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Freitag, 3. November 2017

etymologie | huhau und hottehü. von französischen pferden und deutschen fuhrmännern.

Foto: pixabay
In einer lauen Sommernacht des Jahres 1815 bereitet der französische Maître Marie-Antoine Carême in der Küche eines feudalen Hauses in Paris einige seiner berühmten Delikatessen zu. Napoleon Bonapartes Niederlage bei Waterloo liegt 3 Wochen zurück, der selbstgekrönte Kaiser ist längst auf die Insel Elba verbannt, das Volk ist unruhig und zieht wütend durch die Straßen der französischen Hauptstadt. Das Wetter - es ist schwül, die Luft schwer - taugt nicht, um den Mob zu besänftigen. 

Carême ist für einige Wochen in den (ehemaligen) Pariser Palast Napoleons zurückgekehrt und kocht ein exquisites Menü für zwei Personen: Außenminister Charles-Maurice de Talleyrand, der gerade die Bourbonen auf den Wiener Kongress vertreten und dabei geschickt günstige Bedingungen für Frankreich ausgehandelt hat, und Polizeiminister Joseph Fouché. Diese beiden hatten die Geschicke des Landes seit der Revolution in der Hand und wollen heute über die Zukunft der Nation entscheiden. Die Frage lautet: Monarchie oder Rückkehr Napoleons? 

Die Diener stecken noch in den Vorbereitungen für das Treffen, während sich Fouchés Kutsche ihren Weg durch aufgeregte Menschenansammlungen bahnt. Fouché denkt opportunistisch: Während er auf der einen Seite eine mögliche Rückkehr Napoleons plant, kommt er gerade aus Gent, wo er mit Ludwig XVIII. und Metternich konspirierte, falls die Rückkehr Napoleons nicht glücken würde oder nicht von langer Dauer wäre. Unruhe herrscht im Volk, mit Fackeln und Stöcken bewaffnet streifen sie durch die Straßen und Gassen, immer auf der Suche nach einem Verantwortlichen. Die Kutsche holpert über das grobe Kopfsteinpflaster, der Kutscher treibt seine Pferde durch die marodierenden Massen und intoniert energisch Üüü Üüü! 

Welch Pathos! Die dramatische Situation ist hin! Die aufgeladene Atmosphäre verpufft! Ich schaue erstaunt auf – und lache. Der spannende Filmanfang, den ich eben beschrieben habe, wandelt sich für mich in ausuferndes Kichern. Natürlich klingt es nur so, die französische Sprache schreibt Hue und nicht Üüü.

Warum rufen Franzosen ihren Pferden Hü zu? Auf zur Suche! 

Freitag, 20. Oktober 2017

schlicht falsch | hanebüchen: keine hecke macht kikeriki.

Es kommt nicht oft vor, wird aber mit großer Wahrscheinlichkeit falsch geschrieben – das Adjektiv hanebüchen. Meist wird es mit h geschrieben und gerne auch hahnebüchern, also mit r. Beides ist falsch, denn hanebüchen hat nichts mit Federvieh, und auch nichts mit bedrucktem Papier zu tun. 

Verwendung 

Es gibt hanebüchenen Unsinn, hanebüchene Lügen, jemand mag zu hanebüchener Unverfrorenheit neigen und etwas kann hanebüchen sein. 

Bedeutung und Synonyme 

Hanebüchen steht für unerhört, absurd, empörend, unmöglich, unglaublich, skandalös, bodenlos, ungeheuerlich, unmöglich, haarsträubend, himmelschreiend und haarsträubend. Im übertragenen Sinne bedeutet hanebüchen derb, grob und knorrig. 


Foto: pixabay
Herkunft 

Die übertragenen Bedeutungen von hanebüchen können wörtlich genommen werden, stammt das Wort doch von einem Baum, der Hainbuche, die wiederum aus Hagebuchenholz besteht. 

Die Hage- oder Hainbuche verfügt über einen recht glatten, seilartig gedrehten Stamm, was ihm ein knorriges Aussehen verleiht. Das Holz gilt als besonders hart und widerstandsfähig. Eine Hainbuche ist keine Buche, sondern ein Birkengewächs und nicht mit der uns bekannten echten Buche, der Rotbuche, verwandt. 

Hanebüchen stammt von einer älteren Form, dem Adjektiv hagebüchen, das wiederum von dem mittelhochdeutschen Wort hagen-büechîn (vom Holz der hagenbuoche (hainbuche, weissbuche)) kommt. 

Exkurs 

Im Wörterbuch der Brüder Grimm, das Mitte des 19. Jahrhunderts begonnen wurde, gibt es hanebüchen nicht. Im Duden übrigens erst seit 1929. 

Die Grimms notieren hainbüchen, haimbüchen, hagenbüchen und heimbüchen, ergo hat sich im 19./20. Jahrhundert etwas verändert, sonst wären wir sprachlich nicht bei hanebüchen gelandet. 

Hagen-dorn oder Hage-dorn steht im Mittelhochdeutschen für den Namen des Teufels. 

Das Substantiv Hagestolz, der kauzige Junggeselle, beschreibt ursprünglich den Hagbesitzer, also den Besitzer eines mit Hagebuche umfriedeten Nebengutes. Hagestolz ist mit hanebüchen verwandt. 

Was dem Deutschen der Hain, also die poetische Umschreibung eines Gehölzes oder Wäldchens, ist dem Deutschschweizer der Hag, was kein Kaffee, sondern mittelhochdeutsch hac (Dorngesträuch, Gebüsch; Gehege, Einfriedung) und althochdeutsch hag (Einhegung, (von einem Wall umgebene) Stadt, ursprünglich Flechtwerk, Zaun) ist. Wie öfter der Zusatz: Schweiz, sonst veraltet.

Mittwoch, 6. September 2017

schlicht falsch | kontaminiertes zumindestens.

Foto: pixabay
In den letzten Jahren höre und, schlimmer noch, lese ich vermehrt das Wort zumindestens. Überall. Es ist eine Seuche.

Hielt ich es anfangs noch für einen Versprecher, Unwissen oder Ignoranz, sieht es mittlerweile so aus, als wäre die Verwendung völlig üblich und in der Umgangssprache angekommen – schön is dat nich, weil es das Wort zumindestens nicht gibt. Auf zur Spurensuche! 

Freitag, 21. Juli 2017

veto | kostenlose texte und gratis-arbeit.

Ich hatte gerade wieder den Fall und wurde von einer Agentur nach einem kostenlosen Probetext gefragt. Ohne Briefing, ohne weitere Angaben zu Vorgehen, Zeitrahmen oder Vergütung - auch auf meine Nachfrage wurde nicht geantwortet, dafür wurden mir doch bereits Vorgaben in dem einzigen Kontakt geschickt, den es vermutlich jemals gab und geben wird. Berufliches Interesse an mir? Nicht vorhanden. Referenzen anschauen? Zu mühsam.  

Foto: pixabay
Kostenloses Arbeiten ist eine heikle Sache. Ich habe ausreichend Referenzen, die meine Fähigkeiten zeigen, und ich möchte mich nicht wie ein Bittsteller fühlen. Echte Zusammenarbeit basiert auf gegenseitigem Interesse und auf Augenhöhe. 

Ja, grundsätzlich verstehe ich, dass mein Gegenüber wissen möchte, was von mir zu erwarten ist, die Sache mit der Katze im Sack, aber: Wir wollen doch nicht heiraten oder unser Leben gemeinsam verbringen – wir wollen zusammenarbeiten und etwas erreichen. Um zu wissen, ob Sie und ich ein gutes Team wären, können Sie mit mir reden und ich Ihnen problemlos Referenzen präsentieren. Geht es Ihnen um hochwertige Inhalte oder billige Preise? Oder geht es um Ihre Kunden und Ihre Produkte? Was sind Ihnen Ihre Kunden wert?

Dienstag, 18. Juli 2017

ingber | das nutzbare, galante und curiöse frauenzimmer-lexicon

Ende des 17., Anfang des 18. Jahrhunderts lebte in Leipzig ein uns heute (und möglicherweise auch damals) vielleicht etwas merkwürdig anmutender Zeitgenosse, der Gottlieb Siegmund Corvinus hieß. Über sein Leben ist nicht allzu viel bekannt: Er studierte an der Universität Leipzig, wurde kaiserlicher Notar und Advokat, lehnte die Ernennung zum Hofpoeten am sächsischen Hof ab und starb. 

Viel interessanter ist sein Werk, das der Schriftsteller unter dem Pseudonym Amaranthes veröffentlichte. Wir erinnern uns, Amarant, auch Amaranthus, das ist die hirseähnliche Pflanze, die auch Fuchsschwanz genannt wird und übersetzt unverwelkliche Blume heißt. Ein zum Werk passendes, vielleicht sogar humorvolles Pseudonym. 

Anfangs veröffentlichte der Unverwelkliche Gedichte, die gerne wegen ihrer Anzüglichkeit konfisziert wurden, Romane und Erzählungen. Bekannt wurde er durch das Frauenzimmer-Lexicon, in dem er sich detailliert mit dem Leben der Frau beschäftigt. Oder was er für das Leben der Frau hält. Er war der Meinung, die Frau sei mit der lateinischen Terminologie der damals üblichen Lexika schlicht überfordert und gibt ihr viele Ratschläge und Tipps für alle Gelegenheiten - in deutscher Sprache.

Dienstag, 4. Juli 2017

schlicht falsch | groß oder klein nach dem doppelpunkt.

Jeder von uns hat Schwächen, korrekte Rechtschreibung und Grammatik sind nicht jedem gegeben. Macht ja auch nichts, eigentlich – denn ein Text, der vor Fehlern nur so strotzt, macht keinen guten Eindruck. 

Privat werden Sie sicher ein Auge zudrücken, aber beruflich? Im Geschäftsbereich? Nun, da sieht die Sache schon anders aus. Wem sprechen Sie Kompetenz zu? Wem vertrauen Sie? Na, eben, Fehlerfreiheit hilft beim berüchtigten ersten Eindruck oder anders: Wer richtig schreibt, der bleibt.

Ein Problemfall ist der Doppelpunkt. Die beiden unschuldigen, vielleicht zu unscheinbaren Punkte, die auch noch übereinanderstehen. Welchen Sinn mögen sie haben? Vom Nutzen ganz zu schweigen. 

Vielleicht liegt es daran, dass der Doppelpunkt ausstirbt und immer seltener genutzt wird? Weil kaum noch jemand weiß, warum es ihn gibt.


Dienstag, 20. Juni 2017

schlicht falsch | typo-fehler: halten sie abstand!

Es gibt Fehler und Fehler. Ich korrigiere sie alle. Aber besonders gerne Typografie-Fehler, die gerne übersehen werden. Grafiker und Mediengestalter lieben oder hassen mich deswegen. Damit kann ich leben.

Duden empfiehlt die Schreibweise Typografie, erlaubt mir aber alternativ auch meine bevorzugte, nämlich Typographie. Die Abkürzung Typo steht für die Gestaltung von Druckerzeugnissen und digitalen Medien mittels Schrift, Fotos/Bildern, Linien und Flächen. Natürlich könnte ich noch mehr über Mikrotypografie und Makrotypografie erzählen, aber es geht um Typo-Fehler und dabei heute um fehlende Abstände bei Abkürzungen.

Foto: http://unsplash.com/photos/zFz3jThypsA by Mr Cup/Fabien Barral

Die folgenden Fehler tauchen mit 99-prozentiger Wahrscheinlichkeit in jedem PDF auf, das ich zur Bearbeitung bekomme. Also, fangen wir an:

Freitag, 2. Juni 2017

mensch- und umweltverträgliches waschmittel schlicht und simpel selber machen.

Ich gehöre zu den Menschen, die nicht alles hinnehmen, nach dem Warum fragen, nachdenken und dann eine Lösung suchen. Das gilt generell, allgemein und auch für Waschpulver. Davon verbraucht ein durchschnittlicher Mensch eine große Menge. Die muss hergestellt, transportiert, bezahlt und nach Hause geschleppt, um verbraucht zu werden und in der Mülltonne zu landen. Unterwegs gelangt es in die Wäsche, auf die Müllkippe (wo die Verpackung meist verbrannt wird), ins Wasser, in die Kläranlage und wieder zurück zu uns, auf den Acker, in die Wiesen, Seen und Flüsse. Ist halt alles ein Kreislauf. 

Verpackung & Kosten 

Mehr oder weniger sinnvoll ist die Verpackung von Waschmitteln: Üblicherweise handelt es sich um Plastikflaschen, Pappkartons oder Plastiktüten in verschiedenen Größen. Diese werden aus Rohstoffen hergestellt, wobei Energie verbraucht wird, um danach (mit Kraftstoffverbrauch und CO2) in die Geschäfte gebracht zu werden, wo wir sie dann kaufen, um sie ins Auto zu laden, zu Hause verbrauchen und, wenn leer, in den Müll werfen. 

Nachfüllbar? Ich kenne keine Möglichkeit und kein Angebot. Ich möchte aber auch nicht so viel mit dem Auto fahren, die Straßen und Parkplätze sind sowieso schon so voll und die Abgase, nee, lass mal. Und mal ehrlich, wer von Euch geht zu Fuß zum nächsten Supermarkt, zur Drogerie oder fährt mit dem Fahrrad? 

Waschpulver wiegt auch was, das passt in einen Rucksack, aber ins Handtäschchen nun nicht gerade. Günstig ist so ein Waschmittel auch nicht. Das geht ins Geld. Bio-Waschmittel sind sogar noch teurer. Ob die Preise gerechtfertigt sind? Möglich, schließlich hängt da ganz viel dran und das global. Waschmittel werden weltweit hergestellt, international rumgefahren und was da alles drin ist ... 

Handelsübliches, ganz gewöhnliches Waschmittel 

Die meisten Waschmittel enthalten ungemein viele Zusatzstoffe, die Wäsche, Maschine und Mensch gar nicht brauchen. Sogenannte waschaktive Substanzen, verschiedene Tenside, Alkalien, Bleichmittel, optische Aufheller, Schaumregulatoren, Proteasen, Inhibitoren, Stabilisatoren und Enzyme. Dazu kommen Duftstoffe und Parfüme, die uns das Waschen einfacher und schöner machen (sollen) und die Wäsche sauberer, weicher, duftender, fluffiger, strahlender usw. Egal ob flüssig, als Pulver oder Gel – Waschmittel enthält eine Menge chemischer Stoffe, die alle wieder zu uns zurückkommen. 

Einige, eigentlich sogar recht viele dieser Inhaltsstoffe sind biologisch sehr schwer abbaubar und lagern sich in der Umwelt, in unserer Luft, unserem Wasser, den Böden, Lebensmitteln und in uns ab. Das Klärwerk schafft es nicht, beispielsweise optische Aufheller, Phosphate oder Vergrauuungsinhibitoren abzubauen. Das gilt auch für viele Duftstoffe, z. B. einige ätherische Öle, die sich nachweislich in Fischen wiederfinden. 

Ganz übel sind übrigens Flüssigwaschmittel und sonstige Waschmittel (Bleiche, Weichspüler etc.), die in Plastikflaschen angeboten werden. Allein die Verpackung produziert ungemein viel unnötigen Müll und die Inhaltsstoffe belasten das Abwasser sogar noch stärker, als es Waschpulver inklusive Bleichmittel und sonstigen Zusatzstoffen hinkriegt. Dabei reicht stets eine kleine Menge, um die Wäsche sauber zu machen, und die Temperatur hilft auch. 

Bio-Waschmittel 

Ja, dann kaufen wir halt Biowaschmittel. Schließlich gibt es die mittlerweile fast überall als Waschpulver, Kompaktwaschmittel, Flüssigwaschmittel, Tabs oder Gel. Pustekuchen, denn der Zusatz Bio bedeutet nicht automatisch umweltfreundlich. Es gibt keine festen Regeln, Vorschriften und Gesetze, die vorgeben, was Ökowaschmittel und Biowaschmittel beinhalten sollen, können oder dürfen. Steht Bio drauf, sagt das lediglich etwas über die Herkunft der Inhalts- und Rohstoffe aus. Aber nichts über die Produktionsbedingungen, Sozialverträglichkeit, Verpackung und schon gar nicht über den Transport. 

Grundsätzlich enthalten Bio-Waschmittel meist weniger Duftstoffe, weniger Farbstoffe, weniger Aufheller, dafür aber nachwachsende Rohstoffe. Da ist es aber wie bei den Waschnüssen (siehe nächster Absatz): Es kommt darauf an, unter welchen Bedingungen die Rohstoffe hergestellt werden. Vor ein paar Jahren gab es zum Beispiel einen Boom mit Orangenschalenöl, das unter hohem Wasserverbrauch und mit Einsatz von Pestiziden und Düngemitteln hergestellt wurde – und giftig für einige Wasserorganismen ist. Die Abbaubarkeit von Öl, das aus Orangenschalen hergestellt wird, ist einfach nicht gegeben. 

Also, gilt auch für Bio- und Ökowaschmittel: Die Dosis macht das Gift. Schließlich muss auch das hergestellt, verpackt, transportiert und aus dem Abwasser entfernt werden. Daher auch damit sparsam umgehen und vernünftig dosieren. 

Waschnüsse & Konsorten 

Waschnüsse sind Nüsse; sie werden daher geknackt, in einen Beutel gesteckt und in die Waschtrommel gegeben. Die Schalen sind waschaktiv, entfernen Flecken aber nicht unbedingt so gut. Die Nussschalen werden blass, wenn sie verbraucht sind und können auf den Kompost; so einer vorhanden ist. Klingt gut, denken viele, und kaufen Waschnüsse. Nicht ganz, denn die Waschnuss wird in erster Linie in Asien angebaut und durch die erhöhte Nachfrage werden Waschnüsse übertrieben viel angebaut, um auch ein Stück vom Kuchen zu bekommen und die eigene Existenz zu sichern. Das ist nicht verwerflich, aber es entstehen Monokulturen, Überbewirtschaftung unter Einsatz von Düngemitteln, Pestiziden etc. und ganze Gebiete werden gerodet. In Europa angebaute Waschnüsse gibt es auch, sie sind allerdings teurer und in kleineren Mengen erhältlich. Also, auch keine Lösung. 

Alternativen mit mehr oder weniger guter Erhältlichkeit, lokaler Herkunft, akzeptabler Preisgestaltung und ausreichender Waschwirkung sind Kastanien oder Rosskastanien, Seifenkraut, Ringelblumen, Efeu, Primeln, Ahorn, Seifenbohnenbäume oder auch Rüben. 

Das Baukastensystem ist eine gute Idee, mir aber mit zu viel Aufwand verbunden. Ich mag nicht jedes Mal entscheiden und dosieren, wie viel Waschpulver, Bleiche, Fleckensalz und Wasserenthärter ich verwenden will, muss und kann. 

Mittwoch, 22. Februar 2017

ruhrdeutsch: ein pinn fleischwurst. eine spurensuche nach dem pinn.

Neulich beim Metzger meines Vertrauens. Vor mir ein männlicher Kunde, geschätztes Alter 50+, hinter der Theke eine Verkäuferin, (auf Nachfrage) 44 Jahre alt.

Ein Pinn Fleischwurst mit Knoblauch, bitte. 

Eine ganze? 

Nee, ein Pinn. 

Kennich nicht. Wie viel ist das?

Halt ein Stück. So 10 bis 15 Zentimeter.

Ich bin ein wenig erstaunt, schließlich ist genau dieser Ausdruck feinster Lokalkolorit und völlig üblich. Dachte ich. Ist aber nicht (mehr) so, viel mehr war es wohl so. Daher widme ich diesen Artikel dem Pinn Fleischwurst. Gerne mit Brötchen. Das gehört dazu, wahlweise mit Senf.

Foto: Barbara Piontek

Fleischwurst? Fleischwurst.

Fange ich vorne an, denn bereits Ausdruck und Wesen der Fleischwurst können durchaus Fragen aufwerfen. Es scheint eine lokale Lebensgewohnheit, Pardon, eine Essgewohnheit des Ruhrgebietes zu sein. Schließlich werde ich nördlich und südlich von hier in Sachen Fleischwurst schräg angeschaut. Was vielleicht daran liegen mag, dass allein das Wort und die Sache an sich, nämlich die Fleischwurst nicht im gesamten deutschsprachigen Raum bekannt ist.

Bei einer Fleischwurst handelt es sich um eine (geräucherte) Brühwurst, die in anderen Gegenden Deutschlands unter dem Namen Lyoner bekannt ist. Wobei ich einwerfen muss, dass die Rote, wie die Lyoner im Raum Nagold genannt wird, schon etwas anderes als die heimische Fleischwurst ist. Farblich, geschmacklich und auch von der Größe und Konsistenz.

Im Ruhrgebiet gehört Fleischwurst zum Alltag und es lässt sich kaum ein Metzger finden, der keine herstellt oder anbietet. Abgepackt, eingeschweißt und als Massenware taugt sie nicht viel. Besonders ist heiße Fleischwurst, die direkt aus dem Kessel und dem Sud, in dem sie gebrüht wird, kommt und aus der Hand gegessen wird. Vielleicht noch mit oder in einem Brötchen, vielleicht einer Scheibe Toast, aber auf jeden Fall ohne Messer, Gabel und Teller. Das Ganze funktioniert eigentlich nur auf dem lokalen Wochenmarkt und ist eine Kindheitserinnerung und ein Stück Lebensqualität.

Kurz: Ich liebe Fleischwurst. Heiße, lauwarm oder kalte, ohne Senf, aber mit Brötchen. Fleischwurst geht morgens, zum Frühstück, zwischendurch, als Mahlzeit, Snack, abends, nachts und eigentlich immer. Und das geht nicht nur mir so, auf Baustellen, in Büros oder zwischendurch auf dem Parkplatz wird nicht, wie den Eingeborenen des Ruhrgebiets so oft unterstellt, Currywurst gefuttert, nein, es ist durchaus die Fleischwurst, eben, ein Pinn Fleischwurst. Gerne auch in oder mit einem Brötchen dabei und dazu. Und danach eine Currywurst. Oder davor und dazu. Oder gar nicht und einzeln. Currywurst geht halt immer, Fleischwurst sowieso.

Wortsuchereien nach dem Pinn.

Damit sind wir beim Maß aller Dinge – dem Pinn. Pinn ist ein Wort, das im Ruhrgebiet allerlei Verwendung findet: Pinne sind Beine, die ich mir durchaus in den Bauch stehen kann, ein Pinn inne Fott ist der Stock im Allerwertesten, der bildhaft die Steifheit mancher Menschen beschreibt, der Pinn ist ein Hebel, der betätigt werden will, Pinnchen oder Pinneken heißt das Schnapsglas für den Kurzen und ein Pinn ist ebenfalls ein (dürrer) Baum, ein Zweig, ein Ast, ein Stock.

(Lesenswert in diesem Zusammenhang ist der einzige in den Weiten des Internets vorhandene Text, der den Pinn Fleischwurst erwähnt und sich mit dem Pinn beschäftigt.)

Der Duden kennt die Pinnwand, die Pinnnadel, die Pinne, die Pinna (übrigens eine Vogelmuschel des Mittelmeeres) und die Verben pinnen, anpinnen, abpinnen (abschreiben), aber ein Pinn? Nichts zu finden, nichts zu wollen.

Weitersuchen, zurück zu den Wurzeln, zu Grimms Wörterbuch. Und dort ist etwas zu finden, das passen könnte. Denke ich, denn die Erklärungen klingen logisch. Vorsicht, nun wird es ein wenig kompliziert, es geht um 5 Ecken und über 3 Brücken:

Ein Pinn ist etwas hartes, relativ kleines, zum Beispiel ein Nagel, was die Form des Pinnes Fleischwurst erklären könnte. Jedenfalls wenn die Fleischwurst nicht besonders gut ist, denn dann ist sie hart und nicht so lecker. Und diese kann ich in ein Brötchen schieben. So ich will.


Gehe ich weiter, lande ich bei Pfinne und Pfinnig, wo ich unter 2 und Pfinnig wirklich etwas mit Fleisch finde. Könnte auch passen, da wir im Lebensbereich Ruhr das f weglassen; d. h. wir haben kein Pferd, sondern ein Ferd, was genauso klingt wie fährt, falls also ein Ferd fährt ist das in heimischen Gefilden gar kein Problem und aus Pfinne kann problemlos ein, ähm, Finn werden. Mist, das war nichts.


Vielleicht ist sowieso alles viel einfacher und es handelt es sich ganz einfach um den Pinn, an dem die Fleischwurst nach dem Brühen oder im Laden des Metzgers aufgehangen wird? Oder die Fleischwurst wurde früher nicht mit einem Bindfaden zugebunden, sondern mit einem Pinn verschlossen, damit die Pampe nicht in die Brühe lief?

Der Pinn – ein Pole?

Die Sprache des Ruhrgebietes ist aber nicht nur mannigfaltig, verliert in der Aussprache gerne mal die ein oder andere Silbe und verkürzt sich mit Vorliebe, sie gibt sich Einflüssen anderer Sprachen hemmungslos hin und macht etwas daraus. Einer dieser Einflüsse kommt vermeintlich aus Polen; es existiert sogar die Bezeichnung Ruhrpole, wie Wikipedia mir mitteilt.

Der Pole an sich, entgegen aller gängigen Vorurteile, ein fleißiger, ruhiger Zeitgenosse, der im Ruhrgebiet nicht nur viel gearbeitet hat und selbiges heute noch tut, bereichert uns seit Jahrhunderten mit Speise, Trank und zuweilen mit Worten und Wörtern. So benutzen wir keinen Hammer, sondern einen Mottek. So das denn polnisch ist.

(Passend dazu hat ein ungemein netter, kluger und humorvoller Mensch, der bei mir bereits vor Jahren mächtig Eindruck hinterlassen hat, einen lesenswerten Artikel geschrieben. Der von mir geschätzte Herr, namentlich Heinz H. Menge, unterrichtete mich an der Ruhruniversität Bochum im Bereich Germanistik und nicht nur deswegen lege ich den Artikel gerne geneigten Lesern vor die Nase.)

Die sprachliche Einflüsse des Polnischen sind also mehr oder weniger belegbar vorhanden, daher stellte ich mir die Frage, ob der Pinn vielleicht so seinen Weg zu uns gefunden hat. Wörterbücher brachten mich nicht weiter, also habe ich Menschen gefragt, die des Polnischen mächtig sind. Leider ohne Ergebnis, bis ich meinen Getränkelieferanten anrief, der gebürtiger Pole ist und jedes Mal, wenn er meinen Nachnamen hört, der Meinung ist, ich sei ebenfalls eine und würde die Sprache beherrschen. Dem ist nicht so, sonst würde ich die Antwort ja kennen, doch dieses Mal nutzte ich die Gunst der Stunde und fragte ihn, ob er einen Pinn kennen würde. Kennt er, weiß er und es folgt:

Der Pinn – ein schlüpfriger Zeitgenosse.

Der Getränkemann, der an dieser Stelle anonym bleibt, erklärte mir, dass er den Pinn aus dem Polnischen als umgangssprachlichen Ausdruck für Pimmel kennt und es sich bei der Verkleinerung Pinorek dementsprechend um ein Pimmelchen handeln würde.

Ja, wir bewegen uns gerade in schlüpfrigen Sprachbereichen, aber unter uns: Das Ruhrdeutsche neigt zu derben Worten, vulgärer Direktheit und unverblümten Ausdrücken und im Sinne der Wahrheitsfindung muss ich mich sprachlich schon anpassen und mitmachen. Bestätigungen für diese Übersetzung, bzw. Interpretation habe ich allerdings nicht gefunden.

Doch, vielleicht im Kroatischen, wo das im Ruhrdeutschen gebräuchliche Wort Pimpek, das einen kleinen Hebel, Pin, Stift, Bolzen oder Gegenstand ebenso benennt wie der Pinorek, die Entsprechung oder besser Übersetzung von Penis, bzw. Pimmel sein soll. Wie weit auf kroatische Online-Wörterbücher Verlass ist, nun, das vermag ich nicht zu entscheiden.

Pinngröße – wie viel Fleischwurst ist ein Penis?

Ehrliche Antwort? Ich weiß es nicht. Ein Pinn bemisst sich in seiner Handlichkeit – er passt bequem in die Hand und bietet ausreichend Platz zum Abbeißen. Und er passt in ein Brötchen; wozu ein Loch in selbiges, also das Brötchen geprockelt wird oder es lapidar durchgeschnitten wird, dann der Pinn Fleischwurst unzerteilt zwischen die Hälfen gelegt und das Brötchen wieder zusammengeklappt wird – und guten Hunger.

Da sich die Größen von Händen unterscheiden, die von Brötchen und Fleischwürsten ebenfalls, ist die Pinngröße nicht genau feststellbar. Vielleicht existiert aus diesem Grund die Bezeichnung Pinn und kann mit einem Penis in Verbindung gebracht werden? Da weiß man auch nicht so genau, will es vielleicht nicht wissen und schweigt lieber dezent.

Was ich kann, ist die Größenabstufungen der undefinierbaren länglichen Dinge mitzuteilen: Der Pinn ist das größte Ding, es folgen der Pinorek und der Pimpek, deren Abgrenzung voneinander nicht so einfach ist, und dann folgt das kleinste Dingen, der Nupsi. Und der Eumel. Ach, es gibt noch sehr viel zu tun.

Montag, 11. April 2016

redewendungen und rechtschreibung: wer zuerst kommt, mahlt zuerst.

Es mag Sie vielleicht erstaunen, doch die Redensart Wer zuerst kommt, mahlt zuerst hat rein gar nichts mit Malbüchern für Erwachsene und auch nicht mit den mehr oder weniger überzeugenden Kritzeleien Ihres Nachwuchses zu tun. Es geht schlicht und einfach ums Mahlen. Genauer: um das Mahlen von Mehl. Und ganz genau: Um eine Art gesetzliche Regelung des Mittelalters, in der das Mahlen von Mehl in der Mühlenordnung festgelegt war. Dementsprechend schreiben Sie bitte nicht malen, sondern mahlen - mit h. Dankeschön.

Foto: wortfeiler | Barbara Piontek

 

Der Sachsenspiegel: von der Kürze in die Länge


Falls Sie mehr wissen möchten, lesen Sie nun weiter. Die Redewendung ist kein sinnfreier Spruch, keine Bauernregel, keine christliche Belehrung - dahinter steckt etwas. Nämlich der Sachsenspiegel, der zwischen 1220 und 1235 entstand und das älteste Rechtsbuch ist, das wir haben. Vielleicht gab es ältere Aufzeichnungen, aber die haben wir leider nicht mehr, ergo:

Der Sachsenspiegel wurde von Eike von Repgow, der mit seiner Familie in Reppichau als Vasall der Erzbischöfe von Magdeburg lebte, geschrieben. (Wie und warum es die Repgows als Ostfalen aus Niedersachsen in die Provinz nach Sachsen-Anhalt verschlug, nun, das könnte prosaische Ursachen haben oder eine interessante Geschichte mit sich bringen - ich weiß es leider nicht.) Der Sachsenspiegel beruht (sehr wahrscheinlich) auf einem lateinischen Werk namens Auctor vetus de beneficiis und wir gehen davon aus, er wurde im Auftrag (von Kirche und/oder Adel) geschrieben und auch nicht alleine von Eike von Repgow. Im Sachsenspiegel geht es um Landrecht und Lehnrecht.

Der Sachsenspiegel ist eine ganz tolle Sache. Er ist nämlich nicht nur sehr alt, es handelt sich dabei auch um die erste Prosaliteratur, die in Mittelniederdeutsch verfasst wurde. (Weil wir nicht wissen, ob es davor noch etwas gab, gehen wir davon aus, es ist so.) Die Sache mit der Schriftlichkeit ist auch wichtig zu erwähnen, denn - aus welchen Gründen auch immer - war mittelalterliches Recht ein Gewohnheitsrecht, das mündlich überliefert wurde. Der Sachsenspiegel war so beliebt und erfolgreich, das er eine sehr große Verbreitung erfuhr, z. B. bis in die Niederlande, ins Baltikum, als Vorlage für andere Rechtsbücher galt und bis ins 19. Jahrhundert angewendet und verwendet wurde.

Regeln über Regeln und eine Mühlenordnung


Eine der vielen Regelungen des Sachsenspiegels ist die Mühlenordnung. Müller war kein sonderlich ehrbarer Berufsstand, sie standen stetig im Verdacht falsch zu wiegen, zu messen und zu rechnen. Und weil das schlecht fürs Geschäft war, und die Landesherren sich nicht dauernd Beschwerden anhören mochten und Geld verdienen wollten, kam ihnen die Mühlenordnung sehr recht. Jedenfalls findet sich in dieser Ordnung der denkwürdige Satz: Die ok irst to der molen kumt, die sal erst malen. Heute heißt er: Wer zuerst kommt, mahlt zuerst. Dennoch stammt genau dieses Sprichwort aus dem Anfang des 13. Jahrhunderts, aus dem Sachsenspiegel und der Mühlenordnung. 

Und wenn Sie nun doch etwas neugierig geworden sind und einen Blick in den Sachsenspiegel werfen möchten, so können Sie das problemlos und einfach: Der digitalisierte Sachsenspiegel steht für Sie bereit. Aber natürlich nur, wenn Sie in Zukunft Wer zuerst kommt, mahlt zuerst mit h schreiben.

Mittwoch, 24. Februar 2016

zögern, zaudern, socken stricken.

In der Grundschule lernte ich, wie alle Mädchen damals, sticken, stricken, häkeln. Also, ich sollte das lernen, von wollen war nie die Rede, gefragt wurde auch niemand, das macht man halt so. So lautete der Plan, bzw. der meiner Grundschullehrerin, humorvoller Haudegen der alten Garde. 

Die Sache mit dem Sticken, Häkeln und Stricken stand nun also an. Im Handarbeitsunterricht. Frohen Mutes ging es los – und schief. Das Problem, dessen ich mir in keinster Weise bewusst war? Ich war und bin Linkshänderin. Die einzige Linkshänderin weit und breit und vor allem in der Klasse. Gefühlt im kompletten Universum, denn was ich zustande brachte war alles, aber nicht schön und schon gar nicht das, was die anderen hinbekamen oder die Lehrerin wollte. Ich versuchte es. Das Ergebnis? Knoten, viel zu lockere Maschen, unglaublich stramme Maschen, trapezförmige Topflappen, schief umstrickte Kleiderbügel und traurig anmutende Teddybären. 

Meine Lehrerin versuchte es mit stoischem Druck und gnadenloser Härte. Das muss so und das geht so. Mit rechts. Punkt. Es ging nicht. Ich verstand einfach nicht, was mir da vermittelt werden sollte, ich konnte es nicht umsetzen und sie es mir nicht zeigen. Andere hatten Mütter, Tanten, Omas, die es ihnen zeigten konnten, ich war ziemlich allein auf weiter Flur und tanzte aus der Reihe. Ich verstand nichts und irgendwann wollte ich auch nicht mehr. Also, stricken und häkeln. 

Meine Tanten und Omas zuckten mit den Schultern, aber meine Mutter, reichlich brutal umtrainierte Ex-Linkshänderin, war tapfer: Sie, die mit rechts häkeln, sticken und stricken konnte, übte jeden Abend, wie die Abläufe mit der linken Hand zu bewerkstelligen sein könnten. Erst allein, dann mit mir. Und siehe da, ich biss mich durch, ich strickte (halbwegs entzückende) Teddybären, häkelte (weiterhin ziemlich schiefe) Topflappen und bestickte Taschentücher. Mit links. Nicht sonderlich schnell, von außen merkwürdig anzusehen und mit mäßigem Erfolg, aber ich tat es und die Ergebnisse musste sogar meine Grundschullehrerin zähneknirschend akzeptieren. Lob bekamen die anderen, gute Noten auch.

Diese Erfahrungen hingen mir in den Knochen. So sehr, dass ich die nächsten 35 Jahre keine Wolle mehr in die Hand nahm. Nähen, Nähmaschine – alles gut, aber einen Pullover häkeln oder Socken stricken? Niemals! Nicht einmal einen Schal! Schon bei dem Gedanken wurde mir schlecht und brach mir der Angstschweiß aus. 

Bis vor ein oder zwei Jahren. Da wollte ich Wollsocken. Nicht aus Polyester, Polyamid und sonstigen künstlichen Materialien. Ich wollte Wollsocken. Reine Naturwolle. Weich, warm und natürlich. Gibt es nicht, kriegen wir nicht, nehmen Sie doch was da ist, was Sie wollen, will keiner – kurz: Es gibt keine Wollsocken, die mir gefallen. Lediglich Mischgewebe, schreckliche Farben, merkwürdige Muster. 

Und nun? Socken stricken? Mit 5 Nadeln und dann noch Fersen stricken? Das schaffe ich nicht. Das kann ich nicht. Das Kindheitstrauma verfolgte mich. Ich war blockiert, fast schon ein bisschen verzweifelt. Das Vertrauen in meine Fähigkeiten war kaum bis gar nicht vorhanden. Aber ich wollte Wollsocken. Und ich gebe nicht auf. Niemals. Ich kann alles lernen. Oder zumindest versuchen. Das kann doch nicht so schwer sein! Hallo? Ich habe schon ganz andere Sachen gelernt und geschafft! 

Ich suchte, fragte und schaute mich um. Das Internet, eine Quell des Wissens, war mehr als hilfreich. Denn da war er plötzlich, der Weg, wie ich mit einer Rundstricknadel zwei Socken nicht nur gleichzeitig, sondern auch passend und inklusive Ferse stricken konnte. Aus reiner Wolle. 


Auch wenn es vielleicht nur Socken sind, die ich nun stricken kann, beweisen genau diese schlichten, einfachen Wollsocken eines: 

Mach doch einfach. Lauf nicht weg. Lauf drumherum. Nimm Umwege, aber gib nicht auf. Niemals. Such Dir Deinen Weg. Es gibt nämlich nie nur einen. Es gibt Möglichkeiten. Und wenn etwas für mich und zu mir nicht passt, heißt das noch lange nicht, ich bin unfähig oder blöd. Es bedeutet nur, da ist mehr. Und es gibt immer einen Weg. Und es muss nicht immer der sein, den alle nehmen.

Dienstag, 8. Dezember 2015

konsumverweigerung.

"Guten Tag, ich rufe von XYZ an. Sie haben vor einiger Zeit etwas bei uns bestellt, daher ..."

"Entschuldigung, es kommt nicht wieder vor."

"Haha, wie meinen Sie das jetzt?"

"Nun, ich habe zwei Kleidungsstücke bei Ihnen bestellt. Als Herstellungsländer werden auf den eingenähten Zettelchen China, Sri Lanka oder Bangladesch genannt. Da die Produktionsbedingungen wahrscheinlich nicht sehr nett sind, sehe ich von weiteren Bestellungen ab. Ich werde nichts mehr bei Ihnen bestellen. Oder können Sie mir etwas zu den Herstellungsbedingungen Ihrer Produkte sagen."

"Öhm, nein, dazu kann ich nichts sagen."

"Warum rufen Sie eigentlich an? Was kann ich für Sie tun?"

"Ähm, nichts. Das hat sich dann erledigt."

Dienstag, 14. April 2015

kurze texte sind billiger.

Nein, ich möchte mich nicht beschweren, niemanden anprangern, sondern eher ein oder zwei Dinge klarstellen, die mir schon länger auf dem Herzen liegen. Es geht um Texte und die Menschen, die sie schreiben. Einzigartige Texte, individuelle Texte, Content-Texte, Marketing-Texte, Texte, die Suchmaschinen gefallen, Texte, die gut zu lesen und informativ sind. Texte für Blogbeiträge, Pressemitteilungen, Webseiten, Broschüren, Kundenzeitschriften - kurz: Fast alles, was wir lesen, hat jemand geschrieben, der damit ihr und sein Geld verdient und davon lebt. Manche besser, manche schlechter. Also, leben, obwohl das mit dem Schreiben ... nun ja. 

Immerhin, und das schreibe ich bewusst, ist den meisten Menschen klar, dass Texte einen Sinn haben. Über die Qualität von Texten und den Anspruch an Texte könnten wir streiten, da gibt es viele Meinungen, und nicht zuletzt geht es um dem Preis, den Menschen, Kunden und Auftraggeber zu zahlen bereit sind. Sie vertreten manchmal die Meinung, schreiben kann jeder, also ist es keine Kunst, kein Handwerk, kein Talent und auch keine Erfahrung oder Wissen - und dementsprechend günstig sind die Ergebnisse. Das Schreiben liegt uns wohl im Blut, im Land der Dichter und Denker. 

Und nun kommen doch wieder all die schreibenden Menschen ins Spiel: Es beginnt mit der Tatsache, dass Texter kein geschützter Beruf ist. Jeder, der irgendwann einmal irgendwo etwas veröffentlicht hat, kann sich Texter nennen. Das heißt, wenn Tante Klara meinen Aufsatz über Blumen und Bienen in der 8. Klasse so gelungen fand und ich mich berufen fühle, tja, dann bin ich halt Texter und schreibe munter los. Habe ich einen lustigen Kommentar für die Abi-Zeitung verfasst, agiere als Leserreporter des lokalen Käseblättchens, habe einen VHS-Kurs besucht, betreibe ein Blog oder habe ein Buch im Selbstverlag veröffentlicht - schwupps, gehöre ich zur schreibenden Zunft. Ganz schön einfach, nicht? 

Dementsprechend viele Texter und Texterinnen lassen sich finden. Einen Überblick zu bekommen, das ist für Laien recht schwer, schließlich werden wir von Texten dermaßen überschüttet, dass es schwierig erscheint, einen guten von einem schlechten Text zu unterscheiden. Doch, es geht schon: Massenware langweilt, informiert nicht, benutzt Phrasen und leere Floskeln, strotzt vor Fehlern und macht schlicht keinen Spaß. 

Und dann ist da noch der Preis: Ein guter Text ist nicht billig, vielleicht annähernd günstig, aber niemals billig. Und den Preis kann fast jeder beurteilen, indem er rechnet: Wie soll jemand von einem Stundensatz leben, der unter dem Mindestlohn liegt? Sehr schlecht, da bin ich mir sicher. Und warum sollte jemand motiviert, engagiert und kompetent für den Preis einer Tasse Kaffee schreiben? Warum sollte ich meine Fähigkeiten, meine Erfahrung und meine Zeit einsetzen, wenn es sich nicht wenigstens auch finanziell ein wenig lohnt? 

Die meisten Agenturen wissen das, verhandeln zwar gerne, wissen aber genau, wenn sie hochwertige Texte haben möchten, kostet das Geld und lohnt sich. Schließlich bringen die Texte ihren Kunden später Geld und darum geht es doch. Um so erstaunlicher sind Anfragen, die immer mal wieder bei mir eintreffen und zuweilen Empörung auslösen, weil ich eben nicht für 20 oder 30 Euro die Stunde zu haben bin, nicht für 100 Euro eine komplette Webseite betexte und auch keinen Fachbeitrag für 80 Euro schreiben möchte. Solche Anfragen kommen meist von kleineren oder mittleren Unternehmen, Einzelkämpfern oder Menschen, die es eigentlich besser wissen sollten. Sie arbeiten auch nicht unter ihrem Preis, möchten aber möglichst viel Gewinn einstreichen, weshalb der Text, das Design, das Layout oder das Foto so wenig wie möglich oder besser gar nichts kosten sollen. 

Neben der Entrüstung, die mir manchmal entgegenschlägt, wiederholen sich die Aussagen: Es ist doch nur ein kurzer Text, den tippen Sie schnell runter, der kann doch nicht mehr als eine Handvoll Euro kosten. Machen Sie mal eben, der Text könnte längst fertig sein! Vielleicht haben Sie noch einen Text rumliegen, der tut es für mich. Und ganz besonders schön: Wenn der Text toll ist, bekommen sie ganz viele Aufträge von mir/uns und dann lohnt sich das doch! 

Totschlagargumente, und etwas anderes sind solche Aussagen nicht, halte ich grundsätzlich für dumme Manipulationsversuche, hilflose Akte und vielleicht noch Machtgehabe, aber ernst nehme ich sie nicht. Ich erkläre nicht mehr, warum gerade Überschriften (und auch Headlines, Sublines etc.) und kurze Texte sehr viel Zeit, Arbeit und Können erfordern. Geiz ist geil ist vielleicht ein ziemlich blödes Beispiel, aber wenn es nicht gerade ein Zufallsprodukt war, haben diese drei kleinen Wörter eine Agentur und/oder einen Texter recht lange beschäftigt und (hoffentlich) auch ziemlich viel Geld eingebracht. Das Teil dudelte immerhin überall rauf und runter und hat dem Unternehmen bestimmt beneidenswerte Umsätze beschert. 

Ich könnte solche Anfragen getrost ignorieren, sie lakonisch löschen, wenn sie per Mail kommen, es ändert aber an der Sache nichts und sie kommen dennoch immer wieder. Wie also damit umgehen? 

Und es bleibt die Frage, warum Texterinnen und Texter auf solche Angebote eingehen und sich maßlos unter Wert verkaufen? Verzweiflung? Not? Anerkennung? Ihr Lieben, Ihr macht Euch den Markt selbst kaputt und lebt dazu noch von 20 Euro am Tag, denn mehr verdient Ihr nicht an dem Auftrag und werdet es auch in Zukunft nicht tun. 

Ich muss Euch nicht erklären, dass Eure Krankenkasse und Rente bezahlt werden möchten, die Miete und das Essen auch und von Arbeitsmitteln wie Telefonanschluss, PC, Laptop gar nicht zu reden. Wohnt Ihr alle im Keller Eurer Eltern oder habt Ihr einen Partner, der für Euch sorgt und schreibt Ihr nur zur Selbstverwirklichung? Und wie fühlt Ihr Euch so als Fließbandarbeiter? Entrüstet Ihr Euch auch ausreichend über böse Kunden, die Euch darben lassen? Tja, dann bekommen ein paar von Euch auch das, was sie verdienen. Nämlich, kurze Texe sind billiger. 


Dienstag, 9. September 2014

sprachmitbringsel aus dem 1. weltkrieg.

In diesen Tagen jährt sich der Beginn des Ersten Weltkriegs – ein einschneidendes Erlebnis für viele Menschen: Es war der erste moderne Krieg, mit entsprechenden inneren und äußeren Verletzungen. Unbekannt sind zumeist die sprachlichen Auswirkungen, die in unserem täglichen Sprachgebrauch nachhallen.

Amerikaner und Briten sprachen zwar eine Sprache, scheiterten aber oft an den Feinheiten. Die Briten, Inder und Waliser in ihren Reihen verstanden die Franzosen nicht, was umgekehrt kaum anders war. Die Alliierten verpflichteten z. B. chinesische Arbeiter, russischsprachige jüdische Immigranten marschierten ebenso mit wie das Heer aus Österreich-Ungarn. Insgesamt kämpften Truppen aus 135 Ländern Seite an Seite – eine sprachliche Herausforderung.

Kriegssprache: Englisch als größter gemeinsamer Nenner

 

Um sich untereinander schnell und effektiv verständigen zu können, musste eine einheitliche Sprache gefunden werden. Die Wahl fiel auf Englisch, da die meisten Soldaten es mehr oder weniger gut verstanden oder zumindest ein paar Worte und Wörter kannten, was daran lag, dass viele Menschen über eine Auswanderung nach Amerika nachdachten. Glossare und Listen der sogenannten Schützengrabensprache wurden verfasst, in Zeitungen veröffentlicht und Worte und Wörter gingen allmählich in den Sprachgebrauch über.

Sprachliche Vielfalt in den Schützengräben

 

Es entstanden nicht nur neue Wortschöpfungen, fremdsprachliche Wörter wurden auch gerne von Mitstreitern übernommen: So steht das arabische Wort bint auch heute noch für Freundin oder Frau und das Hindi-Wort cushy findet sich heute in der Bedeutung von leicht, bequem und einfach im englischen Wörterbuch. Ganz pragmatisch und üblich war die Verwendung von Redewendungen und lautsprachlichen Redeweisen, die beispielsweise anglisiert wurden: So machten die Briten aus dem französischen comprends kurzerhand compray, aus il n'y en a plus wurde napoo und San Fairy Ann bedeutete ça ne fait rien.

Auswirkungen auf die deutsche Sprache

 

Im Deutschland des 1. Weltkrieges herrschten Deutschtümlerei, Nationalismus und Patriotismus, dementsprechend waren fremdsprachige Wörter verpönt – und wurden übersetzt, eingedeutscht oder erfunden. Dabei handelt es sich durchaus nicht immer um Wörter, die auf den ersten Blick nach Krieg klingen, vielleicht einen Bedeutungswandel erfahren und sich bis heute gehalten haben. Während Latrinenparole, Niemandsland, Grabenkampf, Frontschwein, Trommelfeuer, Flak, Stahlhelm oder auch Materialschlacht und Kriegsgewinnler ihre Herkunft eindeutig kennzeichnen, ist die Ursprungsbestimmung bei folgenden Wörtern weitaus schwieriger:

Hören wir dicke Luft, denken wir eher an eine aufgeladene Atmosphäre, wie vor oder nach einem Streit oder Konflikt. Vielleicht kommt noch der Gedanke an die dicke Luft des Ruhrgebietes auf. Bekannt ist der Ausdruck bereits seit dem 17. Jahrhundert, bekannt wurde er durch den 1. Weltkrieg, als die Luft voller Granatsplitter und feindlicher Geschosse war und als dick bezeichnet wurde.

Krieg kurbelt nicht nur die Wirtschaft an, er bringt auch immer technische Neuerungen mit sich: Der Fallschirm und das Fernglas sind solche Errungenschaften, die es erstmals 1915 in den Duden schafften. Ebenso erging es dem U-Boot, das vor 1916 Tauchboot oder Unterseeboot genannt wurde. Ferngläser waren für den Normalbürger damals unerschwinglich, während Fallschirme als begehrte Geschenke galten, deren hochwertige Seide Frauen als Grundlage für Kleidung diente.

Während wir mit dem Wort Blindgänger einen Feigling oder Versager beschreiben, handelt es sich dabei ursprünglich um ein Geschoss, das nicht detonierte. Die übertragene Bedeutung gab es auch vor 100 Jahren schon, denn ein Soldat, der sich übertrieben schnell in Sicherheit brachte, wurde Blindgänger genannt. Nicht ganz unbegründet, denn nicht immer funktionierten die Waffen wie geplant, aber ein echter Mann … nun ja, Ihr wisst schon.

Grimms Wörterbuch kennt das Kanonenfutter bereits seit 1873 und verweist auf Shakespeares Stück Heinrich IV., in dem Falstaff Soldaten, deren Leben keinen Wert hat, Food for powder nennt. Im Ersten Weltkrieg wurde der Ausdruck Kanonenfutter sehr häufig verwendet und dementsprechend sozialisiert.




Verbinden wir den Trenchcoat heute eher mit Humphrey Bogart in Casablanca, so gibt das Wort an sich bereits den Ursprung her: Der Trench, der Schützengraben zeigt die Herkunft als Grabenmantel des Ersten Weltkrieges und wurde im Dezember 1914 das erste Mal im Oxford English Dictionary erwähnt.

08/15 oder Nullachtfünfzehn bezeichnet ursprünglich ein luftgekühltes Maschinengewehr, das seit 1908 vom deutschen Heer benutzt, 1915 verändert wurde und als Massenware im 1. Weltkrieg benutzt wurde. Einen Bedeutungswandel zu Durchschnitt, bar jeglicher Originalität, Langeweile oder Überdruss erfuhr der Ausdruck erst nach dem Ersten Weltkrieg, vielleicht sogar erst in den 30er Jahren des 20. Jahrhunderts, als die Wiederaufrüstung begann und moderne Waffen gebräuchlich wurden.

Wummern heute die Bässe, denken wir kaum an die Geräuschkulisse der Front, wo sich die Artillerie lautstark und eindrücklich bemerkbar machte. Ebenso ergeht es dem schwachen Verb verfranzen, das der Fliegersprache entsprungen ist und in den Memoiren des Roten Barons Manfred von Richthofen vorkommt. Franz lautete der Spitzname des mitfliegenden Beobachters, der für die Navigation in den alten, zweisitzigen Flugzeugen zuständig war. Verfahren, verirren, verlaufen oder irren wir uns, gebrauchen wir das Wort verfranzen heute noch – ohne Flugzeug.

Trockenes, haltbares Kleingebäck oder schlicht Plätzchen nennen wir heute selbstverständlich Keks – ein Ausdruck, der es in Form des Wortes cakes bereits im 19. Jahrhundert über den Kanal schaffte und auch im Brockhaus des Jahres 1906 zu finden ist. Wie schon oben erwähnt, war die Zeit des 1. Weltkrieges von Patriotismus und Nationalismus geprägt, weshalb cakes geradezu eine Beleidigung darstellte, kurzerhand zu Keks eingedeutscht wurde und bereits 1915 im Duden landete. Dort fand sich allerdings, neben dem Plural Keks, auch die vermeintliche Einzahl Kek.

Und nun? Augen auf beim Wortgebrauch? Neee, aber schon erstaunlich, welche Wörter unsere Vorfahren bereits vor 100 Jahren kannten, bzw. kennenlernten, nicht?

Quellen und Originaltexte:

 

http://www.theguardian.com/education/2014/jun/28/first-world-war-one-soldiers-tommies-common-language-trenches

http://www.welt.de/kultur/article131762089/Weltkriegsparolen-praegen-bis-heute-das-Deutsche.html

Duden 

Deutsches Wörterbuch von Jacob und Wilhelm Grimm

Donnerstag, 28. August 2014

helvetismen: zustupf.

Anfangs bin ich darüber gestolpert. Dachte, es ist lediglich ein Tippfehler oder Umgangssprache. Ich gebe zu, ich habe auch gekichert - über das mir unbekannte Wort Zustupf. 

Fragt man Google und liest Schweizer Zeitungen, taucht er an vielen Stellen auf: Es gibt den Zustupf fürs Eigenheim, einen Zustupf für das Theater, für die Vereinskasse, er ist praktisch überall und erklärt sich mir lediglich über den Zusammenhang. 

Zeit zu forschen, was ein Zustupf eigentlich ist und woher er kommt:

Zustupf, die Bedeutung

Ein Zustupf ist männlicher Natur, es heißt also der Zustupf, der Plural lautet Zustüpfe, was wiederum sehr hübsch klingt. 

Der Zustupf hat zwei Bedeutungen: Beim Zustupf handelt es sich um eine (zusätzliche) Einnahme, kann also möglicherweise auch eine Spende sein, und um eine Unterstützung, einen Zuschuss, eine Beihilfe, sogar um eine Ausgleichszahlung, die finanziell oder materiell ausfallen kann, wobei der Zustupf, wie ich denke, oft staatliche Natur ist. 


Zustupf, die Herkunft

Im 5. bis 8. Jahrhundert trennten sich - vereinfacht - die niederdeutschen Sprachen von den hochdeutschen, eine Entwicklung, bei uns entstand Althochdeutsch. Ein Beispiel ist der Unterschied zwischen deutsch Apfel und englisch Apple. Die meisten Schweizer Dialekte haben diese 2. Lautverschiebung nicht mitgemacht, weshalb dort viele alte Worte und Wörter auch heute noch im aktiven Wortschatz vorkommen. 

Im Althoch- und Spätmittelhochdeutschen ist ein Stachel oder ein Stich ein Stupf oder ein kurzer Stoß und auch ein kleiner Stich, also eine kurzfristige, nicht andauernde Sache. Hierher kommt der Zustupf.

Auf dem mitteldeutschen Verb stupfen haben sich zu Beginn des 19. Jahrhunderts übrigens heute noch absolut gebräuchliche Wörter wie stoßen und stupsen entwickelt. Die Stupsnase ist daher mit dem Zustupf verwandt.

Bleibt eine Frage: Existiert ein passendes Verb oder Adjektiv? Gibt es zustupfen oder eine zugestupfte Sache?

Sonntag, 17. August 2014

etymologisches: von kauderwelsch, walnuss, wallach und der schweiz.

Sie hat nichts mit einem Wal zu tun, auch wenn sie sich so schreibt. Auch mit einem Wall verbindet sie, außer vielleicht der Aussprache, nichts. Aber warum heißt die Walnuss eigentlich Walnuss? 

 

Etymologie der Walnuss

Die Echte Walnuss stammt aus südlicheren Breitengraden. Schließlich ist sie frostempfindlich und ihre Heimat liegt ursprünglich wahrscheinlich in Anatolien oder gar noch ein wenig weiter südlich, von wo sie sich im Mittelmeerraum verbreitete und über die umtriebigen Römer zu uns kam. Etwa im 18. Jahrhundert landete sie im Gepäck der Spanier in Amerika – und kalifornische Walnüsse auf unserem Weihnachtstisch.

Seit dem 18. Jahrhundert ist die Bezeichnung Walnuss im Hochdeutschen angesiedelt, wobei der erste Wortteil, das Wal- ziemlich alte Wurzeln hat. Wal- kommt von welsch, das sich im Althochdeutschen als wal(a)ahisc (= romanisch), im Mittelhochdeutschen als walhisch oder welsch finden lässt. Das englische Welsh bedeutet walisisch und das niederländische Waals wallonisch. Alle meinen die Kelten, die unter dem lateinischen Namen Volcae liefen; entsprechend dazu finden sich die passenden Substantive: althochdeutsch walah und mittelhochdeutsch walch.

Die Kelten gingen unter, bzw. vermischten sich mit eindringenden Völkern, geblieben ist die Bezeichnung welsch. Welsch bedeutet ursprünglich also keltisch, später steht es für romanisch, französisch und/oder italienisch. Und weil die Nuss aus Italien kam, hieß sie bei uns bis ins 18. Jahrhundert Welschnuss oder welsche Nuß, aus dem wir – die Herkunft immer noch im Hinterkopf – die Walnuss machten.

 

Schweizer Exkurs

In der Deutschschweiz werden französische Schweizer welsch genannt, die Walnuss aber Baumnuss. Eine Welsche ist also eine Schweizerin mit Französisch als Muttersprache, die Walnuss kommt vom Baum, was nicht falsch ist, aber den Ursprung nicht mehr hergibt.

Welsch bedeutet aber mehr, so steht es – als veraltet und abwertend geltend – für fremdländisch, woher auch kauderwelsch stammt, was für unverständliche, radebrechende, verworrene, fremde Worte und Wörter steht. Und hier haben wir eine echte Erfindung der Schweiz, denn kauderwelsch bezieht sich auf Rätoromanisch, das wohl recht schwer verständlich erschien.

Im Rheintaler Gebiet von Chur wird ein hochalemannischer Dialekt gesprochen, das Churerdeutsch. Der Ortsname lautet in Tirol Kauer, das wahrscheinlich vom mittellateinischen Verb kaudern stammt, was wiederum kollern, plappern und hausieren bedeutet. Kauderwelsch, in unserem Wortschatz selten geworden, bezeichnet ursprünglich Churromanisch und ist seit dem 18. Jahrhundert belegt. 

 

Verwandtschaft auf vier Beinen

Das Wort Wallach kennen wir seit dem späten 15. Jahrhundert. Es meint ursprünglich ein aus der Walachei stammendes kastriertes Pferd. Der Name der Landschaft, Walachei, und auch der der Einwohner, der Walachen, sind zwar slawische Wörter, die allerdings germanische Lehnwörter von welsch sind und von den Walachen nicht benutzt werden. 

Der Herbst naht, die Ernte der Welschnuss ebenfalls – freuen wir uns darauf. Im Wissen um die Herkunft von Namen und Nuss. 

PS. Dieser Artikel ist das Ergebnis eines Frühstücksgesprächs zwischen dem weltbesten Mann und mir. 

Mittwoch, 6. November 2013

fundsache: der vollständige hausdoktor und die wechseljahre.

Wechseljahre, Klimakterium - irgendwann holt die Zeit Frau und auch Mann ein, bzw. der Verfall ist auf dem Weg. Geht für den einen gut, für den anderen nicht so. 

Um 1900 gab es auch zu diesem Thema einen Absatz in dem damals sehr beliebten Buch Der vollständige Hausdoktor. Bewährte Hausmittel gegen die meist vorkommenden Krankheiten der Menschen. Mit einem Anhang: Behandlung von Frauen- und Kinderkrankheiten und Kost für Kranke.



Auch eine Sichtweise. Die Sache mit der vorausgehenden Krankheit macht mir gewaltig Gedanken. Und wie ich mich im Wasser gelinde abhärte. Wässern wir uns!

PS: Ich bin gespannt, was das Frollein Doktor dazu sagen würde. Sie weiß es nämlich sehr viel besser und schreibt darüber sehr lesenswerte, hilfreiche und amüsante Bücher. Auch eines über Wechseljahre. Und hat eine Menge sehr guter Tipps und Ratschläge. Zum Beispiel: Alles entspannt angehen.

Montag, 4. November 2013

sprachsache: kroatisches und lehnwörter.

Die Philologin, also ich, durfte im späten Spätsommer Büro und Schreibtisch hinter sich lassen und in den Urlaub fahren. Ziemlich spontan wurde es Kroatien. Ist nämlich nicht so weit weg, auch im Frühherbst noch angenehm temperiert, Meer gibt es auch, dazu ein paar historische Sehenswürdigkeiten und eine ganz fremde Sprache. Vorab noch ein wenig im Internet gestöbert, um wenigstens etwas über die Sprache zu wissen. 

Hat nicht viel gebracht, dachte ich, als ich die ersten Worte vernahm. Ziemlich fremd und reichlich schnell. Aber dann fand ich doch noch einen Zugang. Fast logisch, dass ich ihn las und nicht hörte. Und so sah er aus:


Richtig, Marmelade öffnete ein paar Türen. Ausgesprochen wie das englische Wort für Marmelade, das bekanntlich Jam lautet. Ich ging auf die Suche und fand viele Lehnwörter aus unterschiedlichen Sprachen:

flaša – Flasche 
sokne - Socken
vece - WC 
vaśpek - Waschbecken 
pjaca – Piazza, Markt
plaža – Strand
kompjuter - Computer

Betrachtet man die kroatische Geschichte, so waren alle mal mehr oder weniger lange da: Griechen, Römer, Türken, Venezianer, Franzosen, Österreicher. Und alle haben ein Stück dagelassen. Wortwörtlich.

Hvala Hrvatska!

Montag, 8. Juli 2013

versuchsküche: meeresbohnen bzw. meeresspargel.

Gesehen habe ich das Grünzeug in der Gemüseabteilung bereits im Winter, damals hieß das Gemüse Meeresspargel. Allerdings hätte ich eine ganze Kiste, sprich mehr als ein Kilo nehmen müssen, weshalb nur eine Rohkostprobe stattfand, die durchweg positiv, wenn auch nicht aussagekräftig ausfiel. Nun heißt es Meeresbohnen, wird aber in kleinen Döschen verkauft - perfekte Grundlage, um das Futter zu testen.



Roh sieht der europäische Queller, das Fuchsschwanzgewächs (Amaranthaceae) so aus und kann durchaus als Salat gegessen werden. Er riecht nach Meeresbrise und schmeckt knackig, salzig, ein klein wenig pfeffrig wie Radieschen, weist vielleicht eine gewisse Ähnlichkeit mit grünem Spargel oder Buschbohnen auf und ist sehr lecker.



Die Haricots de Mer, so der französische Name, standen im Großmarkt zwischen Pulpo und Kieler Sprotten, also im Fischbedarf, wozu sie sicherlich auch sehr gut passen.Wir haben Grashalme und holzig erscheinende Enden entfernt, gewaschen und ihn mit ein wenig Knoblauch in Olivenöl kurz angebraten. Sehr lecker und durchaus vorstellbar mit Scampi und Pasta oder als Salat oder in Essig eingelegt, wie oft im Internet empfohlen.



PS. Gruß aus der Küche an Heidi Hensges, die übrigens eindeutig kauf- und lesbare Bücher schreibt.

Mittwoch, 24. April 2013

nicht-wonnige werbung: mcdonalds's.


Dieses Plakat stach mir in Altenbochum in die Augen. Wortwörtlich. Und die Frage nach dem Sinn der Sache:

Ein verunglücktes Wortspiel aus stillos und ohne Stiel? Soll das witzig sein? Muss ich mir dabei was denken? Kein Stiel und auch kein Stil, aber guter Geschmack? Ein Beispiel mangelhafter Grammatik- und Interpunktionskenntnisse? Ist das Kunst oder kann das weg?

Kann weg, meine ich, ganz weit weg.