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Montag, 26. Juni 2017

ruhrdeutsch: lecker bremsklötze für zum essen.


Meine Sprache verrät, woher ich komme. Mein Vokabular kann mich auch in einer globalen Welt verorten. Blöd nur, dass genau das wohl doch nicht immer funktioniert. Jedenfalls nicht, wenn es um die Wurst, ähm, Frikadelle geht. So heißt der Fleischklops nämlich offiziell in meiner Gegend, dem Ruhrgebiet. Inoffiziell und weitaus häufiger ist aber die wenig schmeichelhafte Bezeichnung Bremsklotz. Ja, wirklich, wir machen, braten und essen kalte und warme Bremsklötze mit und ohne Senf. Dabei ist es egal, ob die Dinger ein bisschen zu lange oder scharf gebraten wurden - selbst blasse Frikadellen sind Bremsklötze.

An sich, denn auch Türstopper, Löwenköttel, Bauarbeiterpraline, Bärenköttel, Frikadösen und Friko kenne ich als Synonyme des Wortes Frikadelle. Mein Mann, der aus der Deutschschweiz stammt, nennt sie übrigens Hacktätschli und nur Hacktätschli. Klingt das eigentlich besser und ansprechender?

Und Ihr so?

Mittwoch, 22. Februar 2017

ruhrdeutsch: ein pinn fleischwurst. eine spurensuche nach dem pinn.

Neulich beim Metzger meines Vertrauens. Vor mir ein männlicher Kunde, geschätztes Alter 50+, hinter der Theke eine Verkäuferin, (auf Nachfrage) 44 Jahre alt.

Ein Pinn Fleischwurst mit Knoblauch, bitte. 

Eine ganze? 

Nee, ein Pinn. 

Kennich nicht. Wie viel ist das?

Halt ein Stück. So 10 bis 15 Zentimeter.

Ich bin ein wenig erstaunt, schließlich ist genau dieser Ausdruck feinster Lokalkolorit und völlig üblich. Dachte ich. Ist aber nicht (mehr) so, viel mehr war es wohl so. Daher widme ich diesen Artikel dem Pinn Fleischwurst. Gerne mit Brötchen. Das gehört dazu, wahlweise mit Senf.

Foto: Barbara Piontek

Fleischwurst? Fleischwurst.

Fange ich vorne an, denn bereits Ausdruck und Wesen der Fleischwurst können durchaus Fragen aufwerfen. Es scheint eine lokale Lebensgewohnheit, Pardon, eine Essgewohnheit des Ruhrgebietes zu sein. Schließlich werde ich nördlich und südlich von hier in Sachen Fleischwurst schräg angeschaut. Was vielleicht daran liegen mag, dass allein das Wort und die Sache an sich, nämlich die Fleischwurst nicht im gesamten deutschsprachigen Raum bekannt ist.

Bei einer Fleischwurst handelt es sich um eine (geräucherte) Brühwurst, die in anderen Gegenden Deutschlands unter dem Namen Lyoner bekannt ist. Wobei ich einwerfen muss, dass die Rote, wie die Lyoner im Raum Nagold genannt wird, schon etwas anderes als die heimische Fleischwurst ist. Farblich, geschmacklich und auch von der Größe und Konsistenz.

Im Ruhrgebiet gehört Fleischwurst zum Alltag und es lässt sich kaum ein Metzger finden, der keine herstellt oder anbietet. Abgepackt, eingeschweißt und als Massenware taugt sie nicht viel. Besonders ist heiße Fleischwurst, die direkt aus dem Kessel und dem Sud, in dem sie gebrüht wird, kommt und aus der Hand gegessen wird. Vielleicht noch mit oder in einem Brötchen, vielleicht einer Scheibe Toast, aber auf jeden Fall ohne Messer, Gabel und Teller. Das Ganze funktioniert eigentlich nur auf dem lokalen Wochenmarkt und ist eine Kindheitserinnerung und ein Stück Lebensqualität.

Kurz: Ich liebe Fleischwurst. Heiße, lauwarm oder kalte, ohne Senf, aber mit Brötchen. Fleischwurst geht morgens, zum Frühstück, zwischendurch, als Mahlzeit, Snack, abends, nachts und eigentlich immer. Und das geht nicht nur mir so, auf Baustellen, in Büros oder zwischendurch auf dem Parkplatz wird nicht, wie den Eingeborenen des Ruhrgebiets so oft unterstellt, Currywurst gefuttert, nein, es ist durchaus die Fleischwurst, eben, ein Pinn Fleischwurst. Gerne auch in oder mit einem Brötchen dabei und dazu. Und danach eine Currywurst. Oder davor und dazu. Oder gar nicht und einzeln. Currywurst geht halt immer, Fleischwurst sowieso.

Wortsuchereien nach dem Pinn.

Damit sind wir beim Maß aller Dinge – dem Pinn. Pinn ist ein Wort, das im Ruhrgebiet allerlei Verwendung findet: Pinne sind Beine, die ich mir durchaus in den Bauch stehen kann, ein Pinn inne Fott ist der Stock im Allerwertesten, der bildhaft die Steifheit mancher Menschen beschreibt, der Pinn ist ein Hebel, der betätigt werden will, Pinnchen oder Pinneken heißt das Schnapsglas für den Kurzen und ein Pinn ist ebenfalls ein (dürrer) Baum, ein Zweig, ein Ast, ein Stock.

(Lesenswert in diesem Zusammenhang ist der einzige in den Weiten des Internets vorhandene Text, der den Pinn Fleischwurst erwähnt und sich mit dem Pinn beschäftigt.)

Der Duden kennt die Pinnwand, die Pinnnadel, die Pinne, die Pinna (übrigens eine Vogelmuschel des Mittelmeeres) und die Verben pinnen, anpinnen, abpinnen (abschreiben), aber ein Pinn? Nichts zu finden, nichts zu wollen.

Weitersuchen, zurück zu den Wurzeln, zu Grimms Wörterbuch. Und dort ist etwas zu finden, das passen könnte. Denke ich, denn die Erklärungen klingen logisch. Vorsicht, nun wird es ein wenig kompliziert, es geht um 5 Ecken und über 3 Brücken:

Ein Pinn ist etwas hartes, relativ kleines, zum Beispiel ein Nagel, was die Form des Pinnes Fleischwurst erklären könnte. Jedenfalls wenn die Fleischwurst nicht besonders gut ist, denn dann ist sie hart und nicht so lecker. Und diese kann ich in ein Brötchen schieben. So ich will.


Gehe ich weiter, lande ich bei Pfinne und Pfinnig, wo ich unter 2 und Pfinnig wirklich etwas mit Fleisch finde. Könnte auch passen, da wir im Lebensbereich Ruhr das f weglassen; d. h. wir haben kein Pferd, sondern ein Ferd, was genauso klingt wie fährt, falls also ein Ferd fährt ist das in heimischen Gefilden gar kein Problem und aus Pfinne kann problemlos ein, ähm, Finn werden. Mist, das war nichts.


Vielleicht ist sowieso alles viel einfacher und es handelt es sich ganz einfach um den Pinn, an dem die Fleischwurst nach dem Brühen oder im Laden des Metzgers aufgehangen wird? Oder die Fleischwurst wurde früher nicht mit einem Bindfaden zugebunden, sondern mit einem Pinn verschlossen, damit die Pampe nicht in die Brühe lief?

Der Pinn – ein Pole?

Die Sprache des Ruhrgebietes ist aber nicht nur mannigfaltig, verliert in der Aussprache gerne mal die ein oder andere Silbe und verkürzt sich mit Vorliebe, sie gibt sich Einflüssen anderer Sprachen hemmungslos hin und macht etwas daraus. Einer dieser Einflüsse kommt vermeintlich aus Polen; es existiert sogar die Bezeichnung Ruhrpole, wie Wikipedia mir mitteilt.

Der Pole an sich, entgegen aller gängigen Vorurteile, ein fleißiger, ruhiger Zeitgenosse, der im Ruhrgebiet nicht nur viel gearbeitet hat und selbiges heute noch tut, bereichert uns seit Jahrhunderten mit Speise, Trank und zuweilen mit Worten und Wörtern. So benutzen wir keinen Hammer, sondern einen Mottek. So das denn polnisch ist.

(Passend dazu hat ein ungemein netter, kluger und humorvoller Mensch, der bei mir bereits vor Jahren mächtig Eindruck hinterlassen hat, einen lesenswerten Artikel geschrieben. Der von mir geschätzte Herr, namentlich Heinz H. Menge, unterrichtete mich an der Ruhruniversität Bochum im Bereich Germanistik und nicht nur deswegen lege ich den Artikel gerne geneigten Lesern vor die Nase.)

Die sprachliche Einflüsse des Polnischen sind also mehr oder weniger belegbar vorhanden, daher stellte ich mir die Frage, ob der Pinn vielleicht so seinen Weg zu uns gefunden hat. Wörterbücher brachten mich nicht weiter, also habe ich Menschen gefragt, die des Polnischen mächtig sind. Leider ohne Ergebnis, bis ich meinen Getränkelieferanten anrief, der gebürtiger Pole ist und jedes Mal, wenn er meinen Nachnamen hört, der Meinung ist, ich sei ebenfalls eine und würde die Sprache beherrschen. Dem ist nicht so, sonst würde ich die Antwort ja kennen, doch dieses Mal nutzte ich die Gunst der Stunde und fragte ihn, ob er einen Pinn kennen würde. Kennt er, weiß er und es folgt:

Der Pinn – ein schlüpfriger Zeitgenosse.

Der Getränkemann, der an dieser Stelle anonym bleibt, erklärte mir, dass er den Pinn aus dem Polnischen als umgangssprachlichen Ausdruck für Pimmel kennt und es sich bei der Verkleinerung Pinorek dementsprechend um ein Pimmelchen handeln würde.

Ja, wir bewegen uns gerade in schlüpfrigen Sprachbereichen, aber unter uns: Das Ruhrdeutsche neigt zu derben Worten, vulgärer Direktheit und unverblümten Ausdrücken und im Sinne der Wahrheitsfindung muss ich mich sprachlich schon anpassen und mitmachen. Bestätigungen für diese Übersetzung, bzw. Interpretation habe ich allerdings nicht gefunden.

Doch, vielleicht im Kroatischen, wo das im Ruhrdeutschen gebräuchliche Wort Pimpek, das einen kleinen Hebel, Pin, Stift, Bolzen oder Gegenstand ebenso benennt wie der Pinorek, die Entsprechung oder besser Übersetzung von Penis, bzw. Pimmel sein soll. Wie weit auf kroatische Online-Wörterbücher Verlass ist, nun, das vermag ich nicht zu entscheiden.

Pinngröße – wie viel Fleischwurst ist ein Penis?

Ehrliche Antwort? Ich weiß es nicht. Ein Pinn bemisst sich in seiner Handlichkeit – er passt bequem in die Hand und bietet ausreichend Platz zum Abbeißen. Und er passt in ein Brötchen; wozu ein Loch in selbiges, also das Brötchen geprockelt wird oder es lapidar durchgeschnitten wird, dann der Pinn Fleischwurst unzerteilt zwischen die Hälfen gelegt und das Brötchen wieder zusammengeklappt wird – und guten Hunger.

Da sich die Größen von Händen unterscheiden, die von Brötchen und Fleischwürsten ebenfalls, ist die Pinngröße nicht genau feststellbar. Vielleicht existiert aus diesem Grund die Bezeichnung Pinn und kann mit einem Penis in Verbindung gebracht werden? Da weiß man auch nicht so genau, will es vielleicht nicht wissen und schweigt lieber dezent.

Was ich kann, ist die Größenabstufungen der undefinierbaren länglichen Dinge mitzuteilen: Der Pinn ist das größte Ding, es folgen der Pinorek und der Pimpek, deren Abgrenzung voneinander nicht so einfach ist, und dann folgt das kleinste Dingen, der Nupsi. Und der Eumel. Ach, es gibt noch sehr viel zu tun.

Dienstag, 16. August 2016

schibbolethe & helvetismen: so richtig schoppen.

Jau, ganz richtig gelesen und auch kein Tippfehler! Es geht ums Schoppen, was lediglich im entfernten Sinne mit dem Shoppen zu tun hat und auch nichts mit dem Schoppen Wein oder Bier. Shoppen mache ich nur, wenn es sich nicht vermeiden lässt. Beim Schoppen sieht es anders aus. Wenn auch nicht viel. Dem Schoppen gehen wir alle ab und an nach, denke ich.

Schibbolethe sind schön! 

Ich fange besser vorne an. Mit dem Schibboleth. Das ist nämlich ein Erkennungszeichen, ein Losungswort und ein Merkmal. Letzteres trifft in diesem Fall zu, denn so ein Schibboleth kennzeichnet die sprachliche Herkunft, bzw. die sprachliche Besonderheit, mit der sich ein Sprecher einer regionalen oder/und sozialen Gruppe zuordnen lässt. Oder anders: Unsere Aussprache und unsere Wortwahl verraten unsere Herkunft. Schibbolethe können wir nämlich nicht einfach abstellen, meist wissen wir nicht einmal, dass wir welche haben. 

Sie sind international und in allen Sprachen, bei allen Menschen und an allen Orten der Welt zu finden. Meine Abstammung ist gemischt, d. h. meine Schibbolethe kann ich zumeist im Ruhrgebiet verorten, was zuweilen deutlich hör- und erkennbar ist. Der Name der Nachbarstadt Dortmund ist so ein Beispiel, denn ich sage Doatmund. Immer. Oder Bannhoff, und nicht Bahnhof.

In der Schweiz! In der Schweiz! In der Schweiz!

Der weltbeste Mann, der eindeutig, nachweislich und auf jeden Fall meiner ist, ist Schweizer - und verfügt daher über eine Fülle von Schibbolethen. Von Haus aus und ohne große Anstrengung. Gut, er spricht nicht Deutsch wie Emil, der übrigens eine Schweizer Variante des ganz gewöhnlichen Standarddeutschen oder Schweizer Hochdeutsch spricht und nicht, wie wir oftmals glauben, einen Schweizer Dialekt zur Schau trägt - dennoch schimmert selbst bei meinem Gespons der helvetische Einschlag durch. Zum Beispiel bei der Betonung und der Aussprache - und bei der Wortwahl und der Wortbedeutung, womit wir bei den Helvetismen sind. 

Schweizerdeutsch, das es so gar nicht gibt, nennt einen überreichen Schatz an Wörtern sein Eigen, die wir hier im Norden gar nicht kennen. Ja, richtig gehört, für ziemliche viele Schweizer bin ich als Bochumerin eine Norddeutsche, was daran liegt, dass alles südlich von, hm, sagen wir mal Karlsruhe sprachlich immer fremder wird. Das liegt wiederum daran, dass das Schweizer Standarddeutsch und die Schweizer Dialekte dem Alemannischen entstammen und keine eigene Sprache sind. Bevor die Empörung der Helveten über mich kommt, wechsel ich nonchalant zum Wort und Verb schoppen.
 
Rein oder raus: Schoppen im Süden und im Norden

Während ich, wenn ich schoppe, zum Beispiel ein T-Shirt ein wenig aus der Hose ziehe oder die Socken locker nach unten drappiere, sieht das bei meinem Herzallerliebsten ganz anders aus: Wenn er schoppt, stopft er Kleidung in Kleidung hinein. Wenn er sein T-Shirt schoppt, engt es ihn nicht wie bei mir ein und sitzt zu stramm - es hängt an ihm herum und er stopft es in die Hose. Ich ziehe rein, er heraus. Ich bausche (auf), er stopft (hinein). Bayern, Österreicher und Schweizer gehen dem Hineinstopfen nach, wir anderen dem Bauschen, alle schoppen wir.

Etymologisch kommt schoppen aus dem Mittelhochdeutschen und zwar von dem mittelhochdeutschen Verb schoppen, einer Intensivbildung des Verbes schieben. Interessanterweise lautete der althochdeutsche Vorgänger scioban und der gotische tiuhan - Sprache lebt. Wie und wann es zur genauen Bedeutungsänderung des Wortes schoppen gekommen ist, wie weit die 2. Lautverschiebung, die die Deutschschweizer Dialekte nur bedingt mitgemacht haben, damit zu tun hat - nun, das würde vielleicht zu weit führen. 

Also, schnell das Deutscherschweizer Idiotikon, das Wörterbuch der Schweizer Mundarten, und das deutsche Pendant, Grimms Wörterbuch, aufgeschlagen und nachgeschaut. Und tada:

deutschschweizer dialekte helvetismen
 
schoppen hochdeutsch deutsch

Belassen wir es dabei, dass alle, die Deutsch sprechen, Kleidung schieben. Manche rein, manche raus. So ist das halt mit den Schibbolethen. Und nun denke ich über gesmokte Blusen und das Smoken an sich nach ...

Mittwoch, 8. Juli 2015

musse schlackern. abba ordentlich.

Ich sammele sie immer separat in einer Wäschebox und alle paar Wochen sind sie dran, die Handtücher. Handtücher sind nämlich eine Wissenschaft für sich. Also, nicht das Handtuch an sich, aber der Umgang mit selbigen. Nee, auch nicht beim Abtrocknen, sondern beim Waschen. Eigentlich beim Waschen, Aufhängen und Abnehmen, Zusammenlegen und Wegpacken der Handtücher.

Das sage nicht ich, das trichterte mir Omma ein: Dat is nemmich sone Sache.

Dat mit dem Waschen geht ja noch. Da kannze an sich nicht so viel bei falsch machen, begann sie ihren Lehrgang. Bunte Hantücha aufn Haufen un weiße aufn andern. Wenn die nich mehr so schön sin, dann musse die bleichn, dann gehn die wieda. Schön heiß waschn, unter 60 °C geht da nix. Auch die buntn, die können dat ab. Wennse wat taugn. Bei Hantücha tusse bessa nich sparn, dat rächt sich nemmich späta. Un nich son billges Waschpulva nehm, lech wat an. Ich nehm Ariel, Persil geht vielleich au, abba nich vom Aldi, dat taucht nix. 

Dann gehtet abba ers los mitti Maloche, warnte Omma an dieser Stelle, am besten is, wennze die gewaschenen Hantücha nach draußn hängs. So richtig in Garten. Auffe Leine oda schön ordentlich anne Spinne. Damit die flattern können. Dann sind die fix trockn, riechn gut un behalt ihre Form. Die können auch bissken nass werdn und so richtich knackign Frost, der macht die Dinga schön muckelich.

Nun wurde es persönlich, an dieser Stelle setzte Omma immer demonstrativ den Zeigefinger vor meine Nase: Un nie vergessn! Hantücha musse schlackern!! Imma!!! Abba ordntlich!!!! Volle Pulle, bisse dat inne Arme merks. Vorm und nachm Aufhängn. Hörsse? Wennze dat nemmich nich machs, dann reibs Dir naher die Fott wund. Un dat is nich schön, dat kannze ner alten Frau glaubn. Also: Nasset Hantuch ausm Korb nehm, so richtich ausse Arme raus schlackern un ers dann aufhängn! Dat Schlackern gibt son Geräusch. Wennze dat nich hören tus, dann hasse nich richtich geschlackert und die Hantücha hängn rum wie welken Sallat. Un beim Abnehm wieda schlackern un dann zusammlegn. Auf Kante. So richtich akkerat.

Bügeln? Ach wat, wennze Handtücha ordentlich schlackern tus, dann brauchsse nix bügeln. Wirs sehn, wie schön dat in Dein Schrank aussehn tut. Un sach dat dem Oppa nich, abba ich tu ja imma noch Spritza Kölnisch Wasser oder Tosca bei. Dat riech ich so gerne. 

Bei uns im Handtuchfach sieht es nicht aus wie in Omma ihrn Schrank. Wahrscheinlich fehlt doch Kölnisch Wasser. Oder Tosca. Oder mein Schweizer Ehegespons weiß nicht, wie man Handtücher richtig schlackert.

Und jetzt entschuldigt mich, ich muss zum Lehrgang. Damit der Mann das mit dem Schlackern endlich mal hinkriegt.

Omma würde mir das niemals durchgehen lassen.

PS: Omma gab sich natürlich nicht mit dem Schlackern von Handtüchern zufrieden. Keine halben Sachen, alles, jedes einzelne Stück und Teil Wäsche, das aus der Waschmaschine kommt, muss geschlackert werden, aufgehängt, abgenommen und noch einmal geschlackert werden. Aber ordentlich.

Montag, 5. Mai 2014

werbung: hauptsache tot, hauptsache lustig und immer kreativ.

Menschen unterscheiden sich. Einer ist so, ein anderer so. Das gilt für alle Lebensbereiche und auch für den Tod. Manche Menschen betrachten das Sterben, den Tod und die Bestattung als hochernste Angelegenheit, die viel mit Würde und Pietät zu tun hat. Religiöse und moralische Traditionen und Glaubensmuster spielen ebenfalls eine mehr oder weniger wichtige Rolle, während genau diese Dinge anderen Menschen völlig abgehen: Sie sehen den Tod prosaisch als natürliches Ereignis, wo Pathos und Gott nichts zu suchen haben und der Rest Mensch einfach unter die Erde gebracht wird. Also ein ziemlich schwieriger Bereich, um zielgruppengerecht zu werben. 

Ganz anschaulich wird das Problem mit einem Blick auf diese Werbung. Eine baumgesäumte Straße führt zu einem Bochumer Friedhof, den Freigrafendamm. Auf der rechten und linken Straßenseite vor dem Eingang zum Friedhof betreiben zwei oder drei Gärtnereien bzw. Blumemläden bzw. Bildhauer ihr Gewerbe, von denen einer wohl dem Bund deutscher Friedhofsgärtner angehört, die wiederum einen Verbund namens Dauergrabpflege - Leben braucht Erinnerung gegründet haben und die Es lebe der Friedhof! zu verantworten haben.

© barbara piontek

Das Motiv, nun ja, es ist Geschmackssache: Manche Menschen finden Bild, Text und Aussage möglicherweise erfrischend, passend oder auch witzig, andere wiederum völlig daneben, fast schon beleidigend. 

© barbara piontek

Neben dieser Anzeige gibt es weitere, die auf der Seite Es lebe der Friedhof! gezeigt werden. Die Kampagne heißt Gräbern ein Gesicht geben. So möchten 2000 Friedhofsgärtnereien in NRW ihre Vision eines modernen, kreativen und inspirierenden Friedhofs mitteilen und ihren Beruf vorstellen, der modern und ideenreich ist und gleichzeitig alle Kundenwünsche erfüllen kann. 

Klappt das? Oder hapert es mit der Umsetzung? Und ist Es lebe der Friedhof! nicht schon ein Oxymoron?

Dienstag, 15. April 2014

aus dem alltag einer deutschschweizerisch-deutschen beziehung: vif.

Manchmal bin ich mir nicht ganz sicher, ob mir mein Mann ein Kompliment macht, mich doch beleidigt oder ich einen Fauxpas begangen habe. Das liegt an seiner Sprache, er kennt nämlich Wörter, deren Bedeutung mir auf den ersten Blick fremd ist.

Ich bin vif, sagt er. Ja, denke ich, assoziiere mit dem Französischen, nicke zustimmend und verstehe, es ist Leben in mir, schließlich lebe ich nachweislich.

Er meint es wortwörtlich, denn was für mich ungewohnt, französisch und auswärts klingt, gehört in der Schweiz in den alltäglichen Sprachgebrauch. Er meint das, was mein Papa Hummeln inne Fott, meine Mutter lebhaft und Kunden erfrischend nennen. Ich bin also, wie man im Ruhrgebiet sagt, eine ganz Vife.


Der Duden kennt, im Gegensatz zu mir, vif auch:

http://www.duden.de/rechtschreibung/vif

Was ich vielleicht besser nicht sage: Das Wort vif ist in der Schweiz gebräuchlich und gilt als landschaftlich. Das bedeutet, vif ist eine sprachliche Eigentümlichkeit der Schweizer, betrifft die Sprechweise der Bewohner bestimmter Gebiete, gehört halt zur Schweizer Sprache, ist aber sonst im Gebrauch veraltet. Denn dann bin ich mir nicht ganz sicher, ob ich lobe, provoziere oder kritisiere. Bleibt also besser unter uns!

Mittwoch, 13. November 2013

lokales: alles käse.

Früher war dort ein stinknormaler Supermarkt, der nicht besonders gut und auch nicht besonders schlecht war. Heute ist dort ein relativ unscheinbarer Bio-Supermarkt names Biokauf - eine feine Sache! Was die Sache aber noch viel feiner macht, ist Karsten Buhr, der dort nämlich mit 12 Metern Länge die längste Bio-Käse-Theke Deutschlands führt. 

Obwohl, führen ist der falsche Ausdruck, denn Karsten lebt und liebt Käse. Das merkt man ganz schnell. Ja, er lässt probieren und hat eine immense Auswahl der verschiedenen Käsesorten der Welt, aber er ist noch ein bisschen netter, freundlicher, herzlicher, offener - und er lächelt mehr als andere. 

Gut, es liegt natürlich auch an seinen Produkten: Vielleicht liegt es daran, dass er einer der wenigen ist, der außerhalb der Schweiz einen feinen Gruyère anbietet, der nach etwas schmeckt (weil er mindestens 12 Monate reifen durfte) und die vielen kleinen, von mir so geliebten Salzkristalle hat. Und Karsten mag, im Gegensatz zum weltbesten Mann, Emmentaler, weil er die schönsten Löcher. Karsten brachte uns auf den Geschmack eines Käses, der Via Mala heißt, und er bietet den vom weltbesten Mann so sehr geliebten Taleggio feil. Eben, gar nicht so einfach bei so vielen Sorten nicht alle mitzunehmen. 

So kannte ich Karsten bisher. Aber er hat ein Geheimnis, von dem niemand wusste. Und das bekam der weltbeste Mann gestern zur Käsetüte, so sieht es aus:



Welche Umtriebe begegnen Karsten, wenn er nicht in Sachen Käse unterwegs ist? Wir werden erfahren, denn Die Käse-Konnektion geht weiter!

Mehr Infos über Bio-Käse, Bio-Käse Bochum, Karsten Buhr und Die Käse-Konnektion findet Ihr, wenn Ihr auf die jeweiligen verlinkten Begriffe klickt. Ein bisschen Pech habt Ihr, wenn Ihr nicht bei Facebook seid, dann verpasst Ihr nämlich die Fortsetzung von Die Käse-Konnektion. Oder noch besser: Ihr geht direkt in den Laden an der Wittener Straße 111 in Bochum, kauft eine Menge Käse und könnt weiterlesen. Geöffnet ist Biokauf montags bis freitags von 8 bis 20 Uhr sowie samstags von 8 bis 18 Uhr.

Montag, 17. Juni 2013

schnappschuss: sonnenaufgang in bochum.


Drei Tage Hitze stehen uns bevor. Ein dramatischer Sonnenaufgang läutet sie ein. Geht es ruhig an und macht langsam.

Dienstag, 11. Juni 2013

fundstück von zuhause: willy brandt und hans piontek in bochum.


Damals war die Welt noch in Ordnung. Da konnte man Politikern noch ganz nahe kommen. Sogar anfassen ging. Weil sie vor Ort auftauchten. Ohne Gummistiefel und wenn Not am Mann ist. Jedenfalls in Bochum, irgendwann Ende der 60er, Anfang der 70er Jahre. Meinem Vater ist das passiert, als Willy Brandt, warum auch immer, nach Bochum kam. Darauf brauchte mein Papa erst mal ein Bier.

Montag, 20. Mai 2013

fundstück: mein uropa und die buchhaltung.


Die Abneigung gegen Zahlen scheint in der Familie zu liegen. Gut, dass aus mir eine Philologin mit Taschenrechner wurde.

Freitag, 3. Mai 2013

rundlauf bochum. tag der arbeit. katharina sim.

Rundlauf Bochum. 30.04.2013 bis 05.05.2013. Hinterm Bunker.
Katharina Sim: Solo 13 Sick
Weitere Termine.


Danke, Katharina und Julia.

Donnerstag, 18. April 2013

leben außerhalb der werbetexterei.

Gestern Grill. Heute Erdbeerboden. 

Mittwoch, 27. März 2013

in eigener sache: neues zuhause in bochum gesucht.

Wir haben ein halbes Jahr nach unserem Einzug und ausgiebigen Renovierungen unsererseits eine Kündigung wegen Eigenbedarf erhalten. Ich erspare Euch die Details und bitte Euch, uns bei der Suche nach einem neuen Zuhause zu helfen: 


Haus/Wohnung in Bochum gesucht!


Wir (Texterin und Architekt - beide selbstständig) suchen Wohn- und Arbeitsraum (ca. 120 bis 150 qm) maximal 2 Kilometer vom Hbf. Bochum entfernt. Gerne Altbau, Hinterhaus, Ladenlokal, Praxis etc. mit Terrasse/Garten zur Miete oder zum Kauf. 

Wer etwas weiß, hat, jemanden kennt, Details erfahren möchte oder schlicht weitersagen mag und sich gerne bei mir melden will: info(at)wortfeiler.de oder anrufen unter 0234 - 51 646 18.

Wir versprechen auch gerne eine großzügige Einladung zum Menü nach Wunsch. (Wer uns kennt, weiß, das lohnt sich! :-))

Vielen Dank!

Dienstag, 19. März 2013

holger steffens: in omnia paratus, airtramper.

Der Dortmunder Journalist Holger Steffens hat bereits so einige abstruse Flausen und Ideen umgesetzt: Verwegen trampte er mit dem Tandem, dem Sulky, der Ape, mit dem Schiff, dem Fahrrad und sogar mit dem ÖPNV. Nachzulesen sind die Reportagen übrigens hier.

Man mag davon halten, was man will, aber langweilig ist anders und man fragt sich insgeheim, was er als nächstes ausheckt. Und genau das tut er. Dieses Mal verliert er wortwörtlich den Boden unter den Füßen und will mit Luftfahrzeugen quer durch Europa nach Lissabon. Nee, nicht mit dem Zug, Bus, Fahrrad, Moped oder Auto fahren, laufen oder schwimmen - er trampt mit Luftfahrzeugen! 

Und es folgt, was folgen muss - das siebte und letzte Abenteuer, der schrägsten Anhalterfahrten:



 

Airtramper: Support & Aktuelles 

Mehr Informationen, der genaue Termin, wie Ihr den Airtramper unterstützen könnt und allerlei Dönnekes erfahrt Ihr:
  1. Hier bei mir
  2. Auf der Webseite des Airtrampers
  3. Auf der Facebook-Seite des Airtrampers
  4. Per Crowdfunding bei Krautreporter
In omnia paratus - zu allem bereit, sagt Holger Steffens. Heidewitzka, sage ich. 

PS: Zwei Jubiläen freuen sich heute: Dem wunderbaren Francisco alles Liebe zum Geburtstag und viele schöne Aufträge als Übersetzer. Das zweite ist privat, aber nicht minder wunderbar.

Montag, 18. Februar 2013

ruhrdeutsch + die bochumer polizei = rollanden

An sich, also ganz grundsätzlich, und bis auf Ausnahmen, schätze ich die Polizei und sehe sie als meinen Freund & Helfer. In Bochum habe ich bisher immer nur sehr freundliche, nette und sympathische Ordnungshüter und -hüterinnen angetroffen, die hilfreich sind. Ausnahmen mögen die Regel bestätigen. Gepaart mit dem Wissenswert, meiner Neugier und dem Folgen des Polizeitickers der Polizei Bochum bei Facebook ergibt das meist vergnügliche Kurzweil.

Klingt vielleicht ein wenig merkwürdig, schließlich geht es doch immer um Verbrechen, Gewalt, Diebe, Einbrecher und viele andere Dinge, die man nicht erleben möchte und die mich auch nicht anziehen. Aber die verwendete Sprache ist oftmals eine wahre Wonne: Da tauchen Ganoven auf, die brachial und dreist vorgehen. Hach, wunderschöne Worte, die Seltenheitswert haben und mich erfreuen. 

Letztes Wochenende ging es in Bochum übrigens fast so zu wie in einer richtigen Stadt; sagt jedenfalls die Meldung. Schaut man genauer hin, liest man dies:


Na und, wird der geneigte Leser sagen, ein Tippfehler halt. Aber nein, sage ich, lasst mir die Freude! Denn die guten alten Rinderrouladen heißen umgangssprachlich in ruhrgebietlichen Gefilden schon mal Rollanden. 


Wer mehr lesen und informiert sein mag, hier der Link zum Presseportal der Polizei Bochum und hier der Link zum Facebook-Polizeiticker der Polizei Bochum.

Freitag, 4. Mai 2012

fundstück: das fkt in der stadtwerke-kundenzeitschrift.

Sind wir doch mal ehrlich: Elendig viele der sogenannten Kundenmagazine sind langweilig - und niemand liest sie. Die Stadtwerke Bochum bilden keine Ausnahme; auch wenn die kleine Zeitschrift sehr hochwertig layoutet und gedruckt ist, sie ist fade und meist blättere ich sie eher lustlos durch.

Dieses Mal gilt dann aber doch die Ausnahme, denn ein schöner, wenn auch kleiner Artikel namens Kunst made in Bochum über das FKT Bochum ist drin:


Schön zu wissen, dass die Stadtwerke Bochum das Freie Kunst Territorium unterstützen!

Mittwoch, 10. August 2011

wissen: 100 dinge über bochum.

Ich bin nicht nur ein echtes Ruhrpottkind, ich bin gebürtige Bochumerin und auch mehr oder weniger stolz darauf. Ja, ich weiß, Bochum ist nicht besonders wichtig, nicht wirklich groß und über die Schönheit lässt sich ebenfalls streiten. Was Punkt 3 angeht, könnte ich nun über andere Ruhrgebietsstädte herziehen, aber sei es drum.

Zurück zu Bochum. Ich habe eindeutig Bildungslücken, was die Geschichte und das Wissen über Bochum angeht. Aus diesem Grund finde ich es sehr schön und kurzweilig, dass derWesten, für mich immer noch die WAZ, eine Serie präsentiert, in der jeweils 100 Dinge über eine Stadt im Ruhrgebiet zu lesen sind. 

Und weil man nie genug nützes und unnützes Wissen haben kann, hier 6 der vielen Dinge, die Ihr über Bochum wissen solltet:







Wem das nicht reicht, hier gibt es 100 Dinge, die Sie über Bochum wissen sollten. Und ja, Dortmund war auch schon dran. Obwohl ich mich frage, warum ich 100 Dinge über Dortmund wissen sollte.

wortfeilchen

PS. Am Layout könnte man ruhig noch arbeiten.