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Dienstag, 9. September 2014

sprachmitbringsel aus dem 1. weltkrieg.

In diesen Tagen jährt sich der Beginn des Ersten Weltkriegs – ein einschneidendes Erlebnis für viele Menschen: Es war der erste moderne Krieg, mit entsprechenden inneren und äußeren Verletzungen. Unbekannt sind zumeist die sprachlichen Auswirkungen, die in unserem täglichen Sprachgebrauch nachhallen.

Amerikaner und Briten sprachen zwar eine Sprache, scheiterten aber oft an den Feinheiten. Die Briten, Inder und Waliser in ihren Reihen verstanden die Franzosen nicht, was umgekehrt kaum anders war. Die Alliierten verpflichteten z. B. chinesische Arbeiter, russischsprachige jüdische Immigranten marschierten ebenso mit wie das Heer aus Österreich-Ungarn. Insgesamt kämpften Truppen aus 135 Ländern Seite an Seite – eine sprachliche Herausforderung.

Kriegssprache: Englisch als größter gemeinsamer Nenner

 

Um sich untereinander schnell und effektiv verständigen zu können, musste eine einheitliche Sprache gefunden werden. Die Wahl fiel auf Englisch, da die meisten Soldaten es mehr oder weniger gut verstanden oder zumindest ein paar Worte und Wörter kannten, was daran lag, dass viele Menschen über eine Auswanderung nach Amerika nachdachten. Glossare und Listen der sogenannten Schützengrabensprache wurden verfasst, in Zeitungen veröffentlicht und Worte und Wörter gingen allmählich in den Sprachgebrauch über.

Sprachliche Vielfalt in den Schützengräben

 

Es entstanden nicht nur neue Wortschöpfungen, fremdsprachliche Wörter wurden auch gerne von Mitstreitern übernommen: So steht das arabische Wort bint auch heute noch für Freundin oder Frau und das Hindi-Wort cushy findet sich heute in der Bedeutung von leicht, bequem und einfach im englischen Wörterbuch. Ganz pragmatisch und üblich war die Verwendung von Redewendungen und lautsprachlichen Redeweisen, die beispielsweise anglisiert wurden: So machten die Briten aus dem französischen comprends kurzerhand compray, aus il n'y en a plus wurde napoo und San Fairy Ann bedeutete ça ne fait rien.

Auswirkungen auf die deutsche Sprache

 

Im Deutschland des 1. Weltkrieges herrschten Deutschtümlerei, Nationalismus und Patriotismus, dementsprechend waren fremdsprachige Wörter verpönt – und wurden übersetzt, eingedeutscht oder erfunden. Dabei handelt es sich durchaus nicht immer um Wörter, die auf den ersten Blick nach Krieg klingen, vielleicht einen Bedeutungswandel erfahren und sich bis heute gehalten haben. Während Latrinenparole, Niemandsland, Grabenkampf, Frontschwein, Trommelfeuer, Flak, Stahlhelm oder auch Materialschlacht und Kriegsgewinnler ihre Herkunft eindeutig kennzeichnen, ist die Ursprungsbestimmung bei folgenden Wörtern weitaus schwieriger:

Hören wir dicke Luft, denken wir eher an eine aufgeladene Atmosphäre, wie vor oder nach einem Streit oder Konflikt. Vielleicht kommt noch der Gedanke an die dicke Luft des Ruhrgebietes auf. Bekannt ist der Ausdruck bereits seit dem 17. Jahrhundert, bekannt wurde er durch den 1. Weltkrieg, als die Luft voller Granatsplitter und feindlicher Geschosse war und als dick bezeichnet wurde.

Krieg kurbelt nicht nur die Wirtschaft an, er bringt auch immer technische Neuerungen mit sich: Der Fallschirm und das Fernglas sind solche Errungenschaften, die es erstmals 1915 in den Duden schafften. Ebenso erging es dem U-Boot, das vor 1916 Tauchboot oder Unterseeboot genannt wurde. Ferngläser waren für den Normalbürger damals unerschwinglich, während Fallschirme als begehrte Geschenke galten, deren hochwertige Seide Frauen als Grundlage für Kleidung diente.

Während wir mit dem Wort Blindgänger einen Feigling oder Versager beschreiben, handelt es sich dabei ursprünglich um ein Geschoss, das nicht detonierte. Die übertragene Bedeutung gab es auch vor 100 Jahren schon, denn ein Soldat, der sich übertrieben schnell in Sicherheit brachte, wurde Blindgänger genannt. Nicht ganz unbegründet, denn nicht immer funktionierten die Waffen wie geplant, aber ein echter Mann … nun ja, Ihr wisst schon.

Grimms Wörterbuch kennt das Kanonenfutter bereits seit 1873 und verweist auf Shakespeares Stück Heinrich IV., in dem Falstaff Soldaten, deren Leben keinen Wert hat, Food for powder nennt. Im Ersten Weltkrieg wurde der Ausdruck Kanonenfutter sehr häufig verwendet und dementsprechend sozialisiert.




Verbinden wir den Trenchcoat heute eher mit Humphrey Bogart in Casablanca, so gibt das Wort an sich bereits den Ursprung her: Der Trench, der Schützengraben zeigt die Herkunft als Grabenmantel des Ersten Weltkrieges und wurde im Dezember 1914 das erste Mal im Oxford English Dictionary erwähnt.

08/15 oder Nullachtfünfzehn bezeichnet ursprünglich ein luftgekühltes Maschinengewehr, das seit 1908 vom deutschen Heer benutzt, 1915 verändert wurde und als Massenware im 1. Weltkrieg benutzt wurde. Einen Bedeutungswandel zu Durchschnitt, bar jeglicher Originalität, Langeweile oder Überdruss erfuhr der Ausdruck erst nach dem Ersten Weltkrieg, vielleicht sogar erst in den 30er Jahren des 20. Jahrhunderts, als die Wiederaufrüstung begann und moderne Waffen gebräuchlich wurden.

Wummern heute die Bässe, denken wir kaum an die Geräuschkulisse der Front, wo sich die Artillerie lautstark und eindrücklich bemerkbar machte. Ebenso ergeht es dem schwachen Verb verfranzen, das der Fliegersprache entsprungen ist und in den Memoiren des Roten Barons Manfred von Richthofen vorkommt. Franz lautete der Spitzname des mitfliegenden Beobachters, der für die Navigation in den alten, zweisitzigen Flugzeugen zuständig war. Verfahren, verirren, verlaufen oder irren wir uns, gebrauchen wir das Wort verfranzen heute noch – ohne Flugzeug.

Trockenes, haltbares Kleingebäck oder schlicht Plätzchen nennen wir heute selbstverständlich Keks – ein Ausdruck, der es in Form des Wortes cakes bereits im 19. Jahrhundert über den Kanal schaffte und auch im Brockhaus des Jahres 1906 zu finden ist. Wie schon oben erwähnt, war die Zeit des 1. Weltkrieges von Patriotismus und Nationalismus geprägt, weshalb cakes geradezu eine Beleidigung darstellte, kurzerhand zu Keks eingedeutscht wurde und bereits 1915 im Duden landete. Dort fand sich allerdings, neben dem Plural Keks, auch die vermeintliche Einzahl Kek.

Und nun? Augen auf beim Wortgebrauch? Neee, aber schon erstaunlich, welche Wörter unsere Vorfahren bereits vor 100 Jahren kannten, bzw. kennenlernten, nicht?

Quellen und Originaltexte:

 

http://www.theguardian.com/education/2014/jun/28/first-world-war-one-soldiers-tommies-common-language-trenches

http://www.welt.de/kultur/article131762089/Weltkriegsparolen-praegen-bis-heute-das-Deutsche.html

Duden 

Deutsches Wörterbuch von Jacob und Wilhelm Grimm

Montag, 10. Oktober 2011

etymologische fundstücke: gully.

Man denkt doch nie drüber nach. Zum Beispiel, warum sich der Gully nicht Gulli schreibt und warum er überhaupt Gully heißt?

Die korrekte Rechtschreibung hat Herr Korrekturen.de hier erläutert:


Im Englischen ist ein Gully viel mehr als unser Gully, nämlich nicht nur ein Abzugskanal und ein Einlaufschacht, sondern auch eine enge Schlucht, ein Senkloch, ein Straßenablauf, eine Erosionsrinne, eine schlichte Rinne, ein Schlammfang, eine Saugrinne, ein Schleusenschacht, ein Sinkkasten, ein Schmutzfang, ein Saugwagen, eine Grabeneorsion, eine Wasserfurche - und für alle Leser in der Schweiz, in Süddeutschland und in Österreich auch eine Runse.

Zeit zu schauen, woher das Wort Gully überhaupt kommt:

Unser Gully ist ein noch recht junges Lehnwort aus der englischen Sprache. Eigentlich bedeutet es Rinne - ein weitreichender Begriff, der über unsere Bezeichnung Gully hinausgeht. Es stammt wahrscheinlich von dem altfranzösischen Wort goule/gole, dessen Verkleinerungsform gullet ist und Schlund bedeutet. Der französische Schlund geht zurück auf die lateinische Kehle bzw. die Speiseröhre, nämlich das Wort gula. Gueule - also recht ähnlich - ist das französische Wort für Kehle.

Kehle, verwandt mit dem Kiel, ist ein altes westgermanisches Wort und bedeutet verschlingen, verzehren und auch fressen. Im Mittelalter kannte man noch das Wort kehlen, was so viel wie rinnenartig aushöhlen, aber auch einen Fisch ausnehmen bezeichnet. Wir kennen heute noch das Verb auskehlen. Der Gully verzehrt gnadenlos alles, was ihm vor die Nase kommt, daher passt die Bezeichnung.

Unser Wort Gully hätte gar nicht den Umweg über Italien, Frankreich und England nehmen müssen, sondern gleich zu Hause bleiben und Kehle heißen können.

wortfeilchen

Dienstag, 19. Oktober 2010

post vom eisenhut verlag: "wortklaubereien" von mario scheuermann

Heute fand ich in meinem Briefkasten sehr erfreuliche Post: Ein Sendung vom Eisenhut Verlag. Tobias Wimbauer und Silvia Stolz-Wimbauer haben bestimmt geahnt, dass ich gesundheitlich nicht wirklich auf dem Damm bin, viel schlafe und wollten mir eine Freude machen.

Neugierig öffne ich den Umschlag und sehe dies:


Ich gebe es zu, ich hatte bereits einen klitzekleinen Einblick in die Wortklaubereien von Mario Scheuermann und bin daher umso erfreuter das Buch nun lesen zu dürfen. 

Warum?

Dazu reicht es eigentlich den kompletten Titel des Buches zu kennen: Von »Serviertöchtern« und »Restaurant–Bären« – ein gastronomisch-kulinarisches Sammelsurium der deutschen Sprache aus drei Jahrhunderten. Klingt nicht nur gut, liest sich auch gut. 

Mario Scheuermann hat sich nämlich viel Mühe gegeben und liebevoll teils recht merkwürdig anmutende, teils banal erscheinende Anekdötchen und Zitate aus unterschiedlichen Quellen zusammengetragen. Dabei durchstreift er den deutschsprachigen Raum - sprich Fundstücke aus deutschen, österreichischen und Schweizer Zeitungen, Zeitschriften und Büchern und stößt dabei auf sprachliche Schätze aus drei Jahrhunderten. 

So zumindest mein bisheriger Eindruck. Mehr kann und werde ich berichten, wenn ich es komplett gelesen habe. Ich bin so gespannt!

Freut Euch drauf. Oder bestellt Euch gleich ein eigenes Exemplar. Und zwar hier.

wortfeilchen

Dienstag, 5. Oktober 2010

wie ich schreibe. vergleichsweise.

Jeder schreibende Mensch zweifelt irgendwann und zwischendurch an sich, seinen Worten, seinen Werken. Insgeheim haben wir alle Vorbilder, unerreichbar scheinende Idole der Autorenwelt. Praktisch, dass es Webseiten gibt, die genau diesen Vergleich ermöglichen. Schreibe ich wie Erich Fried oder doch wie Agatha Christie? Ken Follett oder Kafka?

Ich habe mutig den Selbstversuch gewagt:

Die englische Version I Write Like habe ich längst ausprobiert, das Ergebnis sieht so aus:


I write like
Ursula K. Le Guin
I Write Like by Mémoires, Mac journal software. Analyze your writing!

Ich gebe es zu, ich musste die Dame googeln und stellte fest, der Vergleich schmeichelt mir. Besonders, weil ich einen Teil meines großen Romanes eingegeben habe und dabei handelt es sich um einen Science-Fiction-/Fantasy-Roman. Der nächste Effekt? Ich muss und will was von Ursie lesen.

Seit ein paar Tagen kursiert eine deutsche Variante, die man online bei der FAZ austesten kann - was ich natürlich ebenfalls ausprobiert habe. Ich neige allerdings zu Ambivalenz und schreibe ebenso. Aus diesem Grund habe ich verschiedene längere Texte durchgejagt, die meiner privaten Feder entschlüpft sind.




Albert Ostermaier kam übrigens gleich zweimal raus. Was sagt mir das nun? Bin ich noch nicht reif für das eigenständige Schreiben? Habe ich keinen eigenen Stil oder einen so unverwechselbaren, dass er nicht katalogisiert werden kann? Und wer deckt mir die Gemeinsamkeiten der Erkenntnisse auf?

wortfeilchen

PS. Hat sich jemand eigentlich mal die Mühe gemacht und den Text eines Autoren bzw. einer Autorin eingegeben, der/die sehr bekannt ist? Nur um die Korrektheit und Treffsicherheit der Spielereien zu kontrollieren.

PPS. Vielen Dank an Philea, der ich den deutschen Link zu verdanken habe. Eigentlich noch viel mehr, denn nebenbei, ungeahnt und unauffällig hat sie mir Bücher empfohlen, mich inspiriert und mir Mut zum (privaten) Schreiben gegeben. 

Mittwoch, 3. März 2010

verlorene worte: schlingel

Nachdem wir den Rabauken bereits abgehandelt haben, folgt nun der Schlingel.

Der Duden sagt, Schlingel stehe scherzhaft für übermütiger Junge bzw. freches Kerlchen. Der Schlingel ist, meiner Meinung nach, dem Rabauken durch seine weniger rabaukenhafte Art und seinen unbestreitbaren Charme überlegen. Für mich tendiert der Strolch in die gleiche Richtung wie der Schlingel.

Im Gegensatz zum Wort Strolch ist die Herkunft des Wortes Schlingel geklärt:

Damals, als die Gummistiefel noch aus Holz waren, nämlich im 15. Jahrhundert, gab es im Niederdeutschen die Bezeichnungen Schlüngel, Schlingel bzw. Slungel, die so etwas wie einen Müßiggänger bezeichnen - auch so ein schönes Wort, das ich mir vorsorglich notieren sollte.

Die niederdeutschen Bezeichnungen gehen auf das mittelhochdeutsche Verb slingen zurück. Slingen bedeutet so viel wie schleichen, schlendern, sich winden oder auch kriechen. Daraus wurde im Laufe der Zeit unser Schlingel, der gerissen ist und Streiche ausheckt.

wortfeilchen

PS. Übrigens, der Plural von Schlingel lautet ebenfalls Schlingel, also ein Schlingel, fünf Schlingel ...

Dienstag, 9. Februar 2010

Verlorene Worte: glimpflich

Glimpflich - klingt nicht nur lautmalerisch schön, hat auch eine schicke Bedeutung bzw. sogar zwei:

Glimpflich sagt aus, dass man mit einem blauen Auge davon gekommen ist, eine Sache einigermaßen, erträglich, halbwegs, leidlich, ohne schlimmere Folge oder größeren Schaden und ganz passabel abgelaufen ist. Glimpflich steht aber auch synonym für behutsam, milde, nachsichtig, rücksichtsvoll, sanft, sachte, schonend, vorsichtig und delikat.

Die Etymologie von glimpflich ist im wahrsten Sinne des Wortes glimpflich, wenn nicht sogar uneindeutig und verworren: 

Unser Adjektiv glimpflich stammt von dem althochdeutschen Adjektiv gilimpflih und dem mittelhochdeutschen gelimpflich; und dort von dem wunderbaren Substantiv Glimpf, was so viel wie Nachsicht, Billigkeit oder Fug bedeutet.

Die Gelehrten sind sich nicht sicher, ob glimpflich aber nicht auch vom den frühniederdeutschen Adjektiv glimpf, was angemessen bedeutet, abstammt oder doch von einem bereits ausgestorbenen Verb, das mittelhochdeutsch gelimpfen und althochdeutsch gilimpfen heißt und so viel wie rücksichtsvoll, nachsichtig sein, sich schicklich verhalten und angemessen sein bedeutet.

Forscht man weiter, stößt man auf indogermanische Wurzeln und das Wort (s)lembh, das schlaff, locker bedeutet. Daraus entwickelten sich Wortbedeutungen wie weich, zart und angemessen. Die Schweizer haben auch ein Wort mitzureden und tragen glimpfig, gleich biegsam und geschmeidig, zum Worträtsel bei.

Reichlich glimpflich.

wortfeilchen


PS. Der passende Screenshot zum Kommentar. Quelle

 

Donnerstag, 28. Januar 2010

der konjugator oder wie man deutsche verben beugt.

Substantive, Adjektive, Pronomen und Numeralia werden dekliniert, Verben konjugiert. Manchmal ist beides nicht einfach und manchmal verliert man dabei auch den Überblick.

Hilfreich ist dann eine Entdeckung von Heike, der Konjugator, denn er beugt bequem so ziemlich jedes Verb. Auf der Seite Verbformen.de gibt man lediglich ein Verb ein und bekommt schwups alle möglichen Verbformen übersichtlich angezeigt.



Auch wenn ich das Verb verschnupfen noch nie benutzt habe, der Konjugator kennt es und teilt mir gleichzeitig mit, dass es sich hierbei um ein regelmäßiges, schwaches Verb handelt, das mit dem Hilfsverb haben gebeugt wird.



Etwas anders verhält es sich bei dem Verb misslingen, denn es ist ein (aussterbendes) starkes Verb, das ebenfalls mit dem Hilfsverb haben gebeugt wird und in seiner Konjugation einen Wechsel des Stammvokals durchlebt.

Schade finde ich, dass die Rechtschreibung von Verbformen der letzten Reform ein wenig hinterherhinkt, schließlich schreibt sich misslingen mit zwei ss statt mit ß.

wortfeilchen

Freitag, 11. Dezember 2009

verlorene Worte | vermaledeit

Vermaledeit. Wer hat das Wort in letzter Zeit gehört? Ich jedenfalls nicht. Leider, denn eigentlich ist es sehr nützlich und klingt dazu noch äußerst liebreizend.

Vermaledeit ist Umgangssprache und steht für verdammt und verflucht, wobei es etymologisch mit Erstem nicht viel zu tun hat. Althochdeutsch firdamnon, mittelhochdeutsch verdam(p)nen stammt von dem Lateinischen damnum, was so viel wie (Geld)buße, Verlust, Schaden oder Nachteil bedeutet. Es kommt aus der Kirchensprache und steht in Verbindung mit dem Ausstoß aus der göttlichen Gnade, also eine Art Fluch von oben.

Zurück zu vermaledeit, das eher für verflucht steht und eine Anlehnung an das lateinische Verb maledictus ist. Maledictus kann mit schlecht sagen, schlecht reden, schlecht heißen und verfluchen übersetzt werden. Hier steckt der (heidnische) Sinn des Verwünschens und Verfluchens drin. Der Gegensatz dazu ist benedicere, was natürlich gutsagen, gutheißen oder auch segnen und lobpreisen bedeutet. Gebenedeien, auch so ein verlorenes Wort, ist die deutsche Entsprechung zu benedicere.

Mittwoch, 18. November 2009

verlorene worte: rabauke

Wie oft habe ich dieses Wort gehört?

Jedes Mal, wenn ich wieder mit zerrissener Hose auftauchte oder mich mit meinem sieben Jahre älteren Bruder kloppte. Ich war ein wildes Kind, keine Mauer vor mir sicher, kein Baum zu hoch und gefallen ließ ich mir auch nichts.

Schade, denn eigentlich wurde es immer mit einem Lächeln gesagt und den Rabauken in sich sollte man nie so ganz verlieren. Ein Rabauke zu sein, macht nämlich ganz viel Spaß.

Ein wenig anders sieht es mit der Etymologie des Wortes aus, obwohl das vielleicht Auslegungssache ist:

Ursprünglich stammt der Begriff von dem mittelhochdeutschen Verb riben, was so viel wie brünstig sein, sich begatten oder reiben bedeutet. Im Pott würde man es aktiv wuschig nennen. Daraus entstand das altfranzösische riber, womit jemand gemeint ist, der sich wüst aufführt. Das passende altfranzösische Substantiv ribaud entspricht dem Schurken oder Strolch ebenso, wie der niederländische rabauw. Ende des 19. Jahrhunderts durchlief das Wort Rabauke anscheinend einen Bedeutungswandel: Der Rabauke wurde umgangssprachlich zu einem rüpelhaften, gewalttätigen Jugendlichen.

Dabei war und bin ich immer eine charmante, fröhliche Rabaukin und keine Rüpelin.

wortfeilchen

Montag, 26. Oktober 2009

Verlorene Worte: amortisieren

Amortisieren. Dieses so schön klingende Wort hat eine weniger schöne Bedeutung: Es steht dafür, eine Schuld nach einem vorgegebenen Plan zu tilgen oder Anschaffungskosten durch Ertrag wieder einzubringen. Etwas, das sich amortisiert, lohnt sich, trägt sich und rentiert sich. Kaufmannssprache ist halt lautmalerisch oftmals hübsch, aber mehr auch nicht.

Interessanter ist da schon die Etymologie des Wortes. So lehnt sich das Wort amortisieren von dem französischen Verb amortir (abtöten, abschwächen, abtragen) ab. Dieses wiederum geht zurück auf das latenische Wort ad-mortire, was so viel wie tot machen und abtöten bedeutet. Klar, kennen wir alle von dem lateinischen Verb mori (sterben) und passt nicht so recht zu unserem Verständnis von amortisieren.

Aber wer weiß schon, dass hier eine Verbindung zu unserem Adjektiv mürbe besteht?

Althochdeutsch mur(u)wi, mittelhochdeutsch mür(w)e und spätmittelhochdeutsch zermürfen stammen zusammen mit morsch, murksen, Mahr und Mord -- alles Worte, die mit Schmerz zusammenhängen -- ebenso aus diesem Wortbereich, wie aufgerieben werden, sterben und Krankheit (lat. morbus).

Mag man kaum glauben, was für eine Geschichte sich hinter einem schlichten Wort wie amortisieren verbirgt.

wortfeilchen

Dienstag, 8. September 2009

Metaphieren & alliterieren

Manchmal, aber nur ganz selten, finde ich wunderbare Worte von Menschen, die eloquent alliterieren und metaphieren. Einer ist Holger Steffens, vielleicht ein Meister der kreativen Wortspiele. Ergo habe ich mal ein paar seiner wunderbaren Schöpfungen aneinandergereiht und seufze vor Wonne:

Der ungehobelte Unhold und der schranzige Schrat mit ihren rauchenden Ruhrgebietslungen besuchten den sportresistenten Schreibtischtäter, wo der grummelige Griesgram und der schamlose Scharlatan bereits warteten und ein raues Ränkespiel betrieben.

wortfeilchen

Mittwoch, 2. September 2009

Test: Wenn ich ein Buch wär ...



You Are Mystery




You are a natural problem solver. You like figuring out the best way to do something.

You are very intuitive. You are good at picking up on people's moods and predicting the future.



You can't help but being a bit of a detective and a snoop. You always want to know what's going on.

And while you may have the scoop on everyone you know, you're not a gossip. You're a pro at keeping secrets.

Mittwoch, 22. Juli 2009

Pons -- ohne Aloe vera & Kakaobutter, aber mit Blog & Backlink

Erstaunlich sind im Moment so einige kleine Dinge: So zum Beispiel der Erfolg, den Pons mit seiner Schulhefte-Aktion clever eingefädelt und ausgeführt hat. Nein, ich denke, der Verlag verfügt absolut über Substanz und muss nicht unbedingt auf ausgeklügelte Marketingstrategien zurückgreifen, aber er zeigt sich so frisch und offen für neue Ideen. Solche Bemühungen entdecke ich bei den Konkurrenzunternehmen bisher nicht. Warum eigentlich nicht? Der Bedarf da draußen in der Welt ist vorhanden!

Nicht zu unterschätzen ist auch die liebevolle Kundenbindung, die nun durch ein Pons-Blog namens Fehlermeldungen. Ein Blog für alle, die gern richtig schreiben. angenehm unterstützt wird und dabei offenlässt, welche Zielgruppe angesprochen werden soll. (Ich gebe es zu, als Frau aus dem Pott habe ich zuerst Ein Blog für alle, die richtig gern schreiben gelesen -- Grüße von Freud?) Bisher wurden lediglich drei Artikel veröffentlicht, daher schauen wir einfach mal, was daraus wird und freuen uns über den hübschen Backlink, den Pons spendiert.

wortfeilchen

PS: Doro, die Feder bzw. Dein Wort ist mächtiger als das Schwert und jeder SEO-Text? :-)

Montag, 16. März 2009

Text-Medizin

Ania Dornheim von Erfolgreich schreiben gibt ihr Wissen nicht nur in Schreibseminaren weiter, in ihrem Blog finden sich immer wieder Tipps, wie man erfolgreich bessere Texte verfasst.
 
Besonders gelungen finde ich ihre Rezeptur gegen schlechte Texte, die anschaulich und leicht verständlich erklärt, was man gegen Schachtelsätze, negative Inhalte, Langeweile im Text und unpersönliche Formulierungen unternehmen kann - wenn dieser Satz mal nicht ein gutes Beispiel abgibt.
 
wortfeilchen

Montag, 16. Februar 2009

negieren versus negativieren

Zwei Verben treten an, um zu klären, welches von beiden seine Berechtigung hat. Beide wollen etwas ableugnen, abstreiten, bestreiten, dementieren, missachten, von sich weisen und bestimmt noch einiges mehr.

Negativieren
hat einen großen Nachteil, denn das Wort gibt es in der deutschen Sprache nicht, während negieren bereits im 16. Jahrhundert von lateinisch
negare (nein sagen, verneinen, bestreiten, etc.) entlehnt wurde und somit kurz und schmerzlos durch Knockout gewonnen hat.

wortfeilchen


PS: Das Gegenteil von negieren ist affirmieren (bejahen, bekräftigen).

PPS: Der Renegat als Abweichler, Abtrünniger hat seinen sprachlichen Ursprung ebenfalls im lateinischen Wort re-negare.

PPPS: Danke Joerg - Du weißt, die vielen Kurven ...