kälbchen angelockt werden und ein Kalb auch buschi, buscheli, buseli oder büseli genannt wird, was wiederum gleichfalls für andere junge Tiere gelten kann. Denn, wie könnte es anders sein, natürlich gibt es in der Deutschschweiz immer einen oder mehrere Diminutive. Es ist wohl etwas kompliziert!
(Keine) Ausnahme Alemannien
Jedenfalls machen wir es alle, in allen Sprachen: Wir (ich eher nicht, aber ihr) rufen und locken Katzen. Der Engländer ruft zum Beispiel puss, puss, puss!. Von dort, und möglicherweise von unserem Kosenamen Muschi, kommen wir vielleicht in den alemannischen Sprachraum, wo die Katze mit den Wortlauten bus bus! oder büs-büs! angelockt wird. (Grüße von der Lautverschiebung!)
Das wäre die Erklärung! Allerdings gehen die Schweizer etwas weiter, denn dort gibt Redewendungen und Phrasen, in denen die Mieze vorkommt. Beispiele:
Em Chätzli Büseli sääge bedeutet Beleidigungen mit Schmeicheleien zu verbinden.
S Isch Büse was Bäse bedeutet das beides gleich schlimm ist.
Büsele-bäsele, Büseli-Bauseli mache bedeutet (übertrieben) rücksichtsvoll mit jemanden verfahren.
Und dann kommt auch wieder das Kalb ins Spiel: Tue wien es Buseli steht für mutwilliges Herumtollen.
Haben wir so etwas auch? Mir fällt nicht viel ein, außer vielleicht abgehen wie Schmidts Katze.
Exkurs: Flaum und Flausch - vielleicht eine Erklärung
Ich frage mich, ob eine deutsche Katze miezt, eine englische pusst und eine Schweizer büst oder wir uns das nur einreden? Und ich bin mir in Sachen Lautmalerei und Miezekatze nicht ganz sicher und mutmaße frohgemut, dass die Koseformen vielleicht mit dem Flauschigen der Katze zu tun haben, denn Büsel und Büseli bezeichnen in Deutschschweizer Dialekten auch etwas Flockiges, Zottiges, oft von kugeliger Form, eine Troddel oder Quaste, zum Beispiel Samenfederchen des Löwenzahns oder Blütenkätzchen der Weide oder Haselnuss. Und Büseli wird dort auch ein breitblättriges Wollgras genannt. Buslig bedeutet wollig und flockig - könnte das vielleicht von der Katze ausgehen oder andersrum, die Katze wurde nach der Natur bekost? Ich weiß es nicht. Was ich aber weiß, dass die Busle, im Vergleich zum Büsi, große Katze oder dicke Frau bedeutet.
Na bitte, wieder ein Rätsel.
PS: Entnommen habe ich die Redewendungen und Satzglieder der letzten beiden Absätze dem Zürichdeutschen Wörterbuch, das der Mann mit in die Ehe brachte.
PPS: Und wer mehr über die Herkunft der Bezeichnung Muschi wissen möchte, empfehle ich diesen schönen Artikel zum Thema: Muschi gesucht
Was dem Deutschen die Miez, die Miezekatze und die Muschi, ist dem Deutschschweizer das Büsi. Und das/die Bus, Buus, Büsel und Büseli. (So ganz komme ich mit den alemannischen, bzw. helvetischen Artikeln nicht klar, daher bin ich mir nicht sicher, ob es die oder doch das heißt.) Wie kommt ein dermaßen sprachlicher Unterschied zustande? Und warum überhaupt Büsi?
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| Bratbär Spike the bump - Foto & Katze: Carola Heine |
Etymologisches: Von der Katze zur Mieze
Um mir einen Überblick zu verschaffen, habe ich zuerst recherchiert, wie das Wort Katze in den verschiedenen Gegenden Europas und in heimischen Gefilden damals lautet und lautete. Grimms Wörterbuch war, wie immer, eine Quelle des Wissens: Die Herkunft des Wanderwortes Katze ist nicht geklärt, das Wort klingt überall ähnlich. Wir kamen über das althochdeutsche Wort kazza, bzw. chazza zum mittelhochdeutschen Wort Katze, das wir beibehalten haben. In den Niederlanden heißt es kat, im angelsächsischen Raum cat, im dänischen kat, bzw. hunkat (Katze) und hankat (Kater), im französischen chat, im spanischen gata und gato.
Spannender wird es, wenn es um Koseformen, wie Miezekatze oder eben Büsi geht. Die Schmeichelnamen entstanden aus dem Lockruf für die Samtpfote - ich denke, jeder kennt Miez, Miez, Miez oder miezmiez. Wie erwähnt, kenne ich mich mit Katzen nicht gut aus, daher kann ich nicht sagen, ob es sich wirklich so verhält: ... wie alle dergleichen lockrufe, lautmalend nach der stimme des thieres; es hat sich nachher als schmeichelname der katze selbst ergeben, die miez und die mieze, auch verdeutlichend die miezekatze ... (Quelle: Deutsches Wörterbuch von Jacob Grimm und Wilhelm Grimm)
Während wir im deutschen Gebiet fast alle durch Miauen, Maunzen und Mauen von dem Wort Katze zu den mehr oder weniger ähnlichen Koseformen Miez, Mieze und Miezekätzchen kamen, sieht das in den uns umgebenden Ländern anders aus: In England gibt es puss, in Norwegen puse, im Elsass bise und bize, im Schwabenland buse und in der Schweiz busi und büsi. Sagt Grimms Wörterbuch, und denen glaube ich. Die Ähnlichkeiten sind vorhanden, außer zum Deutschen, woran immer das nun wieder liegen mag.
Dort, im Wörterbuch, wird allerdings ebenfalls erwähnt, dass mit bus und busch in der Deutschschweiz auch Kälbchen angelockt werden und ein Kalb auch buschi, buscheli, buseli oder büseli genannt wird, was wiederum gleichfalls für andere junge Tiere gelten kann. Denn, wie könnte es anders sein, natürlich gibt es in der Deutschschweiz immer einen oder mehrere Diminutive. Es ist wohl etwas kompliziert!
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| Spike, seines Zeichens Bratbär. Foto, Kater und Erklärungen zum Wort Bratbär: Carola Heine |
(Keine) Ausnahme Alemannien
Jedenfalls machen wir es alle, in allen Sprachen: Wir (ich eher nicht, aber ihr) rufen und locken Katzen. Der Engländer ruft zum Beispiel puss, puss, puss!. Von dort, und möglicherweise von unserem Kosenamen Muschi, kommen wir vielleicht in den alemannischen Sprachraum, wo die Katze mit den Wortlauten bus bus! oder büs-büs! angelockt wird. (Grüße von der Lautverschiebung!)
Das wäre die Erklärung! Allerdings gehen die Schweizer etwas weiter, denn dort gibt Redewendungen und Phrasen, in denen die Mieze vorkommt. Beispiele:
Em Chätzli Büseli sääge bedeutet Beleidigungen mit Schmeicheleien zu verbinden.
S Isch Büse was Bäse bedeutet das beides gleich schlimm ist.
Büsele-bäsele, Büseli-Bauseli mache bedeutet (übertrieben) rücksichtsvoll mit jemanden verfahren.
Und dann kommt auch wieder das Kalb ins Spiel: Tue wien es Buseli steht für mutwilliges Herumtollen.
Haben wir so etwas auch? Mir fällt nicht viel ein, außer vielleicht abgehen wie Schmidts Katze.
Exkurs: Flaum und Flausch - vielleicht eine Erklärung
Ich frage mich, ob eine deutsche Katze miezt, eine englische pusst und eine Schweizer büst oder wir uns das nur einreden? Und ich bin mir in Sachen Lautmalerei und Miezekatze nicht ganz sicher und mutmaße frohgemut, dass die Koseformen vielleicht mit dem Flauschigen der Katze zu tun haben, denn Büsel und Büseli bezeichnen in Deutschschweizer Dialekten auch etwas Flockiges, Zottiges, oft von kugeliger Form, eine Troddel oder Quaste, zum Beispiel Samenfederchen des Löwenzahns oder Blütenkätzchen der Weide oder Haselnuss. Und Büseli wird dort auch ein breitblättriges Wollgras genannt. Buslig bedeutet wollig und flockig - könnte das vielleicht von der Katze ausgehen oder andersrum, die Katze wurde nach der Natur bekost? Ich weiß es nicht. Was ich aber weiß, dass die Busle, im Vergleich zum Büsi, große Katze oder dicke Frau bedeutet.
Na bitte, wieder ein Rätsel.
PS: Entnommen habe ich die Redewendungen und Satzglieder der letzten beiden Absätze dem Zürichdeutschen Wörterbuch, das der Mann mit in die Ehe brachte.
PPS: Und wer mehr über die Herkunft der Bezeichnung Muschi wissen möchte, empfehle ich diesen schönen Artikel zum Thema: Muschi gesucht
Dienstag, 16. August 2016
schibbolethe & helvetismen: so richtig schoppen.
Jau, ganz richtig gelesen und auch kein Tippfehler! Es geht ums Schoppen, was lediglich im entfernten Sinne mit dem Shoppen zu tun hat und auch nichts mit dem Schoppen Wein oder Bier. Shoppen mache ich nur, wenn es sich nicht vermeiden lässt. Beim Schoppen sieht es anders aus. Wenn auch nicht viel. Dem Schoppen gehen wir alle ab und an nach, denke ich.
Schibbolethe sind schön!
Ich fange besser vorne an. Mit dem Schibboleth. Das ist nämlich ein Erkennungszeichen, ein Losungswort und ein Merkmal. Letzteres trifft in diesem Fall zu, denn so ein Schibboleth kennzeichnet die sprachliche Herkunft, bzw. die sprachliche Besonderheit, mit der sich ein Sprecher einer regionalen oder/und sozialen Gruppe zuordnen lässt. Oder anders: Unsere Aussprache und unsere Wortwahl verraten unsere Herkunft. Schibbolethe können wir nämlich nicht einfach abstellen, meist wissen wir nicht einmal, dass wir welche haben.
Sie sind international und in allen Sprachen, bei allen Menschen und an allen Orten der Welt zu finden. Meine Abstammung ist gemischt, d. h. meine Schibbolethe kann ich zumeist im Ruhrgebiet verorten, was zuweilen deutlich hör- und erkennbar ist. Der Name der Nachbarstadt Dortmund ist so ein Beispiel, denn ich sage Doatmund. Immer. Oder Bannhoff, und nicht Bahnhof.
In der Schweiz! In der Schweiz! In der Schweiz!
Der weltbeste Mann, der eindeutig, nachweislich und auf jeden Fall meiner ist, ist Schweizer - und verfügt daher über eine Fülle von Schibbolethen. Von Haus aus und ohne große Anstrengung. Gut, er spricht nicht Deutsch wie Emil, der übrigens eine Schweizer Variante des ganz gewöhnlichen Standarddeutschen oder Schweizer Hochdeutsch spricht und nicht, wie wir oftmals glauben, einen Schweizer Dialekt zur Schau trägt - dennoch schimmert selbst bei meinem Gespons der helvetische Einschlag durch. Zum Beispiel bei der Betonung und der Aussprache - und bei der Wortwahl und der Wortbedeutung, womit wir bei den Helvetismen sind.
Schweizerdeutsch, das es so gar nicht gibt, nennt einen überreichen Schatz an Wörtern sein Eigen, die wir hier im Norden gar nicht kennen. Ja, richtig gehört, für ziemliche viele Schweizer bin ich als Bochumerin eine Norddeutsche, was daran liegt, dass alles südlich von, hm, sagen wir mal Karlsruhe sprachlich immer fremder wird. Das liegt wiederum daran, dass das Schweizer Standarddeutsch und die Schweizer Dialekte dem Alemannischen entstammen und keine eigene Sprache sind. Bevor die Empörung der Helveten über mich kommt, wechsel ich nonchalant zum Wort und Verb schoppen.
Rein oder raus: Schoppen im Süden und im Norden
Während ich, wenn ich schoppe, zum Beispiel ein T-Shirt ein wenig aus der Hose ziehe oder die Socken locker nach unten drappiere, sieht das bei meinem Herzallerliebsten ganz anders aus: Wenn er schoppt, stopft er Kleidung in Kleidung hinein. Wenn er sein T-Shirt schoppt, engt es ihn nicht wie bei mir ein und sitzt zu stramm - es hängt an ihm herum und er stopft es in die Hose. Ich ziehe rein, er heraus. Ich bausche (auf), er stopft (hinein). Bayern, Österreicher und Schweizer gehen dem Hineinstopfen nach, wir anderen dem Bauschen, alle schoppen wir.
Etymologisch kommt schoppen aus dem Mittelhochdeutschen und zwar von dem mittelhochdeutschen Verb schoppen, einer Intensivbildung des Verbes schieben. Interessanterweise lautete der althochdeutsche Vorgänger scioban und der gotische tiuhan - Sprache lebt. Wie und wann es zur genauen Bedeutungsänderung des Wortes schoppen gekommen ist, wie weit die 2. Lautverschiebung, die die Deutschschweizer Dialekte nur bedingt mitgemacht haben, damit zu tun hat - nun, das würde vielleicht zu weit führen.
Also, schnell das Deutscherschweizer Idiotikon, das Wörterbuch der Schweizer Mundarten, und das deutsche Pendant, Grimms Wörterbuch, aufgeschlagen und nachgeschaut. Und tada:
Belassen wir es dabei, dass alle, die Deutsch sprechen, Kleidung schieben. Manche rein, manche raus. So ist das halt mit den Schibbolethen. Und nun denke ich über gesmokte Blusen und das Smoken an sich nach ...
Schibbolethe sind schön!
Ich fange besser vorne an. Mit dem Schibboleth. Das ist nämlich ein Erkennungszeichen, ein Losungswort und ein Merkmal. Letzteres trifft in diesem Fall zu, denn so ein Schibboleth kennzeichnet die sprachliche Herkunft, bzw. die sprachliche Besonderheit, mit der sich ein Sprecher einer regionalen oder/und sozialen Gruppe zuordnen lässt. Oder anders: Unsere Aussprache und unsere Wortwahl verraten unsere Herkunft. Schibbolethe können wir nämlich nicht einfach abstellen, meist wissen wir nicht einmal, dass wir welche haben.
Sie sind international und in allen Sprachen, bei allen Menschen und an allen Orten der Welt zu finden. Meine Abstammung ist gemischt, d. h. meine Schibbolethe kann ich zumeist im Ruhrgebiet verorten, was zuweilen deutlich hör- und erkennbar ist. Der Name der Nachbarstadt Dortmund ist so ein Beispiel, denn ich sage Doatmund. Immer. Oder Bannhoff, und nicht Bahnhof.
In der Schweiz! In der Schweiz! In der Schweiz!
Der weltbeste Mann, der eindeutig, nachweislich und auf jeden Fall meiner ist, ist Schweizer - und verfügt daher über eine Fülle von Schibbolethen. Von Haus aus und ohne große Anstrengung. Gut, er spricht nicht Deutsch wie Emil, der übrigens eine Schweizer Variante des ganz gewöhnlichen Standarddeutschen oder Schweizer Hochdeutsch spricht und nicht, wie wir oftmals glauben, einen Schweizer Dialekt zur Schau trägt - dennoch schimmert selbst bei meinem Gespons der helvetische Einschlag durch. Zum Beispiel bei der Betonung und der Aussprache - und bei der Wortwahl und der Wortbedeutung, womit wir bei den Helvetismen sind.
Schweizerdeutsch, das es so gar nicht gibt, nennt einen überreichen Schatz an Wörtern sein Eigen, die wir hier im Norden gar nicht kennen. Ja, richtig gehört, für ziemliche viele Schweizer bin ich als Bochumerin eine Norddeutsche, was daran liegt, dass alles südlich von, hm, sagen wir mal Karlsruhe sprachlich immer fremder wird. Das liegt wiederum daran, dass das Schweizer Standarddeutsch und die Schweizer Dialekte dem Alemannischen entstammen und keine eigene Sprache sind. Bevor die Empörung der Helveten über mich kommt, wechsel ich nonchalant zum Wort und Verb schoppen.
Rein oder raus: Schoppen im Süden und im Norden
Während ich, wenn ich schoppe, zum Beispiel ein T-Shirt ein wenig aus der Hose ziehe oder die Socken locker nach unten drappiere, sieht das bei meinem Herzallerliebsten ganz anders aus: Wenn er schoppt, stopft er Kleidung in Kleidung hinein. Wenn er sein T-Shirt schoppt, engt es ihn nicht wie bei mir ein und sitzt zu stramm - es hängt an ihm herum und er stopft es in die Hose. Ich ziehe rein, er heraus. Ich bausche (auf), er stopft (hinein). Bayern, Österreicher und Schweizer gehen dem Hineinstopfen nach, wir anderen dem Bauschen, alle schoppen wir.
Etymologisch kommt schoppen aus dem Mittelhochdeutschen und zwar von dem mittelhochdeutschen Verb schoppen, einer Intensivbildung des Verbes schieben. Interessanterweise lautete der althochdeutsche Vorgänger scioban und der gotische tiuhan - Sprache lebt. Wie und wann es zur genauen Bedeutungsänderung des Wortes schoppen gekommen ist, wie weit die 2. Lautverschiebung, die die Deutschschweizer Dialekte nur bedingt mitgemacht haben, damit zu tun hat - nun, das würde vielleicht zu weit führen.
Also, schnell das Deutscherschweizer Idiotikon, das Wörterbuch der Schweizer Mundarten, und das deutsche Pendant, Grimms Wörterbuch, aufgeschlagen und nachgeschaut. Und tada:
Belassen wir es dabei, dass alle, die Deutsch sprechen, Kleidung schieben. Manche rein, manche raus. So ist das halt mit den Schibbolethen. Und nun denke ich über gesmokte Blusen und das Smoken an sich nach ...
Donnerstag, 24. März 2016
der posamentierer posamentiert posamenterien.
Manchmal entdecke ich in den Online-Ausgaben der Zeitungen und Zeitschriften ein kleines und sehr feines Juwel. Zum Beispiel diesen Artikel, in dem es um alte Berufsbezeichnungen geht. Die haben es nämlich in sich. Obwohl sie tot sind. Vielleicht haben Sie die ein oder andere Bezeichnung einmal gehört, aber wissen dann doch nicht, was das sein soll.
Haben Sie schon einmal von einem Pocher gehört? Das ist nicht nur der Name des zuweilen nervigen Mannes, der über Ihren Bildschirm hüpft, nein, das war der zuständige Mensch im Pochwerk, wo Gestein zerstampft wurde. Gesellschaftlich angesehen waren weder die Arbeit noch der Pocher.
Um eine Idee von alten Berufen und den dazugehörigen Tätigkeiten zu bekommen, ja, dazu reicht der kurzweilige Artikel durchaus – und glücklicherweise listet er auch weiterführende Lesetipps.
Natürlich will ich mehr! Mehr Wissen und das jetzt und sofort!
Nehmen wir doch den Posamentierer. Das war einmal ein Beruf, der gar nicht so selten vorkam. Ich habe allerdings keinen blassen Schimmer, nicht einmal eine Ahnung, was der Mann gemacht hat. Posamentierer. Hm, sagt mir nichts, aber auch gar nichts.
Und ist ein Wort, an dem bereits die Rechtschreibprüfung meiner Textverarbeitung scheitert. Gehen Sie ruhig mal auf die Seite des Allzweckmittels, genau, auf www.duden.de und tippen Sie Posamentierer ein. Na, was passiert? Nicht viel und schlauer sind Sie nun auch nicht. Also, schnell auf Posamenterie geklickt, da muss es doch erklärt sein! Ich erfahre, dass es sich bei Posamenterien um Waren handelt und eine Posamenterie ein Geschäft ist, in dem Posamenterien angeboten werden. Hm, nun ja, das habe ich mir anders vorgestellt!
Also, flugs das Internet bemüht und schaumaleinerguck: Unter http://alteberufe.de (und auch http://www.historische-berufe.de) liegt er, der Hort der Informationen, der Quell mannigfaltiger Geschichten und die Möglichkeit, um stundenlang zu stöbern und zu lesen.
Und da habe ich ihn gefunden, den Posamentierer. Und nicht nur, warum er so hieß und was er den ganzen Tag gemacht hat, nein, ich kenne nun auch die üblichen und gebräuchlichen Bezeichnungen des Posamentierers. Hübsch, nicht?
Und jetzt haben wir Ostern, ein paar Feiertage stehen an, das Wetter soll eher durchwachsen werden und Sie haben eine Menge Zeit, um zu lesen, zu staunen und zu kichern - über alte Berufsbezeichnungen und Tätigkeiten, die es heute gar nicht mehr gibt.
Haben Sie schon einmal von einem Pocher gehört? Das ist nicht nur der Name des zuweilen nervigen Mannes, der über Ihren Bildschirm hüpft, nein, das war der zuständige Mensch im Pochwerk, wo Gestein zerstampft wurde. Gesellschaftlich angesehen waren weder die Arbeit noch der Pocher.
Um eine Idee von alten Berufen und den dazugehörigen Tätigkeiten zu bekommen, ja, dazu reicht der kurzweilige Artikel durchaus – und glücklicherweise listet er auch weiterführende Lesetipps.
Natürlich will ich mehr! Mehr Wissen und das jetzt und sofort!
Nehmen wir doch den Posamentierer. Das war einmal ein Beruf, der gar nicht so selten vorkam. Ich habe allerdings keinen blassen Schimmer, nicht einmal eine Ahnung, was der Mann gemacht hat. Posamentierer. Hm, sagt mir nichts, aber auch gar nichts.
Und ist ein Wort, an dem bereits die Rechtschreibprüfung meiner Textverarbeitung scheitert. Gehen Sie ruhig mal auf die Seite des Allzweckmittels, genau, auf www.duden.de und tippen Sie Posamentierer ein. Na, was passiert? Nicht viel und schlauer sind Sie nun auch nicht. Also, schnell auf Posamenterie geklickt, da muss es doch erklärt sein! Ich erfahre, dass es sich bei Posamenterien um Waren handelt und eine Posamenterie ein Geschäft ist, in dem Posamenterien angeboten werden. Hm, nun ja, das habe ich mir anders vorgestellt!
Also, flugs das Internet bemüht und schaumaleinerguck: Unter http://alteberufe.de (und auch http://www.historische-berufe.de) liegt er, der Hort der Informationen, der Quell mannigfaltiger Geschichten und die Möglichkeit, um stundenlang zu stöbern und zu lesen.
Und da habe ich ihn gefunden, den Posamentierer. Und nicht nur, warum er so hieß und was er den ganzen Tag gemacht hat, nein, ich kenne nun auch die üblichen und gebräuchlichen Bezeichnungen des Posamentierers. Hübsch, nicht?
Und jetzt haben wir Ostern, ein paar Feiertage stehen an, das Wetter soll eher durchwachsen werden und Sie haben eine Menge Zeit, um zu lesen, zu staunen und zu kichern - über alte Berufsbezeichnungen und Tätigkeiten, die es heute gar nicht mehr gibt.
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Dienstag, 9. September 2014
sprachmitbringsel aus dem 1. weltkrieg.
In diesen Tagen jährt sich der Beginn des Ersten Weltkriegs – ein einschneidendes Erlebnis für viele Menschen: Es war der erste moderne Krieg, mit entsprechenden inneren und äußeren Verletzungen. Unbekannt sind zumeist die sprachlichen Auswirkungen, die in unserem täglichen Sprachgebrauch nachhallen.
Amerikaner und Briten sprachen zwar eine Sprache, scheiterten aber oft an den Feinheiten. Die Briten, Inder und Waliser in ihren Reihen verstanden die Franzosen nicht, was umgekehrt kaum anders war. Die Alliierten verpflichteten z. B. chinesische Arbeiter, russischsprachige jüdische Immigranten marschierten ebenso mit wie das Heer aus Österreich-Ungarn. Insgesamt kämpften Truppen aus 135 Ländern Seite an Seite – eine sprachliche Herausforderung.
Hören wir dicke Luft, denken wir eher an eine aufgeladene Atmosphäre, wie vor oder nach einem Streit oder Konflikt. Vielleicht kommt noch der Gedanke an die dicke Luft des Ruhrgebietes auf. Bekannt ist der Ausdruck bereits seit dem 17. Jahrhundert, bekannt wurde er durch den 1. Weltkrieg, als die Luft voller Granatsplitter und feindlicher Geschosse war und als dick bezeichnet wurde.
Krieg kurbelt nicht nur die Wirtschaft an, er bringt auch immer technische Neuerungen mit sich: Der Fallschirm und das Fernglas sind solche Errungenschaften, die es erstmals 1915 in den Duden schafften. Ebenso erging es dem U-Boot, das vor 1916 Tauchboot oder Unterseeboot genannt wurde. Ferngläser waren für den Normalbürger damals unerschwinglich, während Fallschirme als begehrte Geschenke galten, deren hochwertige Seide Frauen als Grundlage für Kleidung diente.
Während wir mit dem Wort Blindgänger einen Feigling oder Versager beschreiben, handelt es sich dabei ursprünglich um ein Geschoss, das nicht detonierte. Die übertragene Bedeutung gab es auch vor 100 Jahren schon, denn ein Soldat, der sich übertrieben schnell in Sicherheit brachte, wurde Blindgänger genannt. Nicht ganz unbegründet, denn nicht immer funktionierten die Waffen wie geplant, aber ein echter Mann … nun ja, Ihr wisst schon.
Grimms Wörterbuch kennt das Kanonenfutter bereits seit 1873 und verweist auf Shakespeares Stück Heinrich IV., in dem Falstaff Soldaten, deren Leben keinen Wert hat, Food for powder nennt. Im Ersten Weltkrieg wurde der Ausdruck Kanonenfutter sehr häufig verwendet und dementsprechend sozialisiert.
Verbinden wir den Trenchcoat heute eher mit Humphrey Bogart in Casablanca, so gibt das Wort an sich bereits den Ursprung her: Der Trench, der Schützengraben zeigt die Herkunft als Grabenmantel des Ersten Weltkrieges und wurde im Dezember 1914 das erste Mal im Oxford English Dictionary erwähnt.
08/15 oder Nullachtfünfzehn bezeichnet ursprünglich ein luftgekühltes Maschinengewehr, das seit 1908 vom deutschen Heer benutzt, 1915 verändert wurde und als Massenware im 1. Weltkrieg benutzt wurde. Einen Bedeutungswandel zu Durchschnitt, bar jeglicher Originalität, Langeweile oder Überdruss erfuhr der Ausdruck erst nach dem Ersten Weltkrieg, vielleicht sogar erst in den 30er Jahren des 20. Jahrhunderts, als die Wiederaufrüstung begann und moderne Waffen gebräuchlich wurden.
Wummern heute die Bässe, denken wir kaum an die Geräuschkulisse der Front, wo sich die Artillerie lautstark und eindrücklich bemerkbar machte. Ebenso ergeht es dem schwachen Verb verfranzen, das der Fliegersprache entsprungen ist und in den Memoiren des Roten Barons Manfred von Richthofen vorkommt. Franz lautete der Spitzname des mitfliegenden Beobachters, der für die Navigation in den alten, zweisitzigen Flugzeugen zuständig war. Verfahren, verirren, verlaufen oder irren wir uns, gebrauchen wir das Wort verfranzen heute noch – ohne Flugzeug.
Trockenes, haltbares Kleingebäck oder schlicht Plätzchen nennen wir heute selbstverständlich Keks – ein Ausdruck, der es in Form des Wortes cakes bereits im 19. Jahrhundert über den Kanal schaffte und auch im Brockhaus des Jahres 1906 zu finden ist. Wie schon oben erwähnt, war die Zeit des 1. Weltkrieges von Patriotismus und Nationalismus geprägt, weshalb cakes geradezu eine Beleidigung darstellte, kurzerhand zu Keks eingedeutscht wurde und bereits 1915 im Duden landete. Dort fand sich allerdings, neben dem Plural Keks, auch die vermeintliche Einzahl Kek.
Und nun? Augen auf beim Wortgebrauch? Neee, aber schon erstaunlich, welche Wörter unsere Vorfahren bereits vor 100 Jahren kannten, bzw. kennenlernten, nicht?
http://www.welt.de/kultur/article131762089/Weltkriegsparolen-praegen-bis-heute-das-Deutsche.html
Duden
Deutsches Wörterbuch von Jacob und Wilhelm Grimm
Amerikaner und Briten sprachen zwar eine Sprache, scheiterten aber oft an den Feinheiten. Die Briten, Inder und Waliser in ihren Reihen verstanden die Franzosen nicht, was umgekehrt kaum anders war. Die Alliierten verpflichteten z. B. chinesische Arbeiter, russischsprachige jüdische Immigranten marschierten ebenso mit wie das Heer aus Österreich-Ungarn. Insgesamt kämpften Truppen aus 135 Ländern Seite an Seite – eine sprachliche Herausforderung.
Kriegssprache: Englisch als größter gemeinsamer Nenner
Um sich untereinander schnell und effektiv verständigen zu können, musste eine einheitliche Sprache gefunden werden. Die Wahl fiel auf Englisch, da die meisten Soldaten es mehr oder weniger gut verstanden oder zumindest ein paar Worte und Wörter kannten, was daran lag, dass viele Menschen über eine Auswanderung nach Amerika nachdachten. Glossare und Listen der sogenannten Schützengrabensprache wurden verfasst, in Zeitungen veröffentlicht und Worte und Wörter gingen allmählich in den Sprachgebrauch über.
Sprachliche Vielfalt in den Schützengräben
Es entstanden nicht nur neue Wortschöpfungen, fremdsprachliche Wörter wurden auch gerne von Mitstreitern übernommen: So steht das arabische Wort bint auch heute noch für Freundin oder Frau und das Hindi-Wort cushy findet sich heute in der Bedeutung von leicht, bequem und einfach im englischen Wörterbuch. Ganz pragmatisch und üblich war die Verwendung von Redewendungen und lautsprachlichen Redeweisen, die beispielsweise anglisiert wurden: So machten die Briten aus dem französischen comprends kurzerhand compray, aus il n'y en a plus wurde napoo und San Fairy Ann bedeutete ça ne fait rien.
Auswirkungen auf die deutsche Sprache
Im Deutschland des 1. Weltkrieges herrschten Deutschtümlerei, Nationalismus und Patriotismus, dementsprechend waren fremdsprachige Wörter verpönt – und wurden übersetzt, eingedeutscht oder erfunden. Dabei handelt es sich durchaus nicht immer um Wörter, die auf den ersten Blick nach Krieg klingen, vielleicht einen Bedeutungswandel erfahren und sich bis heute gehalten haben. Während Latrinenparole, Niemandsland, Grabenkampf, Frontschwein, Trommelfeuer, Flak, Stahlhelm oder auch Materialschlacht und Kriegsgewinnler ihre Herkunft eindeutig kennzeichnen, ist die Ursprungsbestimmung bei folgenden Wörtern weitaus schwieriger:
Hören wir dicke Luft, denken wir eher an eine aufgeladene Atmosphäre, wie vor oder nach einem Streit oder Konflikt. Vielleicht kommt noch der Gedanke an die dicke Luft des Ruhrgebietes auf. Bekannt ist der Ausdruck bereits seit dem 17. Jahrhundert, bekannt wurde er durch den 1. Weltkrieg, als die Luft voller Granatsplitter und feindlicher Geschosse war und als dick bezeichnet wurde.
Krieg kurbelt nicht nur die Wirtschaft an, er bringt auch immer technische Neuerungen mit sich: Der Fallschirm und das Fernglas sind solche Errungenschaften, die es erstmals 1915 in den Duden schafften. Ebenso erging es dem U-Boot, das vor 1916 Tauchboot oder Unterseeboot genannt wurde. Ferngläser waren für den Normalbürger damals unerschwinglich, während Fallschirme als begehrte Geschenke galten, deren hochwertige Seide Frauen als Grundlage für Kleidung diente.
Während wir mit dem Wort Blindgänger einen Feigling oder Versager beschreiben, handelt es sich dabei ursprünglich um ein Geschoss, das nicht detonierte. Die übertragene Bedeutung gab es auch vor 100 Jahren schon, denn ein Soldat, der sich übertrieben schnell in Sicherheit brachte, wurde Blindgänger genannt. Nicht ganz unbegründet, denn nicht immer funktionierten die Waffen wie geplant, aber ein echter Mann … nun ja, Ihr wisst schon.
Grimms Wörterbuch kennt das Kanonenfutter bereits seit 1873 und verweist auf Shakespeares Stück Heinrich IV., in dem Falstaff Soldaten, deren Leben keinen Wert hat, Food for powder nennt. Im Ersten Weltkrieg wurde der Ausdruck Kanonenfutter sehr häufig verwendet und dementsprechend sozialisiert.
Verbinden wir den Trenchcoat heute eher mit Humphrey Bogart in Casablanca, so gibt das Wort an sich bereits den Ursprung her: Der Trench, der Schützengraben zeigt die Herkunft als Grabenmantel des Ersten Weltkrieges und wurde im Dezember 1914 das erste Mal im Oxford English Dictionary erwähnt.
08/15 oder Nullachtfünfzehn bezeichnet ursprünglich ein luftgekühltes Maschinengewehr, das seit 1908 vom deutschen Heer benutzt, 1915 verändert wurde und als Massenware im 1. Weltkrieg benutzt wurde. Einen Bedeutungswandel zu Durchschnitt, bar jeglicher Originalität, Langeweile oder Überdruss erfuhr der Ausdruck erst nach dem Ersten Weltkrieg, vielleicht sogar erst in den 30er Jahren des 20. Jahrhunderts, als die Wiederaufrüstung begann und moderne Waffen gebräuchlich wurden.
Wummern heute die Bässe, denken wir kaum an die Geräuschkulisse der Front, wo sich die Artillerie lautstark und eindrücklich bemerkbar machte. Ebenso ergeht es dem schwachen Verb verfranzen, das der Fliegersprache entsprungen ist und in den Memoiren des Roten Barons Manfred von Richthofen vorkommt. Franz lautete der Spitzname des mitfliegenden Beobachters, der für die Navigation in den alten, zweisitzigen Flugzeugen zuständig war. Verfahren, verirren, verlaufen oder irren wir uns, gebrauchen wir das Wort verfranzen heute noch – ohne Flugzeug.
Trockenes, haltbares Kleingebäck oder schlicht Plätzchen nennen wir heute selbstverständlich Keks – ein Ausdruck, der es in Form des Wortes cakes bereits im 19. Jahrhundert über den Kanal schaffte und auch im Brockhaus des Jahres 1906 zu finden ist. Wie schon oben erwähnt, war die Zeit des 1. Weltkrieges von Patriotismus und Nationalismus geprägt, weshalb cakes geradezu eine Beleidigung darstellte, kurzerhand zu Keks eingedeutscht wurde und bereits 1915 im Duden landete. Dort fand sich allerdings, neben dem Plural Keks, auch die vermeintliche Einzahl Kek.
Und nun? Augen auf beim Wortgebrauch? Neee, aber schon erstaunlich, welche Wörter unsere Vorfahren bereits vor 100 Jahren kannten, bzw. kennenlernten, nicht?
Quellen und Originaltexte:
http://www.theguardian.com/education/2014/jun/28/first-world-war-one-soldiers-tommies-common-language-trenches
http://www.welt.de/kultur/article131762089/Weltkriegsparolen-praegen-bis-heute-das-Deutsche.html
Duden
Deutsches Wörterbuch von Jacob und Wilhelm Grimm
Donnerstag, 28. August 2014
helvetismen: zustupf.
Anfangs bin ich darüber gestolpert. Dachte, es ist lediglich ein Tippfehler oder Umgangssprache. Ich gebe zu, ich habe auch gekichert - über das mir unbekannte Wort Zustupf.
Fragt man Google und liest Schweizer Zeitungen, taucht er an vielen Stellen auf: Es gibt den Zustupf fürs Eigenheim, einen Zustupf für das Theater, für die Vereinskasse, er ist praktisch überall und erklärt sich mir lediglich über den Zusammenhang.
Zeit zu forschen, was ein Zustupf eigentlich ist und woher er kommt:
Der Zustupf hat zwei Bedeutungen: Beim Zustupf handelt es sich um eine (zusätzliche) Einnahme, kann also möglicherweise auch eine Spende sein, und um eine Unterstützung, einen Zuschuss, eine Beihilfe, sogar um eine Ausgleichszahlung, die finanziell oder materiell ausfallen kann, wobei der Zustupf, wie ich denke, oft staatliche Natur ist.
Im Althoch- und Spätmittelhochdeutschen ist ein Stachel oder ein Stich ein Stupf oder ein kurzer Stoß und auch ein kleiner Stich, also eine kurzfristige, nicht andauernde Sache. Hierher kommt der Zustupf.
Auf dem mitteldeutschen Verb stupfen haben sich zu Beginn des 19. Jahrhunderts übrigens heute noch absolut gebräuchliche Wörter wie stoßen und stupsen entwickelt. Die Stupsnase ist daher mit dem Zustupf verwandt.
Bleibt eine Frage: Existiert ein passendes Verb oder Adjektiv? Gibt es zustupfen oder eine zugestupfte Sache?
Fragt man Google und liest Schweizer Zeitungen, taucht er an vielen Stellen auf: Es gibt den Zustupf fürs Eigenheim, einen Zustupf für das Theater, für die Vereinskasse, er ist praktisch überall und erklärt sich mir lediglich über den Zusammenhang.
Zeit zu forschen, was ein Zustupf eigentlich ist und woher er kommt:
Zustupf, die Bedeutung
Ein Zustupf ist männlicher Natur, es heißt also der Zustupf, der Plural lautet Zustüpfe, was wiederum sehr hübsch klingt.Der Zustupf hat zwei Bedeutungen: Beim Zustupf handelt es sich um eine (zusätzliche) Einnahme, kann also möglicherweise auch eine Spende sein, und um eine Unterstützung, einen Zuschuss, eine Beihilfe, sogar um eine Ausgleichszahlung, die finanziell oder materiell ausfallen kann, wobei der Zustupf, wie ich denke, oft staatliche Natur ist.
Zustupf, die Herkunft
Im 5. bis 8. Jahrhundert trennten sich - vereinfacht - die niederdeutschen Sprachen von den hochdeutschen, eine Entwicklung, bei uns entstand Althochdeutsch. Ein Beispiel ist der Unterschied zwischen deutsch Apfel und englisch Apple. Die meisten Schweizer Dialekte haben diese 2. Lautverschiebung nicht mitgemacht, weshalb dort viele alte Worte und Wörter auch heute noch im aktiven Wortschatz vorkommen.Im Althoch- und Spätmittelhochdeutschen ist ein Stachel oder ein Stich ein Stupf oder ein kurzer Stoß und auch ein kleiner Stich, also eine kurzfristige, nicht andauernde Sache. Hierher kommt der Zustupf.
Auf dem mitteldeutschen Verb stupfen haben sich zu Beginn des 19. Jahrhunderts übrigens heute noch absolut gebräuchliche Wörter wie stoßen und stupsen entwickelt. Die Stupsnase ist daher mit dem Zustupf verwandt.
Bleibt eine Frage: Existiert ein passendes Verb oder Adjektiv? Gibt es zustupfen oder eine zugestupfte Sache?
Sonntag, 17. August 2014
etymologisches: von kauderwelsch, walnuss, wallach und der schweiz.
Sie hat nichts mit einem Wal zu tun, auch wenn
sie sich so schreibt. Auch mit einem Wall verbindet sie,
außer vielleicht der Aussprache, nichts. Aber warum heißt die Walnuss
eigentlich Walnuss?
Etymologie der Walnuss
Die Echte Walnuss stammt
aus südlicheren Breitengraden. Schließlich ist sie frostempfindlich
und ihre Heimat liegt ursprünglich wahrscheinlich in Anatolien oder
gar noch ein wenig weiter südlich, von wo sie sich im Mittelmeerraum
verbreitete und über die umtriebigen Römer zu uns kam. Etwa im 18.
Jahrhundert landete sie im Gepäck der Spanier in Amerika – und
kalifornische Walnüsse auf unserem Weihnachtstisch.
Seit dem 18. Jahrhundert ist die
Bezeichnung Walnuss im Hochdeutschen angesiedelt, wobei der erste
Wortteil, das Wal- ziemlich alte Wurzeln hat. Wal- kommt von welsch,
das sich im Althochdeutschen als wal(a)ahisc (= romanisch), im
Mittelhochdeutschen als walhisch oder welsch finden lässt. Das
englische Welsh bedeutet walisisch und das niederländische Waals
wallonisch. Alle meinen die Kelten, die unter dem lateinischen Namen
Volcae liefen; entsprechend dazu finden sich die passenden
Substantive: althochdeutsch walah und mittelhochdeutsch walch.
Die Kelten gingen unter, bzw.
vermischten sich mit eindringenden Völkern, geblieben ist die
Bezeichnung welsch. Welsch bedeutet ursprünglich also keltisch,
später steht es für romanisch, französisch und/oder italienisch.
Und weil die Nuss aus Italien kam, hieß sie bei uns bis ins 18.
Jahrhundert Welschnuss oder welsche Nuß, aus dem wir – die
Herkunft immer noch im Hinterkopf – die Walnuss machten.
Schweizer Exkurs
In der Deutschschweiz werden
französische Schweizer welsch genannt, die Walnuss aber Baumnuss.
Eine Welsche ist also eine Schweizerin mit Französisch als
Muttersprache, die Walnuss kommt vom Baum, was nicht falsch ist, aber
den Ursprung nicht mehr hergibt.
Welsch bedeutet aber mehr, so steht es –
als veraltet und abwertend geltend – für fremdländisch, woher auch kauderwelsch stammt,
was für unverständliche, radebrechende, verworrene, fremde Worte
und Wörter steht. Und hier haben wir eine echte Erfindung der
Schweiz, denn kauderwelsch bezieht sich auf Rätoromanisch, das wohl
recht schwer verständlich erschien.
Im Rheintaler Gebiet von Chur wird ein
hochalemannischer Dialekt gesprochen, das Churerdeutsch. Der Ortsname
lautet in Tirol Kauer, das wahrscheinlich vom mittellateinischen Verb
kaudern stammt, was wiederum kollern, plappern und hausieren bedeutet.
Kauderwelsch, in unserem Wortschatz selten geworden, bezeichnet
ursprünglich Churromanisch und ist seit dem 18. Jahrhundert belegt.
Verwandtschaft auf vier Beinen
Das Wort Wallach kennen wir seit dem
späten 15. Jahrhundert. Es meint ursprünglich ein aus der Walachei
stammendes kastriertes Pferd. Der Name der Landschaft, Walachei, und
auch der der Einwohner, der Walachen, sind zwar slawische Wörter,
die allerdings germanische Lehnwörter von welsch sind und von den Walachen nicht benutzt werden.
Der Herbst naht, die Ernte der
Welschnuss ebenfalls – freuen wir uns darauf. Im Wissen um die
Herkunft von Namen und Nuss.
PS. Dieser Artikel ist das Ergebnis eines Frühstücksgesprächs zwischen dem weltbesten Mann und mir.
PS. Dieser Artikel ist das Ergebnis eines Frühstücksgesprächs zwischen dem weltbesten Mann und mir.
Dienstag, 19. März 2013
holger steffens: in omnia paratus, airtramper.
Der Dortmunder Journalist Holger Steffens hat bereits so einige abstruse Flausen und Ideen umgesetzt: Verwegen trampte er mit dem Tandem, dem Sulky, der Ape, mit dem Schiff, dem Fahrrad und sogar mit dem ÖPNV. Nachzulesen sind die Reportagen übrigens hier.
Man mag davon halten, was man will, aber langweilig ist anders und man fragt sich insgeheim, was er als nächstes ausheckt. Und genau das tut er. Dieses Mal verliert er wortwörtlich den Boden unter den Füßen und will mit Luftfahrzeugen quer durch Europa nach Lissabon. Nee, nicht mit dem Zug, Bus, Fahrrad, Moped oder Auto fahren, laufen oder schwimmen - er trampt mit Luftfahrzeugen!
Und es folgt, was folgen muss - das siebte und letzte Abenteuer, der schrägsten Anhalterfahrten:
Airtramper: Support & Aktuelles
Mehr Informationen, der genaue Termin, wie Ihr den Airtramper unterstützen könnt und allerlei Dönnekes erfahrt Ihr:- Hier bei mir
- Auf der Webseite des Airtrampers
- Auf der Facebook-Seite des Airtrampers
- Per Crowdfunding bei Krautreporter
PS: Zwei Jubiläen freuen sich heute: Dem wunderbaren Francisco alles Liebe zum Geburtstag und viele schöne Aufträge als Übersetzer. Das zweite ist privat, aber nicht minder wunderbar.
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Freitag, 2. September 2011
umgangssprache: aus daffke.
Warum ich blogge? Eigentlich aus Daffke. Es gibt so viele Dinge, die mir täglich begegnen und in der Sinn kommen, die lesens- und erwähnenswert sind. Aus Spass anner Freude und einfach so trifft es genau so wie weil ich es kann - eben aus Daffke. Dieses aus Daffke kennt sicherlich nicht jeder von Euch da draußen. Macht nichts, hier kommt die Erklärung:
Aus Daffke ist eine umgangssprachliche Wendung, die hauptsächlich im norddeutschen und Berliner Raum verwendet wird. Es gibt das Wort Daffke in der deutschen Sprache nur in dieser Verbindung, nicht als alleinstehendes Verb, Adjektiv oder sonstiges.
Macht jemand etwas aus Daffke, so man er oder sie es aus Spaß, nur so, ohne ersichtlichen Grund oder aus/zum Trotz, nun gerade sowie aus Eigensinn.
Die Etymologie von aus Daffke führt uns, wie so oft im Deutschen, über das Jiddische ins Hebräische:
Hebräisch dawqa/daṿḳā bedeutet nur so (und nicht anders), während jiddisch daffke/dafke(s)/davke(s) nun erst recht, nun gerade aussagt.
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Sonntag, 5. Juni 2011
schweizfund: logoähnlichkeiten.
Watschelt man durch Zürich und schaut sich interessiert um, fallen manche Dinge ins Auge. Zum Beispiel ein Schuhgeschäft namens Dosenbach, das dem deutschen Schuhgeschäft Deichmann sehr ähnelt - kein Wunder, es handelt sich um Filialen eines Unternehmens.
Schwieriger war es schon bei folgendem Logo:
Ich habe gerätselt und nachgedacht, aber mir fiel nicht ein, an welches deutsche Logo es mich erinnert. Eher zufällig fiel es mir dann aber doch ein:
Bleibt die Frage, welches Logo eher da war und ob beiden die Assoziationen der jeweiligen Bevölkerungsgruppen bewusst sind?
wortfeilchen
Mittwoch, 25. Mai 2011
angeprangert: geplante obsoleszenz.
Es begann mit der Massenproduktion, erlebte einen unglaublichen Aufschwung während des Wirtschaftswachstums der 1950er Jahre - und machte aus uns eine Konsumgesellschaft mit Wegwegmentalität: die geplante Obsoleszenz.
Unter geplanter Obsoleszenz versteht man die Manipulation der Lebensdauer von Produkten, um so den Kauf von neuen Produkten zu beschleunigen und das Wachstum der Wirtschaft zu fördern. Schwachstellen werden eingebaut oder minderwertige Materialien benutzt, woraufhin ein Schaden oder Fehler beim Produkt auftritt - es muss ersetzt werden. Mehr Konsum ergibt mehr Wirtschaftswachstum.
Das Prinzip funktioniert mit fast allen Produkten: Drucker, die man nicht reparieren soll, auch wenn man kann, und stattdessen lieber einen neuen Drucker kaufen soll. Handys, deren Lebensdauer vom Hersteller begrenzt wird, damit wir alle paar Monate ein neues kaufen. Kleidung, die nach ein paar Waschgängen ausfärbt, ausleiert und durchscheuert.
Die Folgen der geplanten Obsoleszenz sind weitreichend und negativ: wachsende Müllberge, geringe Nachhaltigkeit, wenig bis keine Umweltverträglichkeit, Verschwendung von Rohstoffen, hohe Logistikkosten, Verhinderung von Innovationen und nicht zuletzt eine ethisch nicht vertretbare Manipulationen von Verbrauchern und soziale Konsequenzen für viele Menschen.
Mehr wissenswerte Informationen bietet dieser aufschlussreiche arte-Film:
Die Lösung? Bewusstsein, Reflektion und Wachstumsrücknahme.
Ein gutes Beispiel ist manomama:
manomama stellt ökosoziale Kleidung her und verkauft sie auch. Ökosozial ist hier keine Marketingstrategie, sondern bedeutet die Nutzung von komplett ökologischen Materialien; das heißt jeder Faden, jeder Knopf und auch das pflanzlich gegerbte Leder stammen aus einem lokalen Umkreis von 250 Kilometer rund um den Standort Augsburg.
Schnittmuster, Farben - alle für Nutzer relevanten Maßgaben sind nicht einer Bekleidungsnorm unterworfen, sie richten sich nach dem Wünschen und Bedürfnissen der künftigen Träger.
manomama tut aber noch mehr: Weben und Spinnen - traditionelle Handwerke, die in Deutschland fast als schon ausgestorben galten, werden durch manomama wiederentdeckt, gefördert und genutzt. Produziert wird ebenfalls vor Ort in Deutschland - zu überdurchschnittlichen Löhnen. Und nicht zuletzt sind Produkte von manomana von ihrer Zusammensetzung bis zur Preisgestaltung transparent.
wortfeilchen
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