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Mittwoch, 25. Oktober 2017

aufmupf | edgy werbung als altersfrage.

Ich bin 47 Jahre alt. Daran ist nichts zu rütteln. Macht ja auch nichts. Niemand fühlt sich bemüßigt, mir über die Straße zu helfen. Ich muss nachts nicht jede Stunde aufs Örtchen. Alles funktioniert, der Verfall ist körperlich und optisch gnädig, lediglich mein Gehirn funktioniert besser als vor 20 Jahren. Es ist schneller, weitreichender – und nicht mehr so naiv. 

Immerhin naiv genug, um mich bei einer regionalen Agentur als freie, edgy Texterin und Lektorin zu bewerben. Vorweg: Ich habe die regelmäßige Zusammenarbeit nicht bekommen. Ich landete in der Datenbank, falls die Hütte mal wieder brennt. Begründung: Ich passe nicht in die Altersstruktur der Agentur.

Foto: pixabay
Werbeagenturen – ab 35 ist der Lack ab. 

In den meisten deutschen Agenturen arbeitet niemand, der älter als 40 ist. Vielleicht noch die Chefin, der Chef oder der geschäftsführende Mensch, der muss schließlich Wissen, Erfahrung und Kompetenz ausstrahlen. Für die Kunden. Die sollen zahlen und denken, ich bin in guten Händen. 

Aber die Angestellten sind meist sehr viel jünger. Menschen zwischen 20 und 35 geben sich der Illusion hin, Werbung sei eine krasse, coole Sache. Gut, sie schieben unbezahlte Überstunden und Wochenendarbeit, lassen sich schlecht bezahlen und ausnutzen, aber he, Werbung! Wow! Whoop, whoop! 

Werbeagenturen sind jung und werfen mit Titeln um sich. Titelwahnsinn nennt sich das, und wer mit 35 noch keine leitende Position mit verheißungsvollem Titel erreicht hat, wird mitleidig angelächelt und mitgeschleppt, der alte Sack. Dazwischen lockt vielleicht ein vernünftiges Einkommen, aber wenn die 35 naht oder überschritten ist, also mit 40, spätestens 45 sind Frau und Mann zu alt für die Werbebranche. Dann sind sie weg. Gehen oder werden gegangen. Passiert, wird uns eingeredet oder reden sich die heimischen Konsumanheizer selbst ein. Wer damit angefangen hat, weiß ich nicht. Jung, hip, edgy– so sind wir, so sind Werber. Yeah! 

Alter als Zustand. 

Warum, frage ich Sie und mich. Ist ein handelsüblicher Mensch ab einem gewissen Alter untauglich und hat keine Ideen mehr? Geht im Laufe der Jahre die Fähigkeit verloren, die jemand benötigt, um edgy Texte zu verfassen? Ist die Festplatte leer und der Speicher über Nacht gelöscht? Ist mein Sprachzentrum kaputt oder meine Finger arthritisch? Und was ist dann mit 60, 70 oder noch später? Horrorszenarien! 

In den Stellenanzeigen und Ausschreibungen werde ich mit „Du“ angesprochen, denke mir nichts dabei, finde das völlig normal, vergesse aber, dass mein Agenturgegenüber wahrscheinlich 31 und gerade Senior geworden ist. Für die bin ich mit 47 möglicherweise uralt und habe keine Ahnung, was in der Welt so los ist. Pustekuchen! Lebe ich in Isolationshaft? Vegetiere ich erbarmungswürdig vor mich hin? Oder fehlt ihnen schlicht Kompetenz, um mit erfahrenen Mitarbeitern, die sich wenig vormachen lassen, sich dafür auskennen, umzugehen? 

Belege, Statistiken und Antworten für dieses Ab-45-Diskriminieren existieren nicht, aber jeder weiß und erlebt es – und kennt die Vorurteile: Man munkelt über veraltete Kenntnisse und überholte Sprache. Stimmt, wahrscheinlich kenne ich den Duden noch in Papierform und auf Facebook organisiere ich sentimentale 80er-Jahre-Partys oder Klassentreffen. Zu teuer sind sie auch, weil sich Menschen über 40 nicht mehr mit ein paar Euro abspeisen lassen. Logisch, dass sie zu kritisch sind und meckern, also furchtbar anstrengend sind, sie schauen sich das Ganze ja schon eine Weile an. Zu unflexibel und zu oft krank sollen sie sein, zu einem Bewerbungsgespräch kommt es daher oft schon nicht. Und falls doch ein Job dabei rauskommt, folgen die Abstriche: Schlechtere Bezahlung, lange Anfahrt und viele Überstunden. 

Überall Vorurteile. 

Wie kommt man auf die Idee, ein Mensch wäre mit 25 per se hip, wisse mehr und schmeiße mit originellen Ideen nur so um sich? Weil sie sich mutig trauen auch unkonventionelle Ideen zu äußern? Also bitte, das ist keine Altersfrage, im Gegenteil, ich bin viel entspannter und stehe nicht unter Leistungsdruck – das macht mutig! Ich bin mir sehr sicher, dass mein Wortschatz sehr viel größer ist, ich aus dem Stegreif 10 Ideen für Headlines habe, ein fundiertes Konzept, einen Textentwurf, der es in sich hat, sehr viel besser und schneller hinkriege. Und passend zur Zielgruppe arbeite ich auch noch und kann das Ganze erklären, begründen und variieren. 

Warum?

Dienstag, 8. Dezember 2015

konsumverweigerung.

"Guten Tag, ich rufe von XYZ an. Sie haben vor einiger Zeit etwas bei uns bestellt, daher ..."

"Entschuldigung, es kommt nicht wieder vor."

"Haha, wie meinen Sie das jetzt?"

"Nun, ich habe zwei Kleidungsstücke bei Ihnen bestellt. Als Herstellungsländer werden auf den eingenähten Zettelchen China, Sri Lanka oder Bangladesch genannt. Da die Produktionsbedingungen wahrscheinlich nicht sehr nett sind, sehe ich von weiteren Bestellungen ab. Ich werde nichts mehr bei Ihnen bestellen. Oder können Sie mir etwas zu den Herstellungsbedingungen Ihrer Produkte sagen."

"Öhm, nein, dazu kann ich nichts sagen."

"Warum rufen Sie eigentlich an? Was kann ich für Sie tun?"

"Ähm, nichts. Das hat sich dann erledigt."

Dienstag, 14. April 2015

kurze texte sind billiger.

Nein, ich möchte mich nicht beschweren, niemanden anprangern, sondern eher ein oder zwei Dinge klarstellen, die mir schon länger auf dem Herzen liegen. Es geht um Texte und die Menschen, die sie schreiben. Einzigartige Texte, individuelle Texte, Content-Texte, Marketing-Texte, Texte, die Suchmaschinen gefallen, Texte, die gut zu lesen und informativ sind. Texte für Blogbeiträge, Pressemitteilungen, Webseiten, Broschüren, Kundenzeitschriften - kurz: Fast alles, was wir lesen, hat jemand geschrieben, der damit ihr und sein Geld verdient und davon lebt. Manche besser, manche schlechter. Also, leben, obwohl das mit dem Schreiben ... nun ja. 

Immerhin, und das schreibe ich bewusst, ist den meisten Menschen klar, dass Texte einen Sinn haben. Über die Qualität von Texten und den Anspruch an Texte könnten wir streiten, da gibt es viele Meinungen, und nicht zuletzt geht es um dem Preis, den Menschen, Kunden und Auftraggeber zu zahlen bereit sind. Sie vertreten manchmal die Meinung, schreiben kann jeder, also ist es keine Kunst, kein Handwerk, kein Talent und auch keine Erfahrung oder Wissen - und dementsprechend günstig sind die Ergebnisse. Das Schreiben liegt uns wohl im Blut, im Land der Dichter und Denker. 

Und nun kommen doch wieder all die schreibenden Menschen ins Spiel: Es beginnt mit der Tatsache, dass Texter kein geschützter Beruf ist. Jeder, der irgendwann einmal irgendwo etwas veröffentlicht hat, kann sich Texter nennen. Das heißt, wenn Tante Klara meinen Aufsatz über Blumen und Bienen in der 8. Klasse so gelungen fand und ich mich berufen fühle, tja, dann bin ich halt Texter und schreibe munter los. Habe ich einen lustigen Kommentar für die Abi-Zeitung verfasst, agiere als Leserreporter des lokalen Käseblättchens, habe einen VHS-Kurs besucht, betreibe ein Blog oder habe ein Buch im Selbstverlag veröffentlicht - schwupps, gehöre ich zur schreibenden Zunft. Ganz schön einfach, nicht? 

Dementsprechend viele Texter und Texterinnen lassen sich finden. Einen Überblick zu bekommen, das ist für Laien recht schwer, schließlich werden wir von Texten dermaßen überschüttet, dass es schwierig erscheint, einen guten von einem schlechten Text zu unterscheiden. Doch, es geht schon: Massenware langweilt, informiert nicht, benutzt Phrasen und leere Floskeln, strotzt vor Fehlern und macht schlicht keinen Spaß. 

Und dann ist da noch der Preis: Ein guter Text ist nicht billig, vielleicht annähernd günstig, aber niemals billig. Und den Preis kann fast jeder beurteilen, indem er rechnet: Wie soll jemand von einem Stundensatz leben, der unter dem Mindestlohn liegt? Sehr schlecht, da bin ich mir sicher. Und warum sollte jemand motiviert, engagiert und kompetent für den Preis einer Tasse Kaffee schreiben? Warum sollte ich meine Fähigkeiten, meine Erfahrung und meine Zeit einsetzen, wenn es sich nicht wenigstens auch finanziell ein wenig lohnt? 

Die meisten Agenturen wissen das, verhandeln zwar gerne, wissen aber genau, wenn sie hochwertige Texte haben möchten, kostet das Geld und lohnt sich. Schließlich bringen die Texte ihren Kunden später Geld und darum geht es doch. Um so erstaunlicher sind Anfragen, die immer mal wieder bei mir eintreffen und zuweilen Empörung auslösen, weil ich eben nicht für 20 oder 30 Euro die Stunde zu haben bin, nicht für 100 Euro eine komplette Webseite betexte und auch keinen Fachbeitrag für 80 Euro schreiben möchte. Solche Anfragen kommen meist von kleineren oder mittleren Unternehmen, Einzelkämpfern oder Menschen, die es eigentlich besser wissen sollten. Sie arbeiten auch nicht unter ihrem Preis, möchten aber möglichst viel Gewinn einstreichen, weshalb der Text, das Design, das Layout oder das Foto so wenig wie möglich oder besser gar nichts kosten sollen. 

Neben der Entrüstung, die mir manchmal entgegenschlägt, wiederholen sich die Aussagen: Es ist doch nur ein kurzer Text, den tippen Sie schnell runter, der kann doch nicht mehr als eine Handvoll Euro kosten. Machen Sie mal eben, der Text könnte längst fertig sein! Vielleicht haben Sie noch einen Text rumliegen, der tut es für mich. Und ganz besonders schön: Wenn der Text toll ist, bekommen sie ganz viele Aufträge von mir/uns und dann lohnt sich das doch! 

Totschlagargumente, und etwas anderes sind solche Aussagen nicht, halte ich grundsätzlich für dumme Manipulationsversuche, hilflose Akte und vielleicht noch Machtgehabe, aber ernst nehme ich sie nicht. Ich erkläre nicht mehr, warum gerade Überschriften (und auch Headlines, Sublines etc.) und kurze Texte sehr viel Zeit, Arbeit und Können erfordern. Geiz ist geil ist vielleicht ein ziemlich blödes Beispiel, aber wenn es nicht gerade ein Zufallsprodukt war, haben diese drei kleinen Wörter eine Agentur und/oder einen Texter recht lange beschäftigt und (hoffentlich) auch ziemlich viel Geld eingebracht. Das Teil dudelte immerhin überall rauf und runter und hat dem Unternehmen bestimmt beneidenswerte Umsätze beschert. 

Ich könnte solche Anfragen getrost ignorieren, sie lakonisch löschen, wenn sie per Mail kommen, es ändert aber an der Sache nichts und sie kommen dennoch immer wieder. Wie also damit umgehen? 

Und es bleibt die Frage, warum Texterinnen und Texter auf solche Angebote eingehen und sich maßlos unter Wert verkaufen? Verzweiflung? Not? Anerkennung? Ihr Lieben, Ihr macht Euch den Markt selbst kaputt und lebt dazu noch von 20 Euro am Tag, denn mehr verdient Ihr nicht an dem Auftrag und werdet es auch in Zukunft nicht tun. 

Ich muss Euch nicht erklären, dass Eure Krankenkasse und Rente bezahlt werden möchten, die Miete und das Essen auch und von Arbeitsmitteln wie Telefonanschluss, PC, Laptop gar nicht zu reden. Wohnt Ihr alle im Keller Eurer Eltern oder habt Ihr einen Partner, der für Euch sorgt und schreibt Ihr nur zur Selbstverwirklichung? Und wie fühlt Ihr Euch so als Fließbandarbeiter? Entrüstet Ihr Euch auch ausreichend über böse Kunden, die Euch darben lassen? Tja, dann bekommen ein paar von Euch auch das, was sie verdienen. Nämlich, kurze Texe sind billiger. 


Montag, 5. Mai 2014

werbung: hauptsache tot, hauptsache lustig und immer kreativ.

Menschen unterscheiden sich. Einer ist so, ein anderer so. Das gilt für alle Lebensbereiche und auch für den Tod. Manche Menschen betrachten das Sterben, den Tod und die Bestattung als hochernste Angelegenheit, die viel mit Würde und Pietät zu tun hat. Religiöse und moralische Traditionen und Glaubensmuster spielen ebenfalls eine mehr oder weniger wichtige Rolle, während genau diese Dinge anderen Menschen völlig abgehen: Sie sehen den Tod prosaisch als natürliches Ereignis, wo Pathos und Gott nichts zu suchen haben und der Rest Mensch einfach unter die Erde gebracht wird. Also ein ziemlich schwieriger Bereich, um zielgruppengerecht zu werben. 

Ganz anschaulich wird das Problem mit einem Blick auf diese Werbung. Eine baumgesäumte Straße führt zu einem Bochumer Friedhof, den Freigrafendamm. Auf der rechten und linken Straßenseite vor dem Eingang zum Friedhof betreiben zwei oder drei Gärtnereien bzw. Blumemläden bzw. Bildhauer ihr Gewerbe, von denen einer wohl dem Bund deutscher Friedhofsgärtner angehört, die wiederum einen Verbund namens Dauergrabpflege - Leben braucht Erinnerung gegründet haben und die Es lebe der Friedhof! zu verantworten haben.

© barbara piontek

Das Motiv, nun ja, es ist Geschmackssache: Manche Menschen finden Bild, Text und Aussage möglicherweise erfrischend, passend oder auch witzig, andere wiederum völlig daneben, fast schon beleidigend. 

© barbara piontek

Neben dieser Anzeige gibt es weitere, die auf der Seite Es lebe der Friedhof! gezeigt werden. Die Kampagne heißt Gräbern ein Gesicht geben. So möchten 2000 Friedhofsgärtnereien in NRW ihre Vision eines modernen, kreativen und inspirierenden Friedhofs mitteilen und ihren Beruf vorstellen, der modern und ideenreich ist und gleichzeitig alle Kundenwünsche erfüllen kann. 

Klappt das? Oder hapert es mit der Umsetzung? Und ist Es lebe der Friedhof! nicht schon ein Oxymoron?

Donnerstag, 13. Juni 2013

fundstück werbung: frisch gegrillt ist halb gewonnen.


Ein Supermarktparkplatz in Bochum. Nichtsahnend aus dem Auto steigen, vor diesem Plakat stehen und selbiges ungläubig anstarren. Ist mir passiert. Genau so.

Und ich weiß immer noch nicht weiter. Tja, nun ja und öhm, mir fehlen die Worte und ich weiß es nicht: Ist das eine ganz freche Idee oder schlicht sehr dumm? Darf Werbung das? Kann sie das? Geht es nicht zu weit? Geht das überhaupt?

Montag, 6. Mai 2013

fundstück werbung: meister niedlich.

Kennt Ihr noch: "Meister Proper putzt so sauber, dass man sich drin spiegeln kann." Werbung und Worte, so dumm sie auch erscheinen mögen, bleiben im Ohr. Funktioniert mit mir und Meister Proper trefflich. 

Aber warum heißt das Reinigungsmittel auswärts auch Meister Niedlich/Hübsch/Putzig?

Mittwoch, 24. April 2013

nicht-wonnige werbung: mcdonalds's.


Dieses Plakat stach mir in Altenbochum in die Augen. Wortwörtlich. Und die Frage nach dem Sinn der Sache:

Ein verunglücktes Wortspiel aus stillos und ohne Stiel? Soll das witzig sein? Muss ich mir dabei was denken? Kein Stiel und auch kein Stil, aber guter Geschmack? Ein Beispiel mangelhafter Grammatik- und Interpunktionskenntnisse? Ist das Kunst oder kann das weg?

Kann weg, meine ich, ganz weit weg.

Montag, 22. April 2013

wonnige werbung: volvo.

Quelle: http://de.webfail.com/4b28beb861e

Keine Einwände, aber auch gar keine. Einfach richtig, richtig gut. Und vorbildlich. Und witzig. Mehr davon!

Donnerstag, 11. April 2013

wonnige werbung: brot für die welt.

Werbung muss nicht laut, übertrieben und werbisch sein. Ein Widerspruch, schließlich ist es doch Reklame? Nöö, es braucht nicht unbedingt viele, aber treffende Worte. Und jemanden, der es kann. Ich mag es klar, direkt und schlicht. Besonders, wenn es zur Aussage passt: Weniger ist mehr. 

Ein gutes Beispiel:

Donnerstag, 28. März 2013

wonnige werbung: astra - im bett ne flasche.

Gute Werbung braucht nicht viele Worte. Aber eine Idee und ein Konzept. Und so kann das Ergebnis aussehen - wonnig eben:


PS. Dieses und weitere Motive kann man runterladen oder bestellen: hier.

Montag, 25. März 2013

ein wort, mehrere bedeutungen: astra.

ASTRA - das war bisher für mich ein Bier. Vielleicht noch ein Satellit. Aber eigentlich ein Bier aus Hamburg. Und lecker dazu. Das meint auch Google:


Entsprechend dumm aus der Wäsche habe ich geschaut, als ich diesen Artikel las:



In der Schweiz ist ASTRA nämlich das Bundesamt für Strassen (ohne ß, weil es das in der Schweiz nicht gibt). Sagt auch Google:



Logische Konsequenz - aus Bundesamt für Strassen Astra zu machen? Ist das der Grund, warum es in der Schweiz kein Astra-Bier gibt? Oder gibt es das doch? Wie sieht es mit Markenschutz aus? Es ist das alte Spiel: Meine Verwirrung steigt, die Fragen nehmen kein Ende, die Lösung ist auch nicht in Sicht und überhaupt ... Astra ist doch ein Bier!

Mittwoch, 27. Februar 2013

fundstück: werbung mit popo.



Das ist sie, die neue Werbung für den Oslo Vinterpark, ersonnen und umgesetzt von der Agentur Anti. Eine Menge Gesäß - und genau das ist wohl der Anlass für erhitzte Gemüter und Aufregung.

Was will man uns diese Werbung sagen? 

Ganz einfach, steht ja auch drunter: Die neuen Skilifte sind viel besser als die alten, dazu bequemer und hinterlassen keine Blessuren am Allerwertesten. Einfache Message, einfache Umsetzung ohne Schnörkel, hübsche Popos in weiblicher und männlicher Ausführung. 

Aber nein, so einfach ist es nicht, es folgen Assoziationen zu SM-Praktiken, Missbrauch, 50 Shades of Grey und Sexismus. Warum nur? Sind wir bereits so geprägt, dass wir etwas nicht einfach annehmen können, ohne negative Verbindungen zu schaffen?

Meine Erfahrung mit Skiliften tendiert gegen Null, weshalb ich den Wahrheitsgehalt nicht bestätigen, aber auch nicht abstreiten kann. 50 Shades of Grey habe ich nicht gelesen. (Und werde es auch nicht tun.) Ich sehe einfach zwei Popos, die ein paar blaue Flecken haben und frage mich, wie die dort gelandet sind. Fertig. Punkt. Aus. 

Aber vielleicht bin ich auch zu einfach gestrickt, naiv und freue mich schlicht über Werbung, die nicht übertreibt und übersteigert. Sagt Ihr es mir!

Dienstag, 5. Februar 2013

abgenutzte worte: ganzheitlich.

Ich habe ein Problem. Mit einem Wort, das immer, dauernd und überall in jedem erdenklichen und unmöglichen Zusammenhang auftaucht: ganzheitlich. Grundsätzlich ist es ein harmloses Adjektiv mit der Aussage, dass alles in seiner Ganzheit betrachtet, fächerübergreifend und in einem größeren Zusammenhang dargestellt wird. 

Scheint nicht selbstverständlich zu sein, denn es gibt ganzheitliche Medizin, wobei ich immer hoffe, ein Mediziner betrachtet meine gesamte Ganzheit und nicht nur einzelne Bereiche. Ganzheitliche Psychologie und Pädagogik gibt es ebenso wie ganzheitliches Tantra, Ayurveda, Tao und sonstiges esoterisches Brimborium. Begebe ich mich auf die Suche, finde ich ganzheitliches Leben, Lernen, Denken, Handeln, Arbeiten, Tun, Lassen und heute habe ich auch noch ganzheitliches Texten gefunden. 

Was will man mir damit sagen oder verkaufen? Ich texte über alle Barrieren? Hinfort mit Regeln und Inhalten? Ich begebe mich in den Lotossitz und warte auf die Eingebung, die mich fächerübergreifend ergreift und den größeren Zusammenhang zwischen Grammatik und Orthografie über mich kommen lässt? Ich kenne den Unterschied zwischen Verben und Adjektiven?

Ich neige zu Unsinn, Kreativität und Abwechslung, also habe ich beschlossen, dass ich nun einen ganz neuen Trend erschaffe: Ich texte nämlich ab sofort holistisch. Ich konzipiere holistisch und bin seit heute die Erfinderin der holistischen Kommunikation und the next big thing ist außerdem holistisches Social Media-Gedöns.

Ist eigentlich nichts anderes als ganzheitlich, klingt aber reichlich exotisch und vielversprechend auch noch. Im Gegensatz zu ganzheitlich ist holistisch eine ganz und gar neue Masche, beschert mir sicherlich traumhafte Umsätze, ist nicht wegen zu häufiger Verwendung völlig abgenutzt und mein alleiniges Alleinstellungsmerkmal par excellence. 

Außerdem weiß doch kaum jemand, was Holismus ist und niemand kommt auf die Idee, dass ich vielleicht genau das Gegenteil machen könnte - nämlich reduktionistisch texten. Oder doch ganzheitlich? Man weiß es nicht ganz genau, will man auch nicht, ist doch auch egal: Es lebe das holistische Texten. Nennt mich bitte textende Holistin. Oder so.

Dienstag, 5. Juni 2012

fundstück: ich geb mal meinen senf dazu.


Na, was seht Ihr auf diesem Foto? Richtig, eine handelsübliche Tube Löwensenf mittelscharf. Sehr lecker ist er, aber habt Ihr Euch mal das Kleingedruckte ganz genau angeschaut? 

Warum ich das frage? Ganz einfach, denn dann könnt Ihr das lesen:


Und nun stellen wir uns mal ganz dumm und fragen uns, wie man eine Tube Löwensenf schütteln soll? Und vor allem warum! 

Es gibt doch bestimmt eine Hotline, die man kontaktieren kann? Oder besser eine E-Mail schreiben und ernsthaft nachfragen? Das sind doch Düsseldorfer, die haben bestimmt Humor. Und eine Erklärung.

Freitag, 18. Mai 2012

werbung: nicht mein bier.

... aber Werbung, die mir gefällt und ein schöner Gedanke generell und zum Wochenende.

In diesem Sinne:

Donnerstag, 26. April 2012

fundstück: bemühte werbung.


Das war heute in der Post. Es ist ein Aufkleber. Ich nenne solche Sachen gerne bemühte Werbung - tut nicht weh, ist aber auch weder schön noch sinnvoll oder nutzbringend. Könnte man so stehenlassen.

Was will man mir damit sagen? Was soll ich damit anstellen? Wer braucht das?

Ehrlich, Pril-Blumen würden mir viel besser gefallen. 

wortfeilchen

Montag, 26. September 2011

europäischer tag der sprachen.

Seit 2001 findet jährlich der Aktionstag Europäischer Tag der Sprachen statt - natürlich auch heute wieder.

Die Sprachen
23 Amtssprachen und 60 Sprachgemeinschaften in 45 teilnehmenden Ländern. Zu den Regional- und Minderheitensprachen gehören Katalanisch, Samisch, Bretonisch, Ladinisch, Gälisch oder Walisisch.

Die Vision 
Mehr Menschen zum Erlernen von Fremdsprachen motivieren! Jeder soll zwei Fremdsprachen können, sich der Vielfalt der heimischen Sprachen bewusst werden und die sprachliche und kulturelle Fülle pflegen.

wortfeilchen

PS. Mehr Informationen, die lesenswert und spannend sind, findet Ihr hier.

Montag, 5. September 2011

werbung: logos, die misslungen sind.

Das oder der Logo, beides ist laut Duden möglich, ist ein wichtiges Element der Unternehmensidentifikation nach außen und innen: Es setzt ein Zeichen, kann aus Buchstaben, Bildern und Bildelementen oder einer Mischung bestehen.

Es präsentiert das Unternehmen, daher sollte es leicht zu verstehen, unverwechselbar, einprägsam, gut reproduzierbar, gerne auch zeitlos sein und dazu einen hohen Wiedererkennungswert haben.

Es gibt gute Logos, tolle Logos, schlechte Logos, richtig schlechte Logos und Logos, bei denen etwas schiefgelaufen sein muss. Oder wie erklären die jeweiligen Grafiker dies:





wortfeilchen 

Montag, 2. Mai 2011

für mehr lakonisches.

Unverhältnismäßig ausführliche Schwafeleien kann jeder. Kurz, knapp und voller Aussagekraft nicht. Besonders das oftmals viel zu ausführliche Geschwafel der Werbung gefällt mir gar nicht. Die hemmungslose Verschwendung von mehr oder weniger passenden Worten macht einfach keinen Spaß. Ellenlange Sätze, die mich seitenweise erschlagen, ermüden. Kommen Wörter dann noch übertrieben werbisch rüber, gefällt mir das noch viel weniger. 

Vielleicht ist das der Grund, warum ich twitter mag. 140 Zeichen stehen zur Verfügung. Kein Buchstabe mehr, um eine Aussage zu kreieren. Das schult und befreit von übermäßigen Worthülsen und Füllwörtern. 

Das ist lakonisch. Oder kurz, einfach, treffend und ohne Erläuterungen. Man kann es auch knackig und ohne Chichi nennen. Oder kurz und bündig. Und effizient. Werbetexte müssen nicht langweilig, unglaubwürdig und dazu erschöpfend langatmig sein.
 
Ich habe Lust auf viel mehr Lakonisches. Im Alltag. Im Beruf. Und überhaupt.

wortfeilchen

PS. Lakonie oder Lakonik ist übrigens das passende Substantiv zum Adjektiv.

PPS. Ja, ich möchte weniger schlechte Werbung lesen.