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Mittwoch, 25. Oktober 2017

aufmupf | edgy werbung als altersfrage.

Ich bin 47 Jahre alt. Daran ist nichts zu rütteln. Macht ja auch nichts. Niemand fühlt sich bemüßigt, mir über die Straße zu helfen. Ich muss nachts nicht jede Stunde aufs Örtchen. Alles funktioniert, der Verfall ist körperlich und optisch gnädig, lediglich mein Gehirn funktioniert besser als vor 20 Jahren. Es ist schneller, weitreichender – und nicht mehr so naiv. 

Immerhin naiv genug, um mich bei einer regionalen Agentur als freie, edgy Texterin und Lektorin zu bewerben. Vorweg: Ich habe die regelmäßige Zusammenarbeit nicht bekommen. Ich landete in der Datenbank, falls die Hütte mal wieder brennt. Begründung: Ich passe nicht in die Altersstruktur der Agentur.

Foto: pixabay
Werbeagenturen – ab 35 ist der Lack ab. 

In den meisten deutschen Agenturen arbeitet niemand, der älter als 40 ist. Vielleicht noch die Chefin, der Chef oder der geschäftsführende Mensch, der muss schließlich Wissen, Erfahrung und Kompetenz ausstrahlen. Für die Kunden. Die sollen zahlen und denken, ich bin in guten Händen. 

Aber die Angestellten sind meist sehr viel jünger. Menschen zwischen 20 und 35 geben sich der Illusion hin, Werbung sei eine krasse, coole Sache. Gut, sie schieben unbezahlte Überstunden und Wochenendarbeit, lassen sich schlecht bezahlen und ausnutzen, aber he, Werbung! Wow! Whoop, whoop! 

Werbeagenturen sind jung und werfen mit Titeln um sich. Titelwahnsinn nennt sich das, und wer mit 35 noch keine leitende Position mit verheißungsvollem Titel erreicht hat, wird mitleidig angelächelt und mitgeschleppt, der alte Sack. Dazwischen lockt vielleicht ein vernünftiges Einkommen, aber wenn die 35 naht oder überschritten ist, also mit 40, spätestens 45 sind Frau und Mann zu alt für die Werbebranche. Dann sind sie weg. Gehen oder werden gegangen. Passiert, wird uns eingeredet oder reden sich die heimischen Konsumanheizer selbst ein. Wer damit angefangen hat, weiß ich nicht. Jung, hip, edgy– so sind wir, so sind Werber. Yeah! 

Alter als Zustand. 

Warum, frage ich Sie und mich. Ist ein handelsüblicher Mensch ab einem gewissen Alter untauglich und hat keine Ideen mehr? Geht im Laufe der Jahre die Fähigkeit verloren, die jemand benötigt, um edgy Texte zu verfassen? Ist die Festplatte leer und der Speicher über Nacht gelöscht? Ist mein Sprachzentrum kaputt oder meine Finger arthritisch? Und was ist dann mit 60, 70 oder noch später? Horrorszenarien! 

In den Stellenanzeigen und Ausschreibungen werde ich mit „Du“ angesprochen, denke mir nichts dabei, finde das völlig normal, vergesse aber, dass mein Agenturgegenüber wahrscheinlich 31 und gerade Senior geworden ist. Für die bin ich mit 47 möglicherweise uralt und habe keine Ahnung, was in der Welt so los ist. Pustekuchen! Lebe ich in Isolationshaft? Vegetiere ich erbarmungswürdig vor mich hin? Oder fehlt ihnen schlicht Kompetenz, um mit erfahrenen Mitarbeitern, die sich wenig vormachen lassen, sich dafür auskennen, umzugehen? 

Belege, Statistiken und Antworten für dieses Ab-45-Diskriminieren existieren nicht, aber jeder weiß und erlebt es – und kennt die Vorurteile: Man munkelt über veraltete Kenntnisse und überholte Sprache. Stimmt, wahrscheinlich kenne ich den Duden noch in Papierform und auf Facebook organisiere ich sentimentale 80er-Jahre-Partys oder Klassentreffen. Zu teuer sind sie auch, weil sich Menschen über 40 nicht mehr mit ein paar Euro abspeisen lassen. Logisch, dass sie zu kritisch sind und meckern, also furchtbar anstrengend sind, sie schauen sich das Ganze ja schon eine Weile an. Zu unflexibel und zu oft krank sollen sie sein, zu einem Bewerbungsgespräch kommt es daher oft schon nicht. Und falls doch ein Job dabei rauskommt, folgen die Abstriche: Schlechtere Bezahlung, lange Anfahrt und viele Überstunden. 

Überall Vorurteile. 

Wie kommt man auf die Idee, ein Mensch wäre mit 25 per se hip, wisse mehr und schmeiße mit originellen Ideen nur so um sich? Weil sie sich mutig trauen auch unkonventionelle Ideen zu äußern? Also bitte, das ist keine Altersfrage, im Gegenteil, ich bin viel entspannter und stehe nicht unter Leistungsdruck – das macht mutig! Ich bin mir sehr sicher, dass mein Wortschatz sehr viel größer ist, ich aus dem Stegreif 10 Ideen für Headlines habe, ein fundiertes Konzept, einen Textentwurf, der es in sich hat, sehr viel besser und schneller hinkriege. Und passend zur Zielgruppe arbeite ich auch noch und kann das Ganze erklären, begründen und variieren. 

Warum?

Dienstag, 4. Juli 2017

schlicht falsch | groß oder klein nach dem doppelpunkt.

Jeder von uns hat Schwächen, korrekte Rechtschreibung und Grammatik sind nicht jedem gegeben. Macht ja auch nichts, eigentlich – denn ein Text, der vor Fehlern nur so strotzt, macht keinen guten Eindruck. 

Privat werden Sie sicher ein Auge zudrücken, aber beruflich? Im Geschäftsbereich? Nun, da sieht die Sache schon anders aus. Wem sprechen Sie Kompetenz zu? Wem vertrauen Sie? Na, eben, Fehlerfreiheit hilft beim berüchtigten ersten Eindruck oder anders: Wer richtig schreibt, der bleibt.

Ein Problemfall ist der Doppelpunkt. Die beiden unschuldigen, vielleicht zu unscheinbaren Punkte, die auch noch übereinanderstehen. Welchen Sinn mögen sie haben? Vom Nutzen ganz zu schweigen. 

Vielleicht liegt es daran, dass der Doppelpunkt ausstirbt und immer seltener genutzt wird? Weil kaum noch jemand weiß, warum es ihn gibt.


Montag, 27. April 2015

sprechen wir es aus: deutsche dialekte und deutsche hochsprache.

Dialekt ist angesagt, zumindest als Thema: Neben dem Test namens Moin, Grüezi, Servus - wie wir wo sprechen, der überraschend zielgenau ist, finden sich immer wieder Artikel, die auf den Verfall und das Aussterben der Dialekte hinweisen. Heute hat Spiegel Online wieder einen rausgehauen, der mich zum Nachdenken bringt. Es geht um das Image von Dialekten und Dialektsprechern - und den Umgang mit dem heimischen Dialekt

Ich tue mich schwer, eine Variante zu bevorzugen, für mich dürfen, können und sollen beide nebeneinander existieren. Es ist schön und gut, wenn man beide beherrscht, den lokalen Dialekt und die Hochsprache. Was mich irritiert, ist die Bevorzugung und Betonung einer Seite, sie gehören zusammen, sind sie doch lediglich Variationen oder Ausprägungen. 

Die Realität weicht oft von meiner Sichtweise ab: Während in Deutschland Dialektsprecher als dumm oder ungebildeter angesehen werden, sieht es in der Schweiz und in Österreich anders aus, denn dort wird die eigene Identität, das Wohlfühlgefühl, die Verbundenheit untereinander und mit der Heimat sehr stark mit dem eigenen Dialekt in Verbindung gebracht. Meinetwegen, wenn es nicht in Patriotismus und Nationalismus ausartet – und andere ausgrenzt.  

Die Koexistenz von Dialekt und Hochsprache scheint schwierig zu sein. Hochsprache wird schon einmal als blasiert, hart oder auch direkt angesehen, während der heimische Dialekt bevorzugt und gestreichelt wird. Dabei wird gerne vergessen, dass das sogenannte Schriftdeutsch doch auch die Mutter- oder Vatersprache ist und vornehmlich einem Sinn und Zweck dient: der Verständigung, dem Austausch und dem Miteinander. Und das funktioniert sehr viel leichter, wenn es einen gemeinsamen Nenner gibt, der in diesem Fall für Deutschland, Österreich und die Schweiz wie am Schnürchen laufen könnte. 

Könnte, weil es leider nicht immer so ist, wie der Artikel vorgibt: Nicht alle Dialektsprecher sind ungemein versiert, weil mehrsprachig, und beherrschen Hochsprache und Dialekt. Eigentlich logisch, denn eine Sprache fluppt nicht so reibungslos, wenn ich sie nicht benutze und sie mir fremd, ungewohnt und unbehaglich ist. Dann fehlen Worte und Wörter, Redewendungen klingen unbekannt und die Sprachmelodie mutet hölzern an. Und dann passiert das, was passieren kann: Die Verständigung klemmt, betretenes Schweigen trifft auf und wir tun uns schwer mit- und untereinander. Da wäre es doch besser, einfach zwischen Dialekt und Standardsprache hin- und herschalten zu können, oder? 

Immer wieder lese und höre ich den Vorwurf, die deutschen Dialekte sterben aus. Ist es so? Und wenn, ist es unbedingt schlecht? Es gibt eine andere Seite zu bedenken: Dialektsprecher, die sich vehement und bedingungslos für die eigenen, lokalen Sprachgewohnheiten einsetzen, wollen sich oft gar nicht austauschen, sie wollen sich meist lieber auf sicherem Terrain bewegen oder meist gar nicht bewegen oder verändern. Die anderen, fremden, neuen, nicht seit dem Mittelalter im Ort ansässigen Menschen sollen sich nämlich bewegen, sie sollen sich anpassen, besser noch assimilieren – und sprachlich dazugehören, weil dann die Welt in Ordnung ist. 

Eigene Sprachmerkmale, liebgewonnene Ausdrucksweisen, einseitige Sichtweisen sind wichtiger als die der anderen, die gehören unter den Teppich und sollen die Klappe halten. Daraus entsteht eine selbstgewählte Isolation, die nicht auf Veränderung, Bewegung und Kommunikation abzielt, man bleibt unter sich, alles bleibt so, wie es ist, und gut ist. Das ist der Preis, wenn keine Offenheit vorhanden ist und die gemeinsame Basis an der Nasespitze endet. Oder Hochsprache und Dialekt dürfen neben- und miteinander sein - das wäre eine Alternative, eine Möglichkeit, die alle berücksichtigt.

In Deutschland bekommen wir von Geburt an eingetrichtert, Hochdeutsch ist die Bildungssprache und wer nur und fast nur Dialekt spricht, versaut sich Chancen auf höhere Bildung, sozialen Aufstieg, bessere Berufswahl und variable Arbeitsplätze. Ergo lernen wir zu Hause (immer im Rahmen der Möglichkeiten) Hochdeutsch, sprechen im Kindergarten Hochdeutsch und in der Schule auch – alles im Bewusstsein, der Dialekt hat seine Existenzberechtigung, aber er gehört in die Freizeit oder an den Stammtisch. 

Das klingt für Österreicher und Schweizer vielleicht dogmatisch, ist es aber nur, wenn eine Variante bevorzugt wird und nicht beide gleichberechtigt nebeneinander sein dürfen. Denn üblicherweise können sich Ostfriesen, Sachsen und Bayern miteinander austauschen und reden, alle lernen und beherrschen mehr oder weniger eine Sprache, die sie unter einem Label eint – Hochdeutsch, mit zuweilen charmanten Einsprengseln des eigenen Lokalkolorits. 

Es geht auch anders: Nehmen wir die Schweiz, wo der Dialekt gerne mal gepriesen wird und das Schriftdeutsche zuweilen als Bühnendeutsch abgetan und vermieden wird. So klein die Schweiz erscheinen mag, sie ist reich an Dialekten, die alle paar Kilometer wechseln. Das weiß man, kennt man, akzeptiert man und spricht miteinander. Dort lernt man meist ausschließlich Dialekt, mit 5 oder 6 Jahren kommt man üblicherweise und je nach Kanton für 1 oder 2 Jahre in die erste Klasse, den Kindergarten. Dort, und manchmal auch erst später, wird Deutsch als Schriftsprache gelernt, wie in deutschen Gefilden Englisch oder Französisch. Im Ergebnis wird die deutsche Hochsprache, die eine der 4 Landessprachen ist, als Fremdsprache empfunden und gelehrt. Das bringt oftmals eine Abneigung gegen die fremde Sprache, die im großen Kanton im Norden gesprochen wird, mit sich: Missverständnisse tauchen in der Kommunikation auf, unüberwindbare Barrieren ergeben sich. Schade, denn wir und die Deutschschweizer haben doch eine gemeinsame Basis. Wir könnten miteinander und nebeneinander, auch sprachlich.

Und jetzt mal ehrlich: Wir handeln global, reisen durch und in alle Länder der Welt, aber geht es um die eigene Sprache, die alltägliche oder schriftliche, dann handeln wir regional, lokal und sind auf einmal ganz klein. 

Warum nur schränken wir uns ein, bauen Grenzen auf und machen uns gegenseitig Vorschriften? Weil das Fremde fremd ist und heimatliche Klänge Zuhause sind? Warum bereichern wir uns nicht, indem wir Möglichkeiten nutzen, statt sie verbauen? 

Und wenn wir untereinander, also zwischen den einzelnen deutschen Dialektgebieten schon keinen gemeinsamen Nenner finden und nutzen wollen oder können, den die deutsche Hochsprache bietet, und jeder auf seinem Recht und Vorrang beharrt, wie, ja wie eigentlich, wollen, können und sollen wir das mit Besuchern, Gästen, Freunden, Familienmitgliedern, Kulturen, Mentalitäten und Hilfsbedürftigen aus anderen Ländern hinkriegen?

Dienstag, 9. September 2014

sprachmitbringsel aus dem 1. weltkrieg.

In diesen Tagen jährt sich der Beginn des Ersten Weltkriegs – ein einschneidendes Erlebnis für viele Menschen: Es war der erste moderne Krieg, mit entsprechenden inneren und äußeren Verletzungen. Unbekannt sind zumeist die sprachlichen Auswirkungen, die in unserem täglichen Sprachgebrauch nachhallen.

Amerikaner und Briten sprachen zwar eine Sprache, scheiterten aber oft an den Feinheiten. Die Briten, Inder und Waliser in ihren Reihen verstanden die Franzosen nicht, was umgekehrt kaum anders war. Die Alliierten verpflichteten z. B. chinesische Arbeiter, russischsprachige jüdische Immigranten marschierten ebenso mit wie das Heer aus Österreich-Ungarn. Insgesamt kämpften Truppen aus 135 Ländern Seite an Seite – eine sprachliche Herausforderung.

Kriegssprache: Englisch als größter gemeinsamer Nenner

 

Um sich untereinander schnell und effektiv verständigen zu können, musste eine einheitliche Sprache gefunden werden. Die Wahl fiel auf Englisch, da die meisten Soldaten es mehr oder weniger gut verstanden oder zumindest ein paar Worte und Wörter kannten, was daran lag, dass viele Menschen über eine Auswanderung nach Amerika nachdachten. Glossare und Listen der sogenannten Schützengrabensprache wurden verfasst, in Zeitungen veröffentlicht und Worte und Wörter gingen allmählich in den Sprachgebrauch über.

Sprachliche Vielfalt in den Schützengräben

 

Es entstanden nicht nur neue Wortschöpfungen, fremdsprachliche Wörter wurden auch gerne von Mitstreitern übernommen: So steht das arabische Wort bint auch heute noch für Freundin oder Frau und das Hindi-Wort cushy findet sich heute in der Bedeutung von leicht, bequem und einfach im englischen Wörterbuch. Ganz pragmatisch und üblich war die Verwendung von Redewendungen und lautsprachlichen Redeweisen, die beispielsweise anglisiert wurden: So machten die Briten aus dem französischen comprends kurzerhand compray, aus il n'y en a plus wurde napoo und San Fairy Ann bedeutete ça ne fait rien.

Auswirkungen auf die deutsche Sprache

 

Im Deutschland des 1. Weltkrieges herrschten Deutschtümlerei, Nationalismus und Patriotismus, dementsprechend waren fremdsprachige Wörter verpönt – und wurden übersetzt, eingedeutscht oder erfunden. Dabei handelt es sich durchaus nicht immer um Wörter, die auf den ersten Blick nach Krieg klingen, vielleicht einen Bedeutungswandel erfahren und sich bis heute gehalten haben. Während Latrinenparole, Niemandsland, Grabenkampf, Frontschwein, Trommelfeuer, Flak, Stahlhelm oder auch Materialschlacht und Kriegsgewinnler ihre Herkunft eindeutig kennzeichnen, ist die Ursprungsbestimmung bei folgenden Wörtern weitaus schwieriger:

Hören wir dicke Luft, denken wir eher an eine aufgeladene Atmosphäre, wie vor oder nach einem Streit oder Konflikt. Vielleicht kommt noch der Gedanke an die dicke Luft des Ruhrgebietes auf. Bekannt ist der Ausdruck bereits seit dem 17. Jahrhundert, bekannt wurde er durch den 1. Weltkrieg, als die Luft voller Granatsplitter und feindlicher Geschosse war und als dick bezeichnet wurde.

Krieg kurbelt nicht nur die Wirtschaft an, er bringt auch immer technische Neuerungen mit sich: Der Fallschirm und das Fernglas sind solche Errungenschaften, die es erstmals 1915 in den Duden schafften. Ebenso erging es dem U-Boot, das vor 1916 Tauchboot oder Unterseeboot genannt wurde. Ferngläser waren für den Normalbürger damals unerschwinglich, während Fallschirme als begehrte Geschenke galten, deren hochwertige Seide Frauen als Grundlage für Kleidung diente.

Während wir mit dem Wort Blindgänger einen Feigling oder Versager beschreiben, handelt es sich dabei ursprünglich um ein Geschoss, das nicht detonierte. Die übertragene Bedeutung gab es auch vor 100 Jahren schon, denn ein Soldat, der sich übertrieben schnell in Sicherheit brachte, wurde Blindgänger genannt. Nicht ganz unbegründet, denn nicht immer funktionierten die Waffen wie geplant, aber ein echter Mann … nun ja, Ihr wisst schon.

Grimms Wörterbuch kennt das Kanonenfutter bereits seit 1873 und verweist auf Shakespeares Stück Heinrich IV., in dem Falstaff Soldaten, deren Leben keinen Wert hat, Food for powder nennt. Im Ersten Weltkrieg wurde der Ausdruck Kanonenfutter sehr häufig verwendet und dementsprechend sozialisiert.




Verbinden wir den Trenchcoat heute eher mit Humphrey Bogart in Casablanca, so gibt das Wort an sich bereits den Ursprung her: Der Trench, der Schützengraben zeigt die Herkunft als Grabenmantel des Ersten Weltkrieges und wurde im Dezember 1914 das erste Mal im Oxford English Dictionary erwähnt.

08/15 oder Nullachtfünfzehn bezeichnet ursprünglich ein luftgekühltes Maschinengewehr, das seit 1908 vom deutschen Heer benutzt, 1915 verändert wurde und als Massenware im 1. Weltkrieg benutzt wurde. Einen Bedeutungswandel zu Durchschnitt, bar jeglicher Originalität, Langeweile oder Überdruss erfuhr der Ausdruck erst nach dem Ersten Weltkrieg, vielleicht sogar erst in den 30er Jahren des 20. Jahrhunderts, als die Wiederaufrüstung begann und moderne Waffen gebräuchlich wurden.

Wummern heute die Bässe, denken wir kaum an die Geräuschkulisse der Front, wo sich die Artillerie lautstark und eindrücklich bemerkbar machte. Ebenso ergeht es dem schwachen Verb verfranzen, das der Fliegersprache entsprungen ist und in den Memoiren des Roten Barons Manfred von Richthofen vorkommt. Franz lautete der Spitzname des mitfliegenden Beobachters, der für die Navigation in den alten, zweisitzigen Flugzeugen zuständig war. Verfahren, verirren, verlaufen oder irren wir uns, gebrauchen wir das Wort verfranzen heute noch – ohne Flugzeug.

Trockenes, haltbares Kleingebäck oder schlicht Plätzchen nennen wir heute selbstverständlich Keks – ein Ausdruck, der es in Form des Wortes cakes bereits im 19. Jahrhundert über den Kanal schaffte und auch im Brockhaus des Jahres 1906 zu finden ist. Wie schon oben erwähnt, war die Zeit des 1. Weltkrieges von Patriotismus und Nationalismus geprägt, weshalb cakes geradezu eine Beleidigung darstellte, kurzerhand zu Keks eingedeutscht wurde und bereits 1915 im Duden landete. Dort fand sich allerdings, neben dem Plural Keks, auch die vermeintliche Einzahl Kek.

Und nun? Augen auf beim Wortgebrauch? Neee, aber schon erstaunlich, welche Wörter unsere Vorfahren bereits vor 100 Jahren kannten, bzw. kennenlernten, nicht?

Quellen und Originaltexte:

 

http://www.theguardian.com/education/2014/jun/28/first-world-war-one-soldiers-tommies-common-language-trenches

http://www.welt.de/kultur/article131762089/Weltkriegsparolen-praegen-bis-heute-das-Deutsche.html

Duden 

Deutsches Wörterbuch von Jacob und Wilhelm Grimm

Donnerstag, 14. August 2014

fundstück: speien beim lesen.

 

Auswahlmöglichkeiten:

  1. Kein Kommentar.
  2. *krkrkrkrkrk*
  3. Oh, Gyros aus Pute! Pute?
  4. Gyros aus Putenfleisch, eine Spezialität? Oh.
  5. Assoziationen: speien und speiübel.
  6. Etymologie speien: mittelhochdeutsch spi(w)en, althochdeutsch spi(w)an, gotisch speiwan, verwandt mit lateinisch spuere, wo auch das Sputum (der Auswurf) und der Speichel herkommen, wurde im 17./18. Jahrhundert von spucken und Spucke abgelöst. 
  7. Man reiche mir ein Speibecken und bitte keine Speialität von der Pute. 

Dienstag, 15. April 2014

aus dem alltag einer deutschschweizerisch-deutschen beziehung: vif.

Manchmal bin ich mir nicht ganz sicher, ob mir mein Mann ein Kompliment macht, mich doch beleidigt oder ich einen Fauxpas begangen habe. Das liegt an seiner Sprache, er kennt nämlich Wörter, deren Bedeutung mir auf den ersten Blick fremd ist.

Ich bin vif, sagt er. Ja, denke ich, assoziiere mit dem Französischen, nicke zustimmend und verstehe, es ist Leben in mir, schließlich lebe ich nachweislich.

Er meint es wortwörtlich, denn was für mich ungewohnt, französisch und auswärts klingt, gehört in der Schweiz in den alltäglichen Sprachgebrauch. Er meint das, was mein Papa Hummeln inne Fott, meine Mutter lebhaft und Kunden erfrischend nennen. Ich bin also, wie man im Ruhrgebiet sagt, eine ganz Vife.


Der Duden kennt, im Gegensatz zu mir, vif auch:

http://www.duden.de/rechtschreibung/vif

Was ich vielleicht besser nicht sage: Das Wort vif ist in der Schweiz gebräuchlich und gilt als landschaftlich. Das bedeutet, vif ist eine sprachliche Eigentümlichkeit der Schweizer, betrifft die Sprechweise der Bewohner bestimmter Gebiete, gehört halt zur Schweizer Sprache, ist aber sonst im Gebrauch veraltet. Denn dann bin ich mir nicht ganz sicher, ob ich lobe, provoziere oder kritisiere. Bleibt also besser unter uns!

Donnerstag, 13. Juni 2013

fundstück werbung: frisch gegrillt ist halb gewonnen.


Ein Supermarktparkplatz in Bochum. Nichtsahnend aus dem Auto steigen, vor diesem Plakat stehen und selbiges ungläubig anstarren. Ist mir passiert. Genau so.

Und ich weiß immer noch nicht weiter. Tja, nun ja und öhm, mir fehlen die Worte und ich weiß es nicht: Ist das eine ganz freche Idee oder schlicht sehr dumm? Darf Werbung das? Kann sie das? Geht es nicht zu weit? Geht das überhaupt?

Mittwoch, 24. April 2013

nicht-wonnige werbung: mcdonalds's.


Dieses Plakat stach mir in Altenbochum in die Augen. Wortwörtlich. Und die Frage nach dem Sinn der Sache:

Ein verunglücktes Wortspiel aus stillos und ohne Stiel? Soll das witzig sein? Muss ich mir dabei was denken? Kein Stiel und auch kein Stil, aber guter Geschmack? Ein Beispiel mangelhafter Grammatik- und Interpunktionskenntnisse? Ist das Kunst oder kann das weg?

Kann weg, meine ich, ganz weit weg.

Dienstag, 12. März 2013

helvetismen: nordische bettwäsche/skandinavisch schlafen

Schlaft Ihr skandinavisch oder in nordischer Bettwäsche?

Die Frage ist durchaus berechtigt - das gibt es wirklich, nämlich in der Schweiz. Scheint, als wären wir Nordeuropäer doch ein wenig anders, wir beziehen unsere Bettdecke mit einem Bezug und legen diese auf die Matratze. 

In Südeuropa, zum Beispiel in Frankreich, räkelt man sich wohl eher zwischen zwei Laken, was ich wiederum nur aus heißeren Gefilden kenne. Zudem wird das Laken, mit dem man sich zudeckt, auch noch unter die Matratze gequetscht, so dass der Einstieg lediglich von oben möglich ist und mir reichlich beengend vorkommt. 





Skandinavisch oder nordisch schlafen, das war eine Neuerung in der Schweiz, für mich schon immer Alltag, auch bei meinen Großeltern. Kennt Ihr es anders?

Dienstag, 5. Februar 2013

abgenutzte worte: ganzheitlich.

Ich habe ein Problem. Mit einem Wort, das immer, dauernd und überall in jedem erdenklichen und unmöglichen Zusammenhang auftaucht: ganzheitlich. Grundsätzlich ist es ein harmloses Adjektiv mit der Aussage, dass alles in seiner Ganzheit betrachtet, fächerübergreifend und in einem größeren Zusammenhang dargestellt wird. 

Scheint nicht selbstverständlich zu sein, denn es gibt ganzheitliche Medizin, wobei ich immer hoffe, ein Mediziner betrachtet meine gesamte Ganzheit und nicht nur einzelne Bereiche. Ganzheitliche Psychologie und Pädagogik gibt es ebenso wie ganzheitliches Tantra, Ayurveda, Tao und sonstiges esoterisches Brimborium. Begebe ich mich auf die Suche, finde ich ganzheitliches Leben, Lernen, Denken, Handeln, Arbeiten, Tun, Lassen und heute habe ich auch noch ganzheitliches Texten gefunden. 

Was will man mir damit sagen oder verkaufen? Ich texte über alle Barrieren? Hinfort mit Regeln und Inhalten? Ich begebe mich in den Lotossitz und warte auf die Eingebung, die mich fächerübergreifend ergreift und den größeren Zusammenhang zwischen Grammatik und Orthografie über mich kommen lässt? Ich kenne den Unterschied zwischen Verben und Adjektiven?

Ich neige zu Unsinn, Kreativität und Abwechslung, also habe ich beschlossen, dass ich nun einen ganz neuen Trend erschaffe: Ich texte nämlich ab sofort holistisch. Ich konzipiere holistisch und bin seit heute die Erfinderin der holistischen Kommunikation und the next big thing ist außerdem holistisches Social Media-Gedöns.

Ist eigentlich nichts anderes als ganzheitlich, klingt aber reichlich exotisch und vielversprechend auch noch. Im Gegensatz zu ganzheitlich ist holistisch eine ganz und gar neue Masche, beschert mir sicherlich traumhafte Umsätze, ist nicht wegen zu häufiger Verwendung völlig abgenutzt und mein alleiniges Alleinstellungsmerkmal par excellence. 

Außerdem weiß doch kaum jemand, was Holismus ist und niemand kommt auf die Idee, dass ich vielleicht genau das Gegenteil machen könnte - nämlich reduktionistisch texten. Oder doch ganzheitlich? Man weiß es nicht ganz genau, will man auch nicht, ist doch auch egal: Es lebe das holistische Texten. Nennt mich bitte textende Holistin. Oder so.

Donnerstag, 12. Januar 2012

von meinen schwierigkeiten mit schweizer büchern oder wortfindungsstörungen: schnurre

Der Deutschschweizer an sich spricht kein Hochdeutsch, er empfindet dieses Vorgehen als reichlich affektiert, als eine Art Bühnendeutsch und fühlt sich reichlich unwohl dabei. Man spricht den lokalen Dialekt. Schluss, aus, fertig. Hochdeutsch, das in der Deutschschweiz Schriftdeutsch heißt, wird - wie es der Name bereits aussagt - lediglich schriftlich genutzt. Oder Standarddeutsch. Oder doch Regiolekt. Oder eine selbsterfundene Mischung. Die Befindlichkeiten des Deutschschweizers bezüglich seiner Artikulation sind eigen. Bedingt durch die Erfahrungen der letzten Jahre war mir dieses Verhalten durchaus klar, auch wenn ich es nicht nachvollziehen oder logisch erklären kann.

Aber es begibt sich, dass ich hin und wieder Bücher lese, die aus der Deutschschweiz stammen, dort geschrieben oder zumindest dort lektoriert wurden. An sich kein Problem. Sollte man denken. 

Ist es aber doch, denn ohne Duden irre ich manchmal sehr verloren durch die Deutschschweizer Sprachlandschaften. In solchen Büchern tauchen Wörter auf, die ich in keinen Zusammenhang bringen kann. 

Ein Beispiel ist das Wort Jupe. Ein anderes Schopf. Steht in einem Buch, das mir meine Schwiegermutter ans Herz gelegt hat. Ja, wird der geneigte Leser nun sagen, Du kennst keinen Schopf, den man betreten kann? Nein, muss ich dann zugeben, ich musste nachfragen und recherieren:


Nun wurde ich vom weltbesten Mann, nämlich meinem, großzügig beschenkt, eine Biografie des heißgeliebten Friedrich Dürrenmatt. Ein wunderschönes, edles, gebundenes und dickes Buch, aber erneut wirft die Wortwahl immer wieder Fragen auf; dieses Mal stolperte ich über das Wort Schnurre. Immer wieder.

Nachdenken brachte mich weiter, für mich schnurrt eine Katze, aber eine Schnurre aus dem Leben Dürrenmatts? Trug der Fritz einen Schnurrbart und so heißt die Rotzbremse in der Schweiz? Eine Schnur kann es doch auch nicht sein, also musste wieder ein Wörterbuch ran. Aha, eine Schnurre ist eine scherzhafte Erzählung:



Man beachte bitte den Zusatz veraltet, dem ich auf meiner Suche nach Deutschschweizer Wörtern sehr oft begegne. Schaue ich nämlich tiefer in die jeweilige Etymologie, stoße ich fast immer auf mittelhochdeutsche Wurzeln der rätselhaften Wörter.

So auch bei der Schnurre: Im ausgehenden Mittelalter, im 16. Jahrhundert gab es eine lärmende Gerätschaft, die Schnurre hieß und wohl das war, was wir als Ratsche, Knarre oder Brummkreisel kennen. Possenreißer und Bettler machten damit auf sich aufmerksam und - jetzt kommt es - daraus entstand die Assoziation von Schnurre zu Posse/komischem Einfall. Das schnurrende Geräusch kündigte hörbar eine lustige Anekdote an. Nebenbei bemerkt erfand man im 18. Jahrhundert das passende Adjektiv schnurrig, das possierlich oder lächerlich bedeutet.

Sicher, ein Deutscherschweizer Buch ist ein Abenteuer, eine spannende Herausforderung, schließlich wird es nie langweilig, weil ich etwa auf jeder Seite gefordert bin, mich fragend am Kopf kratze, auf die Suche gehe und dabei immer etwas lerne. Andererseits kann es auch reichlich ermüdend sein und mich gehörig nerven. 

wortfeilchen

PS. Und nun sagt mir bitte, ob Ihr Jupe, Schopf und Schnurre kennt?

Montag, 10. Oktober 2011

etymologische fundstücke: gully.

Man denkt doch nie drüber nach. Zum Beispiel, warum sich der Gully nicht Gulli schreibt und warum er überhaupt Gully heißt?

Die korrekte Rechtschreibung hat Herr Korrekturen.de hier erläutert:


Im Englischen ist ein Gully viel mehr als unser Gully, nämlich nicht nur ein Abzugskanal und ein Einlaufschacht, sondern auch eine enge Schlucht, ein Senkloch, ein Straßenablauf, eine Erosionsrinne, eine schlichte Rinne, ein Schlammfang, eine Saugrinne, ein Schleusenschacht, ein Sinkkasten, ein Schmutzfang, ein Saugwagen, eine Grabeneorsion, eine Wasserfurche - und für alle Leser in der Schweiz, in Süddeutschland und in Österreich auch eine Runse.

Zeit zu schauen, woher das Wort Gully überhaupt kommt:

Unser Gully ist ein noch recht junges Lehnwort aus der englischen Sprache. Eigentlich bedeutet es Rinne - ein weitreichender Begriff, der über unsere Bezeichnung Gully hinausgeht. Es stammt wahrscheinlich von dem altfranzösischen Wort goule/gole, dessen Verkleinerungsform gullet ist und Schlund bedeutet. Der französische Schlund geht zurück auf die lateinische Kehle bzw. die Speiseröhre, nämlich das Wort gula. Gueule - also recht ähnlich - ist das französische Wort für Kehle.

Kehle, verwandt mit dem Kiel, ist ein altes westgermanisches Wort und bedeutet verschlingen, verzehren und auch fressen. Im Mittelalter kannte man noch das Wort kehlen, was so viel wie rinnenartig aushöhlen, aber auch einen Fisch ausnehmen bezeichnet. Wir kennen heute noch das Verb auskehlen. Der Gully verzehrt gnadenlos alles, was ihm vor die Nase kommt, daher passt die Bezeichnung.

Unser Wort Gully hätte gar nicht den Umweg über Italien, Frankreich und England nehmen müssen, sondern gleich zu Hause bleiben und Kehle heißen können.

wortfeilchen

Montag, 26. September 2011

europäischer tag der sprachen.

Seit 2001 findet jährlich der Aktionstag Europäischer Tag der Sprachen statt - natürlich auch heute wieder.

Die Sprachen
23 Amtssprachen und 60 Sprachgemeinschaften in 45 teilnehmenden Ländern. Zu den Regional- und Minderheitensprachen gehören Katalanisch, Samisch, Bretonisch, Ladinisch, Gälisch oder Walisisch.

Die Vision 
Mehr Menschen zum Erlernen von Fremdsprachen motivieren! Jeder soll zwei Fremdsprachen können, sich der Vielfalt der heimischen Sprachen bewusst werden und die sprachliche und kulturelle Fülle pflegen.

wortfeilchen

PS. Mehr Informationen, die lesenswert und spannend sind, findet Ihr hier.

Freitag, 2. September 2011

umgangssprache: aus daffke.

Warum ich blogge? Eigentlich aus Daffke. Es gibt so viele Dinge, die mir täglich begegnen und in der Sinn kommen, die lesens- und erwähnenswert sind. Aus Spass anner Freude und einfach so trifft es genau so wie weil ich es kann - eben aus Daffke. Dieses aus Daffke kennt sicherlich nicht jeder von Euch da draußen. Macht nichts, hier kommt die Erklärung:

Aus Daffke ist eine umgangssprachliche Wendung, die hauptsächlich im norddeutschen und Berliner Raum verwendet wird. Es gibt das Wort Daffke in der deutschen Sprache nur in dieser Verbindung, nicht als alleinstehendes Verb, Adjektiv oder sonstiges. 

Macht jemand etwas aus Daffke, so man er oder sie es aus Spaß, nur so, ohne ersichtlichen Grund oder aus/zum Trotz, nun gerade sowie aus Eigensinn.

Die Etymologie von aus Daffke führt uns, wie so oft im Deutschen, über das Jiddische ins Hebräische:

Hebräisch dawqa/daṿḳā bedeutet nur so (und nicht anders), während jiddisch daffke/dafke(s)/davke(s) nun erst recht, nun gerade aussagt.

wortfeilchen

Donnerstag, 4. August 2011

fundstück: tippfehler oder dialekt?

Quelle: http://www.welt.de/politik/deutschland/article13525808/Arbeitslose-und-Migranten-kriegen-die-meisten-Kinder.html

Hat sich da jemand vertan? Mangelnde Rechtschreibkenntnisse oder zu wenig Zeit? Soll es ein Wortspiel sein oder schlicht vertippt? Klingt für mich gewöhnungsbedürftig, vielleicht hessisch - oder ist mir etwas entgangen?

wortfeilchen

PS. Der ganze Artikel hier.

Freitag, 22. Juli 2011

frische bücher: design-duden zu deutscher rechtschreibung & grammatik.


Quelle: http://www.duden.de/presse/das-pure-vergnuegen-fuer-den-schreibtisch

Viele Wörter fallen mir spontan zu den beiden Hübschen ein: pur, schlicht, formschön, wunderbare Farben, handliches und praktisches Format, Flexcover mit Prägung, abgerundete Ecken, Banderole und dazu auch noch Wissen - für mich Liebe auf den ersten Blick. Das sind sie, die beiden Design-Duden, die im August erscheinen und uns die Regeln der Rechtschreibung und Grammatik näherbringen.

Duden pur – Deutsches Wörterbuch, so heißt der gelbe Band. Er enthält 47 000 Stichwörter und erklärt in konzentrierter Form die wichtigsten orthografischen Grundregeln anhand von vielen anschaulichen Beispielen und Infokästen.

Duden pur – Deutsche Grammatik, das ist der orange Band. Er erklärt in kompakter Form alles Wichtige zur Grammatik der deutschen Sprache und gibt einen Überblick über gutes und richtiges Deutsch anhand von Tabellen und vielen Beispielen.

Vielleicht liegt es daran, dass ich den Duden täglich zur Hand nehme. Möglicherweise ist es auch meine Schwäche für Bücher. Eigentlich ist es egal, denn ich hatte noch keine Gelegenheit reinzuschauen, den Einband zu streicheln, über die Seiten zu fahren und vielleicht die Typografie zu bewundern. Aber ich werde. Spätestens im August.

wortfeilchen

PS. Werte Frau Alexandra Hahn aus dem Verlagsbereich Wörterbuch und Sachbuch, ich wäre wirklich gar nicht böse, wenn ich vorab ein Rezensionsexemplar erhalten würde - ich kann es nämlich kaum erwarten!

Sonntag, 17. Juli 2011

fundstück: spiritousen.


In einer gutbürgerlichen Gaststätte, die seit mehr als 60 Jahren eine Institution in Bochum ist, traf ich auf diese Schreibweise des Wortes Spirituosen - lediglich ein Buchstabendreher, hoffe ich zumindest.

Unter Spirituosen versteht man alkoholische, geistige und starke Getränke, Alkohol und Alkoholika. Umgangssprachlich nennt man Spirituosen harte Sachen, scharfe Sachen, Stoff oder Sprit.

Das Wort Spirituosen ist ein Fremdwort, dass im 18. Jahrhundert in unseren Sprachgebrauch kam und anfangs Spirituosa lautete. Es geht auf das lateinische Substantiv Spiritus zurück, was so viel wie Hauch, Lufthauch, Atem, Leben, Seele oder Geist bedeutet. Von dort gelangte es in das Französische, wurde relatinisiert und erreichte deutschsprachige Gefilde.

wortfeilchen

PS. Esprit, Aspirant, Inspiration und Spiritismus sind mit den Spirituosen verwandt.

PPS. Eine anderes Thema ist die Frage, warum sich Uerdinger Wacholder mit Dehnungs-e schreibt, aber ü ausspricht.

Montag, 4. Juli 2011

aus dem alltag einer deutschschweizerisch-deutschen beziehung: blache.

Gerade flog eine Blache an mir vorbei.
Was?
Es ist total windig, eine Blache fliegt hier rum.
Eine was?
Eine Blache.
Was fürn Ding?
Eine Blache!!
Ja, ich habe Dich verstanden, aber was zum Henker ist eine Blache?
Du kennst keine Blache?

Die Auflösung:

Quelle: http://www.duden.de/suchen/dudenonline/blache

Althochdeutsch blaha und mittelhochdeutsch blahe bezeichnen eine grobe Leinwand, eine Decke oder Wagendecke. Das dänische Wort blaar und das schwedische Wort blånor zeigen heute noch die Verwandtschaft an und bezeichnen Abfall von Hanf oder Flachs bzw. Werg.

Nicht geklärt ist, seit wann das Wort Plane im Sprachgebrauch unterwegs ist. Die Bezeichnung Plane ist noch gar nicht so alt, erst im 19. Jahrhundert hat sie sich in der Schriftsprache durchgesetzt. An sich logisch, dass man in der mittelhochdeutsch geprägten Deutschschweiz sprachlich in vergangenen Zeiten weilt.

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PS. In Österreich heißt eine Plane übrigens Plache.

Mittwoch, 1. Juni 2011

fehlerfreie texte - mehr als korrekte rechtschreibung.

Die deutsche Sprache hat es schwer: neue Rechtschreibung, Facebook, Twitter, Tageszeitungen, generell die sogenannten Medien und auch das Internet nutzen eine scheinbar willkürliche Rechtschreibung, gewöhnungsbedürftige Grammatik und Orthografie. Es ist nicht einfach, den Durchblick zu behalten und die Verständlichkeit der Texte bleibt leider auch viel zu oft auf der Strecke. Das wirkt sich wiederum auf die Glaubwürdigkeit aus und lässt auf mangelnde Sorgfalt, Unzuverlässigkeit, unzureichende Qualität oder ein niedriges Bildungsniveau schließen.

Gerade für Unternehmen kann dies zu einen negativem Image führen, denn eigene Aussagen und Texte stellen die Visitenkarte des Unternehmens dar - sie präsentieren ein Bild des Unternehmens, das maßgeblich von den Texten abhängt. 

Die Themen Suchmaschinenoptimierung, Content-Provider und Schreiben kann doch jeder übergehe ich dezent, sie würden den Rahmen dieses Artikels sprengen. Sicherlich gibt es Praktikanten, Mitarbeiter und Familienangehörige, die Texte verfassen können, aber werden diese Texte auch gelesen, sind sie verständlich abgefasst, sinnvoll aufgebaut und entsprechen dabei auch noch den Anforderungen der Kunden und sind zusätzlich korrekt in ihrer Rechtschreibung, Grammatik und Zeichensetzung? 

Nicht ganz einfach, aber nach Aussage des folgenden Videos ist das alles kein Problem:


Grundsätzlich stimme ich der Aussage des Videos zu, aber eben nicht ganz, denn es entsteht der Eindruck, dass eine Software die Lösung aller Sorgen und Probleme ist. Aber mehr als eine Hilfe, eine Orientierung bietet sie nicht: Einer Software ist es nicht möglich jeden Rechtschreibfehler, jeden Grammatikpatzer und jedes falsche Satzzeichen zu erkennen. Grobe, formale Fehler, die sich in Form von Algorithmen programmieren lassen, findet sie möglicherweise, aber wie sieht es mit der Betonung aus? Wie mit einer inhaltlichen Prüfung? Und was ist mit stilistischen Patzern, die keine Software jemals erkennen wird.

Was das Video nämlich verschweigt, ist die Tatsache, dass sich immer mehr Verlage, Agenturen und Unternehmen das Korrektorat und Lektorat schenken und eben auf solche Programme verlassen. Dabei gilt aber auch immer die Regel: Ein Programm ist nur so gut wie sein Anwender. Denkt mal drüber nach!

wortfeilchen

PS. Es gibt nicht nur den Duden, er ist nicht der Heilige Gral der deutschen Sprache.

PPS. Herzlichen Dank an den wunderbaren @tiniaden. 

Montag, 23. Mai 2011

fundstück: kunstverlagerung in der schweiz.

Die Schweiz hat es nicht aber auch nicht leicht. Sie ist ein sehr kleines Land mit zu viel Geld - und zahlreichen Sorgen.

Woher die vielen Franken und Rappen der Schweiz kommen, darüber hülle ich den höflichen Mantel des Schweigens. Darüber redet man nicht. Basta.

Die unzähligen Sorgen des kleinen Staates stürzen unerwartet von außen auf die Schweiz. Und das macht ganz vielen Eidgenossen ganz viele Sorgen und bereitet schlaflose Nächte. Denn die Fremden wollen vielleicht die heile Wohlstandwelt der Schweizer ausbeuten, zerstören und unterwandern. Immerhin wollen die Ausländer dort arbeiten, leben und wohnen. Die brauchen dann Platz, was nicht geht, weil die Schweiz doch so klein ist. Und dann sprechen sie nicht einmal den lokalen Dialekt und wie soll man sie dann verstehen? Und sie nehmen den Schweizern die Jobs weg; und das macht man auch nicht.

Aus diesem Grund ist das Thema Ausschaffung (das heißt auf deutsch Abschiebung) enorm wichtig, heiß diskutiert und beschäftigt ganz viele Schweizer. Schließlich muss man aufpassen.

Und weil die Schweiz eine direkte Demokratie ihr Eigen nennt, ist jeder Schweizer quasi sein kleiner eigener Souverän und hat ganz viel sagen. Darum wird in der Schweiz auch jede Kleinigkeit von den Souveränen entschieden und bestimmt. Es gehen zwar nicht alle wählen, aber man könnte, das reicht wohl.

Das war das Vorspiel, denn der Rest der Welt weiß gar nicht viel über die Schweiz und interessiert sich nicht einmal. Aber um die Initiative Kunstverlagerung zu verstehen, war das Geplänkel wichtig. Denn die Aktion Kunstverlagerung hat ein weiteres Problem der Schweiz entdeckt.


Die Interessengemeinschaft Kunstverlagerung hat nämlich bemerkt, dass in der Schweiz Bund, Kantone und Gemeinden jedes Jahr unendlich viele Subventionen, Fördergelder und Preisgelder an sogenannte Kunstprojekte, Kulturschaffende und Kulturinstitutionen verschenken. Sogenannt, weil nach Meinung der Initiatoren dabei keine Kunst, sondern Blödsinn rauskommt, der unnötig Geld und Platz verschwendet. Dagegen kann und muss man was tun:


wortfeilchen

PS. Weil ich Euch und besonders meine lieben Schweizer Leser kenne: Das ist Ironie. Wobei jedem Scherz auch immer ein Körnchen Wahrheit innewohnt.