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Mittwoch, 25. Oktober 2017

aufmupf | edgy werbung als altersfrage.

Ich bin 47 Jahre alt. Daran ist nichts zu rütteln. Macht ja auch nichts. Niemand fühlt sich bemüßigt, mir über die Straße zu helfen. Ich muss nachts nicht jede Stunde aufs Örtchen. Alles funktioniert, der Verfall ist körperlich und optisch gnädig, lediglich mein Gehirn funktioniert besser als vor 20 Jahren. Es ist schneller, weitreichender – und nicht mehr so naiv. 

Immerhin naiv genug, um mich bei einer regionalen Agentur als freie, edgy Texterin und Lektorin zu bewerben. Vorweg: Ich habe die regelmäßige Zusammenarbeit nicht bekommen. Ich landete in der Datenbank, falls die Hütte mal wieder brennt. Begründung: Ich passe nicht in die Altersstruktur der Agentur.

Foto: pixabay
Werbeagenturen – ab 35 ist der Lack ab. 

In den meisten deutschen Agenturen arbeitet niemand, der älter als 40 ist. Vielleicht noch die Chefin, der Chef oder der geschäftsführende Mensch, der muss schließlich Wissen, Erfahrung und Kompetenz ausstrahlen. Für die Kunden. Die sollen zahlen und denken, ich bin in guten Händen. 

Aber die Angestellten sind meist sehr viel jünger. Menschen zwischen 20 und 35 geben sich der Illusion hin, Werbung sei eine krasse, coole Sache. Gut, sie schieben unbezahlte Überstunden und Wochenendarbeit, lassen sich schlecht bezahlen und ausnutzen, aber he, Werbung! Wow! Whoop, whoop! 

Werbeagenturen sind jung und werfen mit Titeln um sich. Titelwahnsinn nennt sich das, und wer mit 35 noch keine leitende Position mit verheißungsvollem Titel erreicht hat, wird mitleidig angelächelt und mitgeschleppt, der alte Sack. Dazwischen lockt vielleicht ein vernünftiges Einkommen, aber wenn die 35 naht oder überschritten ist, also mit 40, spätestens 45 sind Frau und Mann zu alt für die Werbebranche. Dann sind sie weg. Gehen oder werden gegangen. Passiert, wird uns eingeredet oder reden sich die heimischen Konsumanheizer selbst ein. Wer damit angefangen hat, weiß ich nicht. Jung, hip, edgy– so sind wir, so sind Werber. Yeah! 

Alter als Zustand. 

Warum, frage ich Sie und mich. Ist ein handelsüblicher Mensch ab einem gewissen Alter untauglich und hat keine Ideen mehr? Geht im Laufe der Jahre die Fähigkeit verloren, die jemand benötigt, um edgy Texte zu verfassen? Ist die Festplatte leer und der Speicher über Nacht gelöscht? Ist mein Sprachzentrum kaputt oder meine Finger arthritisch? Und was ist dann mit 60, 70 oder noch später? Horrorszenarien! 

In den Stellenanzeigen und Ausschreibungen werde ich mit „Du“ angesprochen, denke mir nichts dabei, finde das völlig normal, vergesse aber, dass mein Agenturgegenüber wahrscheinlich 31 und gerade Senior geworden ist. Für die bin ich mit 47 möglicherweise uralt und habe keine Ahnung, was in der Welt so los ist. Pustekuchen! Lebe ich in Isolationshaft? Vegetiere ich erbarmungswürdig vor mich hin? Oder fehlt ihnen schlicht Kompetenz, um mit erfahrenen Mitarbeitern, die sich wenig vormachen lassen, sich dafür auskennen, umzugehen? 

Belege, Statistiken und Antworten für dieses Ab-45-Diskriminieren existieren nicht, aber jeder weiß und erlebt es – und kennt die Vorurteile: Man munkelt über veraltete Kenntnisse und überholte Sprache. Stimmt, wahrscheinlich kenne ich den Duden noch in Papierform und auf Facebook organisiere ich sentimentale 80er-Jahre-Partys oder Klassentreffen. Zu teuer sind sie auch, weil sich Menschen über 40 nicht mehr mit ein paar Euro abspeisen lassen. Logisch, dass sie zu kritisch sind und meckern, also furchtbar anstrengend sind, sie schauen sich das Ganze ja schon eine Weile an. Zu unflexibel und zu oft krank sollen sie sein, zu einem Bewerbungsgespräch kommt es daher oft schon nicht. Und falls doch ein Job dabei rauskommt, folgen die Abstriche: Schlechtere Bezahlung, lange Anfahrt und viele Überstunden. 

Überall Vorurteile. 

Wie kommt man auf die Idee, ein Mensch wäre mit 25 per se hip, wisse mehr und schmeiße mit originellen Ideen nur so um sich? Weil sie sich mutig trauen auch unkonventionelle Ideen zu äußern? Also bitte, das ist keine Altersfrage, im Gegenteil, ich bin viel entspannter und stehe nicht unter Leistungsdruck – das macht mutig! Ich bin mir sehr sicher, dass mein Wortschatz sehr viel größer ist, ich aus dem Stegreif 10 Ideen für Headlines habe, ein fundiertes Konzept, einen Textentwurf, der es in sich hat, sehr viel besser und schneller hinkriege. Und passend zur Zielgruppe arbeite ich auch noch und kann das Ganze erklären, begründen und variieren. 

Warum?

Dienstag, 20. Juni 2017

schlicht falsch | typo-fehler: halten sie abstand!

Es gibt Fehler und Fehler. Ich korrigiere sie alle. Aber besonders gerne Typografie-Fehler, die gerne übersehen werden. Grafiker und Mediengestalter lieben oder hassen mich deswegen. Damit kann ich leben.

Duden empfiehlt die Schreibweise Typografie, erlaubt mir aber alternativ auch meine bevorzugte, nämlich Typographie. Die Abkürzung Typo steht für die Gestaltung von Druckerzeugnissen und digitalen Medien mittels Schrift, Fotos/Bildern, Linien und Flächen. Natürlich könnte ich noch mehr über Mikrotypografie und Makrotypografie erzählen, aber es geht um Typo-Fehler und dabei heute um fehlende Abstände bei Abkürzungen.

Foto: http://unsplash.com/photos/zFz3jThypsA by Mr Cup/Fabien Barral

Die folgenden Fehler tauchen mit 99-prozentiger Wahrscheinlichkeit in jedem PDF auf, das ich zur Bearbeitung bekomme. Also, fangen wir an:

Montag, 11. April 2016

redewendungen und rechtschreibung: wer zuerst kommt, mahlt zuerst.

Es mag Sie vielleicht erstaunen, doch die Redensart Wer zuerst kommt, mahlt zuerst hat rein gar nichts mit Malbüchern für Erwachsene und auch nicht mit den mehr oder weniger überzeugenden Kritzeleien Ihres Nachwuchses zu tun. Es geht schlicht und einfach ums Mahlen. Genauer: um das Mahlen von Mehl. Und ganz genau: Um eine Art gesetzliche Regelung des Mittelalters, in der das Mahlen von Mehl in der Mühlenordnung festgelegt war. Dementsprechend schreiben Sie bitte nicht malen, sondern mahlen - mit h. Dankeschön.

Foto: wortfeiler | Barbara Piontek

 

Der Sachsenspiegel: von der Kürze in die Länge


Falls Sie mehr wissen möchten, lesen Sie nun weiter. Die Redewendung ist kein sinnfreier Spruch, keine Bauernregel, keine christliche Belehrung - dahinter steckt etwas. Nämlich der Sachsenspiegel, der zwischen 1220 und 1235 entstand und das älteste Rechtsbuch ist, das wir haben. Vielleicht gab es ältere Aufzeichnungen, aber die haben wir leider nicht mehr, ergo:

Der Sachsenspiegel wurde von Eike von Repgow, der mit seiner Familie in Reppichau als Vasall der Erzbischöfe von Magdeburg lebte, geschrieben. (Wie und warum es die Repgows als Ostfalen aus Niedersachsen in die Provinz nach Sachsen-Anhalt verschlug, nun, das könnte prosaische Ursachen haben oder eine interessante Geschichte mit sich bringen - ich weiß es leider nicht.) Der Sachsenspiegel beruht (sehr wahrscheinlich) auf einem lateinischen Werk namens Auctor vetus de beneficiis und wir gehen davon aus, er wurde im Auftrag (von Kirche und/oder Adel) geschrieben und auch nicht alleine von Eike von Repgow. Im Sachsenspiegel geht es um Landrecht und Lehnrecht.

Der Sachsenspiegel ist eine ganz tolle Sache. Er ist nämlich nicht nur sehr alt, es handelt sich dabei auch um die erste Prosaliteratur, die in Mittelniederdeutsch verfasst wurde. (Weil wir nicht wissen, ob es davor noch etwas gab, gehen wir davon aus, es ist so.) Die Sache mit der Schriftlichkeit ist auch wichtig zu erwähnen, denn - aus welchen Gründen auch immer - war mittelalterliches Recht ein Gewohnheitsrecht, das mündlich überliefert wurde. Der Sachsenspiegel war so beliebt und erfolgreich, das er eine sehr große Verbreitung erfuhr, z. B. bis in die Niederlande, ins Baltikum, als Vorlage für andere Rechtsbücher galt und bis ins 19. Jahrhundert angewendet und verwendet wurde.

Regeln über Regeln und eine Mühlenordnung


Eine der vielen Regelungen des Sachsenspiegels ist die Mühlenordnung. Müller war kein sonderlich ehrbarer Berufsstand, sie standen stetig im Verdacht falsch zu wiegen, zu messen und zu rechnen. Und weil das schlecht fürs Geschäft war, und die Landesherren sich nicht dauernd Beschwerden anhören mochten und Geld verdienen wollten, kam ihnen die Mühlenordnung sehr recht. Jedenfalls findet sich in dieser Ordnung der denkwürdige Satz: Die ok irst to der molen kumt, die sal erst malen. Heute heißt er: Wer zuerst kommt, mahlt zuerst. Dennoch stammt genau dieses Sprichwort aus dem Anfang des 13. Jahrhunderts, aus dem Sachsenspiegel und der Mühlenordnung. 

Und wenn Sie nun doch etwas neugierig geworden sind und einen Blick in den Sachsenspiegel werfen möchten, so können Sie das problemlos und einfach: Der digitalisierte Sachsenspiegel steht für Sie bereit. Aber natürlich nur, wenn Sie in Zukunft Wer zuerst kommt, mahlt zuerst mit h schreiben.

Donnerstag, 24. März 2016

der posamentierer posamentiert posamenterien.

Manchmal entdecke ich in den Online-Ausgaben der Zeitungen und Zeitschriften ein kleines und sehr feines Juwel. Zum Beispiel diesen Artikel, in dem es um alte Berufsbezeichnungen geht. Die haben es nämlich in sich. Obwohl sie tot sind. Vielleicht haben Sie die ein oder andere Bezeichnung einmal gehört, aber wissen dann doch nicht, was das sein soll. 

Haben Sie schon einmal von einem Pocher gehört? Das ist nicht nur der Name des zuweilen nervigen Mannes, der über Ihren Bildschirm hüpft, nein, das war der zuständige Mensch im Pochwerk, wo Gestein zerstampft wurde. Gesellschaftlich angesehen waren weder die Arbeit noch der Pocher. 

Um eine Idee von alten Berufen und den dazugehörigen Tätigkeiten zu bekommen, ja, dazu reicht der kurzweilige Artikel durchaus – und glücklicherweise listet er auch weiterführende Lesetipps. 

Natürlich will ich mehr! Mehr Wissen und das jetzt und sofort! 

Nehmen wir doch den Posamentierer. Das war einmal ein Beruf, der gar nicht so selten vorkam. Ich habe allerdings keinen blassen Schimmer, nicht einmal eine Ahnung, was der Mann gemacht hat. Posamentierer. Hm, sagt mir nichts, aber auch gar nichts. 

Und ist ein Wort, an dem bereits die Rechtschreibprüfung meiner Textverarbeitung scheitert. Gehen Sie ruhig mal auf die Seite des Allzweckmittels, genau, auf www.duden.de und tippen Sie Posamentierer ein. Na, was passiert? Nicht viel und schlauer sind Sie nun auch nicht. Also, schnell auf Posamenterie geklickt, da muss es doch erklärt sein! Ich erfahre, dass es sich bei Posamenterien um Waren handelt und eine Posamenterie ein Geschäft ist, in dem Posamenterien angeboten werden. Hm, nun ja, das habe ich mir anders vorgestellt!

Also, flugs das Internet bemüht und schaumaleinerguck: Unter http://alteberufe.de (und auch http://www.historische-berufe.de) liegt er, der Hort der Informationen, der Quell mannigfaltiger Geschichten und die Möglichkeit, um stundenlang zu stöbern und zu lesen. 

Und da habe ich ihn gefunden, den Posamentierer. Und nicht nur, warum er so hieß und was er den ganzen Tag gemacht hat, nein, ich kenne nun auch die üblichen und gebräuchlichen Bezeichnungen des Posamentierers. Hübsch, nicht?





Und jetzt haben wir Ostern, ein paar Feiertage stehen an, das Wetter soll eher durchwachsen werden und Sie haben eine Menge Zeit, um zu lesen, zu staunen und zu kichern - über alte Berufsbezeichnungen und Tätigkeiten, die es heute gar nicht mehr gibt.

Mittwoch, 8. Juli 2015

musse schlackern. abba ordentlich.

Ich sammele sie immer separat in einer Wäschebox und alle paar Wochen sind sie dran, die Handtücher. Handtücher sind nämlich eine Wissenschaft für sich. Also, nicht das Handtuch an sich, aber der Umgang mit selbigen. Nee, auch nicht beim Abtrocknen, sondern beim Waschen. Eigentlich beim Waschen, Aufhängen und Abnehmen, Zusammenlegen und Wegpacken der Handtücher.

Das sage nicht ich, das trichterte mir Omma ein: Dat is nemmich sone Sache.

Dat mit dem Waschen geht ja noch. Da kannze an sich nicht so viel bei falsch machen, begann sie ihren Lehrgang. Bunte Hantücha aufn Haufen un weiße aufn andern. Wenn die nich mehr so schön sin, dann musse die bleichn, dann gehn die wieda. Schön heiß waschn, unter 60 °C geht da nix. Auch die buntn, die können dat ab. Wennse wat taugn. Bei Hantücha tusse bessa nich sparn, dat rächt sich nemmich späta. Un nich son billges Waschpulva nehm, lech wat an. Ich nehm Ariel, Persil geht vielleich au, abba nich vom Aldi, dat taucht nix. 

Dann gehtet abba ers los mitti Maloche, warnte Omma an dieser Stelle, am besten is, wennze die gewaschenen Hantücha nach draußn hängs. So richtig in Garten. Auffe Leine oda schön ordentlich anne Spinne. Damit die flattern können. Dann sind die fix trockn, riechn gut un behalt ihre Form. Die können auch bissken nass werdn und so richtich knackign Frost, der macht die Dinga schön muckelich.

Nun wurde es persönlich, an dieser Stelle setzte Omma immer demonstrativ den Zeigefinger vor meine Nase: Un nie vergessn! Hantücha musse schlackern!! Imma!!! Abba ordntlich!!!! Volle Pulle, bisse dat inne Arme merks. Vorm und nachm Aufhängn. Hörsse? Wennze dat nemmich nich machs, dann reibs Dir naher die Fott wund. Un dat is nich schön, dat kannze ner alten Frau glaubn. Also: Nasset Hantuch ausm Korb nehm, so richtich ausse Arme raus schlackern un ers dann aufhängn! Dat Schlackern gibt son Geräusch. Wennze dat nich hören tus, dann hasse nich richtich geschlackert und die Hantücha hängn rum wie welken Sallat. Un beim Abnehm wieda schlackern un dann zusammlegn. Auf Kante. So richtich akkerat.

Bügeln? Ach wat, wennze Handtücha ordentlich schlackern tus, dann brauchsse nix bügeln. Wirs sehn, wie schön dat in Dein Schrank aussehn tut. Un sach dat dem Oppa nich, abba ich tu ja imma noch Spritza Kölnisch Wasser oder Tosca bei. Dat riech ich so gerne. 

Bei uns im Handtuchfach sieht es nicht aus wie in Omma ihrn Schrank. Wahrscheinlich fehlt doch Kölnisch Wasser. Oder Tosca. Oder mein Schweizer Ehegespons weiß nicht, wie man Handtücher richtig schlackert.

Und jetzt entschuldigt mich, ich muss zum Lehrgang. Damit der Mann das mit dem Schlackern endlich mal hinkriegt.

Omma würde mir das niemals durchgehen lassen.

PS: Omma gab sich natürlich nicht mit dem Schlackern von Handtüchern zufrieden. Keine halben Sachen, alles, jedes einzelne Stück und Teil Wäsche, das aus der Waschmaschine kommt, muss geschlackert werden, aufgehängt, abgenommen und noch einmal geschlackert werden. Aber ordentlich.

Dienstag, 14. April 2015

kurze texte sind billiger.

Nein, ich möchte mich nicht beschweren, niemanden anprangern, sondern eher ein oder zwei Dinge klarstellen, die mir schon länger auf dem Herzen liegen. Es geht um Texte und die Menschen, die sie schreiben. Einzigartige Texte, individuelle Texte, Content-Texte, Marketing-Texte, Texte, die Suchmaschinen gefallen, Texte, die gut zu lesen und informativ sind. Texte für Blogbeiträge, Pressemitteilungen, Webseiten, Broschüren, Kundenzeitschriften - kurz: Fast alles, was wir lesen, hat jemand geschrieben, der damit ihr und sein Geld verdient und davon lebt. Manche besser, manche schlechter. Also, leben, obwohl das mit dem Schreiben ... nun ja. 

Immerhin, und das schreibe ich bewusst, ist den meisten Menschen klar, dass Texte einen Sinn haben. Über die Qualität von Texten und den Anspruch an Texte könnten wir streiten, da gibt es viele Meinungen, und nicht zuletzt geht es um dem Preis, den Menschen, Kunden und Auftraggeber zu zahlen bereit sind. Sie vertreten manchmal die Meinung, schreiben kann jeder, also ist es keine Kunst, kein Handwerk, kein Talent und auch keine Erfahrung oder Wissen - und dementsprechend günstig sind die Ergebnisse. Das Schreiben liegt uns wohl im Blut, im Land der Dichter und Denker. 

Und nun kommen doch wieder all die schreibenden Menschen ins Spiel: Es beginnt mit der Tatsache, dass Texter kein geschützter Beruf ist. Jeder, der irgendwann einmal irgendwo etwas veröffentlicht hat, kann sich Texter nennen. Das heißt, wenn Tante Klara meinen Aufsatz über Blumen und Bienen in der 8. Klasse so gelungen fand und ich mich berufen fühle, tja, dann bin ich halt Texter und schreibe munter los. Habe ich einen lustigen Kommentar für die Abi-Zeitung verfasst, agiere als Leserreporter des lokalen Käseblättchens, habe einen VHS-Kurs besucht, betreibe ein Blog oder habe ein Buch im Selbstverlag veröffentlicht - schwupps, gehöre ich zur schreibenden Zunft. Ganz schön einfach, nicht? 

Dementsprechend viele Texter und Texterinnen lassen sich finden. Einen Überblick zu bekommen, das ist für Laien recht schwer, schließlich werden wir von Texten dermaßen überschüttet, dass es schwierig erscheint, einen guten von einem schlechten Text zu unterscheiden. Doch, es geht schon: Massenware langweilt, informiert nicht, benutzt Phrasen und leere Floskeln, strotzt vor Fehlern und macht schlicht keinen Spaß. 

Und dann ist da noch der Preis: Ein guter Text ist nicht billig, vielleicht annähernd günstig, aber niemals billig. Und den Preis kann fast jeder beurteilen, indem er rechnet: Wie soll jemand von einem Stundensatz leben, der unter dem Mindestlohn liegt? Sehr schlecht, da bin ich mir sicher. Und warum sollte jemand motiviert, engagiert und kompetent für den Preis einer Tasse Kaffee schreiben? Warum sollte ich meine Fähigkeiten, meine Erfahrung und meine Zeit einsetzen, wenn es sich nicht wenigstens auch finanziell ein wenig lohnt? 

Die meisten Agenturen wissen das, verhandeln zwar gerne, wissen aber genau, wenn sie hochwertige Texte haben möchten, kostet das Geld und lohnt sich. Schließlich bringen die Texte ihren Kunden später Geld und darum geht es doch. Um so erstaunlicher sind Anfragen, die immer mal wieder bei mir eintreffen und zuweilen Empörung auslösen, weil ich eben nicht für 20 oder 30 Euro die Stunde zu haben bin, nicht für 100 Euro eine komplette Webseite betexte und auch keinen Fachbeitrag für 80 Euro schreiben möchte. Solche Anfragen kommen meist von kleineren oder mittleren Unternehmen, Einzelkämpfern oder Menschen, die es eigentlich besser wissen sollten. Sie arbeiten auch nicht unter ihrem Preis, möchten aber möglichst viel Gewinn einstreichen, weshalb der Text, das Design, das Layout oder das Foto so wenig wie möglich oder besser gar nichts kosten sollen. 

Neben der Entrüstung, die mir manchmal entgegenschlägt, wiederholen sich die Aussagen: Es ist doch nur ein kurzer Text, den tippen Sie schnell runter, der kann doch nicht mehr als eine Handvoll Euro kosten. Machen Sie mal eben, der Text könnte längst fertig sein! Vielleicht haben Sie noch einen Text rumliegen, der tut es für mich. Und ganz besonders schön: Wenn der Text toll ist, bekommen sie ganz viele Aufträge von mir/uns und dann lohnt sich das doch! 

Totschlagargumente, und etwas anderes sind solche Aussagen nicht, halte ich grundsätzlich für dumme Manipulationsversuche, hilflose Akte und vielleicht noch Machtgehabe, aber ernst nehme ich sie nicht. Ich erkläre nicht mehr, warum gerade Überschriften (und auch Headlines, Sublines etc.) und kurze Texte sehr viel Zeit, Arbeit und Können erfordern. Geiz ist geil ist vielleicht ein ziemlich blödes Beispiel, aber wenn es nicht gerade ein Zufallsprodukt war, haben diese drei kleinen Wörter eine Agentur und/oder einen Texter recht lange beschäftigt und (hoffentlich) auch ziemlich viel Geld eingebracht. Das Teil dudelte immerhin überall rauf und runter und hat dem Unternehmen bestimmt beneidenswerte Umsätze beschert. 

Ich könnte solche Anfragen getrost ignorieren, sie lakonisch löschen, wenn sie per Mail kommen, es ändert aber an der Sache nichts und sie kommen dennoch immer wieder. Wie also damit umgehen? 

Und es bleibt die Frage, warum Texterinnen und Texter auf solche Angebote eingehen und sich maßlos unter Wert verkaufen? Verzweiflung? Not? Anerkennung? Ihr Lieben, Ihr macht Euch den Markt selbst kaputt und lebt dazu noch von 20 Euro am Tag, denn mehr verdient Ihr nicht an dem Auftrag und werdet es auch in Zukunft nicht tun. 

Ich muss Euch nicht erklären, dass Eure Krankenkasse und Rente bezahlt werden möchten, die Miete und das Essen auch und von Arbeitsmitteln wie Telefonanschluss, PC, Laptop gar nicht zu reden. Wohnt Ihr alle im Keller Eurer Eltern oder habt Ihr einen Partner, der für Euch sorgt und schreibt Ihr nur zur Selbstverwirklichung? Und wie fühlt Ihr Euch so als Fließbandarbeiter? Entrüstet Ihr Euch auch ausreichend über böse Kunden, die Euch darben lassen? Tja, dann bekommen ein paar von Euch auch das, was sie verdienen. Nämlich, kurze Texe sind billiger. 


Mittwoch, 13. November 2013

lokales: alles käse.

Früher war dort ein stinknormaler Supermarkt, der nicht besonders gut und auch nicht besonders schlecht war. Heute ist dort ein relativ unscheinbarer Bio-Supermarkt names Biokauf - eine feine Sache! Was die Sache aber noch viel feiner macht, ist Karsten Buhr, der dort nämlich mit 12 Metern Länge die längste Bio-Käse-Theke Deutschlands führt. 

Obwohl, führen ist der falsche Ausdruck, denn Karsten lebt und liebt Käse. Das merkt man ganz schnell. Ja, er lässt probieren und hat eine immense Auswahl der verschiedenen Käsesorten der Welt, aber er ist noch ein bisschen netter, freundlicher, herzlicher, offener - und er lächelt mehr als andere. 

Gut, es liegt natürlich auch an seinen Produkten: Vielleicht liegt es daran, dass er einer der wenigen ist, der außerhalb der Schweiz einen feinen Gruyère anbietet, der nach etwas schmeckt (weil er mindestens 12 Monate reifen durfte) und die vielen kleinen, von mir so geliebten Salzkristalle hat. Und Karsten mag, im Gegensatz zum weltbesten Mann, Emmentaler, weil er die schönsten Löcher. Karsten brachte uns auf den Geschmack eines Käses, der Via Mala heißt, und er bietet den vom weltbesten Mann so sehr geliebten Taleggio feil. Eben, gar nicht so einfach bei so vielen Sorten nicht alle mitzunehmen. 

So kannte ich Karsten bisher. Aber er hat ein Geheimnis, von dem niemand wusste. Und das bekam der weltbeste Mann gestern zur Käsetüte, so sieht es aus:



Welche Umtriebe begegnen Karsten, wenn er nicht in Sachen Käse unterwegs ist? Wir werden erfahren, denn Die Käse-Konnektion geht weiter!

Mehr Infos über Bio-Käse, Bio-Käse Bochum, Karsten Buhr und Die Käse-Konnektion findet Ihr, wenn Ihr auf die jeweiligen verlinkten Begriffe klickt. Ein bisschen Pech habt Ihr, wenn Ihr nicht bei Facebook seid, dann verpasst Ihr nämlich die Fortsetzung von Die Käse-Konnektion. Oder noch besser: Ihr geht direkt in den Laden an der Wittener Straße 111 in Bochum, kauft eine Menge Käse und könnt weiterlesen. Geöffnet ist Biokauf montags bis freitags von 8 bis 20 Uhr sowie samstags von 8 bis 18 Uhr.

Samstag, 14. Januar 2012

crowdfunding: l'chaim! (auf das leben!)

Glaube, Liebe, Hoffnung – nicht unbedingt in dieser Reihenfolge – das sind 3 der vielen Aspekte, die den Protagonisten Chaim ausmachen. Ihn darauf zu beschränken, wird ihm nicht gerecht: Chaim Lubelski ist voller Facetten – er ist authenthisch, manchmal bis zur Schmerzgrenze, humorvoll, voller Liebe und Lachen, die er großzügig verbreitet und er wertet nicht.

Ein Mensch wie du und ich. Fast! Denn Chaim schenkt ganz viel Liebe und Lachen - und nicht zuletzt sich selbst. Immer wieder, ohne eine Gegenleistung zu verlangen oder zu erwarten.

Es ist seine pure, fast schon philosophische Authentizität, die berührt. Besonders in Momenten, wenn er sagt: Es ist im Blut. Es ist den Genen. Es ist im Wesen. Die Vergangenheit. Der Holocaust ist die Gegenwart.

Schon wieder ein Film über den Holocaust und seine Opfer, der ein ungutes Gefühl hinterlässt und betroffen macht?

Eben nicht! Der Dokumentarfilm L'Chaim! zeigt, ohne Anklage zu erheben und mit viel Humor und Wärme, wie der Holocaust das Leben der Kinder der Überlebenden ganz real beeinflusst. Aber in erster Linie zeigt er einen ganz besonderen Menschen: Chaim. Er wurde in ein Schicksal geboren – sein Leben war und ist nicht einfach, aber er hat einen besonderen Weg gefunden dieses Schicksal zu meistern.

Wie sein Name, der Leben bedeutet, steht dieser Mann für das echte, pure Leben. Mit Liebe, Hoffnung und seinem Glauben. Er akzeptiert sein Schicksal und gibt die Hoffnung niemals auf. Warum auch? Das Leben geht weiter!

Seid Ihr neugierig geworden? Dann schaut Euch den Kurzfilm an und macht Euch selbst ein Bild:


Der Kurzfilm gibt einen kleinen Einblick, der komplette Film wird mit Eurer Hilfe natürlich viel mehr zeigen. Mehr Liebe, mehr Lachen, mehr Erlebnisse – eben wie der jüdische Trinkspruch: L'Chaim! Auf das Leben! 

Was könnt Ihr tun, damit aus L'Chaim! ein großartiger Dokumentarfilm wird? 
Geht in den nächsten 38 Tagen auf die Kickstarter-Seite von L'Chaim! und spendet. 

Könnt Ihr 10 oder 50 Dollar erübrigen, dann spendet bitte, denn jeder Dollar zählt! Ihr spendet nicht einfach so: Für eine Spende in Höhe von 25 Dollar erhaltet Ihr die Möglichkeit, den fertigen Film downzuloaden. Wer 100 Dollar spendet, bekommt eine spezielle DVD des Films und für 300 Dollar wird Euer Name im Abspann genannt!

Auch wer nicht die finanziellen Mittel verfügt, um zu spenden, kann etwas tun: Bitte verbreitet den Kickstarter-Link und helft auf diese Art!

Falls Ihr Fragen zum Film, zum Projekt oder Kickstarter habt, könnt Ihr diese als Kommentar hier posten oder auch direkt den Regisseur Elkan Spiller bei Facebook fragen. Ich werde in den nächsten Wochen immer wieder Updates in meinem Blog posten und Euch so auf dem Laufenden halten.

wortfeilchen

PS. Weitere Informationen und Updates zum Projekt L'Chaim! findet Ihr bei Facebook, im Blog des Regisseurs Elkan Spiller und natürlich bei Kickstarter.

PPS. Vielleicht fragt Ihr Euch, warum ich dieses Projekt unterstütze? Es ist so, wie es in diesem Artikel der Online-Ausgabe der Welt steht: „Die Deutschen meinen, sie müssten immer selbstkritisch sein, um den Rückfall in den Nationalismus zu verhindern. Das liegt auch an der Art, wie in der Schule Geschichte unterrichtet wird." 

Ich finde, sich schuldig zu fühlen ist keine Lösung; Veranwortung zu übernehmen - ja, aber Schuld - nein, das haben wir Deutschen zu lange stillschweigend und beschämt getan. Wenn Chaim seine Lebensgeschichte, sein Erbe und sein Leben akzeptieren kann, können wir von ihm lernen: Wir vergessen nichts, aber das Leben geht auch weiter!

Montag, 26. September 2011

europäischer tag der sprachen.

Seit 2001 findet jährlich der Aktionstag Europäischer Tag der Sprachen statt - natürlich auch heute wieder.

Die Sprachen
23 Amtssprachen und 60 Sprachgemeinschaften in 45 teilnehmenden Ländern. Zu den Regional- und Minderheitensprachen gehören Katalanisch, Samisch, Bretonisch, Ladinisch, Gälisch oder Walisisch.

Die Vision 
Mehr Menschen zum Erlernen von Fremdsprachen motivieren! Jeder soll zwei Fremdsprachen können, sich der Vielfalt der heimischen Sprachen bewusst werden und die sprachliche und kulturelle Fülle pflegen.

wortfeilchen

PS. Mehr Informationen, die lesenswert und spannend sind, findet Ihr hier.

Sonntag, 25. September 2011

fundstück: a liter of light.

Während wir uns Gedanken machen, ob Energiesparlampen gut oder böse sind, Glühbirnen doch nicht so schlecht waren und wie viel Plastikmüll wir produzieren, ist man anderswo auf der Welt dankbar für ein bisschen Licht, das aus PET-Flaschen gewonnen wird:
 


wortfeilchen 

PS. Mehr Informationen und die Welt ein klein wenig heller machen: Hier spenden.

PPS. Via Susanne und Facebook.

Dienstag, 6. September 2011

fundstück: twitter ist schneller als ein erdbeben.

Vielleicht in diesem Fall ein wenig makaber, ein Erdbeben ist schließlich eine üble Sache, aber mehr als ein Körnchen Wahrheit steckt schon drin: twitter ist verdammt schnell. Neuigkeiten, egal ob sie wichtig oder nichtig sind, erfährt man weltweit am schnellsten via twitter.

Das zeigt anschaulich folgendes Video, das ich bei der wunderbaren Kollegin Heike Schmidt-Abidi entdeckt und gleich gemopst habe:
 


wortfeilchen

PS. Ebenso schnell, gewitzt und eloquent ist der wunderbare Marcus, der heute seinen 42. Geburtstag feiert. Alles Liebe nach Düsseldorf!

Mittwoch, 10. August 2011

wissen: 100 dinge über bochum.

Ich bin nicht nur ein echtes Ruhrpottkind, ich bin gebürtige Bochumerin und auch mehr oder weniger stolz darauf. Ja, ich weiß, Bochum ist nicht besonders wichtig, nicht wirklich groß und über die Schönheit lässt sich ebenfalls streiten. Was Punkt 3 angeht, könnte ich nun über andere Ruhrgebietsstädte herziehen, aber sei es drum.

Zurück zu Bochum. Ich habe eindeutig Bildungslücken, was die Geschichte und das Wissen über Bochum angeht. Aus diesem Grund finde ich es sehr schön und kurzweilig, dass derWesten, für mich immer noch die WAZ, eine Serie präsentiert, in der jeweils 100 Dinge über eine Stadt im Ruhrgebiet zu lesen sind. 

Und weil man nie genug nützes und unnützes Wissen haben kann, hier 6 der vielen Dinge, die Ihr über Bochum wissen solltet:







Wem das nicht reicht, hier gibt es 100 Dinge, die Sie über Bochum wissen sollten. Und ja, Dortmund war auch schon dran. Obwohl ich mich frage, warum ich 100 Dinge über Dortmund wissen sollte.

wortfeilchen

PS. Am Layout könnte man ruhig noch arbeiten.

Montag, 11. Juli 2011

in eigener sache: neues zuhause in bochum gesucht.


Ruhiges Akademikerpaar (nämlich mein Mann und ich), ohne Kinder, sucht ab 1.9.2011 oder 1.10.2011 eine Wohnung zur Miete oder ein Haus zur Miete in Bochum. Die Wohnung zur Miete in Bochum oder das Haus zur Miete in Bochum sollte mindestens 100 qm und 4,5 Zimmer haben, darf auch gerne größer sein. Eine Wohnküche (ab 15 qm), ein nicht zu kleiner Balkon oder eine Terrasse mit ein wenig Garten, ein Bad mit Badewanne (lieber noch ein Gäste-WC dazu) und eine Garage (mit Stromanschluss) sind ebenfalls wichtig. Wir möchten niemanden über uns wohnen haben, der uns auf dem Kopf rumtrampelt. Wir möchten ruhig, aber zentral (nicht direkt an einer Hauptverkehrsstraße) wohnen und eine gute Anbindung an ÖPNV haben.

Die Zusammenfassung für die Wohnung zur Miete/Mietwohnung oder das Haus zur Miete/Miethaus in Bochum:

Wichtig:
  • 4,5 Zimmer, gerne mehr (ab 100 qm)
  • Bad mit Badewanne, gerne Fenster im Bad
  • Wohnküche (ab 15 qm)
  • Großzügiger Balkon/Terrasse (muss nicht Südseite sein, gerne Westen/Nordwesten)
  • Fußläufige Anbindung an öffentliche Verkehrsmittel
  • Infrastruktur fußläufig erreichbar
  • Keller/Abstellflächen/Speisekammer/Hauswirtschaftsraum
  • Garage mit Strom
Gerne:
  • Ungewöhnlich und individuell
  • Altbau
  • Hinterhaus
  • Gewerbeobjekt (mit Eisenträgern)
  • Loft/Halle
  • Ehemaliger Betrieb/Handwerksbetrieb
  • Über mehrere Etagen
  • Wohnung mit separatem Büro/Werkstatt
  • Reihenendhaus
  • Doppelhaushälfte
  • Renovierungsbedürftig (Planung/Umbau/Renovierung, weil mein Mann Architekt ist und wir beide was können)
Geht gar nicht:
  • Laminat in der gesamten Wohnung
  • Hellhörig, dünne Wände und Decken
  • Übermäßig hässliche Holzpaneele an Decken und Wänden
  • Laute, feierfreudige Nachbarn
  • Eine reine Maisonette- oder Dachwohnung, wo nur Dachschrägen vorhanden sind
  • Wohnung komplett zu Hauptverkehrsstraße gelegen
  • Eine Kirche nebenan, eine Kneipe im Haus, ein Spielplatz vorm Haus
  • Hochhaus, nicht mehr als 3 Etagen ohne Aufzug
  • Luxusobjekte mit Chichi, Blingbling und ganz viel Komfort
  • Ein Reihenmittelhaus
  • Makler und Courtage
Bevorzugte Stadtteile:
  • Innenstadt/Innenstadtnähe
  • Altenbochum
  • Wiemelhausen
  • Stadtpark
  • Grumme
Auf keinen Fall Langendreer, Werne, Wattenscheid, Stiepel oder sonstige Stadtteile, die weit vom Schuss liegen.

Wann:

Ab September/Oktober 2011

Bitte telefonisch unter 0234 51 646 18 bei mir melden oder gerne auch via E-Mail unter info(at)wortfeiler.de.
 
wortfeilchen

Dienstag, 28. Juni 2011

ein wort mit fünf vokalen: desavouieren.

Vielleicht liegt es an meinem Beruf. Vielleicht auch daran, dass ich täglich mehrfach den Duden konsultiere, sehr viel lese und schreibe. Da fällt mir manchmal das ein oder andere Wort ins Auge - und bleibt daran hängen.  

Solch ein Wunderding, das sage und schreibe fünf Vokale in sich birgt, ist das Wort desavouieren. Zugegeben, ein Wort, das ich eher selten bis gar nicht verwende, und dazu nicht einmal um seine Bedeutung wusste.

Desavouieren bedeutet so viel wie im Stich lassen, bloßstellen, nicht anerkennen, herabwürdigen, verleugnen und in Abrede stellen, blamieren, bloßstellen, kompromittieren, zum Gespött machen oder auch vorführen. Es ist - wie man sicherlich bereits hören kann - lateinisch-französischen Ursprungs.

Erwähnte ich es schon? In dem Wort desavouieren kommen fünf Vokale vor. Und an einer Stelle gleich vier hintereinander! Wow, oder?

wortfeilchen

PS. Nun muss ich nur noch eine Möglichkeit finden, um desavouieren in einem Text unterzubringen oder in einem Gespräch völlig nonchalant fallenzulassen.

Freitag, 24. Juni 2011

das ruhrgebiet zum aufkleben.

Nun gibt es sie auch für das Ruhrgebiet - einen, eigentlich sogar zwei Aufkleber, die man sich bevorzugt auf das Auto kleben kann. Beide Aufkleber zeigen den Umriss des Ruhrgebiets. So signalisiert man relativ dezent seinen Lokalpatriotismus und kann selbigen prägnant auf jeder Straße und auch jeder Autobahn ausdrücken. Die beiden Aufkleber namens Aufkleber Ruhrgebiet sehen so aus:

Quelle: http://www.extraruhr.de/shop
Quelle: http://www.extraruhr.de/shop

Die Idee ist nicht neu: In den 1980ern gab es eine ähnliche Manie schon einmal in Form eines Syltaufklebers, der auf unzähligen Golf-Cabrios zu sehen war. Schön fand ich es nicht, war es doch eher Sinnbild sogenannter Yuppies, die mit Vorliebe unsägliche Polohemden zu schrecklichen Bundfaltenhosen trugen - natürlich in grausigen Farben. Pfui und peinlich war das für mich, verstanden habe ich es auch nie und fragte mich insgeheim immer, ob die das nötig haben. 

Und dann mag ich auch keine Aufkleber, generell nicht und auch nicht auf meinem Auto. Obwohl die beiden Ruhrpottaufkleber nun wirklich weder einen peinlichen Spruch noch merkwürdige Farben aufweisen und auch keine einzelne Stadt der Ruhrgebiets präferieren. Hm, vielleicht denke ich doch noch einmal über den Erwerb eines Ruhrpottaufklebers nach.

Wer aber jetzt, sofort und unbedingt mag, kann einen oder beide Aufkleber für recht kleines Geld im Online-Shop von extraRuhr bestellen:

Quelle: http://www.extraruhr.de/shop

wortfeilchen

Freitag, 3. Juni 2011

ausschreibung: literaturpreis ruhr 2011.

Seit 1986 vergibt das LiteraturBüro Ruhr den Literaturpreis Ruhr. Natürlich wird der mit 10.000 Euro dotierte Hauptpreis auch dieses Jahr vergeben. Weiterhin werden zwei Förderpreise zum Thema Keine Kohle ausgeschrieben, die mit einem Preisgeld von je 2.555 Euro verbunden sind. 

Gefragt sind Geschichten, die mit dem utopischen Potenzial des Ruhrgebiets spielen. Bewerbungen können noch bis zum 30.06.2011 eingereicht werden, aber bitte keine Eigenbewerbungen. 


wortfeilchen

Mittwoch, 25. Mai 2011

angeprangert: geplante obsoleszenz.

Es begann mit der Massenproduktion, erlebte einen unglaublichen Aufschwung während des Wirtschaftswachstums der 1950er Jahre - und machte aus uns eine Konsumgesellschaft mit Wegwegmentalität: die geplante Obsoleszenz.

Unter geplanter Obsoleszenz versteht man die Manipulation der Lebensdauer von Produkten, um so den Kauf von neuen Produkten zu beschleunigen und das Wachstum der Wirtschaft zu fördern. Schwachstellen werden eingebaut oder minderwertige Materialien benutzt, woraufhin ein Schaden oder Fehler beim Produkt auftritt - es muss ersetzt werden. Mehr Konsum ergibt mehr Wirtschaftswachstum. 

Das Prinzip funktioniert mit fast allen Produkten: Drucker, die man nicht reparieren soll, auch wenn man kann, und stattdessen lieber einen neuen Drucker kaufen soll. Handys, deren Lebensdauer vom Hersteller begrenzt wird, damit wir alle paar Monate ein neues kaufen. Kleidung, die nach ein paar Waschgängen ausfärbt, ausleiert und durchscheuert.

Die Folgen der geplanten Obsoleszenz sind weitreichend und negativ: wachsende Müllberge, geringe Nachhaltigkeit, wenig bis keine Umweltverträglichkeit, Verschwendung von Rohstoffen, hohe Logistikkosten, Verhinderung von Innovationen und nicht zuletzt eine ethisch nicht vertretbare Manipulationen von Verbrauchern und soziale Konsequenzen für viele Menschen. 

Mehr wissenswerte Informationen bietet dieser aufschlussreiche arte-Film:


Die Lösung? Bewusstsein, Reflektion und Wachstumsrücknahme.

Ein gutes Beispiel ist manomama:

manomama stellt ökosoziale Kleidung her und verkauft sie auch. Ökosozial ist hier keine Marketingstrategie, sondern bedeutet die Nutzung von komplett ökologischen Materialien; das heißt jeder Faden, jeder Knopf und auch das pflanzlich gegerbte Leder stammen aus einem lokalen Umkreis von 250 Kilometer rund um den Standort Augsburg.

Schnittmuster, Farben - alle für Nutzer relevanten Maßgaben sind nicht einer Bekleidungsnorm unterworfen, sie richten sich nach dem Wünschen und Bedürfnissen der künftigen Träger.

manomama tut aber noch mehr: Weben und Spinnen - traditionelle Handwerke, die in Deutschland fast als schon ausgestorben galten, werden durch manomama wiederentdeckt, gefördert und genutzt. Produziert wird ebenfalls vor Ort in Deutschland - zu überdurchschnittlichen Löhnen. Und nicht zuletzt sind Produkte von manomana von ihrer Zusammensetzung bis zur Preisgestaltung transparent.

manomama wendet keine geplante Obsoleszenz an: Die Kleidung ist so konzipiert, dass sie möglichlichst lange hält - und wenn ein Shirt, eine Hose oder ein Kleid doch mal entsorgt werden muss, kann dies umweltverträglich und nachhaltig über den Komposthaufen geschehen. Ein Kreislauf, der funktioniert.

wortfeilchen

Mittwoch, 4. Mai 2011

gedanken und meinungen über deutschland von auswärts.

Das Goethe-Institut war die letzten zwei Monate richtig fleißig - und hat sich in Europa umgehört: Wie ist der Blick auf Deutschland? Wer sind Deutschlands bedeutendste Persönlichkeiten, welche die wichtigsten Erfindungen, die schönsten Musikstücke? Was gefällt besonders gut an Deutschland, was überhaupt nicht?

13.000 Menschen aus 18 europäischen Ländern sind dem Ruf der Umfrage gefolgt, die Ergebnisse stehen hier parat:


Johann Wolfgang Goethe führt die Liste der bedeutendsten Deutschen mit 17 Prozent an, es folgen Angela Merkel und Albert Einstein mit 15 Prozent. Der Faust von Goethe ist das bekannteste Buch, Das Leben der anderen der beste deutsche Film und der Buchdruck die wichtigste Erfindung.



Natürlich wurde auch gefragt, was an und in Deutschland so gar nicht gefällt - auf Platz 1 findet sich mit 11 Prozent die deutsche Küche, was mich doch erstaunt. Die kompletten Gesamtergebnisse sind hier nachlesbar.

Und dann finden sich noch Auszüge, die unter Originelle Antworten zu finden sind:


Sicherlich sind die Ergebnisse nicht repräsentativ, denn wer nimmt an einer solchen Studie teil? Richtig, wer Sympathie für Deutschland hegt, oder Gegenteiliges. Der Blick von außen zeigt uns Einwohnern manch vergessenes, liebenswertes Detail und Menschen aus aller Welt vielleicht auch neue Einblicke. Böse Kritik habe ich wenig gefunden, oder gab es gar keine?

wortfeilchen

Dienstag, 12. April 2011

verlorene worte: liederliche liederlichkeiten und liederliches.

Leichtfertig, oberflächlich und gering bedeutet das Adjektiv liederlich. Geschrieben wurde liederlich bereits im Mittelhochdeutschen so, aber die Bedeutung war anders, denn ursprünglich meinte liederlich schlaff, schwach oder auch leicht und zierlich in Wuchs und Bewegung.

In seiner Bedeutung wandelte sich liederlich im Laufe der Jahrhunderte: Während es im 15. Jahrhundert leicht, geringfügig und unwichtig bedeutete, wurde daraus im 16. Jahrhundert leichtfertig und ausschweifend.

Verwandt ist liederlich nicht mit dem Wort Luder, dafür mit lottern (was schlampig und liederlich bedeutet), dem Lotterleben, dem verlotterten Lotterbett und ebenfalls mit den Verben schlottern und schlummern.

Das Substantiv Liederlichkeit im Sinne von Unachtsamkeit, Leichtsinn und großer Freigiebigkeit wird seit dem 15. Jahrhundert in der deutschen Sprache benutzt - und weckt für mich Assoziationen mit kirchlichen Moralvorstellungen des Mittelalters.   

Heute steht liederlich synonym für unordentlich, nachlässig, nicht gewissenhaft, nicht gründlich, nicht sorgfältig, ungenau, ungepflegt, unsorgfältig, inakkurat, lax, schlampig, schludrig, ausschweifend, frivol, hemmungslos, lasterhaft, schamlos, sittenlos, sündig, unmoralisch, unsolide, unzüchtig, verdorben und verwerflich.

Liederlich hat fast immer eine moralische Konnotation im Sinne von Das macht man nicht!. Ein liederlicher Lebenswandel verurteilt und wertet einen eher schlampigen, verkommenen Lebenstil, der von zahlreichen (sexuellen und anrüchigen) Bekanntschaften über ungewöhnliche Schlaf- und Arbeitszeiten bis zu Drogenkonsum jeder Art und absoluter Gleichgültigkeit alles umfasst. Andersrum könnte man aber auch sagen, Liederliches ist fern von disziplinierter Spießigkeit und gesellschaftlichen Normen und Verpflichtungen - also durchaus erstrebenswert.

Erstaunlicherweise wird Liederlichkeit im alltäglichen Sprachgebrauch eher mit Frauen in Verbindung gebracht - ein Mann wird nie als liederlich bezeichnet, eine Frau aber liederliches Frauenzimmer genannt. Immerhin gibt es den Liederjan oder Liedrian, eine Bildung aus liederlich und der Kurzform von Johann. Der Liederjan bezeichnet seit dem 19. Jahrhundert umgangssprachlich einen liederlichen Menschen. Es scheint, als wäre dieser männlich und mit dem Dummerjan verwandt. Sicherlich ein Cousin des Schlendrian.

wortfeilchen

PS. Die Steigerungsformen: liederlich, liederlicher, am liederlichsten

Mittwoch, 30. März 2011

zechen. in bochum.

Erstaunlicherweise halten sich die Vorurteile hartnäckig: Im Ruhrgebiet ist es sehr dreckig. Alles ist voller Abgase, Industrie und Zechen. Es gibt kein Grün und wir Ruhrpotteingeborenen leben entweder aufm Pütt, unter Tage, am Schmelzofen oder zumindest auf einer Halde aus Schlacke. Reine Luft ist Luxusware und schwarze Schwaden durchziehen die Luft.

Erstaunlich, weil ich mich nicht an eine arbeitende Zeche erinnern kann, die letzte Bochumer Zeche schloss nämlich bereits 1973. Noch erstaunlicher, weil ich bei meinem letzten Zürichaufenthalt die Feinstaub-, Abgas- und Ozonwerte von Zürich und Bochum miteinander verglich und herausfand, dass jede einzelne der drei Messstellen in Zürich zwei- bis dreimal höhere Werte anzeigte als Bochum. Nebenbei, gemessen wird in Bochum-Riemke, direkt an der Herner Straße, in der Nähe der A40 - und wer Bochum kennt, der weiß - da gibt es reichlich Verkehr und relativ wenig Grün.

Zurück zu den Zechen.

Die Stadt Bochum zeigt seit kurzem auf ihrer Website 59 (ehemalige) Bochumer Zechen in Wort und Bild. Von den meisten der Zechen habe ich noch nie gehört und finde es daher aufregend und informativ auf diesem Weg mehr über Bochums Vergangenheit zu erfahren.

Da wäre eine Zeche, die 1955/56 geschlossen hat und den ungewöhnlichen Namen Fröhliche Morgensonne trägt:


Oder auch die Zeche Sankt Barbara, die bis 1965 in Bochum-Stiepel Kohle förderte:


wortfeilchen

PS: Die Daten und Jahreszahlen der Bochumer Zechen beziehen sich auf die Kohleförderung, nicht auf die Betriebszeit der Zechen.