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Donnerstag, 13. Juni 2013

fundstück werbung: frisch gegrillt ist halb gewonnen.


Ein Supermarktparkplatz in Bochum. Nichtsahnend aus dem Auto steigen, vor diesem Plakat stehen und selbiges ungläubig anstarren. Ist mir passiert. Genau so.

Und ich weiß immer noch nicht weiter. Tja, nun ja und öhm, mir fehlen die Worte und ich weiß es nicht: Ist das eine ganz freche Idee oder schlicht sehr dumm? Darf Werbung das? Kann sie das? Geht es nicht zu weit? Geht das überhaupt?

Montag, 20. Mai 2013

fundstück: mein uropa und die buchhaltung.


Die Abneigung gegen Zahlen scheint in der Familie zu liegen. Gut, dass aus mir eine Philologin mit Taschenrechner wurde.

Mittwoch, 24. April 2013

nicht-wonnige werbung: mcdonalds's.


Dieses Plakat stach mir in Altenbochum in die Augen. Wortwörtlich. Und die Frage nach dem Sinn der Sache:

Ein verunglücktes Wortspiel aus stillos und ohne Stiel? Soll das witzig sein? Muss ich mir dabei was denken? Kein Stiel und auch kein Stil, aber guter Geschmack? Ein Beispiel mangelhafter Grammatik- und Interpunktionskenntnisse? Ist das Kunst oder kann das weg?

Kann weg, meine ich, ganz weit weg.

Donnerstag, 15. September 2011

altkleider in bochum. eine odyssee.

Früher war alles besser. Oftmals ein blöder Spruch, aber in diesem Fall passt er wie die Faust aufs Auge. Früher gab es nämlich im Bereich der Bochumer Innenstadt Container für Altglas, Altkleider und Schuhe. Seit ein paar Jahren sind diese sang- und klanglos - und ohne Ankündigung - einfach verschwunden.

Mein Altglas muss ich nun sammeln und zum Wertstoffhof bringen oder - wie mir die lokale Müllabfuhr mitteilt - einfach in den Restmüll werfen. Ebenso verfahre ich mit meinen Altkleidern. Container für Altglas, Altkleider und Schuhe gibt es nur noch außerhalb des sogenannten Rings von Bochum. 

Nun habe ich drei Tüten voller Altkleider und möchte diese nicht in die Mülltonne werfen oder umständlich mit öffentlichen Verkehrsmitteln einen Wertstoffhof aufsuchen. 

Also habe ich die Müllabfuhr in Bochum, den USB Umweltservice Bochum GmbH angerufen. Dort war man nicht nur sehr freundlich und hilfsbereit, sondern erklärte mir ebenfalls, dass man leider nichts unternehmen könne, denn - und nun kommt es - die Bezirksregierung Bochum-Mitte möchte nicht, dass solche Container das Stadtbild verunzieren und Anwohner möchten ebenfalls keine Container in ihrem Wohnumfeld haben. 

Die nächste Altkleidersammelstelle ist in der Nähe des Bergbaumuseums Bochum oder ich müsse einen der beiden Wertstoffhöfe in Bochum aufsuchen oder ich könnte mein Altglas und meine Altkleider in der Restmülltonne entsorgen. Man teilte mir auch mit, dass einige Anwohner in der Innenstadt Bochum sich bereits beschwert hätten, aber sie als Müllentsorger keine Möglichkeiten gegen kommunale Entscheide hätten.

Unzufrieden legte ich auf, dachte nach und rief ein paar lokale karitative Vereine in Bochum an. Vielleicht würden die meine Altkleider nehmen oder wüssten zumindest an wen ich mich wenden kann. Auch dort war man sehr freundlich, konnte mir aber lediglich den Tipp geben, es bei Kirchengemeinden zu versuchen. Natürlich gelangte ich auch dort zu keiner Lösung.

Nun stehe ich hier mit meinen Altkleidern und frage mich, was ich mit denen anstelle?

Ich stelle vermehrt fest, dass die Bochumer Innenstadt sehr wohl dazu geeignet ist, Besucher von außerhalb mit zahllosen Festivitäten anzulocken - um die Anwohner und deren Müll will man sich aber nicht kümmern. 

Umweltfreundlich ist das Vorgehen natürlich auch nicht, schließlich muss ich (natürlich mit dem Auto) zum Wertstoffhof fahren oder mein Altglas und meine Altkleider im Restmüll entsorgen. Aber wie dort hinkommen, wenn man nicht mobil ist? Laut USB fragen nämlich sehr viele Senioren nach Sammelcontainern - und werfen recycelbare Rohstoffe mangels Möglichkeiten in die Mülltonne.

Gut, mich stört es in Zukunft nicht mehr persönlich, ich ziehe um und dort finden sich Container, aber den Bewohnern der Bochumer Innenstadt (und den zahllosen Senioren) und der Umwelt, der sogenannten Nachhaltigkeit ist damit auch nicht geholfen.

Liebe Bezirksregierung, liebe Stadt Bochum, liebe Bochumer,
außen hui, innen pfui - das reicht nicht.

wortfeilchen

Montag, 5. September 2011

werbung: logos, die misslungen sind.

Das oder der Logo, beides ist laut Duden möglich, ist ein wichtiges Element der Unternehmensidentifikation nach außen und innen: Es setzt ein Zeichen, kann aus Buchstaben, Bildern und Bildelementen oder einer Mischung bestehen.

Es präsentiert das Unternehmen, daher sollte es leicht zu verstehen, unverwechselbar, einprägsam, gut reproduzierbar, gerne auch zeitlos sein und dazu einen hohen Wiedererkennungswert haben.

Es gibt gute Logos, tolle Logos, schlechte Logos, richtig schlechte Logos und Logos, bei denen etwas schiefgelaufen sein muss. Oder wie erklären die jeweiligen Grafiker dies:





wortfeilchen 

Dienstag, 2. August 2011

hommage an fensterrentner.

Ich dachte, sie seien eine aussterbende Gattung:

Rentnerinnen und Rentner, die ihre Ellenbogen auf ein Kissen, das auf der Fensterbank des geöffneten Fensters liegt, legen und sich die Welt da draußen interessiert und mit bewundernswerter Ausdauer begucken. Dazu trinken sie manchmal ein Bierchen, rauchen eine Zarette, geben schlicht ab und an bissige Kommentare ab oder schauen sich einfach seelenruhig um. Das Ganze nennt sich Fensterrentner - und ist eine Erfindung des Ruhrgebiets.

Aber ich kann ganz beruhigt sein, Immigranten begeistern sich ebenfalls für unsere uralte Tradition:
 
Foto: Barbara Piontek

wortfeilchen

PS. Gruß an the one and only, the real @FensterRentner.

Mittwoch, 25. Mai 2011

angeprangert: geplante obsoleszenz.

Es begann mit der Massenproduktion, erlebte einen unglaublichen Aufschwung während des Wirtschaftswachstums der 1950er Jahre - und machte aus uns eine Konsumgesellschaft mit Wegwegmentalität: die geplante Obsoleszenz.

Unter geplanter Obsoleszenz versteht man die Manipulation der Lebensdauer von Produkten, um so den Kauf von neuen Produkten zu beschleunigen und das Wachstum der Wirtschaft zu fördern. Schwachstellen werden eingebaut oder minderwertige Materialien benutzt, woraufhin ein Schaden oder Fehler beim Produkt auftritt - es muss ersetzt werden. Mehr Konsum ergibt mehr Wirtschaftswachstum. 

Das Prinzip funktioniert mit fast allen Produkten: Drucker, die man nicht reparieren soll, auch wenn man kann, und stattdessen lieber einen neuen Drucker kaufen soll. Handys, deren Lebensdauer vom Hersteller begrenzt wird, damit wir alle paar Monate ein neues kaufen. Kleidung, die nach ein paar Waschgängen ausfärbt, ausleiert und durchscheuert.

Die Folgen der geplanten Obsoleszenz sind weitreichend und negativ: wachsende Müllberge, geringe Nachhaltigkeit, wenig bis keine Umweltverträglichkeit, Verschwendung von Rohstoffen, hohe Logistikkosten, Verhinderung von Innovationen und nicht zuletzt eine ethisch nicht vertretbare Manipulationen von Verbrauchern und soziale Konsequenzen für viele Menschen. 

Mehr wissenswerte Informationen bietet dieser aufschlussreiche arte-Film:


Die Lösung? Bewusstsein, Reflektion und Wachstumsrücknahme.

Ein gutes Beispiel ist manomama:

manomama stellt ökosoziale Kleidung her und verkauft sie auch. Ökosozial ist hier keine Marketingstrategie, sondern bedeutet die Nutzung von komplett ökologischen Materialien; das heißt jeder Faden, jeder Knopf und auch das pflanzlich gegerbte Leder stammen aus einem lokalen Umkreis von 250 Kilometer rund um den Standort Augsburg.

Schnittmuster, Farben - alle für Nutzer relevanten Maßgaben sind nicht einer Bekleidungsnorm unterworfen, sie richten sich nach dem Wünschen und Bedürfnissen der künftigen Träger.

manomama tut aber noch mehr: Weben und Spinnen - traditionelle Handwerke, die in Deutschland fast als schon ausgestorben galten, werden durch manomama wiederentdeckt, gefördert und genutzt. Produziert wird ebenfalls vor Ort in Deutschland - zu überdurchschnittlichen Löhnen. Und nicht zuletzt sind Produkte von manomana von ihrer Zusammensetzung bis zur Preisgestaltung transparent.

manomama wendet keine geplante Obsoleszenz an: Die Kleidung ist so konzipiert, dass sie möglichlichst lange hält - und wenn ein Shirt, eine Hose oder ein Kleid doch mal entsorgt werden muss, kann dies umweltverträglich und nachhaltig über den Komposthaufen geschehen. Ein Kreislauf, der funktioniert.

wortfeilchen

Samstag, 21. Mai 2011

fundstück: heute ist weltuntergang.

So, ab heute gibt es Weltuntergang. Ganz genau, zwischen dem 21.05. und dem 21.10.2011 geht die Welt unter und die christliche Endzeit-Gaudi (LEO-Übersetzung von rapture) läuft. Wollte ich sicherheitshalber nur mal anmerken.


wortfeilchen

Mittwoch, 18. Mai 2011

lokales: einkaufen in bochum. oder schuster gesucht.

Einkaufen in der Innenstadt von Bochum ist mitunter recht mühsam. Zumindest wenn es sich um Einkäufe des täglichen Bedarfs handelt. Ganze zwei Supermärkte stehen zur Auswahl, kein Kaufhaus, kein Discounter, dafür aber unzählige Ein-Euro-Shops, Billig-(Chemie)-Bäcker und Handy-Shops.

Vielleicht sehe ich es auch falsch, denn ich denke, so eine Innenstadt sollte über Einkaufsstätten für den täglichen Einkauf verfügen - für An- und Einwohner. Ja, in Bochum sollte sich was tun - und damit meine ich keine Einkaufsmeilen, die Besucher und Touristen beglücken.

Einen Schuster in der Bochumer Innenstadt zu finden, der dieses Handwerk nicht nur gelernt hat, sondern auch kompetent ausübt - nein, das ist ebenfalls gar nicht so einfach. Lediglich anlernte Kräfte in Express-Notfall-Flickschustereien sind aufzutreiben. 

Da stand ich nun mit meinem lädierten Koffer, schlenderte von der Flickschusterei zum Pseudoschuhmacher und rätselte über Schuhreparaturen und meine nächste Reise. Und dann fand ich ihn: einen echten Schuster. Einen, der Schuhe und Taschen repariert und dazu noch patent ist. Er fackelte nicht lange, besah sich das Malheur und handelte. Heureka!

Und weil es bestimmt vielen anderen Bochumerinnen und Bochumer genau so geht, präsentiere ich heute Werbung für einen Schuster in Bochum:
 
Die Schuhbar 
Brückstraße 24
44787 Bochum

Telefon: 0234 32 46 789

Montag bis Freitag von 10 bis 18 Uhr geöffnet und samstags von 10 bis 14 Uhr.

wortfeilchen

Dienstag, 17. Mai 2011

100 deutsche, sehr oft genutzte wörter.

Quelle: http://de.bab.la/woerterbuch/

Die Basis dieser Grafik sind eine Millionen Klicks auf die deutsche Aussprache in den bab.la Wörterbüchern - das Ergebnis die 100 meistgehörten deutschen Wörter, die deutschlernende Menschen hören.

Die ersten 10 lauten:
  • Ich liebe Dich.
  • Hallo
  • Scheiße
  • Guten Tag!
  • Danke
  • Ich
  • Arschloch
  • Liebe 
  • Tschüss
  • Ficken
Ein recht rudimentärer und eher umgangssprachlicher Wortschatz, den wir da so tagtäglich nutzen. Sicher nicht unbedingt repräsentativ - ich gehe davon aus, es haben sich sicher einige Spaßvögel an der fröhlichen Klickerei beteiligt, dennoch interessant ist diese Spielerei allemal. Denn diese 100 Wörter machen nur 10 Prozent aller angehörten Wörter und Ausdrücke aus - was mich froh stimmt, denn wir nutzen dann auch weniger vulgäre und umgangssprachliche Wörter und Worte.

Die Anglizismen-Verpöner, Denglisch-Anprangerer und (oftmals selbsternannten) Sprachbewahrer wird es freuen - immerhin finden sich keine fremdsprachigen Wörter.

wortfeilchen

PS. Welche Wörter fehlen nach Eurer Einschätzung?

PPS. Den dezenten Hinweis auf den mittelalterlichen Ursprung des Wortes ficken kann ich mir nicht verkneifen. Es bedeutet schlicht reiben und zeigt schön den Bedeutungswandel seit dem Mittelhochdeutschen. Ähnlich verhält es sich mit Scheiße, danke und hallo.

Montag, 18. April 2011

manche dinge müssen mal gesagt werden.


Facebooknutzer wissen ganz genau, was ich meine.

wortfeilchen

PS. Das hübsche Dingen ist nicht von mir, sondern von ihm hier. Und hier als Download für Mac- und Windowszeugs.

PPS. Nein, die Rechtschreibfehler korrigiere ich nicht, ich verbuche sie in diesem Fall ausnahmsweise unter künstlerischer Freiheit.

PPPS. Samstag hat er geheiratet, heute Geburtstag - Glückwünsche und Küsschen, lieber Ralf!

Donnerstag, 18. November 2010

ruhrgebietssprache: oschek & oschi.

Für große (und teilweise beeindruckende oder sogar bedrohliche) Dinge, Sachen und Menschen haben wir im Ruhrgebiet verschiedene Ausdrücke; den Kawentsmann habe ich Euch bereits vorgestellt, heute gibt es den Oschek bzw. Oschi, der dem/der Ömmes ähnelt. 

Ein Oschek ist eine imposante Erscheinung, ein beeindruckendes Ding, was nicht unbedingt positiv sein muss. Ein Kawentsmann oder Ömmes hat oft eine Spur Niedlichkeit oder Behäbigkeit in und an sich, die dem Oschek abgeht: Der Oschek wirkt fast immer bedrohlich, teilweise schon gefährlich. Ist er nicht unbedingt, könnte aber sein.

Der Duden kennt den Oschek nicht, wohl aber den Oschi, der dort aber ein wenig falsch und schlicht als großes Ding bzw. große Sache beschrieben wird. In Wahrheit ist ein Oschi nämlich eine Verniedlichungsform, ein Diminutiv von Oschek.

Spannend ist die Etymologie von Oschek und Oschi, denn man denkt spontan, es sind - wie beim Mottek - russische oder polnische Einflüsse im Spiel. Stimmt aber nicht, Oschek stammt aus dem Jiddischen, genauer aus der jüdischen Rechtslehre, wo er den Raub durch Bedrückung und vorenthaltung von fremden Eigentum beschreibt. Allerdings weiß ich nicht, seit wann wir im Ruhrpott den Oschek und Oschi kennen.

wortfeilchen

PS. Solche Dinge lernt man übrigens an der Bochumer Uni bei den Germanisten.

Mittwoch, 1. September 2010

nicht immer schön: leben & arbeiten in der innenstadt von bochum.

Heute gebe ich Euch mal den Nestbeschmutzer und mecker über meine geliebte Heimatstadt, in der auch nicht alles so vorbildlich läuft wie man denkt.

Es ist verständlich und normal, dass es mitten in der Stadt ein wenig lauter ist. Aber was man mir seit ein paar Jahren bietet, überschreitet das Maß gehörig - und treibt mich in die Flucht.

Erfahrungsgemäß ist es sinnvoll bei Veranstaltungen auf dem großspurig benannten Boulevard Bochum die Innenstadt zu meiden - zumindest wenn man Anwohner dort ist. Warum? Ist doch so schön, macht viel Spaß und sehr praktisch ist es doch auch, so nah dran zu sein. 

Es ist nicht mit der jeweiligen Veranstaltung getan; der Aufbau, die Anlieferungen, der tägliche sowie der abschließende Abbau sind das Problem, so dass man täglich von 5 bis 2 Uhr, also fast rund um die Uhr, Spaß hat. Lautsprecher hängen an alle Laternenmasten und übertragen zwischen 11 und 23 Uhr den lokalen Radiosender in unignorierbarer Lautstärke. Dieses Jahr bekam ich nur den Aufbau mit - bevor ich und viele meiner Nachbarn - flüchtete. Es gab eine Neuerung, denn die Lautsprecher wurden zusätzlich auf den Vordächern der Geschäfte platziert.

Diesen Donnerstag beginnt der Bochumer Musiksommer. An sich kein Problem, sollte man denken, aber die Aufbauarbeiten, die alles nur nicht leise sind, begannen bereits am Dienstag - und zogen sich bis 23 Uhr. Der Mittwoch ging im gleichen Stil munter weiter, dazu kam allerdings, dass man doch einen ausgiebigen Soundcheck durchführen muss - in höchstmöglicher Lautstärke und zwischen 20 und (bis weit nach) 22 Uhr. Ich mag nicht wirklich wissen, was mir ab Donnerstag und bis Sonntag blüht, aber ich kann davon ausgehen, dass die Nacht von Sonntag auf Montag mit dem lautstarken Abbau der Feierlichkeiten wie im Fluge vergeht.

Warum ich mich wegen ein paar hundert Menschen aufrege, nicht an die vielen Besucher und damit verbundenen Einnahmen denke und einfach umziehe?

Weil es viel zu einfach und verdammt kurzsichtig wäre!

Vielleicht sollte sich die Stadt Bochum einfach mal überlegen, was wichtiger und sinnvoller ist? Zahlende Besucher und Gäste kurzzeitig nach Bochum einladen oder den eigenen Bürgern ein angenehmes Leben bieten?

Fakt ist, die Innenstadt stirbt. Vielleicht nicht ganz, denn 1-Euro-Shops, Billigbäcker, Handyshops und weitere kurzlebige Geschäfte findet man reichlich, aber ein Kaufhaus? Fehlanzeige. Immerhin haben wir die Auswahl zwischen drei Supermärkten, deren Auswahl allerdings ein wenig eingeschränkt ist. Einkaufen in der City? Leider nicht vorgesehen, das macht man auf der grünen Wiese weit außerhalb, wo man zum Beispiel als Rentner hervorragend hinkommt und ebenso gerne die Einkäufe per Bus und Bahn nach Hause schleppt. Einkaufen in Bochum - ohne Auto keine schöne Sache, das wäre ein Slogan, der zu Bochum passt.

Darf ich noch ein paar Beispiele nennen?

Der so genannte rote Teppich, der das kleine Wegstück zwischen Bahnhof und Innenstadt markiert, ist auch so eine Sache, die kaum jemand versteht, denn sind wir mal ehrlich: Zu gemütlichen Shopping eignet sich Bochum doch eher weniger, da fährt man halt nach Essen oder Dortmund. Was soll das Teil, außer Geldverschwendung? Die zahlreichen Feierfreudigen finden das Bermudadreieck auch ohne die Farbveränderung unter ihren Füßen zu bemerken. 

Eigentlich könnte ich an dieser Stelle gleich ein paar Zitate bringen, die Jochen Malmsheimer zur Eröffnung der Zeltfestivals im August passenderweise anbrachte. Worte, die direkt, offen, ehrlich und reichlich angebracht waren - und die der Oberbürgermeistern von Bochum gar nicht gefielen.


Die ohnehin leeren Gesichter der Innenstädte werden, wenn sie nicht, wie bei uns, zu einer aseptischen und marmorgekachelten Sturmschneise verkommen, die dann in der immer gleichen, miefigen Bochumer Großmannssucht „Boulevard“ getauft wird, aber eher an eine längs halbierte Schuttrutsche erinnert und die in winterlicher Vereisung das Oberschenkelhalsbruchrisiko für alle oberhalb der 50 Lebensjahre in den Rang einer Gewißheit erhebt ...

Danke, keine Einwände oder Anmerkungen und was wahr ist, ist eben wahr.


Wertewandel ist an sich ja nichts Schlimmes oder gar Verwerfliches, im Gegenteil, es ist ein Zeichen für Entwicklung. Aber das Entscheidende bei einer Entwicklung ist nicht die Tatsache, daß es sie gibt sondern welche Richtung sie nimmt. Und davon gibt es zwei. Das Mittelalter etwa hatte die Hochkultur der Antike vollkommen vergessen. Für über 500 Jahre. Es gibt also durchaus Grund zu erheblicher Sorge. Doch nicht in dieser Stadt.

Wie wir alle wissen, leidet die jeweilige Obrigkeit dieser Stadt, wohlgemerkt nur die Obrigkeit, das aber seit Gründung der Gemeinde, also seit über 900 Jahren, unter der Tatsache, daß Bochum nicht Dortmund ist. Oder Essen. Selbst zu Witten hat es nicht gereicht. Und das nagt. Und bohrt. Und frißt. Und ätzt. Und löchert. Und brennt. Und dann, in einem dieser schwarzen, sauren Momente finsterster Niedergeschlagenheit, muß irgendjemand auf der Suche nach irgendetwas Besonderem durch Zufall das Buch im Bochumer Stadtwappen entdeckt haben. Ein Buch!

Das stimmt zunächst, wiewohl es wichtig ist, zu wissen, daß es sich bei der Herleitung des Emblemes im Jahre 1381 aus dem Namen der Stadt „Bukhem“ schon damals um das Ergebnis eines Übersetzungsfehlers oder schlichter Unkenntnis gehandelt hat, bedeutet „Bukhem“ doch nicht „Bücherheim“ sondern wohl eher „Heim unter Buchen“. Doch das focht vor siebenhundert Jahren niemanden an und tut es heute immer noch nicht, womit eine offensichtlich zentrale Eigenschaft der Bochumer Verwaltung, nämlich das durch keinerlei Sachverstand angekränkelte oder gar durch Recherche getrübte, wider jede Vernunft betonierte Verrharren im Irrtum, sehr schön herausgearbeitet ist.

Aus dem recht dürren Faktum der Anwesenheit eines Buches im Stadtwappen wird hierzustadt flugs die Nähe der Gemeinde zur Literatur gefolgert, was in der Bezeichnung „Stadt des Buches“ gipfelt. Bochum. Stadt des Buches. Ein Buch im Wappen kann aber doch alles mögliche bedeuten: Von einem Hinweis auf das hier blühende Buchbinderhandwerk, über das hohe Vorkommen wackelnder Tische, die erst durch das Unterschieben eines Buches zur Ruhe kommen, bis zu der Tatsache, daß man hiererorts die über der Scheiße in den Häusern kreisenden Fliegen ausschließlich mit Folianten erschlägt oder daß diese Gemeinde vielleicht das Oberzentrum gefinkelter Buchprüfung darstellt, eines Gewerbes also, welches, ganz anders, als Literatur, gänzlich ohne Phantasie auskommt und dergleichen mehr.

Dies ist die Stadt, die trotz der Mahnungen und Warnungen vieler, nicht nur der Fachleute sondern auch vieler ihrer Einwohner, ihre Kanalisation mitsamt der Scheiße an die Amerikaner verkaufte und den ganzen Rotz jetzt verlustreich zurücknehmen mußte, weil selbst der Amerikaner mit Scheiße aus Bochum nichts anfangen kann. Vielleicht hätte man die Verwaltung verkaufen und die Scheiße behalten sollen ...

Dies ist die Stadt, die eine Image-Kampagne in Auftrag gab, und die dann, nach Vergabe dieser Schwachsinnsidee ausgerechnet an eine, wie es scheint mental, wie handwerklich erloschene Essener Agentur, dem erbrüteten Slogan „Bochum macht jung!“ in paradigmatischer Gedankenarmut auch noch die Zustimmung erteilte, anstatt diesen als leuchtendes Beispiel für die Generalabsens von Intellekt und Verstand und für die geradezu erschütternde und maßlose Dumpfbichelei und Geschmacklosigkeit der sogenannten Werbetreibenden auf die Halde arschdummer Gesichtsfurzereien zu werfen, und, die dann die ganze Sache nicht wegen ihrer stupenden Blödigkeit einstellte, sondern weil es bei der Auftragsvergabe auch noch zusätzlich nicht mit rechten Dingen zugegangen war ...

... dies ist die Stadt, die vollmundig, um nicht zu sagen: großmäulig, die Notwendigkeit zur Installation eines vollkommen unnützen Konzerthauses verkündet, ohne einen Bedarf dafür zu haben und die Kosten des laufenden Betriebes decken zu können, und das alles in einem Kulturraum, der inzwischen über mehr nicht ausgelastete Konzerthäuser verfügt, als er Orchester unterhält, und die das alles dann doch nicht hinkriegt, weil der Regierungspräsident zum Glück solchen und ähnlichen Unfug einer Gemeinde untersagt hat, die ihre Rechnungen in einer Größenordnung im Keller verschlampt, die unsereinen für Jahre in den Knast brächte und die finanziell noch nicht mal in der Lage ist, die Frostschäden des letzten Winters im Straßennetz zu beseitigen ...

Apropos Bildung: Und natürlich ist das auch die Stadt, die ohne mit der Wimper zu zucken und auf das langjährige Betreiben eines gescheiterten ehemaligen Schülers ein seit Generationen über die Grenzen dieser Stadt wirkendes Haus humanistischer Bemühungen, eines jener am Daumen einer Hand abzuzählenden Dinge, die mal wirklich über die Grenzen dieses Weilers hinaus segensreich wirken, die solch ein Gymnasium also einfach weghaut und die Schüler und Lehrer aus den seit 150 Jahren mit Geist, Witz und Verstand imprägnierten ehrwürdigen Mauern in einen PCB-verseuchten Bimsbunker sperrt, um dieses Filetgrundtsück und das Gebäude anschließend an die Justiz zu verscherbeln.

Eigentlich hat der Herr Malmsheimer fast alles gesagt, außer vielleicht, dass mehr als 20 Schulen und Kindergärten geschlossen wurden, weil die Bürger und Bürgerinnen ja nicht so wichtig sind wie zahlende Besucher. 

Was ich mir wünsche?
  • Eine Stadt, die die Kreativwirtschaft nicht nur auf dem Papier fördert, sondern real und nachweisbar. 
  • Eine Innenstadt, in der man den täglichen Bedarf nicht nur ausreichend, sondern nach eigenen Wünschen decken kann. 
  • Geschäfte, die mehr bieten, als Produkte, die einen Euro kosten und eine Stadtverwaltung, die dem Einzelhandel unterstützend unter die Arme greift. 
  • Eine Oberbürgermeisterin, die ein Auge für die realen Bedürfnisse der Stadt und ihrer Bürger hat und die sich nicht nur der Kultur widmet. 
Danke, geliebtes Bochum, das Deine Verwaltung sich so viel Mühe gibt - zumindest für Besucher von auswärts, denn die Einheimischen werden nicht gefragt. Warum auch?  

Und an die Oberbürgermeister: Außen hui, innen pfui ist einfach keine lebenswerte Einstellung, Frau Scholz! Und wo wir gerade dabei sind: Erst kommt das Fressen, dann die Moral.

wortfeilchen

PS: Beschwerden bringen gar nichts. Außer vielleicht, dass die paar hundert Anwohner rund um den Boulevard laut Aussage der Stadt Bochum Verständnis haben müssen und doch umziehen können - Wohnungen gibt es schließlich ausreichend.

PPS: Nächstes Jahr passiert es dann doch, der Umzug privat und beruflich steht an, aber besser macht es die Sache nicht!

Dienstag, 24. August 2010

freizeitvergnügungen im landesmuseum zürich.

Eigentlich besuchten wir das Landesmuseum Zürich, um die vielen martialischen Waffen zu bestaunen. Eigentlich, denn in Wahrheit sind lediglich eine Handvoll Hellebarden und Armbrüste sowie ein paar Schwerter und Dolche zu sehen.

Schade, denn allein die merkwürdige Architektur der Gebäude, die gewöhnsbedürftige Aufteilung der Räume und die unübersichtliche Anreihung der verschiedenden Ausstellungen sind nicht so besuchenswert.

Und weil es eben nicht so prickelnd, übersichtlich und anschaulich war, haben wir eben das Beste aus der Situation gemacht und als Helvetia posiert.

Foto: Pierino Cerliani

Foto: Barbara Piontek

wortfeilchen

Montag, 26. Juli 2010

verlorene worte: schwerenöter in schwerenot.

Charmant, unwiderstehlich und eher eigennützig veranlagt ist so ein Schwerenöter. Meist hat er ordentlich Schlag bei Frauen, ist ein Schürzenjäger, der schlau seine Vorteile (aus)nutzt.

Das war nicht immer so, denn bis ins 18. Jahrhundert war ein Schwerenöter scheinbar ein verfluchter Kerl voller Arglist. Die abgemilderte Bedeutungsänderung fand im 19. Jahrhundert statt - warum auch immer.

Aber woher kommt die Bezeichnung Schwerenöter überhaupt? Was ist diese so genannte Schwerenot eigentlich?

Die schwere Not bezeichnet etymologisch einen schweren, belastenden, mühevollen Zwang, eine Bedrängnis oder Nötigung. Ursprünglich verhüllte man so sprachlich die Verhexung mit Epilepsie, denn diese wurde nicht als Krankheit angesehen, sondern als Strafe Gottes bzw. Kennzeichen einer Verfluchung. Damals, als die Gummistiefel noch aus Holz waren, gebrauchte man die Schwerenot zumeist als verwünschenden Fluch. 

Ist ein Schwerenöter also ein Fluch? Kann man so oder so sehen, zumindest ein schönes Wort, das sich verliert.

wortfeilchen

Dienstag, 6. Juli 2010

have a break. have a kitkat. break a vuvuzela.

Spätestens morgen geht es wieder los, das elende Getröte der Vuvuzelas. Nestlé und die Agentur JWT Brüssel springen vielleicht auf den Zug auf, aber es ist eine schöne Idee, oder nicht?


wortfeilchen

PS. Quelle.

Donnerstag, 27. Mai 2010

schweizer pfui-schokolade.

Die Schweiz ist für ein paar Dinge sehr berühmt, unter anderem die leckere Schokolade. Dem stimme ich zu. Bis ich diese Bio-Schokolade probierte.


Sie hat einen penetranten, leicht ranzig wirkenden Geschmack, der mich umhaut, sobald ich ein Stück in den Mund stecke. Glücklicherweise lässt das Muffige nach, aber wirklich auf der Zunge zergeht sie nicht und lecker ist auch anders.

Merke: Bio bedeutet nicht unbedingt gut. 

wortfeilchen

prokrasti-nation.



Gefunden bei Frau Elise.

Dienstag, 27. April 2010

einsichtig.

Falls Ihr da draußen es mal wieder vergesst: Manchmal sind wir alle doof - lasst Euch helfen!


wortfeilchen 
PS. Original hier. Via Texttreff.

Montag, 8. Februar 2010

von herzen. mit schmerzen.

Meine Citylage beinhaltet Vorzüge, besonders die große Auswahl der Dienstleister ist eindeutig einer. Dachte ich, packte meine Schmerzen warm ein und steuerte die nächstbeste Apotheke an.

Eine sehr große Apotheke, die mich aber dennoch warten ließ, wobei ich erwähnen möchte, dass mein schmerzverzerrtes Gesicht sicherlich ebenso Bände sprach, wie meine Unfähigkeit ruhig zu stehen. Nach 30 Minuten des elenden Wartens bat ich mit zitternder Stimme und Schweißperlen der Anstrengung um die Zuteilung nichtverschreibungspflichtiger, adäquater Drogen. Mit einem, wie ich finde, fast hämischen Grinsen erhielt ich die Auskunft, ich könne um 19.30 Uhr noch einmal vorbeischauen. Man war auch nicht bereit, mir die entsprechenden Medikamente zu bringen. 

Seufzend und schwankend verließ ich den Laden, ging über die Straße und versuchte es in der nächsten, ebenfalls neumodisch ausgestatteten Apotheke - der Erfolg war ebenso mäßig wie in der dritten. Meine Verzweiflung stieg potential. 

Entnervt zog ich meinen Joker und lief zur Apotheke meines Vertrauens, die ein wenig weiter entfernt liegt, aber nicht nur durch ein heimeliges Interieur, kompetente und freundliche Mitarbeiter besticht, sondern auch durch weitreichende Kenntnisse und ein ebensolches Angebot an homöopathischen und naturheilkundlichen Wohltaten. 

Hätte ich sofort machen sollen, denn in der Einhorn Apotheke war zwar mein bevorzugtes Schmerzmittel auch nicht vorrätig, aber die sanfte, lächelnde Stimme nahm an meinem Schicksal Anteil, beriet mich und enorm beruhigt konnte ich dem Heil ins Auge blicken. Nebenbei sparte ich auch gleich noch den ein oder anderen Euro. Vielen Dank - und in Zukunft keine Umwege mehr!

wortfeilchen