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Montag, 11. April 2016

redewendungen und rechtschreibung: wer zuerst kommt, mahlt zuerst.

Es mag Sie vielleicht erstaunen, doch die Redensart Wer zuerst kommt, mahlt zuerst hat rein gar nichts mit Malbüchern für Erwachsene und auch nicht mit den mehr oder weniger überzeugenden Kritzeleien Ihres Nachwuchses zu tun. Es geht schlicht und einfach ums Mahlen. Genauer: um das Mahlen von Mehl. Und ganz genau: Um eine Art gesetzliche Regelung des Mittelalters, in der das Mahlen von Mehl in der Mühlenordnung festgelegt war. Dementsprechend schreiben Sie bitte nicht malen, sondern mahlen - mit h. Dankeschön.

Foto: wortfeiler | Barbara Piontek

 

Der Sachsenspiegel: von der Kürze in die Länge


Falls Sie mehr wissen möchten, lesen Sie nun weiter. Die Redewendung ist kein sinnfreier Spruch, keine Bauernregel, keine christliche Belehrung - dahinter steckt etwas. Nämlich der Sachsenspiegel, der zwischen 1220 und 1235 entstand und das älteste Rechtsbuch ist, das wir haben. Vielleicht gab es ältere Aufzeichnungen, aber die haben wir leider nicht mehr, ergo:

Der Sachsenspiegel wurde von Eike von Repgow, der mit seiner Familie in Reppichau als Vasall der Erzbischöfe von Magdeburg lebte, geschrieben. (Wie und warum es die Repgows als Ostfalen aus Niedersachsen in die Provinz nach Sachsen-Anhalt verschlug, nun, das könnte prosaische Ursachen haben oder eine interessante Geschichte mit sich bringen - ich weiß es leider nicht.) Der Sachsenspiegel beruht (sehr wahrscheinlich) auf einem lateinischen Werk namens Auctor vetus de beneficiis und wir gehen davon aus, er wurde im Auftrag (von Kirche und/oder Adel) geschrieben und auch nicht alleine von Eike von Repgow. Im Sachsenspiegel geht es um Landrecht und Lehnrecht.

Der Sachsenspiegel ist eine ganz tolle Sache. Er ist nämlich nicht nur sehr alt, es handelt sich dabei auch um die erste Prosaliteratur, die in Mittelniederdeutsch verfasst wurde. (Weil wir nicht wissen, ob es davor noch etwas gab, gehen wir davon aus, es ist so.) Die Sache mit der Schriftlichkeit ist auch wichtig zu erwähnen, denn - aus welchen Gründen auch immer - war mittelalterliches Recht ein Gewohnheitsrecht, das mündlich überliefert wurde. Der Sachsenspiegel war so beliebt und erfolgreich, das er eine sehr große Verbreitung erfuhr, z. B. bis in die Niederlande, ins Baltikum, als Vorlage für andere Rechtsbücher galt und bis ins 19. Jahrhundert angewendet und verwendet wurde.

Regeln über Regeln und eine Mühlenordnung


Eine der vielen Regelungen des Sachsenspiegels ist die Mühlenordnung. Müller war kein sonderlich ehrbarer Berufsstand, sie standen stetig im Verdacht falsch zu wiegen, zu messen und zu rechnen. Und weil das schlecht fürs Geschäft war, und die Landesherren sich nicht dauernd Beschwerden anhören mochten und Geld verdienen wollten, kam ihnen die Mühlenordnung sehr recht. Jedenfalls findet sich in dieser Ordnung der denkwürdige Satz: Die ok irst to der molen kumt, die sal erst malen. Heute heißt er: Wer zuerst kommt, mahlt zuerst. Dennoch stammt genau dieses Sprichwort aus dem Anfang des 13. Jahrhunderts, aus dem Sachsenspiegel und der Mühlenordnung. 

Und wenn Sie nun doch etwas neugierig geworden sind und einen Blick in den Sachsenspiegel werfen möchten, so können Sie das problemlos und einfach: Der digitalisierte Sachsenspiegel steht für Sie bereit. Aber natürlich nur, wenn Sie in Zukunft Wer zuerst kommt, mahlt zuerst mit h schreiben.

Dienstag, 9. September 2014

sprachmitbringsel aus dem 1. weltkrieg.

In diesen Tagen jährt sich der Beginn des Ersten Weltkriegs – ein einschneidendes Erlebnis für viele Menschen: Es war der erste moderne Krieg, mit entsprechenden inneren und äußeren Verletzungen. Unbekannt sind zumeist die sprachlichen Auswirkungen, die in unserem täglichen Sprachgebrauch nachhallen.

Amerikaner und Briten sprachen zwar eine Sprache, scheiterten aber oft an den Feinheiten. Die Briten, Inder und Waliser in ihren Reihen verstanden die Franzosen nicht, was umgekehrt kaum anders war. Die Alliierten verpflichteten z. B. chinesische Arbeiter, russischsprachige jüdische Immigranten marschierten ebenso mit wie das Heer aus Österreich-Ungarn. Insgesamt kämpften Truppen aus 135 Ländern Seite an Seite – eine sprachliche Herausforderung.

Kriegssprache: Englisch als größter gemeinsamer Nenner

 

Um sich untereinander schnell und effektiv verständigen zu können, musste eine einheitliche Sprache gefunden werden. Die Wahl fiel auf Englisch, da die meisten Soldaten es mehr oder weniger gut verstanden oder zumindest ein paar Worte und Wörter kannten, was daran lag, dass viele Menschen über eine Auswanderung nach Amerika nachdachten. Glossare und Listen der sogenannten Schützengrabensprache wurden verfasst, in Zeitungen veröffentlicht und Worte und Wörter gingen allmählich in den Sprachgebrauch über.

Sprachliche Vielfalt in den Schützengräben

 

Es entstanden nicht nur neue Wortschöpfungen, fremdsprachliche Wörter wurden auch gerne von Mitstreitern übernommen: So steht das arabische Wort bint auch heute noch für Freundin oder Frau und das Hindi-Wort cushy findet sich heute in der Bedeutung von leicht, bequem und einfach im englischen Wörterbuch. Ganz pragmatisch und üblich war die Verwendung von Redewendungen und lautsprachlichen Redeweisen, die beispielsweise anglisiert wurden: So machten die Briten aus dem französischen comprends kurzerhand compray, aus il n'y en a plus wurde napoo und San Fairy Ann bedeutete ça ne fait rien.

Auswirkungen auf die deutsche Sprache

 

Im Deutschland des 1. Weltkrieges herrschten Deutschtümlerei, Nationalismus und Patriotismus, dementsprechend waren fremdsprachige Wörter verpönt – und wurden übersetzt, eingedeutscht oder erfunden. Dabei handelt es sich durchaus nicht immer um Wörter, die auf den ersten Blick nach Krieg klingen, vielleicht einen Bedeutungswandel erfahren und sich bis heute gehalten haben. Während Latrinenparole, Niemandsland, Grabenkampf, Frontschwein, Trommelfeuer, Flak, Stahlhelm oder auch Materialschlacht und Kriegsgewinnler ihre Herkunft eindeutig kennzeichnen, ist die Ursprungsbestimmung bei folgenden Wörtern weitaus schwieriger:

Hören wir dicke Luft, denken wir eher an eine aufgeladene Atmosphäre, wie vor oder nach einem Streit oder Konflikt. Vielleicht kommt noch der Gedanke an die dicke Luft des Ruhrgebietes auf. Bekannt ist der Ausdruck bereits seit dem 17. Jahrhundert, bekannt wurde er durch den 1. Weltkrieg, als die Luft voller Granatsplitter und feindlicher Geschosse war und als dick bezeichnet wurde.

Krieg kurbelt nicht nur die Wirtschaft an, er bringt auch immer technische Neuerungen mit sich: Der Fallschirm und das Fernglas sind solche Errungenschaften, die es erstmals 1915 in den Duden schafften. Ebenso erging es dem U-Boot, das vor 1916 Tauchboot oder Unterseeboot genannt wurde. Ferngläser waren für den Normalbürger damals unerschwinglich, während Fallschirme als begehrte Geschenke galten, deren hochwertige Seide Frauen als Grundlage für Kleidung diente.

Während wir mit dem Wort Blindgänger einen Feigling oder Versager beschreiben, handelt es sich dabei ursprünglich um ein Geschoss, das nicht detonierte. Die übertragene Bedeutung gab es auch vor 100 Jahren schon, denn ein Soldat, der sich übertrieben schnell in Sicherheit brachte, wurde Blindgänger genannt. Nicht ganz unbegründet, denn nicht immer funktionierten die Waffen wie geplant, aber ein echter Mann … nun ja, Ihr wisst schon.

Grimms Wörterbuch kennt das Kanonenfutter bereits seit 1873 und verweist auf Shakespeares Stück Heinrich IV., in dem Falstaff Soldaten, deren Leben keinen Wert hat, Food for powder nennt. Im Ersten Weltkrieg wurde der Ausdruck Kanonenfutter sehr häufig verwendet und dementsprechend sozialisiert.




Verbinden wir den Trenchcoat heute eher mit Humphrey Bogart in Casablanca, so gibt das Wort an sich bereits den Ursprung her: Der Trench, der Schützengraben zeigt die Herkunft als Grabenmantel des Ersten Weltkrieges und wurde im Dezember 1914 das erste Mal im Oxford English Dictionary erwähnt.

08/15 oder Nullachtfünfzehn bezeichnet ursprünglich ein luftgekühltes Maschinengewehr, das seit 1908 vom deutschen Heer benutzt, 1915 verändert wurde und als Massenware im 1. Weltkrieg benutzt wurde. Einen Bedeutungswandel zu Durchschnitt, bar jeglicher Originalität, Langeweile oder Überdruss erfuhr der Ausdruck erst nach dem Ersten Weltkrieg, vielleicht sogar erst in den 30er Jahren des 20. Jahrhunderts, als die Wiederaufrüstung begann und moderne Waffen gebräuchlich wurden.

Wummern heute die Bässe, denken wir kaum an die Geräuschkulisse der Front, wo sich die Artillerie lautstark und eindrücklich bemerkbar machte. Ebenso ergeht es dem schwachen Verb verfranzen, das der Fliegersprache entsprungen ist und in den Memoiren des Roten Barons Manfred von Richthofen vorkommt. Franz lautete der Spitzname des mitfliegenden Beobachters, der für die Navigation in den alten, zweisitzigen Flugzeugen zuständig war. Verfahren, verirren, verlaufen oder irren wir uns, gebrauchen wir das Wort verfranzen heute noch – ohne Flugzeug.

Trockenes, haltbares Kleingebäck oder schlicht Plätzchen nennen wir heute selbstverständlich Keks – ein Ausdruck, der es in Form des Wortes cakes bereits im 19. Jahrhundert über den Kanal schaffte und auch im Brockhaus des Jahres 1906 zu finden ist. Wie schon oben erwähnt, war die Zeit des 1. Weltkrieges von Patriotismus und Nationalismus geprägt, weshalb cakes geradezu eine Beleidigung darstellte, kurzerhand zu Keks eingedeutscht wurde und bereits 1915 im Duden landete. Dort fand sich allerdings, neben dem Plural Keks, auch die vermeintliche Einzahl Kek.

Und nun? Augen auf beim Wortgebrauch? Neee, aber schon erstaunlich, welche Wörter unsere Vorfahren bereits vor 100 Jahren kannten, bzw. kennenlernten, nicht?

Quellen und Originaltexte:

 

http://www.theguardian.com/education/2014/jun/28/first-world-war-one-soldiers-tommies-common-language-trenches

http://www.welt.de/kultur/article131762089/Weltkriegsparolen-praegen-bis-heute-das-Deutsche.html

Duden 

Deutsches Wörterbuch von Jacob und Wilhelm Grimm

Donnerstag, 16. Februar 2012

etymologische fundstücke: die sache mit den lappen.

Das ist mir durch die Lappen gegangen - eine ganz alltägliche Redewendung, die wir da gebrauchen. Fragt sich nur, warum was durch die Lappen geht?

Das Wort Lappen ist recht alt, im Althochdeutschen hieß es zwar noch lappa oder lappe, aber bereits im Mittelhochdeutschen lappe - die Bedeutung hat sich in den letzten Jahrhunderten aber nicht verändert: Ein Lappen bezeichnet ein herabhängendes Stück Zeug oder ein schlaffhängendes Stück Haut. Mit diesem Substantiv verwandt ist auch das niederländische Substantiv lap, das einen Fetzen, Lumpen und - war klar - einen Lappen meint. Das schwedische Wort lapp bezeichnet ebenfalls einen Lappen, Flicken oder Fetzen. 

Wörter, die mit Lappen verwandt sind, lauten Laffe, Lippe, schlaff, schlapp, so auch das Ohrläppchen und der Jammerlappen.

Zurück zu durch die Lappen gehen:

Damals, als die Gummistiefel noch aus Holz waren, veranstaltete man Treibjagden, d. h. Wild wurde durch Treiber aufgescheucht und in Richtung der Schützen getrieben. Weil das sicherlich recht anstrengend und mühsam war, und das Wild nicht gleich wieder entkommen sollte, wurden Stofffetzen an Schnüren aufgehängt, die sich im Wind bewegten und so das zusammengetriebene Wild erschreckten - es lief nicht mehr weg und konnte geschossen werden. Durch die Lappen gehen stammt also aus der Jägersprache, denn wenn die Lappen in ausreichender Zahl und korrekt hängen, geht das Wild nicht durch diese Lappen.

wortfeilchen

PS. Es gibt eine Ergänzung, denn das mittelhochdeutsche Substantiv lappe, das wir nicht mehr kennen, beschrieb auch einen einfältigen Menschen. Die Ableitung Laffe, also ein geckenhafter Mann, ist der Nachfolger des Lappen, der so hieß, weil er entweder eine hängende Lippe hatte oder mit offenem Mund einfältig gaffte. 

PPS. Die Einwohner Lapplands mögen mir bitte den kruden Umgang mit ihrer Zugehörigkeit zu einem Volksstamm nachsehen; in Schweden und Norwegen heißt dieser Lappe schließlich auch Same.



Dienstag, 9. August 2011

wortspielchen: der sprichwortrekombinator.

Ein Sprichwort ist ein kurzer, volkstümlicher Satz, der eine praktische Lebensweisheit enthält. Aber genau da liegt manchmal die Krux. Zumindest für mich, die Konstruktionen wie In Dänemark stimmt was nicht oder Holland in Gefahr fabriziert.

Noch gekonnter mischt der Sprichwortrekombinator alte Sprichwörter zu neuen Ergüssen:



Weitere Kreationen können hier erforscht werden.

wortfeilchen

Montag, 1. August 2011

redewendungen: frieren wie ein schneider.

Auch wenn mir das kühle, nasse Wetter der letzten Wochen ausnehmend gut gefallen hat, so gab es doch einige Beschwerden und laute Rufe nach dem Sommer. Allzu oft fielen die Worte: Ich friere wie ein Schneider!, denn so bitterlich kalt war es manchen Zeitgenossen.

Woher kommt diese Redewendung?

Damals, als unsere Kleidung noch in Handarbeit angefertigt und repariert wurde, gab es einen Handwerksberuf, der sich Schneider nannte. Es war kein sehr angesehener Berufszweig, schließlich handelte es sich dabei zumeist um einen Mann, der den ganzen Tag still in seiner Ecke saß und nähte. Ein Schneider war also ein Stubenhocker, der nicht körperlich arbeitete und dadurch verweichlicht, nicht abgehärtet und überempfindlich war. Daher dachte man, so ein Schneider müsse sehr schnell frieren - und die Redewendung bürgerte sich in unserem Sprachgebrauch ein.

Die andere Theorie besagt, dass ein Schneider ein recht ärmliches Leben führte, denn die genähte oder reparierte Kleidung wurde meist nicht bar bezahlt, sondern erst später. Schneider mussten ihre offenen Rechnungen nicht selten eintreiben, was dazu führte, dass sie ihre Werkstatt oft nicht ausreichend heizen konnten und auch schon mal hungern mussten - um die Zahlungsmoral vieler Kunden war es eher schlecht bestellt. Daher mutmaßte man, ein Schneider sei wegen seines geringen Körpergewichts sehr schwächlich und würde sehr schnell frieren.

Es gibt aber noch weitere Redewendungen, die mit einem Schneider zu tun haben:
 
Herein, wenn es kein Schneider ist! - auch hier gibt es zwei Deutungsmöglichkeiten: Erstens, ein Schneider war als Besucher nicht erwünscht, weil er doch immer seine Rechnungen eintreiben wollte und zweitens, weil es ursprünglich Herein, wenn es kein Schnitter ist! hieß. Der Schnitter war eine Metapher für den Sensenmann, also den Tod. 

Aus dem Schneider sein, sagt man, wenn man einer unangenehmen Situation entkommen ist oder diese vermeiden konnte. Auch hier gibt es wieder mehrere Entstehungstheorien, denn belegt sind sie alle nicht: Weil ein Schneider so erbärmlich dünn war und nicht einmal 30 Lot wiegen würde, ist jeder, der mehr wiegt aus dem Schneider und dementsprechendung fit und gesund. Die Lebenserwartung eines Schneiders war wegen seiner schlechten sozialen Lage nicht besonders hoch, wurde jemand also älter als 30 Jahre, war er aus dem Schneider und hatte gute Chancen alt zu werden.

wortfeilchen

PS. Nein, ich habe nicht rausgefunden wie viel so ein handelsübliches Lot wiegt, Ihr aber vielleicht?

Mittwoch, 15. September 2010

ungestraftes fluchen: oje. jemine. ojemine. herrjemine.

Jemine, oje, ojemine und herrjemine - da wundert sich selbst die Germanistin und Lektorin. Denn ich fragte mich, woher all diese Aussprüche kommen?

Nein, ich sage nun nichts von Gummistiefeln aus Holz, sondern ganz direkt: 

Im Mittelalter, als der Glauben ebenso groß wie die Furcht war, vermied man es, beim Fluchen den Namen des Herrn oder seiner Familie, also Gottes Namen und den seines Sohnes in den Mund zu nehmen. Tut man dies, verstößt man gegen das 2. Gebot. 

Ich kenne mich nicht mehr ganz so gut mit den 10 Geboten aus, gehe aber davon, es ist das Gebot, welches davon spricht, das man den Namen des Herrn, Gottes nicht missbrauchen soll, denn der lässt solche Sachen nicht ungestraft durchgehen. Ergo, man war ja nicht ganz blöd, dachte man sich etwas aus.

Heraus kamen die Entstellungen der lateinischen Worte Jesus domine bzw. Herr Jesu und Herr Jesu domine und diese lauten oje, jemine, ojemine und herrjemine.

wortfeilchen

Dienstag, 24. August 2010

update sulkytramper: holger steffens im heu & auf dem bock.

Es gibt sie, die Neuigkeiten:

1. Holger Steffens ist nach einer wohligwarmen Nacht endlich mal wieder so richtig ausgeschlafen! Kein Wunder bei diesem feudalen Nachtlager:

Holger Steffens - ausgeschlafen im Heu

2. Otto, der Fahrlehrer für Kutschen, holte aus seinem Fuhrpark heute nach einem Blick gen Himmel den Planwagen und los ging es.

Holger Steffens auf dem Bock - keinen Bock geschossen?

Mittlerweile sind sie bereits an Cloppenburg vorbei und auf dem Weg zu Gottfried, wo Holger Steffens hoffentlich erneut eine geruhsame Nacht verbringt!

wortfeilchen

Dienstag, 17. August 2010

update sulkytramper: etappe 1 erfolgreich gemeistert.

Aus der Ferne runzelte ich ob des Regens in Nordrhein-Westfalen in Gedanken an Holger Steffens schon ein wenig die Stirn. Würde Cinderella, das tapfere Pony durchhalten? Würde der Sulkytramper auch nett zu ihm sein und es nicht aus purem Egoismus durch den strömenden Regen jagen? Ist so ein Pony überhaupt wasserfest?


Zusammen haben sie es - dank Astrid Härtels großartiger Hilfe - im Dauerregen bis nach Selm geschafft. Um 18 Uhr wurden sie herzlich auf dem Reiterhof May in Empfang genommen, wo die wohlig-warme Übernachtung gesichert ist. 


Morgen geht es weiter Richtung Lüdinghausen, das ich persönlich sehr gut kenne. Erneut hat sich ein Sulkyfahrer bereit erklärt, Holger Steffens dorthin zu helfen. 

Und danach? 

Schauen wir doch mal!

wortfeilchen

Donnerstag, 6. Mai 2010

nass wie hund.

Gut, die Überleitung hinkt ein wenig, denn im Ruhrgebiet sagt man, wenn es draußen kräftig regnet, es ist nass wie Hund und nicht pudelnass. Eigentlich geht es mir heute aber genau um das Wort pudelnass oder nass wie ein Pudel

Wieso sagt man das? Und warum sollte ein Pudel dauernd nass sein?

Als man den Pudel in der Antike erfand, bzw. ihn aus verschiedenen Hunderassen züchtete, hieß er noch Pudelhund. Erst ungefähr im 18. Jahrhundert wurde sein Name auf Pudel verkürzt. 

Der Pudel ist ein wasserliebender Jagdhund, der besonders die Wasserjagd schätzt. Pudeln ist Umgangssprache und bedeutet so viel wie im Wasser plätschern oder planschen. Und weil der Hund so gern und oft ins Wasser sprang, bekam er seinen Namen. Die Assoziationen zwischen pudelnass, nass wie ein Pudel und dem Wasserfetischisten Pudel ist daher der Grund für die Existenz des hübschen Adjektivs pudelnass.

wortfeilchen

PS. Der so genannte begossene Pudel wird seinen Ursprung wohl auch daher haben.

PPS. Sich pudelwohl fühlen sagt eigentlich nur aus, dass man sich so wohl wie ein planschender Pudel fühlt.

Dienstag, 20. April 2010

von höckschen. mit stöckchen.

Im Sinne der Völkerverständigung, zum Beispiel in einem Gespräch, kommt man schon mal von Höckschen auf Stöckchen - man kommt von einem Thema auf ein anderes, verliert das eigentliche Thema aus dem Auge, verläuft sich in Kleinigkeiten oder Details und schweift ab.

Warum sagt man das?

Die eigentliche Wortwahl des Höckschens ist ein Hölzchen oder Hölzlein, von dem man dann auf ein Stöckchen kommt, also von einer Kleinigkeit zu einer anderen und schon hat man den Faden verloren und kommt vom Hundersten ins Tausendste. Weil sich aber von Hölzchen auf Stöckchen schlecht bzw. nicht so schön reimt, wurde daraus die Redewendung von Höckschen auf Stöckchen kommen. Wobei ich es nicht versäumen möchte zu erwähnen, dass man in manchen Regionen auch gerne von Hölzchen auf Stöckchen sagt.

wortfeilchen

Mittwoch, 31. März 2010

anne grüne seite.

Gerade jetzt, wenn da draußen die Natur eigentlich den Frühling präsentieren sollte, hört man sie hin und wieder, die Redewendung Komm an meine grüne Seite. Sie sagt aus, dass man jemanden sehr mag und zu sich einläd.

Fragt sich nur, wo ist eigentlich diese grüne Seite und warum ist sie grün?

Damals, als die Gummistiefel noch aus Holz waren, nämlich im Mittelalter wurden Farben Bedeutungen zugeordnet, eine so genannte Farbensymbolik war angesagt. Grün kennzeichnete den Anfang einer Liebe bzw. die Liebe an sich, dementsprechend ist die grüne Seite die Seite der Lebenskraft, des Herzens. Darum heißt die Redewendung nicht nur Komm an meine grüne Seite, sondern auch Komm an meine Herzensseite.
   
wortfeilchen

Sonntag, 14. Februar 2010

leinenziehen.

Was man alles mit Leinen anstellen kann - man kann eine lange Leine lassen, an die Leine legen oder Leine ziehen lassen. Aber woher kommt die Redewendung Zieh Leine eigentlich?

Wahrscheinlich aus der Binnenschifffahrt, einem Wort mit drei unschön aneinandergereihten Fs. Um ein Schiff zu bewegen, zum Beispiel stromaufwärts, wurde und wird vielleicht auch heute noch so ein Schiff an Leinen gezogen, was man treideln nennt. Diesen Job übernahmen so genannte Zugknechte, die mit der Order Zieh Leine loslegten und das Wasserfahrzeug in die gewünschte Richtung zogen. Im Laufe der Zeit durchlief die Redewendung einen Bedeutungswandel, so dass wir unter Zieh Leine umgangssprachlich die barsche Aufforderung Hau ab verstehen! 

Nebenbei frage ich mich, welche Ausdrücke Ihr da draußen für die Worte Hau ab benutzt? Putz den Fisch, kenne ich; ebenso Sieh zu, dass Du Land gewinnst - und Ihr?

wortfeilchen

PS. Der englischsprachige Mensch ist eindeutiger und sagt schlicht get lost, beat it oder get out of my life.

Freitag, 29. Januar 2010

sieben sachen.

Manche packen ihr Köfferchen, manche ihre sieben Sachen und ziehen los. Schon mal gefragt, warum das überhaupt so ist?

Ich könnte nun in Mysterien über die magische oder böse Sieben schwelgen. Muss ich aber nicht, denn die Lösung ist ganz einfach:

Damals, als die Gummistiefel noch aus Holz waren, genau gesagt im Mittelalter, frönten wir der Minne und definierten Werte vielleicht ein wenig anders als heute. Ein Mann huldigte der (Frau) Aventiure und um diese Bewährungsproben heil zu überstehen, rüstete er sich. So eine Rüstung bestand aus sieben Teilen: dem Helm, dem Kragen, dem Brustpanzer und jeweils zwei eisernen Teilen für Arme und Beine. Nur wenn er seine sieben Sachen packte, seine Rüstung komplett war, konnte er auf Reisen gehen.

wortfeilchen

PS. Sieben Sachen sieben Sachen: Die offizielle Schreibweise der Redewendung nach Duden lautet Siebensachen packen

Donnerstag, 24. September 2009

Tubendrücken

Drück mal auf die Tube! Diesen Spruch habt Ihr sicherlich schon einmal gehört oder gesagt? Besonders Kinder hören diesen Satz sicherlich das ein oder andere Mal, aber verstehen sie und auch wir es überhaupt? Was soll der Satz bedeuten? Wieso soll ich auf die Tube drücken und um welche Tube geht es? Zahnpasta? Schuhcreme? Klebstoff? Ratlosigkeit, die wahrscheinlich nicht nur Kinder vor Fragen stellt.

Die Lösung:
Diese Redewendung kommt aus dem englischen Sprachgebrauch, denn dort ist die tube coke, kurz tube, ein Teil des Vergasers des Autos. Drückt man die tube, gibt man ganz simpel Gas und beschleunigt, ergo ist der Sinn der Redewendung zwar richtig, die Worte aber eher verwirrend, denn wer von uns weiß schon, was eine tube ist und denkt nicht über eine Tube nach?

Bleibt die Frage, wer auf diese Redensart bzw. Wendung kam?

wortfeilchen

PS: Mir ist der Begriff auch eher durch die Londoner U-Bahn bekannt, die im Volksmund Tube heißt.

PPS: Auf die Tube drücken heißt übrigens auf Englisch to floor one´s car und nix mit Tube oder tube.

Montag, 22. Oktober 2007

Lieferung frei Haus ...

... oder wieso bringt der Storch die Kinder?

Genau genommen soll es der Weißstorch mit dem roten Schnabel sein, der die Kinder bringt. Wollten Kinder es ganz genau wissen, wurde ihnen gesagt, dass Meister Adebar (so sein Märchenname) die Kinder aus dem Brunnen holt, der zukünftigen Mutter ins Bein beißt und ihr anschließend das Baby ins Bett legt.
Aufklärung jugendfrei!

Der Hintergrund?
Störche sind liebevolle Eltern, die ihrem Partner ein Leben lang treu bleiben und sich äußerst intensiv um ihren Nachwuchs und auch um alte oder kranke Störche kümmern.
Im alten Rom gab es sogar das Storchengesetz (Lex Ciconaria); ein Gesetz, dass Kinder dazu verpflichtet sich um ihre Eltern zu kümmern. Störche leben oft in der Nähe von Teichen, Seen, Sümpfen und Mooren, wo sich laut Volksglauben die Seelen ungeborener Kinder aufhalten. Sie sind aber auch als Frühlingsboten und Glücksbringer bekannt und werden vielleicht deswegen mit Kindersegen in Verbindung gebracht?

Dann gibt es noch die sogenannten Storchschnabelgewächse, zu denen auch Pelargonien gehören. Viele sind als Heilkräuter bekannt und eine von diesen Pflanzen soll sich, als Tee getrunken, auf den Hormonspiegel auswirken und so die Fruchtbarkeit der Frau beeinflussen.

wortfeilchen

PS: Bei mir war es übrigens ganz anders. Mein Vater fragte sich als Kind natürlich auch, woher die Kinder kommen und fragte dummerweise seine Mutter. Die verwies ihn auf einen Teich in der Nähe, wo mein Vater daraufhin stundenlang am Ufer saß und auf Babys warte. Da er sich im Nachhinein über seine Leichtgläubigkeit ärgerte, verpasste er mir diese Geschichte natürlich auch, ergo kommen Kinder aus dem Poggeteich, nicht vom Storch.

Mittwoch, 30. Mai 2007

Die Krux ...

... oder Crux.

Ein sehr wohl klingendes, einfach schönes Wort - und so vielfältig einsetzbar.

Ich benutze diesen Ausdruck sehr gerne, weil er so viel aussagt und, für mich jedenfalls, wunderbar klingt. Aber nicht jeder kennt diesen Ausdruck, daher ein Artikel über die Crux mit der Krux.

Die Übersetzung des lateinischen Wortes crux lautet Kreuz, Last, Leid und Jammer - daher ist es auch ein Kreuz mit diesem und jenen, wenn jemand sagt: Das ist ja eben die Krux/Crux.

Dieser Ausdruck geht zurück auf das Aufhängen von Menschen an einem Pfahl oder ähnlichem, das früher, als die Gummistiefel noch aus Holz waren, eine sehr verbreitete Methode des Tötens war. Im Gegensatz zu erhängen oder aufspießen, was auch gerne gemacht wurde, ist pfählen oder kreuzigen eine besonders langsame und qualvolle Todesart. Der Name dieses Pfahls oder ähnlichem ist lateinisch crux (Marterholz) bzw. griechisch staurox (Pfahl), wobei beide nichts mit einem Kreuz, wie wir es bezeichnen, zu tun haben. Erst die häufige Verwendung eines Querbalkens (patibulum) zu dem Pfahl oder Holz, gab der Tötungsart die heutige Bedeutung des Wortes Kreuz.

Eine Krux ist also im übertragenen Sinne etwas Negatives, das man mit vielen Dingen haben kann. Sie ist ein Synonym für Probleme, Sorgen, Last oder Nachteile.

Als Wortfeilchen kenne ich die Krux allgemein als Problem, Hindernis oder Knackpunkt eines Problems oder Textes (experimentum crucis).

In der Typographie bezeichnet die Krux ein Schriftzeichen, oft in wissenschaftlichen Textausgaben, das zur Kennzeichnung einer verderbten oder schwer lesbaren Textstelle verwendet wird und somit ein Rätsel, eben eine Krux, ist.

Im Klettersport ist die Krux, die Schlüsselstelle oder schwerste Passage einer Kletterroute.

Es geht aber auch schöner und einfacher, denn die Crux ist auch ein Sternbild - das Kreuz des Südens.

wortfeilchen

PS: Die Krux ist weiblich und es gibt nur den Singular, also keine Kruxen, Cruxi oder sonstige Wortkreationen, die mir die Haare zu Berge stehen lassen.

Donnerstag, 17. Mai 2007

Haare und Zähne ...

... oder warum hat man eigentlich Haare auf den Zähnen?

Ich kenne schon ein paar Menschen, zumeist Frauen, die Haare auf den Zähnen haben. Es bedeutet, dass Frau verbal, manchmal planlos, um sich schlägt, rigoros ihr Recht verteidigt oder eben ziemlich schlagfertig ist. Wirklich positiv erscheint mir der Ausdruck nicht. Aber wie kam es zu dieser Redensart?

Im Altertum wurden jedem Körperteil symbolisch Eigenschaften zugeordnet, so auch den Haaren. Volles, kräftiges Haar war ein Zeichen von Gesundheit, Kraft und Stärke, vergleichbar mit der Mähne eines Löwen. Die absolute Steigerung dieser Vorstellung wäre Haare auf den Zähnen.

Lange Haare galten bei Männern als Zeichen von Stärke und Männlichkeit. Samson verdankte seine außergewöhnliche Stärke (und seine außergewöhnlich heftigen Wutausbrüche) seinen kräftigen Haaren und wir wissen alle, was passierte, als er diese verlor.

Der Ausdruck ein haariger Kerl zu sein bedeutet, dass Mann ein durchsetzungsfähiger, tapferer, ganzer Mann ist. Also, je mehr Haare am Mann, desto männlicher ist er. So jedenfalls der Ausdruck seit Jahrhunderten. Was bezogen auf Bartwuchs und Körperbehaarung auch zutrifft; allerdings haben Untersuchungen bewiesen, dass Männer mit spärlichen oder keinen Haaren auf dem Kopf über mehr Testosteron verfügen, als Männer mit vollem Haar.

An sich attestiert dieses Sprichwort also Frauen männliche Fähigkeiten.

Wobei ich mich frage, ob es erstrebenswert ist, männliche Eigenschaften zu besitzen? Gönnen wir ihnen einfach auch die Haare auf den Zähnen und überall sonst.

Warum spricht man eigentlich nicht mehr von Männern mit Haaren auf den Zähnen? Ausgefallen?

wortfeilchen


Montag, 23. April 2007

Kasalla?

Meine liebe Freundin Anja ist gebürtig aus dem Münsterland, liiert mit einem Ur-Düsseldorfer und ebenfalls dort wohnhaft (seitdem mag ich übrigens Düsseldorf und seine Einwohner einigermaßen). Sie sagte bei unserem letzten Treffen etwas, was mich erst immens kichern ließ (und damit mein Bier ernsthaft in Gefahr brachte), dann aber die Frage aufwarf, was das denn sei? Das Wort lautete: Kasalla! Der Satz: Gleich gibt es Kasalla! Verdutztes Lachen auf meiner Seite, verdutzte Ungläubigkeit von Anja.

Ich begab mich auf die Suche nach der Bedeutung und wurde fündig, Kasalla bedeutet:
  • die Androhung jemanden die Ohren lang zu ziehen
  • gleich setzt es was/gibt es Krawall/Ärger/Prügel.
Zum Glück meinte sie nicht mich.

Es gibt aber noch eine zweite Bedeutung, die aussagt, dass man mal die Musik lauter machen soll, also ordentlich Schmackes geben.

wortfeilchen

PS: Anja, konnte ich übrigens auch nicht kennen, da es Umgangssprache aus dem Rheinland ist.

Montag, 12. März 2007

Hechtsuppe

Nein, es gibt nun kein Rezept für die Zubereitung von Hechtsuppe, auch wenn ich Hecht äußerst lecker finde.

Warum zieht es eigentlich wie Hechtsuppe?

An sich ganz simpel, denn die jiddischen Worte hech supha bedeuten Sturmwind, Sturm, Windsbraut. Aus falsch verstanden wurde anscheinend im Laufe der Zeit Hechtsuppe. Sachen gibt´s!

Andererseits darf Fisch in einer Suppe nicht kochen, er muss ziehen und das langsam und sehr lange; vielleicht also doch ein Rezept?

wortfeilchen

Samstag, 10. März 2007

Ich bin verliebt!

Ich habe ja schon immer eine latente Schwäche für Judaismen und prompt läuft mir ein jüdisches Sprichwort über den Weg, das ich einfach perfekt finde.

Wenn ich es in Zukunft ein bisschen häufig anwende und dabei wie ein Honigkuchenpferd strahle oder kichere, möge man mir dies bitte nachsehen, denn ich bin verliebt in diese Worte:

Wie man den Mist auch dreht und wendet, es bleibt Mist.


wortfeilchen, äußerst angetan...