Posts mit dem Label Lektorat werden angezeigt. Alle Posts anzeigen
Posts mit dem Label Lektorat werden angezeigt. Alle Posts anzeigen

Dienstag, 4. Juli 2017

schlicht falsch | groß oder klein nach dem doppelpunkt.

Jeder von uns hat Schwächen, korrekte Rechtschreibung und Grammatik sind nicht jedem gegeben. Macht ja auch nichts, eigentlich – denn ein Text, der vor Fehlern nur so strotzt, macht keinen guten Eindruck. 

Privat werden Sie sicher ein Auge zudrücken, aber beruflich? Im Geschäftsbereich? Nun, da sieht die Sache schon anders aus. Wem sprechen Sie Kompetenz zu? Wem vertrauen Sie? Na, eben, Fehlerfreiheit hilft beim berüchtigten ersten Eindruck oder anders: Wer richtig schreibt, der bleibt.

Ein Problemfall ist der Doppelpunkt. Die beiden unschuldigen, vielleicht zu unscheinbaren Punkte, die auch noch übereinanderstehen. Welchen Sinn mögen sie haben? Vom Nutzen ganz zu schweigen. 

Vielleicht liegt es daran, dass der Doppelpunkt ausstirbt und immer seltener genutzt wird? Weil kaum noch jemand weiß, warum es ihn gibt.


Dienstag, 20. Juni 2017

schlicht falsch | typo-fehler: halten sie abstand!

Es gibt Fehler und Fehler. Ich korrigiere sie alle. Aber besonders gerne Typografie-Fehler, die gerne übersehen werden. Grafiker und Mediengestalter lieben oder hassen mich deswegen. Damit kann ich leben.

Duden empfiehlt die Schreibweise Typografie, erlaubt mir aber alternativ auch meine bevorzugte, nämlich Typographie. Die Abkürzung Typo steht für die Gestaltung von Druckerzeugnissen und digitalen Medien mittels Schrift, Fotos/Bildern, Linien und Flächen. Natürlich könnte ich noch mehr über Mikrotypografie und Makrotypografie erzählen, aber es geht um Typo-Fehler und dabei heute um fehlende Abstände bei Abkürzungen.

Foto: http://unsplash.com/photos/zFz3jThypsA by Mr Cup/Fabien Barral

Die folgenden Fehler tauchen mit 99-prozentiger Wahrscheinlichkeit in jedem PDF auf, das ich zur Bearbeitung bekomme. Also, fangen wir an:

Dienstag, 15. April 2014

aus dem alltag einer deutschschweizerisch-deutschen beziehung: vif.

Manchmal bin ich mir nicht ganz sicher, ob mir mein Mann ein Kompliment macht, mich doch beleidigt oder ich einen Fauxpas begangen habe. Das liegt an seiner Sprache, er kennt nämlich Wörter, deren Bedeutung mir auf den ersten Blick fremd ist.

Ich bin vif, sagt er. Ja, denke ich, assoziiere mit dem Französischen, nicke zustimmend und verstehe, es ist Leben in mir, schließlich lebe ich nachweislich.

Er meint es wortwörtlich, denn was für mich ungewohnt, französisch und auswärts klingt, gehört in der Schweiz in den alltäglichen Sprachgebrauch. Er meint das, was mein Papa Hummeln inne Fott, meine Mutter lebhaft und Kunden erfrischend nennen. Ich bin also, wie man im Ruhrgebiet sagt, eine ganz Vife.


Der Duden kennt, im Gegensatz zu mir, vif auch:

http://www.duden.de/rechtschreibung/vif

Was ich vielleicht besser nicht sage: Das Wort vif ist in der Schweiz gebräuchlich und gilt als landschaftlich. Das bedeutet, vif ist eine sprachliche Eigentümlichkeit der Schweizer, betrifft die Sprechweise der Bewohner bestimmter Gebiete, gehört halt zur Schweizer Sprache, ist aber sonst im Gebrauch veraltet. Denn dann bin ich mir nicht ganz sicher, ob ich lobe, provoziere oder kritisiere. Bleibt also besser unter uns!

Montag, 11. Juni 2012

fehlerfund & rechtschreibung: auch die waz spart.

Leider ist es Alltag geworden - Tageszeitungen und Zeitschriften sparen sich Lektoren, Korrektoren und wohl auch die fähigen Mitarbeiter. 

Was dabei rauskommt, sieht man diesem Beispiel, das ich in der WAZ gefunden habe. Unschöne Sache.


Wem es nicht auffällt: Soviel ist falsch, so viel wäre richtig gewesen.

Donnerstag, 12. Januar 2012

von meinen schwierigkeiten mit schweizer büchern oder wortfindungsstörungen: schnurre

Der Deutschschweizer an sich spricht kein Hochdeutsch, er empfindet dieses Vorgehen als reichlich affektiert, als eine Art Bühnendeutsch und fühlt sich reichlich unwohl dabei. Man spricht den lokalen Dialekt. Schluss, aus, fertig. Hochdeutsch, das in der Deutschschweiz Schriftdeutsch heißt, wird - wie es der Name bereits aussagt - lediglich schriftlich genutzt. Oder Standarddeutsch. Oder doch Regiolekt. Oder eine selbsterfundene Mischung. Die Befindlichkeiten des Deutschschweizers bezüglich seiner Artikulation sind eigen. Bedingt durch die Erfahrungen der letzten Jahre war mir dieses Verhalten durchaus klar, auch wenn ich es nicht nachvollziehen oder logisch erklären kann.

Aber es begibt sich, dass ich hin und wieder Bücher lese, die aus der Deutschschweiz stammen, dort geschrieben oder zumindest dort lektoriert wurden. An sich kein Problem. Sollte man denken. 

Ist es aber doch, denn ohne Duden irre ich manchmal sehr verloren durch die Deutschschweizer Sprachlandschaften. In solchen Büchern tauchen Wörter auf, die ich in keinen Zusammenhang bringen kann. 

Ein Beispiel ist das Wort Jupe. Ein anderes Schopf. Steht in einem Buch, das mir meine Schwiegermutter ans Herz gelegt hat. Ja, wird der geneigte Leser nun sagen, Du kennst keinen Schopf, den man betreten kann? Nein, muss ich dann zugeben, ich musste nachfragen und recherieren:


Nun wurde ich vom weltbesten Mann, nämlich meinem, großzügig beschenkt, eine Biografie des heißgeliebten Friedrich Dürrenmatt. Ein wunderschönes, edles, gebundenes und dickes Buch, aber erneut wirft die Wortwahl immer wieder Fragen auf; dieses Mal stolperte ich über das Wort Schnurre. Immer wieder.

Nachdenken brachte mich weiter, für mich schnurrt eine Katze, aber eine Schnurre aus dem Leben Dürrenmatts? Trug der Fritz einen Schnurrbart und so heißt die Rotzbremse in der Schweiz? Eine Schnur kann es doch auch nicht sein, also musste wieder ein Wörterbuch ran. Aha, eine Schnurre ist eine scherzhafte Erzählung:



Man beachte bitte den Zusatz veraltet, dem ich auf meiner Suche nach Deutschschweizer Wörtern sehr oft begegne. Schaue ich nämlich tiefer in die jeweilige Etymologie, stoße ich fast immer auf mittelhochdeutsche Wurzeln der rätselhaften Wörter.

So auch bei der Schnurre: Im ausgehenden Mittelalter, im 16. Jahrhundert gab es eine lärmende Gerätschaft, die Schnurre hieß und wohl das war, was wir als Ratsche, Knarre oder Brummkreisel kennen. Possenreißer und Bettler machten damit auf sich aufmerksam und - jetzt kommt es - daraus entstand die Assoziation von Schnurre zu Posse/komischem Einfall. Das schnurrende Geräusch kündigte hörbar eine lustige Anekdote an. Nebenbei bemerkt erfand man im 18. Jahrhundert das passende Adjektiv schnurrig, das possierlich oder lächerlich bedeutet.

Sicher, ein Deutscherschweizer Buch ist ein Abenteuer, eine spannende Herausforderung, schließlich wird es nie langweilig, weil ich etwa auf jeder Seite gefordert bin, mich fragend am Kopf kratze, auf die Suche gehe und dabei immer etwas lerne. Andererseits kann es auch reichlich ermüdend sein und mich gehörig nerven. 

wortfeilchen

PS. Und nun sagt mir bitte, ob Ihr Jupe, Schopf und Schnurre kennt?

Montag, 10. Oktober 2011

etymologische fundstücke: gully.

Man denkt doch nie drüber nach. Zum Beispiel, warum sich der Gully nicht Gulli schreibt und warum er überhaupt Gully heißt?

Die korrekte Rechtschreibung hat Herr Korrekturen.de hier erläutert:


Im Englischen ist ein Gully viel mehr als unser Gully, nämlich nicht nur ein Abzugskanal und ein Einlaufschacht, sondern auch eine enge Schlucht, ein Senkloch, ein Straßenablauf, eine Erosionsrinne, eine schlichte Rinne, ein Schlammfang, eine Saugrinne, ein Schleusenschacht, ein Sinkkasten, ein Schmutzfang, ein Saugwagen, eine Grabeneorsion, eine Wasserfurche - und für alle Leser in der Schweiz, in Süddeutschland und in Österreich auch eine Runse.

Zeit zu schauen, woher das Wort Gully überhaupt kommt:

Unser Gully ist ein noch recht junges Lehnwort aus der englischen Sprache. Eigentlich bedeutet es Rinne - ein weitreichender Begriff, der über unsere Bezeichnung Gully hinausgeht. Es stammt wahrscheinlich von dem altfranzösischen Wort goule/gole, dessen Verkleinerungsform gullet ist und Schlund bedeutet. Der französische Schlund geht zurück auf die lateinische Kehle bzw. die Speiseröhre, nämlich das Wort gula. Gueule - also recht ähnlich - ist das französische Wort für Kehle.

Kehle, verwandt mit dem Kiel, ist ein altes westgermanisches Wort und bedeutet verschlingen, verzehren und auch fressen. Im Mittelalter kannte man noch das Wort kehlen, was so viel wie rinnenartig aushöhlen, aber auch einen Fisch ausnehmen bezeichnet. Wir kennen heute noch das Verb auskehlen. Der Gully verzehrt gnadenlos alles, was ihm vor die Nase kommt, daher passt die Bezeichnung.

Unser Wort Gully hätte gar nicht den Umweg über Italien, Frankreich und England nehmen müssen, sondern gleich zu Hause bleiben und Kehle heißen können.

wortfeilchen

Donnerstag, 1. September 2011

fundstück: nach chefkock-art.



Da kommt wohl davon, wenn man unkonzentriert arbeitet - ein amüsanter Tippfehler. Die Rechtschreibfehler, die in der Speisekarte zu finden sind, habe ich großzügig übersehen. 

wortfeilchen

Dienstag, 23. August 2011

fundstück: fodern statt fordern.


Sicherlich nur ein Tippfehler oder eine Nachlässigkeit, den die Welt in ihrer Online-Ausgabe übersehen hat. Andererseits bedeutet schwedisch foder so viel wie füttern, nähren und weiden ...

wortfeilchen

Donnerstag, 4. August 2011

fundstück: tippfehler oder dialekt?

Quelle: http://www.welt.de/politik/deutschland/article13525808/Arbeitslose-und-Migranten-kriegen-die-meisten-Kinder.html

Hat sich da jemand vertan? Mangelnde Rechtschreibkenntnisse oder zu wenig Zeit? Soll es ein Wortspiel sein oder schlicht vertippt? Klingt für mich gewöhnungsbedürftig, vielleicht hessisch - oder ist mir etwas entgangen?

wortfeilchen

PS. Der ganze Artikel hier.

Sonntag, 17. Juli 2011

fundstück: spiritousen.


In einer gutbürgerlichen Gaststätte, die seit mehr als 60 Jahren eine Institution in Bochum ist, traf ich auf diese Schreibweise des Wortes Spirituosen - lediglich ein Buchstabendreher, hoffe ich zumindest.

Unter Spirituosen versteht man alkoholische, geistige und starke Getränke, Alkohol und Alkoholika. Umgangssprachlich nennt man Spirituosen harte Sachen, scharfe Sachen, Stoff oder Sprit.

Das Wort Spirituosen ist ein Fremdwort, dass im 18. Jahrhundert in unseren Sprachgebrauch kam und anfangs Spirituosa lautete. Es geht auf das lateinische Substantiv Spiritus zurück, was so viel wie Hauch, Lufthauch, Atem, Leben, Seele oder Geist bedeutet. Von dort gelangte es in das Französische, wurde relatinisiert und erreichte deutschsprachige Gefilde.

wortfeilchen

PS. Esprit, Aspirant, Inspiration und Spiritismus sind mit den Spirituosen verwandt.

PPS. Eine anderes Thema ist die Frage, warum sich Uerdinger Wacholder mit Dehnungs-e schreibt, aber ü ausspricht.

Mittwoch, 1. Juni 2011

fehlerfreie texte - mehr als korrekte rechtschreibung.

Die deutsche Sprache hat es schwer: neue Rechtschreibung, Facebook, Twitter, Tageszeitungen, generell die sogenannten Medien und auch das Internet nutzen eine scheinbar willkürliche Rechtschreibung, gewöhnungsbedürftige Grammatik und Orthografie. Es ist nicht einfach, den Durchblick zu behalten und die Verständlichkeit der Texte bleibt leider auch viel zu oft auf der Strecke. Das wirkt sich wiederum auf die Glaubwürdigkeit aus und lässt auf mangelnde Sorgfalt, Unzuverlässigkeit, unzureichende Qualität oder ein niedriges Bildungsniveau schließen.

Gerade für Unternehmen kann dies zu einen negativem Image führen, denn eigene Aussagen und Texte stellen die Visitenkarte des Unternehmens dar - sie präsentieren ein Bild des Unternehmens, das maßgeblich von den Texten abhängt. 

Die Themen Suchmaschinenoptimierung, Content-Provider und Schreiben kann doch jeder übergehe ich dezent, sie würden den Rahmen dieses Artikels sprengen. Sicherlich gibt es Praktikanten, Mitarbeiter und Familienangehörige, die Texte verfassen können, aber werden diese Texte auch gelesen, sind sie verständlich abgefasst, sinnvoll aufgebaut und entsprechen dabei auch noch den Anforderungen der Kunden und sind zusätzlich korrekt in ihrer Rechtschreibung, Grammatik und Zeichensetzung? 

Nicht ganz einfach, aber nach Aussage des folgenden Videos ist das alles kein Problem:


Grundsätzlich stimme ich der Aussage des Videos zu, aber eben nicht ganz, denn es entsteht der Eindruck, dass eine Software die Lösung aller Sorgen und Probleme ist. Aber mehr als eine Hilfe, eine Orientierung bietet sie nicht: Einer Software ist es nicht möglich jeden Rechtschreibfehler, jeden Grammatikpatzer und jedes falsche Satzzeichen zu erkennen. Grobe, formale Fehler, die sich in Form von Algorithmen programmieren lassen, findet sie möglicherweise, aber wie sieht es mit der Betonung aus? Wie mit einer inhaltlichen Prüfung? Und was ist mit stilistischen Patzern, die keine Software jemals erkennen wird.

Was das Video nämlich verschweigt, ist die Tatsache, dass sich immer mehr Verlage, Agenturen und Unternehmen das Korrektorat und Lektorat schenken und eben auf solche Programme verlassen. Dabei gilt aber auch immer die Regel: Ein Programm ist nur so gut wie sein Anwender. Denkt mal drüber nach!

wortfeilchen

PS. Es gibt nicht nur den Duden, er ist nicht der Heilige Gral der deutschen Sprache.

PPS. Herzlichen Dank an den wunderbaren @tiniaden. 

Dienstag, 5. April 2011

die grimms: keine gebrüder, aber väter.

Jacob und Wilhelm Grimm sind, zusammen mit Lachmann und Benecke, die Gründerväter der Germanistik und Philologie. Sie prägten die moderne Etymologie, waren Sprachwissenschaftler, und zu ihren bedeutendsten Werken gehören ohne Frage das Deutsche Wörterbuch und die Deutsche Grammatik. Bekannter sind die beiden vielleicht durch ihre Sammlungen und Überarbeitungen bis dato mündlich tradierter Märchen, Sagen und Geschichten – und als Gebrüder Grimm.

Die Vorsilbe Ge- sagt aus, dass es sich bei dem nachfolgenden Wortteil um eine undefinierbare, aber zusammenhängende Anzahl von Personen oder auch Gegenständen handelt, deren Zusammengehörigkeit betont wird. Dies können beispielsweise Berge oder auch Brüder sein, woraus sich die Begriffe Gebirge und Gebrüder ableiten.

Genauso wenig, wie man zwei Berge ein Gebirge nennen würde, kommt es in Frage, zwei Brüder Gebrüder zu nennen, warum spricht man dann so gerne von den Gebrüdern Grimm?

Die Bezeichnung Gebrüder ist eine veraltete Pluralform des Wortes Bruder und geht bis zum Althochdeutschen (ca. 750 bis 1050) zurück. Damals nannte man leibliche Brüder gibruoder und später im Mittelhochdeutschen gebruoder. Die Bezeichnung Gebrüder Grimm war zu Lebzeiten von Jacob und Wilhelm Grimm, also im 18. und 19. Jahrhundert, durchaus gebräuchlich und ebenfalls korrekt.

Im 20. Jahrhundert änderte sich dies und man bezeichnete mit dem Wort Gebrüder die Gesamtheit der Brüder einer Familie. Jacob und Wilhelm Grimm hatten zwar weitere Brüder, aber nur sie taten sich zusammen, daher nennt man sie nach heutigem Sprachgebrauch nicht Gebrüder, sondern Brüder Grimm. Der Ausdruck Brüder Grimm hat sich auch tatsächlich im fachlichen Sprachgebrauch durchgesetzt, lediglich in der Umgangssprache hat sich der Ausdruck Gebrüder Grimm festgesetzt.

wortfeilchen

Dienstag, 29. März 2011

leistung für lau. oder seltenes aus dem alltag einer werbetexterin.

Es kommt selten vor, aber es kommt vor: Eine Geschichte, wie ich sie letzte Woche erlebt habe:

Über eine Business-Plattform im Internet kam er. Und angeblich über eine Freundin, was nicht bewiesen ist. Er, ein Coach, wurde mein Kontakt - und schickte mir zwei Tage später eine recht formlose und unfreundliche E-Mail (ohne Signatur) mit einem sehr langem Text. Dabei handelte es sich um einen Werbetext, der natürlich für ihn werben soll. Ich solle den Text doch mal lesen, schauen, wie er auf mich wirkt und ob ich ihn verstehe. Ich überflog den Text, schüttelte mit dem Kopf und widmete mich meinem reichlich vollen Schreibtisch.

Weitere zwei Tage später klingelte das Telefon, eine männliche Stimme teilte mir recht barsch einen Namen mit und fragte, ob ich seine Mail bekommen habe. Kein guter Einstieg - und besonders freundlich auch nicht. Ich entschuldigte mich und teilte ihm mit, dass ich krank sei und unbedingt wieder ins Bett müsse, wir könnten demnächst gerne mal reden.

Das interessierte den Herrn Berater kaum, er kam gleich zu seinem Text, der - seiner Ansicht nach - die Welt verändert. Ich erklärte ihm kurz und sehr höflich, dass ich ganz viele Rechtschreibfehler gefunden habe, eine Formatierung sowie Überschriften nicht vorhanden seien, der Text zu lang und unübersichtlich sei - kurz, die Lesefreundlichkeit ist nicht gegegeben, aber über den Inhalt könne ich wenig sagen.

Seine Antwort? Er polterte ungehalten los: Sein Rechtschreibprogramm findet ALLE Rechtschreibfehler, das könne schon mal gar nicht sein. Na, aber sicher, aber warum weiß die Rechtschreibprüfung dann nicht, dass man Anlass mit ss schreibt? Und warum versagt sie bei den Feinheiten und kann nicht zwischen effektiv und effizient unterscheiden? Es schien, als wolle er meine Meinung nicht hören, sondern schlicht bestätigt haben, wie toll er schreibe und wie wunderbar sein Text sei.

Es ging aber weiter: Um mein Können zu zeigen, wäre es doch angebracht, dass ich den Text einfach mal eben kostenlos überarbeite, so seine nächste Aussage. Nein, lautete meine freundliche, aber bestimmte Antwort, ich arbeite nicht kostenlos, auch nicht zur Probe. Werbetexte kosten Geld - und ich nannte meine Preise. 

Ob er denn mal meine Webseite gesehen hätte oder mein Blog gelesen hätte und überhaupt wisse, wer ich bin und was ich mache? Nein, natürlich nicht, und es schien durch, dass es doch wohl meine Aufgabe sein IHN zu informieren und zu überzeugen.

Grundsätzlich nicht falsch, aber ein wenig Interesse, Freundlichkeit, Höflichkeit und eine gute Portion der von Beratern so oft gerühmten Soft Skills, zu denen doch auch Empathie gehört, wäre von seiner Seite angebracht. Man kann nicht Kundenorientierung, Dienstleistung und Service erwarten, wenn man selbst nichts davon bietet. Man sollte auch zuhören, denn wenn mein Gegenüber mir mitteilt, sie sei krank, habe Schmerzen und den Text nur überflogen, fragt man, wann es passt, wünscht gute Besserung und legt auf.

Ja, Werbetexterei ist mein Beruf - und dafür werde ich bezahlt. Fragt man nach meiner Meinung, gehört diese zur Sparte Werbeberatung - und kostet Geld. Natürlich nicht die Erstberatung sowie der ein oder andere Tipp, aber die hatte ich ihm bereits geschenkt.

Zuhören ist für Werbetexter ganz wichtig, aber nicht zu Wort kommen, überrannt werden und selbst nicht gehört werden, nein, so läuft das nicht.

Ein Berater, der weder E-Mails verfassen noch telefonieren kann? Ganz schlechte Voraussetzung. Ich war dann doch ein wenig neugierig und machte mich auf die Suche nach seiner Webseite - und war geschockt, denn die ist optisch und inhaltlich schrecklich - und völlig unprofessionell.

Ich könnte ihm beibringen, wie die Sache mit der Werbung grundsätzlich funktioniert, dass eine Webseite eine Aussage haben sollte, dazu bitte übersichtlich ist und Kundennutzen beinhaltet - und Kontaktdaten in eine E-Mail gehören und nicht über ein Business-Plattform abgerufen werden müssen. Werbetexte sollen Kunden ansprechen, abholen und informieren - Texte sind der Wurm, der dem Fisch und nicht dem Angler schmecken muss. 

Ich bin mir ganz sicher, wenn ich den Herrn frage, wer seine Zielgruppe ist und wie er sein Alleinstellungsmerkmal definiert, hat er keine Antwort. Eine gesunde Basis, ein ausgefeiltes Konzept, einen professionellen Webdesigner, eine kompetente Texterin? Ach was, braucht er alles nicht. Er weiß das doch alles schon, kann alles und braucht nur jemanden, der ihm devot und kostenlos huldigt - danke, aber nicht mit mir. 

Lieber Coach, ich wünsche Dir ganz viel Erfolg und Glück - Du wirst es brauchen!

wortfeilchen 

PS. Manchmal passt es nicht, dann stimmt die Chemie nicht und man sollte von einem Projekt die Finger lassen. Das merkt man - und lässt es.

Freitag, 25. Februar 2011

hobo & wir sind helden.

Nein, üblicherweise springe ich nicht auf Züge, schließlich bin ich kein Hobo. Heute bekam ich aber ein dermaßen schöne Vorlage, dass ich nicht widerstehen kann:



Die Geschichte dazu ist schnell erzählt: Die Hamburger Agentur Jung von Matt hat sich überlegt, die Band Wir sind Helden für eine Kampagne der Bild-Zeitung zu gewinnen, die Sängerin der Band, Judith Holofernes, äußert sich - wie ich finde - sehr treffend und angemessen -zu diesem recht perfiden Anliegen.

Inhaltlich erzähle ich den meisten Lesern keine großen Neuigkeiten, aber rein erbsenzählerisch möglicherweise schon: Im Brief von Judith Holofernes findet sich ein großer Patzer, sie schreibt nämlich Es hackt - und das ist falsch. Ja, ich weiß, es ändert nicht viel an dem Mut und der Aussagekraft des Statements, aber mir fällt so ein Fehler halt auf und vielleicht kann ich Euch vor einem solchen bewahren.

Korrekt muss es Es hakt lauten, denn der Ausdruck stammt von dem Substantiv Haken. Ein Haken ist nämlich nicht nur ein Schlag, sondern eben auch ein Aber, ein kritischer Punkt, ein Pferdefuß oder auch ein Problem, eine Problematik, eine Schwierigkeit und strittiger Punkt sowie eine Krux. Hacken dagegen kennen wir eher als Plural der Fußferse oder vom Holzhacken.

wortfeilchen

Donnerstag, 24. Februar 2011

beliebte rechtschreibfehler: mopp und pep.

Lust auf eine neue Rubrik, in der es um korrekte Rechtschreibung und beliebte Rechtschreibfehler geht?

Mitreißender Schwung, besonderen Elan, Verve, Dynamik und Energie nennt sich Pep und schreibt sich mit einem p - und nicht Pepp, wie man es leider so oft liest. Der Pep stammt aus dem Amerikanischen und entwickelte sich aus dem englischen Substantiv pepper, was natürlich Pfeffer bedeutet. Das zum Pep passende Adjektiv wiederum verfügt über ein weiteres p und schreibt sich peppig.

Googelt einfach mal nach Pep - und kichert, denn dort finden sich unzählige Agenturen und weitere Dienstleister, die Werbung mit Pepp anbieten.

Anders verhält es sich mit dem Staubbesen mit Fransen, dem Mopp. Der schrieb sich früher Mop, das passende Verb dafür heute wie damals mit zwei pp, also moppen. Der Mopp ist ebenso wie der Tipp, die Steppdecke, das Ass oder auch der Tollpatsch ein Sonderfall, der fachlich unter dem Begriff Verdoppelung der Konsonantenbuchstaben nach kurzem Vokal läuft. 

wortfeilchen

PS. Bei Unklarheiten und Fragen zur Rechtschreibung ruhig immer bei duden.de nachschauen.

Mittwoch, 19. Januar 2011

anlässlich des vollmondes im stilwörterbuch blättern.

Januar 2011. Es ist Vollmond. Und Band 2 des Stilwörterbuchs von Duden aus dem Jahr 1988 fällt mir in die Hände. 

Kombiniere:


wortfeilchen

Sonntag, 16. Januar 2011

rechtschreibung: willkommen im fachbereich germanistische mediävistik.


Ein wenig irritiert es mich schon. Eigentlich sogar ziemlich. Weil sich herzlich willkommen nun mal nicht so schreibt. Andererseits ist es der Fachbereich Germanistische Mediävistik der Ruhruniversität Bochum - und da weilt man halt im Mittelalter.

wortfeilchen

PS. Übrigens habe ich das auch dort studiert.

Sonntag, 9. Januar 2011

neues jahr, alte rechtschreibfehler: der deppenapostroph.


Was habe ich erwartet? Das neue Jahr beginnt und alle Rechtschreibfehler sind verschwunden? 

Pustekuchen! Der Idiotenapostroph oder Deppenapostroph hat Omas Eisbeinsülze gleich in den ersten Tagen des Jahres 2011 erwischt. Dabei sollte doch inzwischen völlig klar sein, dass Genitiv (bis auf ganz wenige Ausnahmen) und Plural kein 's benötigen und das Auslassungszeichen (so heißt das 's nämlich) nur eingesetzt wird, wenn ein Buchstabe oder Wort ausgelassen wird.

wortfeilchen

PS. Außerdem heißt es der Apostroph und nicht das Apostroph.

PPS. Mehr Informationen gibt es hier.

Donnerstag, 23. Dezember 2010

wortfeiler, weihnachten & wünsche.

Foto: Pierino Cerliani

Liebe Kunden, Kollegen, Netzwerkpartner und Freunde!

Ich wünsche Ihnen, Euch und Dir angenehme und entspannte Feiertage, die ebenso individuell nach Wunsch verlaufen mögen wie das neue Jahr.

Ihnen, Euch und Dir möchte ich danken: für spannende Projekte, erfolgreiche Aufträge und vertrauensvolle Zusammenarbeit. Machen wir was draus, aus 2011!

wortfeilchen

PS. Die Wortfeilerei ist übrigens bis zum 10.01.2011 geschlossen.

Sonntag, 28. November 2010

neuerscheinung: "ganz weit weg" von petra gust-kazakos

Ganz weit weg – von Leselust und Reisefieber

Das Autorendebüt von Petra Gust-Kazakos im Eisenhut Verlag


Lesen und Reisen stehen einander nahe wie Schwestern: die eine häuslich und ein bisschen verkopft, die andere abenteuerlustig. Doch jede ist auf ihre Weise darauf bedacht, die eigene Welt um neue Erfahrungen und Erkenntnisse zu erweitern. Mit "Ganz weit weg" legt Petra Gust-Kazakos ihr Autorendebüt vor und lädt zu einem Streifzug durch die Welt des Lesens und Reisens ein.


„Der Beginn einer Reise, der erste Satz eines Buches – wir überschreiten eine Grenze, und auf einmal sind wir ganz weit weg“. „Ganz weit weg“ lenkt den Blick auf Parallelen und Gemeinsamkeiten zwischen zwei, nur scheinbar unterschiedlichen Tätigkeiten: Beide wollen gelernt sein, bis man bereit ist für eigene Entdeckungen – im geographischen wie literarischen Sinn. Dabei ergeben sich automatisch Sehnsuchtsziele: Orte, die man sehen, und Bücher, die man lesen will. Erwartungen, Hotels, Souvenirs und das Zuhause sind weitere Stationen auf dieser ungewöhnlichen Lesereise.

Unterwegs kommen zahlreiche Schriftsteller und Romanfiguren zu Wort: Was bedeutet Alberto Manguels Erkenntnis, dass man beim Lesen seinen eigenen Text herstellt? Wie viel Gepäck braucht man eigentlich? Seine Lieblingsbriefbeschwerer wie Truman Capote oder vertraut man auf eine Universalliste für das Nötigste wie Joan Didion? Und wie lassen sich Enttäuschungen vermeiden? Indem man die Welt in sein Haus holt, wie Floressas Des Esseintes in „Gegen den Strich“, oder sich auf Zimmerreisen beschränkt, wie es Xavier de Maistre empfiehlt?


"Ganz weit weg" versammelt essayistische, teils sehr persönliche Betrachtungen der Autorin, die sie mit Erlebnissen, Ansichten und Macken bekannter Reisender und Schriftsteller anreichert. Das Ergebnis ist eine amüsante und anregende Lesereise, bei der sich alte Bekannte treffen und neue Bekanntschaften schließen.

Hintergrundinformationen:

Petra Gust-Kazakos: Ganz weit weg, Leselust und Reisefieber. Hagen-Berchum 2010: Eisenhut Verlag, 156 Seiten, € 16,90 (Bibliotope, hg.v. Tobias Wimbauer, Band 2) 978-3-942090-07-0

Gern versendet der Verlag Rezensionsexemplare auf Anfrage.

Die Autorin Petra Gust-Kazakos, geboren 1966 in Trier, studierte Germanistik und Anglistik in Heidelberg und schrieb im Karlsruher Kulturmagazin „Klappe auf“ und in den „Badischen Neuesten Nachrichten“. Sie ist PR-Managerin einer Softwarefirma und gibt seit 2001 den Rezensionsnewsletter „Virtueller literarischen Salon“ heraus. Das Blog der Autorin.

Der Eisenhut Verlag in Hagen-Berchum wurde 2009 von Silvia Stolz-Wimbauer und dem Antiquar und Autor Tobias Wimbauer gegründet. Die Programmschwerpunkte sind Literatur, Literaturwissenschaften und Gastrosophie. Die Verlagsautoren sind: Michaela von Aichberger, Heike Engel, Petra Gust-Kazakos, Friedrich Helms, Walter Kempowski, Timo Kölling, Gustav Meyrink, Nicole Rensmann, Jörg Sader, Susanne Schattmann, Mario Scheuermann, Wolfgang Schuller, Sascha Sprunk, Eric W. Steinhauer, Martin Thoemmes, Tobias Wimbauer und Dirk Würtz.

Eisenhut Verlag Silvia Stolz-Wimbauer
Inh. Silvia Stolz-Wimbauer
Waldhof Tiefendorf
Tiefendorfer Strasse 66
58093 Hagen-Berchum
Tel. 02334 - 502826
verlag(at)eisenhutverlag.de