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Dienstag, 9. Mai 2017

etymologisches mit ruhrdeutschem und helvetischem einschlag: betrügerisches kamuff und kamelartiges kamuffel.

Sie wissen, als Ruhrgebietseingeborene teile ich Heim und Herd mit einem Deutschschweizer. Ich lebe also quasi in einer multikulturellen Ehe. Sie wundern sich vielleicht, aber glauben Sie mir, die sprachlichen und kulturellen Unterschiede sind ausgeprägt vorhanden. Glücklicherweise kennen wir das im Ruhrpott nicht anders, keiner von uns kommt ursprünglich von hier weg, und selbst ein indigener Zürcher hat hier Platz und seine Berechtigung. 

Warum ich darauf hinweise? Nun, im Alltag ergeben sich für eine Germanistin mit Vorliebe für Linguistik erforschenswerte und aufregende Zufälle. Dieses Mal kennt er Kamuff, während ich Kamuffel kenne. 

Kamuff und Kamuffel – die Bedeutung 

Während das Schweizer Kamuff einen dummen, spaßigen Kerl oder Dummkopf bezeichnet, sieht es mit meinem Kamuffel einen Hauch anders aus: Das Kamuffel ist ein träges, bequemes, nicht unbedingt helles, aber recht harmloses Geschöpf. Kamuffel ist eher liebevoll denn grob beleidigend gemeint und wird meist zu männlichen Exemplaren der Gattung Mensch gesagt. Haben Sie schon einmal eine Frau Kamuffel genannt? 

Im Ruhrdeutschen neigt das Kamuffel, wie das Kamel, zum Neutrum, in den Deutschschweizer Dialekten ebenfalls (was etwas ungewöhnlich ist, das Alemannische grüßt zumeist deutlich). Plural und Singular unterscheiden sich nicht, ein Kamuffel oder fünf Kamuffel, es tut sich nichts. Klar, so ein Kamuffel ist von Natur aus nicht gerade sehr bewegungsfreudig. 

Foto: Daniela Castro, 

Kamel oder Halunke – der Ursprung 

Im Unterschied zum Kamuff hat es das Kamuffel in den Duden geschafft, wo seine Herkunft dem Italienischen zugeordnet wird: Kamuff ist älter als Kamuffel, quasi ein Vorgänger, bedeutet Halunke oder Schuft und kommt von dem italienischen Wort camuffo, was so viel wie Betrüger oder Halunke bedeutet und eine Substantivierung oder Ableitung zu dem italienischen Verb camuffare, also betrügen oder täuschen, ist. 

Nach Brockhaus Wahrig, der nicht online zu finden ist, soll es schlicht eine versteckte Weiterleitung von Kamel sein. 

Küpper und Pons gehen einen Schritt weiter und finden, Kamuffel ist eine Verschmelzung aus Kamel und Muffel, wobei der Muffel laut Duden ein verdrießlicher, unfreundlicher Mensch ist. Das passende Verb muffeln, was so viel wie mürrisch, knurrig, etwas schlecht gelaunt bedeutet, hat seine Ursprung im mittelhochdeutschen Wort muffen oder mupfen, was den Mund verziehen bedeutet. Küpper und Wahrig datieren die Wortschöpfung Kamuffel übrigens auf 1800. 

Das DWDS findet, Kamuffel ist hebräischen Ursprungs. 

 

Das Schweizer Idiotikon weist auf den italienischen Ursprung von camuffo hin und meint, Kamuff sei ein Synonym oder eine Analogie auf das Kamel. Spannend sind die verschiedenen Ausformungen des Kamuff im Schweizerischen, die von Camúff, Kamüff, Kamóff, Ka(r)mufti, Kamuffer, Camüffer und Kamüffer bis zu Chumüff und Kanuff reichen. 


Kamuff und Kamuffel – was denn nun? 

Wenn Sie mich fragen, halte ich die Verbindung zum Kamel für wahrscheinlich. Allein deshalb, weil das italienische Verb camuffare (blenden) und das französische Verb camouflage (tarnen, vertuschen, verschleiern) für mich ebenso wenig passen, wie die Deutung über Betrüger, Schuft oder Halunke. Dafür sind das Schweizer Kamuff und das deutsche Kamuffel als träge Doofköppe doch eher nicht in der Lage. Das vielleicht vermeintlich gemütliche, etwas dumm anmutende Kamel passt da schon besser.

Foto:
Kawtar CHERKAOUI,

PS: Falls Sie von mir in nächster Zeit öfter das Verb camouflieren (bildungssprachlich tarnen, verbergen) hören, lassen Sie mir die Freude, es klingt so schön.

Donnerstag, 1. September 2016

helvetismen: warum die mieze in der schweiz ein büsi ist.

Achtung, Cat-Content! Ungewohnte Worte von mir, mag ich doch lieber Hunde als Katzen, dennoch: Es geht um Katzen, bzw. Chatz und Chätzli. Richtig, es geht um Helvetismen!

Was dem Deutschen die Miez, die Miezekatze und die Muschi, ist dem Deutschschweizer das Büsi. Und das/die Bus, Buus, Büsel und Büseli. (So ganz komme ich mit den alemannischen, bzw. helvetischen Artikeln nicht klar, daher bin ich mir nicht sicher, ob es die oder doch das heißt.) Wie kommt ein dermaßen sprachlicher Unterschied zustande? Und warum überhaupt Büsi?

Bratbär Spike the bump - Foto & Katze: Carola Heine

Etymologisches: Von der Katze zur Mieze

Um mir einen Überblick zu verschaffen, habe ich zuerst recherchiert, wie das Wort Katze in den verschiedenen Gegenden Europas und in heimischen Gefilden damals lautet und lautete. Grimms Wörterbuch war, wie immer, eine Quelle des Wissens: Die Herkunft des Wanderwortes Katze ist nicht geklärt, das Wort klingt überall ähnlich. Wir kamen über das althochdeutsche Wort kazza, bzw. chazza zum mittelhochdeutschen Wort Katze, das wir beibehalten haben. In den Niederlanden heißt es kat, im angelsächsischen Raum cat, im dänischen kat, bzw. hunkat (Katze) und hankat (Kater), im französischen chat, im spanischen gata und gato.

Spannender wird es, wenn es um Koseformen, wie Miezekatze oder eben Büsi geht. Die Schmeichelnamen entstanden aus dem Lockruf für die Samtpfote - ich denke, jeder kennt Miez, Miez, Miez oder miezmiez. Wie erwähnt, kenne ich mich mit Katzen nicht gut aus, daher kann ich nicht sagen, ob es sich wirklich so verhält: ... wie alle dergleichen lockrufe, lautmalend nach der stimme des thieres; es hat sich nachher als schmeichelname der katze selbst ergeben, die miez und die mieze, auch verdeutlichend die miezekatze ... (Quelle: Deutsches Wörterbuch von Jacob Grimm und Wilhelm Grimm) 

Während wir im deutschen Gebiet fast alle durch Miauen, Maunzen und Mauen von dem Wort Katze zu den mehr oder weniger ähnlichen Koseformen Miez, Mieze und Miezekätzchen kamen, sieht das in den uns umgebenden Ländern anders aus: In England gibt es puss, in Norwegen puse, im Elsass bise und bize, im Schwabenland buse und in der Schweiz busi und büsi. Sagt Grimms Wörterbuch, und denen glaube ich. Die Ähnlichkeiten sind vorhanden, außer zum Deutschen, woran immer das nun wieder liegen mag.

Dort, im Wörterbuch, wird allerdings ebenfalls erwähnt, dass mit bus und busch in der Deutschschweiz auch Kälbchen angelockt werden und ein Kalb auch buschi, buscheli, buseli oder büseli genannt wird, was wiederum gleichfalls für andere junge Tiere gelten kann. Denn, wie könnte es anders sein, natürlich gibt es in der Deutschschweiz immer einen oder mehrere Diminutive. Es ist wohl etwas kompliziert!

Spike, seines Zeichens Bratbär. Foto, Kater und Erklärungen zum Wort Bratbär: Carola Heine
 
(Keine) Ausnahme Alemannien

Jedenfalls machen wir es alle, in allen Sprachen: Wir (ich eher nicht, aber ihr) rufen und locken Katzen. Der Engländer ruft zum Beispiel puss, puss, puss!. Von dort, und möglicherweise von unserem Kosenamen Muschi, kommen wir vielleicht in den alemannischen Sprachraum, wo die Katze mit den Wortlauten bus bus! oder büs-büs! angelockt wird. (Grüße von der Lautverschiebung!)

Das wäre die Erklärung! Allerdings gehen die Schweizer etwas weiter, denn dort gibt Redewendungen und Phrasen, in denen die Mieze vorkommt. Beispiele:

Em Chätzli Büseli sääge bedeutet Beleidigungen mit Schmeicheleien zu verbinden.

S Isch Büse was Bäse bedeutet das beides gleich schlimm ist.

Büsele-bäsele, Büseli-Bauseli mache bedeutet (übertrieben) rücksichtsvoll mit jemanden verfahren.

Und dann kommt auch wieder das Kalb ins Spiel: Tue wien es Buseli steht für mutwilliges Herumtollen.  

Haben wir so etwas auch? Mir fällt nicht viel ein, außer vielleicht abgehen wie Schmidts Katze. 

Exkurs: Flaum und Flausch - vielleicht eine Erklärung
  
Ich frage mich, ob eine deutsche Katze miezt, eine englische pusst und eine Schweizer büst oder wir uns das nur einreden? Und ich bin mir in Sachen Lautmalerei und Miezekatze nicht ganz sicher und mutmaße frohgemut, dass die Koseformen vielleicht mit dem Flauschigen der Katze zu tun haben, denn Büsel und Büseli bezeichnen in Deutschschweizer Dialekten auch etwas Flockiges, Zottiges, oft von kugeliger Form, eine Troddel oder Quaste, zum Beispiel Samenfederchen des Löwenzahns oder Blütenkätzchen der Weide oder Haselnuss. Und Büseli wird dort auch ein breitblättriges Wollgras genannt. Buslig bedeutet wollig und flockig - könnte das vielleicht von der Katze ausgehen oder andersrum, die Katze wurde nach der Natur bekost? Ich weiß es nicht. Was ich aber weiß, dass die Busle, im Vergleich zum Büsi, große Katze oder dicke Frau bedeutet. 

Na bitte, wieder ein Rätsel.

PS: Entnommen habe ich die Redewendungen und Satzglieder der letzten beiden Absätze dem Zürichdeutschen Wörterbuch, das der Mann mit in die Ehe brachte.

PPS: Und wer mehr über die Herkunft der Bezeichnung Muschi wissen möchte, empfehle ich diesen schönen Artikel zum Thema: Muschi gesucht

Dienstag, 16. August 2016

schibbolethe & helvetismen: so richtig schoppen.

Jau, ganz richtig gelesen und auch kein Tippfehler! Es geht ums Schoppen, was lediglich im entfernten Sinne mit dem Shoppen zu tun hat und auch nichts mit dem Schoppen Wein oder Bier. Shoppen mache ich nur, wenn es sich nicht vermeiden lässt. Beim Schoppen sieht es anders aus. Wenn auch nicht viel. Dem Schoppen gehen wir alle ab und an nach, denke ich.

Schibbolethe sind schön! 

Ich fange besser vorne an. Mit dem Schibboleth. Das ist nämlich ein Erkennungszeichen, ein Losungswort und ein Merkmal. Letzteres trifft in diesem Fall zu, denn so ein Schibboleth kennzeichnet die sprachliche Herkunft, bzw. die sprachliche Besonderheit, mit der sich ein Sprecher einer regionalen oder/und sozialen Gruppe zuordnen lässt. Oder anders: Unsere Aussprache und unsere Wortwahl verraten unsere Herkunft. Schibbolethe können wir nämlich nicht einfach abstellen, meist wissen wir nicht einmal, dass wir welche haben. 

Sie sind international und in allen Sprachen, bei allen Menschen und an allen Orten der Welt zu finden. Meine Abstammung ist gemischt, d. h. meine Schibbolethe kann ich zumeist im Ruhrgebiet verorten, was zuweilen deutlich hör- und erkennbar ist. Der Name der Nachbarstadt Dortmund ist so ein Beispiel, denn ich sage Doatmund. Immer. Oder Bannhoff, und nicht Bahnhof.

In der Schweiz! In der Schweiz! In der Schweiz!

Der weltbeste Mann, der eindeutig, nachweislich und auf jeden Fall meiner ist, ist Schweizer - und verfügt daher über eine Fülle von Schibbolethen. Von Haus aus und ohne große Anstrengung. Gut, er spricht nicht Deutsch wie Emil, der übrigens eine Schweizer Variante des ganz gewöhnlichen Standarddeutschen oder Schweizer Hochdeutsch spricht und nicht, wie wir oftmals glauben, einen Schweizer Dialekt zur Schau trägt - dennoch schimmert selbst bei meinem Gespons der helvetische Einschlag durch. Zum Beispiel bei der Betonung und der Aussprache - und bei der Wortwahl und der Wortbedeutung, womit wir bei den Helvetismen sind. 

Schweizerdeutsch, das es so gar nicht gibt, nennt einen überreichen Schatz an Wörtern sein Eigen, die wir hier im Norden gar nicht kennen. Ja, richtig gehört, für ziemliche viele Schweizer bin ich als Bochumerin eine Norddeutsche, was daran liegt, dass alles südlich von, hm, sagen wir mal Karlsruhe sprachlich immer fremder wird. Das liegt wiederum daran, dass das Schweizer Standarddeutsch und die Schweizer Dialekte dem Alemannischen entstammen und keine eigene Sprache sind. Bevor die Empörung der Helveten über mich kommt, wechsel ich nonchalant zum Wort und Verb schoppen.
 
Rein oder raus: Schoppen im Süden und im Norden

Während ich, wenn ich schoppe, zum Beispiel ein T-Shirt ein wenig aus der Hose ziehe oder die Socken locker nach unten drappiere, sieht das bei meinem Herzallerliebsten ganz anders aus: Wenn er schoppt, stopft er Kleidung in Kleidung hinein. Wenn er sein T-Shirt schoppt, engt es ihn nicht wie bei mir ein und sitzt zu stramm - es hängt an ihm herum und er stopft es in die Hose. Ich ziehe rein, er heraus. Ich bausche (auf), er stopft (hinein). Bayern, Österreicher und Schweizer gehen dem Hineinstopfen nach, wir anderen dem Bauschen, alle schoppen wir.

Etymologisch kommt schoppen aus dem Mittelhochdeutschen und zwar von dem mittelhochdeutschen Verb schoppen, einer Intensivbildung des Verbes schieben. Interessanterweise lautete der althochdeutsche Vorgänger scioban und der gotische tiuhan - Sprache lebt. Wie und wann es zur genauen Bedeutungsänderung des Wortes schoppen gekommen ist, wie weit die 2. Lautverschiebung, die die Deutschschweizer Dialekte nur bedingt mitgemacht haben, damit zu tun hat - nun, das würde vielleicht zu weit führen. 

Also, schnell das Deutscherschweizer Idiotikon, das Wörterbuch der Schweizer Mundarten, und das deutsche Pendant, Grimms Wörterbuch, aufgeschlagen und nachgeschaut. Und tada:

deutschschweizer dialekte helvetismen
 
schoppen hochdeutsch deutsch

Belassen wir es dabei, dass alle, die Deutsch sprechen, Kleidung schieben. Manche rein, manche raus. So ist das halt mit den Schibbolethen. Und nun denke ich über gesmokte Blusen und das Smoken an sich nach ...

Mittwoch, 8. Juli 2015

musse schlackern. abba ordentlich.

Ich sammele sie immer separat in einer Wäschebox und alle paar Wochen sind sie dran, die Handtücher. Handtücher sind nämlich eine Wissenschaft für sich. Also, nicht das Handtuch an sich, aber der Umgang mit selbigen. Nee, auch nicht beim Abtrocknen, sondern beim Waschen. Eigentlich beim Waschen, Aufhängen und Abnehmen, Zusammenlegen und Wegpacken der Handtücher.

Das sage nicht ich, das trichterte mir Omma ein: Dat is nemmich sone Sache.

Dat mit dem Waschen geht ja noch. Da kannze an sich nicht so viel bei falsch machen, begann sie ihren Lehrgang. Bunte Hantücha aufn Haufen un weiße aufn andern. Wenn die nich mehr so schön sin, dann musse die bleichn, dann gehn die wieda. Schön heiß waschn, unter 60 °C geht da nix. Auch die buntn, die können dat ab. Wennse wat taugn. Bei Hantücha tusse bessa nich sparn, dat rächt sich nemmich späta. Un nich son billges Waschpulva nehm, lech wat an. Ich nehm Ariel, Persil geht vielleich au, abba nich vom Aldi, dat taucht nix. 

Dann gehtet abba ers los mitti Maloche, warnte Omma an dieser Stelle, am besten is, wennze die gewaschenen Hantücha nach draußn hängs. So richtig in Garten. Auffe Leine oda schön ordentlich anne Spinne. Damit die flattern können. Dann sind die fix trockn, riechn gut un behalt ihre Form. Die können auch bissken nass werdn und so richtich knackign Frost, der macht die Dinga schön muckelich.

Nun wurde es persönlich, an dieser Stelle setzte Omma immer demonstrativ den Zeigefinger vor meine Nase: Un nie vergessn! Hantücha musse schlackern!! Imma!!! Abba ordntlich!!!! Volle Pulle, bisse dat inne Arme merks. Vorm und nachm Aufhängn. Hörsse? Wennze dat nemmich nich machs, dann reibs Dir naher die Fott wund. Un dat is nich schön, dat kannze ner alten Frau glaubn. Also: Nasset Hantuch ausm Korb nehm, so richtich ausse Arme raus schlackern un ers dann aufhängn! Dat Schlackern gibt son Geräusch. Wennze dat nich hören tus, dann hasse nich richtich geschlackert und die Hantücha hängn rum wie welken Sallat. Un beim Abnehm wieda schlackern un dann zusammlegn. Auf Kante. So richtich akkerat.

Bügeln? Ach wat, wennze Handtücha ordentlich schlackern tus, dann brauchsse nix bügeln. Wirs sehn, wie schön dat in Dein Schrank aussehn tut. Un sach dat dem Oppa nich, abba ich tu ja imma noch Spritza Kölnisch Wasser oder Tosca bei. Dat riech ich so gerne. 

Bei uns im Handtuchfach sieht es nicht aus wie in Omma ihrn Schrank. Wahrscheinlich fehlt doch Kölnisch Wasser. Oder Tosca. Oder mein Schweizer Ehegespons weiß nicht, wie man Handtücher richtig schlackert.

Und jetzt entschuldigt mich, ich muss zum Lehrgang. Damit der Mann das mit dem Schlackern endlich mal hinkriegt.

Omma würde mir das niemals durchgehen lassen.

PS: Omma gab sich natürlich nicht mit dem Schlackern von Handtüchern zufrieden. Keine halben Sachen, alles, jedes einzelne Stück und Teil Wäsche, das aus der Waschmaschine kommt, muss geschlackert werden, aufgehängt, abgenommen und noch einmal geschlackert werden. Aber ordentlich.

Dienstag, 5. Mai 2015

@ Michael Bauer. oder eine erwiderung.

Michael Bauer schrieb, so glaube ich, eine Antwort auf meinen letzten Artikel, der sich mit deutschen Dialekten und deutschen Hochsprache beschäftigt. Ich mag den Mann, seine Wortspielereien und seinen Humor. Daher hier meine Antwort, bzw. Erwiderung.

Lieber Michael, 

ich bin mir nicht ganz sicher, was mir Dein Text sagen will. Dialekte sterben aus, aber das ist halt so? Du sprichst Dialekt, weil er für Dich dazugehört? 

Ich finde, wir sollten vielleicht zuerst definieren, worüber wir reden. (Ja, die Philologin kommt zuweilen durch, was erlaubt sein mag. Ich kratze, versprochen, auch nur an der Oberfläche, sonst würde dieser Artikel ausarten und zwar gehörig.) 

Der Regiolekt steht für Dialekt, Mundart, Regionalsprache oder auch das Idiom, d. h. eine lokal und/oder sozial abgegrenzte Sprachvariante oder den in einer Region gesprochenen Dialekt. Dialekte haben eine räumlich begrenzte Reichweite und verfügen über phonologische, morphologische und lexikale Eigenheiten, durch die sie sich von anderen regionalen Variationen und der Standardsprache unterscheiden. Regionalsprache reicht ein wenig weiter, so sind beispielsweise alemannische Variationen in Süddeutschland und der Deutschschweiz in unterschiedlichen Abstufungen verbreitet, aber dennoch regionale Ausprägungen lokal vorhanden, deren Abgrenzungen variieren. Außerhalb von dort, also beispielsweise in Norddeutschland, lösen alemannische Satz- und Wortkonstruktionen eher Stirnrunzeln und fragende Blicke aus.      

Die Hochsprache entspricht der Schriftsprache, der Standardsprache, der Gemeinsprache, der Literatursprache, der Nationalsprache. Sie ist den lokalen Umgangssprachen übergeordnet, ist die allgemein (und national) verbindliche Sprachform, sie wird gesprochen und geschrieben; d. h. sie ist in einer Grammatik und Wörterbüchern kodifiziert und (sprachwissenschaftlich) das Gegenteil zur Umgangssprache. Sie ist überregional und in allen deutschsprachigen Regionen verständlich. Jetzt kann man weiter unterscheiden, wenn man davon ausgeht, dass es eine Standardsprache gar nicht gibt, sondern innerhalb des deutschen Sprachraums eher verschiedene Regionalstandards mit dialektalen Einsprengseln vorhanden sind. Darunter fallen zum Beispiel Helvetismen und Austriazismen, die wiederum als solche im Duden und anderen Wörterbüchern vermerkt werden. Alle deutschsprachigen Länder grenzen sich sprachlich voneinander ab, gehen ineinander über und übernehmen auch voneinander. Hochdeutsch ist eine Standardsprache, da sie unabhängig von Schicht und Region benutzt werden kann und wird. 

Standardsprache und und Regiolekte verändern sich bewusst und unbewusst stetig, bzw. werden von uns, den Anwendern und Nutzern verändert. Sprache wird nicht erfunden, etwa von Gelehrten im stillen Kämmerlein, sie entsteht durch Einflüsse von Menschen – und wandelt sich stetig. Die Ergebnisse landen früher oder später im Duden, was zeigt, dass die Hochsprache kein statisches Konstrukt ist, sondern gelebte Sprache. 

Die Standardsprache ist keine Richtlinie für alle anderen Variationen, sie liefert die Orientierung, die Leitlinie beim Spracherwerb und bei auftretenden Fragen. Wörterbücher, Grammatiken und Bücher, die bei Aussprache und Stil helfen, sind die Mittel und Nachschlagewerke zu diesem Zweck. Dialekte haben meist keine einheitliche Schrift, meist nicht einmal eine einheitliche Sprache, die Standardsprache schon. Sprachwissenschaftlich ist die Einordnung schwieriger, es lauern Fragen: Kann es einen Dialekt ohne Standardsprache geben? Ist die Hochsprache nicht eine Voraussetzung für den Regiolekt? Wieder ein weites Feld der Linguistik, dem ich Räume geben könnte. 

Wie Du meinem Posting entnehmen kannst, verweigere ich keinem Regiolekt und auch keiner Schriftsprache ihre Ambivalenz, denn letztlich ist es genau das, was Sprache ausmacht – wir streiten und diskutieren über sie und ihre Auslegungen. Das tun nicht nur wir, das passiert in jedem Uni-Seminar, jeder Redaktion und auch bei Dudens. 

Und ja, Dialekt ist ein Merkmal der Schichtzugehörigkeit (Soziolekt), was nicht gut oder schlecht ist, es ist einfach so. Die Durchmischung der sozialen Schichten hat sich aber in den letzten Jahrzehnten grundlegend geändert, die da oben, die sich durch Französisch abgegrenzt haben, gibt es so nicht mehr. Aber ist es nicht so, dass man sich durch eine stoische Nutzung des Dialektes genau so abgrenzt wie damals die da oben? Wenn ja, warum eigentlich? 

Und dann haben wir auch die Veränderung, die Du an Deinen Kindern bemerkst: Sie haben eine andere Bildung erhalten, arbeiten nicht unbedingt vor Ort, sie kommen raus und rum. Dazu ein Beispiel: Meine Familie väterlicherseits stammt aus Ostpreußen, Ostvertriebene, die nach dem 2. Weltkrieg erst in Halle an der Saale landeten und, als es dort immer unfreier wurde, in das Ruhrgebiet kamen. Nicht freiwillig, weil es hier so schön war, sondern weil es Arbeit gab. Mein Opa hat Straßen gebaut, mein Vater das Einjährige. Mehr ging finanziell nicht, weil das Abitur Geld voraussetzte und mein Vater sich daher bei der Bundeswehr verpflichtete, um so mehr Bildung zu erlangen. Die Familie meiner Mutter ist im Münsterland und Ruhrgebiet verortet und Bildung hieß dort 7 Jahre Volksschule. Erst mir war es, dank 68ern und sozialem Aufstieg und einer Menge Arbeit meiner Eltern, möglich, die Universität zu besuchen. 

Das sprachliche Durcheinander in meiner Familie kannst Du Dir ausmalen: Während meine Großmutter ostpreußische Variationen einbrachte, fluchte mein Opa (der sehr lange in russischer Kriegsgefangenschaft war) auch russisch und polnisch, wobei sie beide als bescheidene Protestanten stets um einwandfreies Hochdeutsch bemüht waren. Das hatten sie so in Ostpreußen gehandhabt und taten es auch hier. Ruhrdeutsch empfanden sie, und auch mein Vater, als amüsant, aber vulgär und nicht gerade schön. Die katholische Familie meiner Mutter brachte mir Ruhrdeutsch und Anteile Münsterländer Wortwahl bei, während ich mich bemühte Germanistik zu studieren und dementsprechend Dialekt und Hochsprache zu pflegen. Kurz: Meine Familie ist ein Musterexemplar des Ruhrgebietes, wo alle aus einem anderen Land, einer anderen Kultur und Sprachregion kommen. Macht aber nichts, wir werfen zusammen, sitzen an einem Tisch und tauschen uns aus. Aber: Unsere einzelnen Dialekte sterben aus, vermischen sich und ergeben quasi einen neuen Regiolekt. Und dann habe ich noch einen Schweizer mitgebracht und ertappe mich ab und an bei einem Helvetismus. Nun ja. 

Ebenso ohne jegliche Wertung sind meine Beispiele zu sehen, wobei die Schweiz natürlich als beispielhaft gelten kann, da die Hochsprache oftmals eben nicht als übergeordnetes Gemeinsames mit den österreichischen und deutschen Nachbarn gilt. Was so auch wieder nicht stimmt, schließlich gibt es auch hier ein Schriftdeutsch, was unserem Hochdeutsch recht nahe kommt, Standarddeutsch, das ein wenig an das erinnert, was Emil uns in den 1970ern verkaufen wollte, und lokale Dialekte in zahllosen Variationen. 

Es kommt vor, dass sich einige Schweizerinnen und Schweizer auch sprachlich unbedingt von uns, den Deutschen, abgrenzen möchten. Man mag es gut finden oder nicht, aber in der Deutschschweiz spricht der Professor Dialekt und der Bauer auch. Standesunterschiede? Nöö, den Adel, die blöden Habsburger, die ja nur vermeintliche Deutsche waren, hat man doch verjagt und fremde Vögte, also welche von auswärts, haben nichts zu melden, und dann stand doch der Adolf mal fast vor der Tür und nun sind sie wieder in Scharen da, Deutsche mit ihrem geschliffenen Hochdeutsch und ihrer direkten Art – da kann man sich ab- und vielleicht auch ausgrenzen, muss aber auch die Konsequenzen tragen, Stichwort Inseldasein. 

Und kann es nicht auch sein, dass in der Deutschschweiz, und gerne auch in Süddeutschland, Standardsprache einfach ein zu schlechtes Image hat und genau das Unsinn ist? Weil Schriftsprache auch Möglichkeiten bietet. Weil Standardsprache bereichert und nicht einschränkt. 

Warum lassen süddeutsche Politiker durchblicken, woher sie kommen? Um zu zeigen, wir sind aus dem Volk, genau so wie Du, also wähle mich, ich bin glaubwürdig, ich könnte Dein Nachbar sein. Die Sprache als Werkzeug und Mittel zum Zweck – auch ein Thema. 

Tja, und dann der Süden Deutschlands an sich. Ist er beispielhaft oder übertrieben in seiner Dialektliebe? Dabei ist er doch nur ein Teil Deutschlands, und andere unken, Bayern ist sowieso nicht Deutschland … 

Und dann gibt es noch Entwicklung und Historie der Dialekte und der Standardsprache. Ebenfalls ein weites Feld. Du merkst, ich sehe viele Ansätze und Möglichkeiten – worüber wollen wir reden? 

PS: Ich plädiere übrigens für das Blog. Duden sagt, es heißt das, der geht aber auch. Immerhin brauchen wir über den Plural nicht zu reden, die geht immer :)

PPS: Dazu ein Link zu einem Artikel, der sich mit dem Blog-Thema befasst.

Montag, 27. April 2015

sprechen wir es aus: deutsche dialekte und deutsche hochsprache.

Dialekt ist angesagt, zumindest als Thema: Neben dem Test namens Moin, Grüezi, Servus - wie wir wo sprechen, der überraschend zielgenau ist, finden sich immer wieder Artikel, die auf den Verfall und das Aussterben der Dialekte hinweisen. Heute hat Spiegel Online wieder einen rausgehauen, der mich zum Nachdenken bringt. Es geht um das Image von Dialekten und Dialektsprechern - und den Umgang mit dem heimischen Dialekt. 

Ich tue mich schwer, eine Variante zu bevorzugen, für mich dürfen, können und sollen beide nebeneinander existieren. Es ist schön und gut, wenn man beide beherrscht, den lokalen Dialekt und die Hochsprache. Was mich irritiert, ist die Bevorzugung und Betonung einer Seite, sie gehören zusammen, sind sie doch lediglich Variationen oder Ausprägungen. 

Die Realität weicht oft von meiner Sichtweise ab: Während in Deutschland Dialektsprecher als dumm oder ungebildeter angesehen werden, sieht es in der Schweiz und in Österreich anders aus, denn dort wird die eigene Identität, das Wohlfühlgefühl, die Verbundenheit untereinander und mit der Heimat sehr stark mit dem eigenen Dialekt in Verbindung gebracht. Meinetwegen, wenn es nicht in Patriotismus und Nationalismus ausartet – und andere ausgrenzt.  

Die Koexistenz von Dialekt und Hochsprache scheint schwierig zu sein. Hochsprache wird schon einmal als blasiert, hart oder auch direkt angesehen, während der heimische Dialekt bevorzugt und gestreichelt wird. Dabei wird gerne vergessen, dass das sogenannte Schriftdeutsch doch auch die Mutter- oder Vatersprache ist und vornehmlich einem Sinn und Zweck dient: der Verständigung, dem Austausch und dem Miteinander. Und das funktioniert sehr viel leichter, wenn es einen gemeinsamen Nenner gibt, der in diesem Fall für Deutschland, Österreich und die Schweiz wie am Schnürchen laufen könnte. 

Könnte, weil es leider nicht immer so ist, wie der Artikel vorgibt: Nicht alle Dialektsprecher sind ungemein versiert, weil mehrsprachig, und beherrschen Hochsprache und Dialekt. Eigentlich logisch, denn eine Sprache fluppt nicht so reibungslos, wenn ich sie nicht benutze und sie mir fremd, ungewohnt und unbehaglich ist. Dann fehlen Worte und Wörter, Redewendungen klingen unbekannt und die Sprachmelodie mutet hölzern an. Und dann passiert das, was passieren kann: Die Verständigung klemmt, betretenes Schweigen trifft auf und wir tun uns schwer mit- und untereinander. Da wäre es doch besser, einfach zwischen Dialekt und Standardsprache hin- und herschalten zu können, oder? 

Immer wieder lese und höre ich den Vorwurf, die deutschen Dialekte sterben aus. Ist es so? Und wenn, ist es unbedingt schlecht? Es gibt eine andere Seite zu bedenken: Dialektsprecher, die sich vehement und bedingungslos für die eigenen, lokalen Sprachgewohnheiten einsetzen, wollen sich oft gar nicht austauschen, sie wollen sich meist lieber auf sicherem Terrain bewegen oder meist gar nicht bewegen oder verändern. Die anderen, fremden, neuen, nicht seit dem Mittelalter im Ort ansässigen Menschen sollen sich nämlich bewegen, sie sollen sich anpassen, besser noch assimilieren – und sprachlich dazugehören, weil dann die Welt in Ordnung ist. 

Eigene Sprachmerkmale, liebgewonnene Ausdrucksweisen, einseitige Sichtweisen sind wichtiger als die der anderen, die gehören unter den Teppich und sollen die Klappe halten. Daraus entsteht eine selbstgewählte Isolation, die nicht auf Veränderung, Bewegung und Kommunikation abzielt, man bleibt unter sich, alles bleibt so, wie es ist, und gut ist. Das ist der Preis, wenn keine Offenheit vorhanden ist und die gemeinsame Basis an der Nasespitze endet. Oder Hochsprache und Dialekt dürfen neben- und miteinander sein - das wäre eine Alternative, eine Möglichkeit, die alle berücksichtigt.

In Deutschland bekommen wir von Geburt an eingetrichtert, Hochdeutsch ist die Bildungssprache und wer nur und fast nur Dialekt spricht, versaut sich Chancen auf höhere Bildung, sozialen Aufstieg, bessere Berufswahl und variable Arbeitsplätze. Ergo lernen wir zu Hause (immer im Rahmen der Möglichkeiten) Hochdeutsch, sprechen im Kindergarten Hochdeutsch und in der Schule auch – alles im Bewusstsein, der Dialekt hat seine Existenzberechtigung, aber er gehört in die Freizeit oder an den Stammtisch. 

Das klingt für Österreicher und Schweizer vielleicht dogmatisch, ist es aber nur, wenn eine Variante bevorzugt wird und nicht beide gleichberechtigt nebeneinander sein dürfen. Denn üblicherweise können sich Ostfriesen, Sachsen und Bayern miteinander austauschen und reden, alle lernen und beherrschen mehr oder weniger eine Sprache, die sie unter einem Label eint – Hochdeutsch, mit zuweilen charmanten Einsprengseln des eigenen Lokalkolorits. 

Es geht auch anders: Nehmen wir die Schweiz, wo der Dialekt gerne mal gepriesen wird und das Schriftdeutsche zuweilen als Bühnendeutsch abgetan und vermieden wird. So klein die Schweiz erscheinen mag, sie ist reich an Dialekten, die alle paar Kilometer wechseln. Das weiß man, kennt man, akzeptiert man und spricht miteinander. Dort lernt man meist ausschließlich Dialekt, mit 5 oder 6 Jahren kommt man üblicherweise und je nach Kanton für 1 oder 2 Jahre in die erste Klasse, den Kindergarten. Dort, und manchmal auch erst später, wird Deutsch als Schriftsprache gelernt, wie in deutschen Gefilden Englisch oder Französisch. Im Ergebnis wird die deutsche Hochsprache, die eine der 4 Landessprachen ist, als Fremdsprache empfunden und gelehrt. Das bringt oftmals eine Abneigung gegen die fremde Sprache, die im großen Kanton im Norden gesprochen wird, mit sich: Missverständnisse tauchen in der Kommunikation auf, unüberwindbare Barrieren ergeben sich. Schade, denn wir und die Deutschschweizer haben doch eine gemeinsame Basis. Wir könnten miteinander und nebeneinander, auch sprachlich.

Und jetzt mal ehrlich: Wir handeln global, reisen durch und in alle Länder der Welt, aber geht es um die eigene Sprache, die alltägliche oder schriftliche, dann handeln wir regional, lokal und sind auf einmal ganz klein. 

Warum nur schränken wir uns ein, bauen Grenzen auf und machen uns gegenseitig Vorschriften? Weil das Fremde fremd ist und heimatliche Klänge Zuhause sind? Warum bereichern wir uns nicht, indem wir Möglichkeiten nutzen, statt sie verbauen? 

Und wenn wir untereinander, also zwischen den einzelnen deutschen Dialektgebieten schon keinen gemeinsamen Nenner finden und nutzen wollen oder können, den die deutsche Hochsprache bietet, und jeder auf seinem Recht und Vorrang beharrt, wie, ja wie eigentlich, wollen, können und sollen wir das mit Besuchern, Gästen, Freunden, Familienmitgliedern, Kulturen, Mentalitäten und Hilfsbedürftigen aus anderen Ländern hinkriegen?

Donnerstag, 28. August 2014

helvetismen: zustupf.

Anfangs bin ich darüber gestolpert. Dachte, es ist lediglich ein Tippfehler oder Umgangssprache. Ich gebe zu, ich habe auch gekichert - über das mir unbekannte Wort Zustupf. 

Fragt man Google und liest Schweizer Zeitungen, taucht er an vielen Stellen auf: Es gibt den Zustupf fürs Eigenheim, einen Zustupf für das Theater, für die Vereinskasse, er ist praktisch überall und erklärt sich mir lediglich über den Zusammenhang. 

Zeit zu forschen, was ein Zustupf eigentlich ist und woher er kommt:

Zustupf, die Bedeutung

Ein Zustupf ist männlicher Natur, es heißt also der Zustupf, der Plural lautet Zustüpfe, was wiederum sehr hübsch klingt. 

Der Zustupf hat zwei Bedeutungen: Beim Zustupf handelt es sich um eine (zusätzliche) Einnahme, kann also möglicherweise auch eine Spende sein, und um eine Unterstützung, einen Zuschuss, eine Beihilfe, sogar um eine Ausgleichszahlung, die finanziell oder materiell ausfallen kann, wobei der Zustupf, wie ich denke, oft staatliche Natur ist. 


Zustupf, die Herkunft

Im 5. bis 8. Jahrhundert trennten sich - vereinfacht - die niederdeutschen Sprachen von den hochdeutschen, eine Entwicklung, bei uns entstand Althochdeutsch. Ein Beispiel ist der Unterschied zwischen deutsch Apfel und englisch Apple. Die meisten Schweizer Dialekte haben diese 2. Lautverschiebung nicht mitgemacht, weshalb dort viele alte Worte und Wörter auch heute noch im aktiven Wortschatz vorkommen. 

Im Althoch- und Spätmittelhochdeutschen ist ein Stachel oder ein Stich ein Stupf oder ein kurzer Stoß und auch ein kleiner Stich, also eine kurzfristige, nicht andauernde Sache. Hierher kommt der Zustupf.

Auf dem mitteldeutschen Verb stupfen haben sich zu Beginn des 19. Jahrhunderts übrigens heute noch absolut gebräuchliche Wörter wie stoßen und stupsen entwickelt. Die Stupsnase ist daher mit dem Zustupf verwandt.

Bleibt eine Frage: Existiert ein passendes Verb oder Adjektiv? Gibt es zustupfen oder eine zugestupfte Sache?