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Montag, 7. Februar 2011

verlorene worte: bange

Herr Kuhlmann brachte es zur Sprache: bange oder Bange. Das sagten unsere Ommas nämlich gerne. Aber was bedeutet es? Und wie schreibt man es eigentlich? Dann mal los.

Bange, das Substantiv

Die Bange ist weiblich und steht für Angst und Furcht. Umgangssprachliche Synonyme sind Fracksausen, Muffensausen, Manschetten, Heidenangst, Bammel oder Schiss.

Beispiele inklusive Schreibweise: Bangemachen gilt nicht, Du machst mir Angst und Bange, nur keine Bange

Bang/bange, das Adjektiv

Bang bzw. bange steht für angsterfüllt, ängstlich, angstvoll, bänglich, beklommen, besorgt, verängstigt, verschreckt und ebenso für voller Angst/Furcht/Sorge.

Beispiele inklusive Schreibweise: Mir ist angst und bang(e), da wird mir ganz bang(e)

Woher es kommt:

Bange gibt es schon ziemlich lange, es stammt aus dem Niederdeutschen und Mitteldeutschen. Es war bereits zu Zeiten des Althochdeutschen als ango und des Mittelhochdeutschen als ange bekannt - und zwar in beiden Fällen als Adverb zum Adjektiv eng. Luther brachte es mit seiner Bibelübersetzung in die Schriftsprache, ebenfalls als Adverb, während wir bang/bange als Adjektiv seit dem 17. Jahrhundert kennen.

Das passende Verb ist bangen, das ängstlich werden, in die Enge treiben bedeutet und ebenfalls aus dem Mittelhochdeutschen stammt. 

wortfeilchen

PS. Ich hätte es nicht gedacht, aber bange bzw. bang ist ein Adjektiv, das man steigern kann, daraus wird dann bang/bange, banger, bangste oder auch bang/bange, bänger, bängste.

Sonntag, 6. Februar 2011

deutsche, die deutschen und guido westerwelle.

Eigentlich ist es meist umgekehrt: Außenminister Guido Westerwelle setzt sich verbal in die Nesseln, die Welt (und besonders gern die Presse) zeigt hämisch mit dem Finger auf ihn und kichert. 

Eigentlich, denn dieses Mal verhält es sich anders und Guido wurde zu Unrecht angeprangert. Anlass ist ein Artikel, der am 4. Februar in der Welt online erschien. Dort ist zu lesen, dass der Außenminister den deutschen Plural nicht beherrscht, weil er Wir Deutsche sagt, was nicht korrekt sei, denn es heißt schließlich Wir Deutschen.


Pustekuchen! Der Verfasser irrt oder hat einfach schlecht recherchiert, denn es ist kompliziert - und Guido Westerwelle muss sich den Vorwurf (dieses Mal) nicht gefallen lassen. 

Laut Duden sind beide Möglichkeiten erlaubt, man kann Wir Deutsche (starke Form) und Wir Deutschen (schwache Form) sagen, wobei die starke Form (wie auch viele starke Verben) langsam ausstirbt und die schwache Form bevorzugt wird. Daher gilt in diesem Fall: Schön ist, was gefällt.

Warum das so ist, erklärte der Spiegel online bereits 2005:


Die Erklärung ist logisch und einfach zu merken: Die Substantive der Deutsche, wir (die) Deutschen stammen von einem Adjektiv namens deutsch.

Substantivierte Adjekte formen keine vollwertigen Hauptwörter, aber fast, daher funktioniert die Sache mit den Deutschen und der Deutschen genauso wie bei anderen Adjektiven, zum Beispiel schön, alt oder neu. Sprechen wir uns als schönen Menschen, sagen wir nicht Wir Schöne, sondern Wir (die) Schönen.

Richtig verzwickt wird es, wenn wir nicht genau wissen, ob der Plural bestimmte oder unbestimmte Menschen betrifft: Meinen wir, die nachfolgende Aussage gilt für uns, die Schönen schlechthin, oder eher doch für eine unbestimmte Gruppe, nämlich für uns, ein paar Schöne?

Daher nicht willkürlich mit Steinen werfen - und bitte vorher mit den Irrungen und Wirrungen der deutsche Sprache auseinandersetzen.

wortfeilchen

Dienstag, 1. Februar 2011

verlorene worte: nachtschlafend.

Der Schlaf vor Mitternacht ist angeblich der gesündeste – was jede Nachteule vehement und entrüstet ablehnen wird.

Aus welchem Grund auch immer, ich liebe es, das alte Adjektiv nachtschlafend, das in seiner aktivischen Form einen passivischen Sinn hat und eigentlich die Zeit, in der geschlafen wird, beschreibt. 

Es steht für spät nachts, zur Schlafenszeit oder bei nachtschlafender Zeit – und gefällt mit seinem Passiv-Aktiv-Kram ausnehmend gut. Besonders, weil ich zu nachtschlafender Stunde reichlich aktiv bin und die besten Einfälle habe.

wortfeilchen

Sonntag, 17. Oktober 2010

die sache mit den füllwörtern. und sie eliminieren.

Besonders in der Werbung werden sie immer wieder gerne (und meist reichlich) benutzt. Schlechte Texte erkennt man meiner Meinung nach an einer übertriebenen Anzahl von Füllwörtern. Adverben oder blumige Adjektive, die zwar (oft) Rhythmus und Bewegung in einen Text bringen, ihn aber eben auch unglaubwürdiger machen - und je nach Ausprägung völlig unangebracht oder überzogen wirken - gehören meist dazu.

Ich spreche von Füllwörtern, die laut Duden Wörter mit geringem Aussagewert sind. Kurz, prägnant und treffend gesagt, aber woher weiß ich, dass ich zu viele Füllwörter verwende? Wie finde ich sie?

Es gibt ein Online-Tool, das bequem und unkompliziert hilft:


Natürlich habe ich es ausprobiert und hier das Ergebnis:


wortfeilchen

Donnerstag, 6. Mai 2010

nass wie hund.

Gut, die Überleitung hinkt ein wenig, denn im Ruhrgebiet sagt man, wenn es draußen kräftig regnet, es ist nass wie Hund und nicht pudelnass. Eigentlich geht es mir heute aber genau um das Wort pudelnass oder nass wie ein Pudel

Wieso sagt man das? Und warum sollte ein Pudel dauernd nass sein?

Als man den Pudel in der Antike erfand, bzw. ihn aus verschiedenen Hunderassen züchtete, hieß er noch Pudelhund. Erst ungefähr im 18. Jahrhundert wurde sein Name auf Pudel verkürzt. 

Der Pudel ist ein wasserliebender Jagdhund, der besonders die Wasserjagd schätzt. Pudeln ist Umgangssprache und bedeutet so viel wie im Wasser plätschern oder planschen. Und weil der Hund so gern und oft ins Wasser sprang, bekam er seinen Namen. Die Assoziationen zwischen pudelnass, nass wie ein Pudel und dem Wasserfetischisten Pudel ist daher der Grund für die Existenz des hübschen Adjektivs pudelnass.

wortfeilchen

PS. Der so genannte begossene Pudel wird seinen Ursprung wohl auch daher haben.

PPS. Sich pudelwohl fühlen sagt eigentlich nur aus, dass man sich so wohl wie ein planschender Pudel fühlt.

Montag, 5. April 2010

ergebenheit.

Ergeben ist ein wunderbar vielseitiges Wort; so kann ich mich dem Unvermeidlichen oder dem Feind ergeben bzw. die Waffen strecken, eine Umfrage kann etwas ergeben und ich kann anhänglich, hingebungsvoll, getreulich und loyal, also ergeben sein. Dieses Ergebensein kann man natürlich auch abwertend im Sinne von devot, kriecherisch, unterwürfig oder fußfällig benutzen, was mir nicht liegt. 

Diese, meine Ergebenheit hat sehr schöne Wurzeln, die ursprünglich aus dem Althochdeutschen und Mittelhochdeutschen stammen, aber im 16., 17. und 18. Jahrhundert Bedeutungsveränderungen erfuhren. 

Synonyme für ergeben sind: Sich hingeben, überlassen oder in Treue zugetan oder auch sich gern schenkend, großzügig hingeben, sich verschenken und auch sich ganz und gar widmen.

Soll noch mal jemand wagen zu sagen, meine treue Ergebenheit wäre negativ besetzt!

Ergebene Grüße
wortfeilchen

PS: Treuergeben kann man übrigens getrennt oder zusammen schreiben.

Freitag, 12. März 2010

zappenduster.

In der Stadt kommt es eher selten vor, da leuchten die Straßenlaternen durch die Nacht, Werbeschilder ebenso - so richtig dunkel ist es nie. Aber ich kenne die tiefschwarze Dunkelheit, in der man kaum mehr die Hand vor den Augen sieht; zum Beispiel aus zahlreichen Urlauben in der nordischen Hemisphäre. Da ist es stockduster, stockdunkel oder stockfinster. Aber woher kommen diese Ausdrücke?

Damals, als die Gummistiefel noch aus Holz waren und das düstere Mittelalter stattfand, hießen Gefängnisse Stockhäuser. Diesen Ausdruck kennt der Duden bereits nicht mehr, wahrscheinlich ist der Ausdruck Stockhaus ein verlorenes Wort. So ein Stockhaus bestand aus kleinen, fensterlosen Zellen, in denen es sehr sehr dunkel, halt stockdunkel war. Darum verglich man, wenn man etwas sehr Dunkles beschreiben wollten, diese Dunkelheit mit der in einem Stockhaus. Seitdem gibt es ebenfalls den Begriff Stockdunkelheit. Im Laufe der Zeit machten sie unsere Adjektive stockfinster, stockdunkel und stockduster selbstständig und gingen ohne Rückfragen in unseren Sprachgebrauch über. 

wortfeilchen

PS. Fragt sich jetzt nur, woher zappenduster kommt.

Montag, 26. Oktober 2009

Verlorene Worte: amortisieren

Amortisieren. Dieses so schön klingende Wort hat eine weniger schöne Bedeutung: Es steht dafür, eine Schuld nach einem vorgegebenen Plan zu tilgen oder Anschaffungskosten durch Ertrag wieder einzubringen. Etwas, das sich amortisiert, lohnt sich, trägt sich und rentiert sich. Kaufmannssprache ist halt lautmalerisch oftmals hübsch, aber mehr auch nicht.

Interessanter ist da schon die Etymologie des Wortes. So lehnt sich das Wort amortisieren von dem französischen Verb amortir (abtöten, abschwächen, abtragen) ab. Dieses wiederum geht zurück auf das latenische Wort ad-mortire, was so viel wie tot machen und abtöten bedeutet. Klar, kennen wir alle von dem lateinischen Verb mori (sterben) und passt nicht so recht zu unserem Verständnis von amortisieren.

Aber wer weiß schon, dass hier eine Verbindung zu unserem Adjektiv mürbe besteht?

Althochdeutsch mur(u)wi, mittelhochdeutsch mür(w)e und spätmittelhochdeutsch zermürfen stammen zusammen mit morsch, murksen, Mahr und Mord -- alles Worte, die mit Schmerz zusammenhängen -- ebenso aus diesem Wortbereich, wie aufgerieben werden, sterben und Krankheit (lat. morbus).

Mag man kaum glauben, was für eine Geschichte sich hinter einem schlichten Wort wie amortisieren verbirgt.

wortfeilchen

Mittwoch, 23. September 2009

Ruhrpottdeutsch: schäbbich

Jetzt ist es bald wieder so weit, das schäbbige Wetter kommt und weil unser schäbbig irgendwie anders ist, kommt hier eine kleine Würdigung.

Erst einmal spricht man es (meist) schäbbich aus, nicht schäbig, nicht schäbbig (außer siehe unten), sondern schäbbich und dann kann man es auch noch in (fast) allen Lebenslagen nutzen, denn schäbbich ist alles, was nicht schön ist:

  • Jemand ist schäbbich, wenn er sich nicht anständig verhält: Dat find ich abba schäbbich von ihn/Sie/Dir.
  • Usseliges Wetter ist schäbbich, weil es ungemütlich ist: Bei so schäbbigen Wetter jagt man nicht ma den Köter vor die Tür. 
  • Menschen und Dinge sind schäbbich, wenn wir sie als hässlich empfinden. Dafür gibt es dann sogar Substantive, nämlich ne Schäbbige und en Schäbbigen. Oder eben das schäbbige Auto oder die schäbbigen Klüngeln.
     
wortfeilchen

PS: Wobei ich mag ja den Herbst und das schäbbige Wetter.

Mittwoch, 27. Mai 2009

rau & rauh

Ich werde oft gefragt, ob es rau oder rauh heißt und wo der Unterschied liegt.

Ganz einfach:

Rauh ist die alte Schreibweise und nun heißt es rau


Dementsprechend gibt es raues Klima, raue Sitten oder ein raues Wesen, während die Steigerungsformen rau, rauer, am rausten/am rauesten sind. Auch der Raureif, die Rauheit, der Rauhaardackel oder die Raufasertapete schreiben sich ohne ein weiteres h.

Dienstag, 5. Mai 2009

rational versus rationell

Nicht nur starke Verben sterben leider aus, auch bei den Adjektiven macht sich diese Seuche breit. Rational und rationell sind so ein Beispiel, denn rational hören und benutzen wir gerne, aber wie ist es mit rationell? Ich schon, aber für mich schien die Sonne ja auch und scheinte nicht. Aber das ist ein anderes Thema, denn heute geht es um den inhaltlichen Unterschied zwischen rational und rationell:

Rational ist etwas, das von der Vernunft ausgeht, also vernunftsgemäß ist, während rationell etwas bezeichnet, was wirtschaftlich bzw. zweckmäßig ist.

Ein Beispiel?

Mein Fernseher ist kaputt, ergo gibt es zwei Möglichkeiten für mich: Ich kaufe einen günstigen Röhrenfernseher, was rationell ist, denn er reicht völlig aus, erfüllt seinen Zweck und ist weitaus günstiger zu haben, als zum Beispiel ein Plasma-TV, spart mir so Geld und lässt mich wirtschaftlich handeln. Will ich aber rational handeln, ist es sinnvoll, wenn ich mir ein LCD-TV kaufe, denn vernünftiger ist es schon, einen Fernseher zu kaufen, der technisch nicht veraltet ist, auch an meinem PC funktioniert und außerdem viel schicker und leichter ist. Ein LCD-TV ist auch von der Vernunft ausgehend rational, denn wer braucht schon ein Plasma-TV?

Meine Ratio funktioniert nicht rationell, sondern eher rational ...

Montag, 17. Dezember 2007

Schwanger, einzig und quadratisch

Es gibt Eigenschaften, die absolut sind. Eine ist es, einmalig zu sein - das nennt sich Absolutadjektiv.

Die Steigerung eines Absolutadjektives ist ein Superlativ - aber Vorsicht! - das geht schon mal schief, denn den einzigsten Freund gibt es genauso wenig, wie das leerste Glas oder die schwangerste Frau. Stummer als stumm kann man nicht sein und quadratischer als quadratisch existiert nicht. Man ist nicht kinderloser und am kinderlosesten funktioniert auch nicht.

Adjektive, die nicht gesteigert werden können, weil mehr einfach nicht geht: einmalig, einzig, fertig, ganz, lauwarm, leer, mündlich, quadratisch, richtig/falsch, schwanger, tot, total, stumm, blind, kinderlos, absolut.

wortfeilchen - einzig, nicht schwanger, aber lebendig.