Dienstag, 12. Januar 2010

Deutsche Rechtschreibung, Suchworte & Statistiken

Erfreulich, dass meine Webseite und mein Blog konstant gute Besucherzahlen aufweisen. Natürlich schaue ich mir die entsprechenden Statistiken an, schließlich bin ich neugierig.

Besonders spannend sind die Top-Suchworte, die mir zeigen, was Besucher bei Suchmaschinen eingeben, um hier ins Blog oder auf meine Internetpräsenz zu kommen. Während Keys wie Werbetext, Werbetexte, Werbetexter oder auch Webseitentexte, Wortfeiler und Lektorat die meisten Besucher zu wortfeiler.de bringen, sieht das beim Wortfeiler-Blog anders aus. Klar, diese Blog-Suchworte oder auch Keywords ändern sich stetig, wobei die Statistik mir netterweise immer die aktuellen zeigt. Nein, ich spreche nicht von merkwürdigen Konstruktionen, die schon einmal auftauchen und mich verwirren.

Als Beispiel hier die Top-Suchworte von gestern:



Was zeigen sie mir? Deutsche Rechtschreibung ist weiterhin für viele Menschen ein großes Rätsel, sie brauchen Hilfe. Allein sieben Mal werde ich zur Frage nach der korrekten Rechtschreibung von wie viel/Wieviel aufgesucht. Und ob sich so was zusammen oder getrennt schreibt, scheint eine verbreitete Frage zu sein. Negativieren kommt auch vor, dabei gibt es das Wort nicht einmal.

Woran liegt das? Ist die deutsche Rechtschreibung immer noch zu neu? Zu kompliziert? Wird sie unzureichend erläutert oder erkläre ich einfach viel besser, weil kurz, knackig und anschaulich? Wird zu wenig Wert auf korrektes Deutsch gelegt oder warum hält sich die Existenz der falschen Schreibweisen und nicht inexistenten Worte?

wortfeilchen

Kommentare:

Angelika hat gesagt…

Meiner Meinung nach liegt es nicht daran, dass die deutsche Rechtschreibung zu neu oder zu kompliziert ist. Wenn ich das bei mir betrachte, dann ist es so, dass ich noch nie im Leben den Duden so oft in die Hand nahm (und immer wieder nehme) wie in den vergangenen Jahren. Nicht weil ich nicht weiß wie man etwas schreibt, sondern weil ich durch die Reform der Reform der deutschen Rechtschreibung ständig darüber nachdenke, ob mein Wissen noch aktuell ist. Ich bin oftmals verunsichert, denn das intuitive (richtig in der Schule gelernte) Schreiben ist weitgehend verlorenen gegangen. Die Schulzeit liegt bei mir ja auch schon ein paar Jahrzehnte zurück. Wenn ich dann erlebe wie in den Schulen mit der deutschen Rechtschreibung umgegangen wird, stehen mir manchmal die Haare zu Berge. Beruflich arbeite ich mit legasthenen Kindern und erlebe äußerst kreative Lösungen zum Umgang mit Worten von denen man (Kind) nicht sicher ist wie es dies oder jenes nun schreiben soll. Erste Ansätze zur Unsicherheit werden schon in den Grundschulen gelegt, während manche Lehrpersonen sich gar nicht mehr die Mühe machen auf die neue Rechtschreibung hinzuweisen, verwirren andere und geben Hinweise wie: Das kannst du so oder so schreiben. Und wieder andere markieren akribisch jeden winzig kleinen Fehler. Sie weisen somit immer wieder auf Falsches hin, statt das Richtige hervorzuheben. Leider trägt die Werbung einen Teil dazu bei besondere Kinder zu verunsichern. Als Gag gedacht und dennoch nicht erklärbar zum Beispiel, der „Veierabend“ oder wenn ich mich recht erinnere gab es auch den „Vreivlug“ einer bekannten Biermarke. Einem Kind, das ohnehin Schwierigkeiten bei der Handhabung von f/v hat, das begreiflich zu machen ist schier unmöglich.
Rechtschreibung ist ein weites Feld und vieles ist durch die Reform leichter geworden, dennoch wird sich die Verunsicherung halten, solange Reformen so kurzlebig sind wie in der Vergangenheit. Wie unwichtig allerdings ein Stängel mit ä oder e sein kann, ist daran zu erkennen, dass der Sinn im Zusammenhang ohnehin verstanden wird und uns unser Gehirn durchaus befähigt Sinnzusammenhänge zu erkennen, auch wenn sich ein Fehler einschleicht. Und mal ganz ehrlich, so unter uns (kriegt ja hier keiner mit *g*). Isset nich vollkommen wurscht, ob man wieviel schreibt (wie ich es anno dazumal noch lernte) oder wie viel? Der Sinn ist und bleibt der Gleiche, nämlich die Frage nach einer Menge. Rechtschreibregeln sind nicht manchmal nicht ganz einfach, aber manchmal auch überbewertet. Liebe Grüße, Angelika(Szintilla)

wortfeilchen | barbara piontek hat gesagt…

Liebe Angelika,

stimmt, da fehlt mir der Einblick, ich unterrichte nicht und habe sehr wenig mit Kindern zu tun. Meine Kunden fragen selten nach und wenn, sind sie meist von der Einfachheit der Erklärung überrascht.

Die Schreibweisen habe ich mir bereits angewöhnt, aber bei den Trennungen schaue ich schon mal nach, denn die haben sich für meinen Geschmack teilweise sehr merkwürdig geändert.

Ich finde es nicht nur blöd und gewollt, wenn die Werbung kreative Wortschöpfungen erfindet, mich regt ebenso auf, wenn zum Beispiel Nachrichtensendungen oder Tageszeitungen schlechtes Deutsch sprechen oder falsche Schreibweisen nutzen; ich finde, sie haben nämlich Vorbildcharakter und sollten dementsprechend handeln.

Und ja, Rechtschreibregeln sind wichtig und schön und gut, aber viel wichtiger finde ich auch das Verständnis und die Freude an Sprache an sich.

Viele gute Autoren, Texter und andere Schreiberlinge haben keinen Plan von Rechtschreibung, müssen sie auch nicht, sie können andere Sachen viel besser und lassen sich helfen.

Angelika hat gesagt…

Liebe Barbara,

Trennungen sind manchmal überhaupt nicht nachzuvollziehen, merkwürdig ist da noch milde ausgedrückt. Die Frage ist nur wie lange bleibt es so und wann steht uns die nächste Reform ins Haus? Oder, wann sind wir soweit, dass jeder schreibt wie er mag, ohne Rücksicht auf Regeln? Über die Tageszeitung wundere ich mich auch regelmäßig und frage mich: Wird in den Redaktionen überhaupt noch korrekturgelesen? Vermutlich wird alles nur noch durch ein Korrekturprogramm gejagt, indem so manche Ausdrucksfeinheit gar nicht auffällt.

Freude an Sprache zu wecken ist auch mein Hauptanliegen, denn mit der Freude kommt das Interesse und die Motivation und mit der Motivation die freudige Beschäftigung mit Sprache.

Liebe Grüße, Angelika

wortfeilchen | barbara piontek hat gesagt…

Liebe Angelika!

Stimmt - und sie machen mich teilweise wahnsinnig.

Das Problem der letzten Reform waren die stetigen Änderungen; jeder hat was zu sagen, tat es meist auch und wieder wurde was geändert. Schön und gut, stiftet aber Verwirrung.

Gibt es da nicht ein Buch, das "Kinder brauchen Regeln" heißt? Wahrscheinlich brauchen wir Regeln und Vorgaben, an denen wir uns festhalten bzw. orientieren können?

Immer wieder kommt auch die Frage auf, ob man nicht wie im Englischen einfach alles klein schreiben sollte? Ignorant, finde ich, denn die Feinheiten der englischen Sprachen sind dann doch nicht so einfach.

Wer liest überhaupt Korrektur? Fehler sind menschlich und werde gemacht, aber wie kommt es, dass ich keine Zeitung, keine Zeitschrift, kein Buch aufschlagen kann ohne furchtbar viele Fehler zu finden? Im TV, Radio und Internet nicht viel anders. Mediengeilheit? Jeder kann, jeder macht?

Wir sollten eine Welle anstoßen: Freude an Sprache. Freude an Worten.

Lieben Gruß
Barbara

Angelika hat gesagt…

Beim Anstoß der Welle bin ich dabei. :) LG, Angelika

wortfeilchen | barbara piontek hat gesagt…

Ich überleg mich mal was :-))))