Donnerstag, 16. Februar 2012

etymologische fundstücke: die sache mit den lappen.

Das ist mir durch die Lappen gegangen - eine ganz alltägliche Redewendung, die wir da gebrauchen. Fragt sich nur, warum was durch die Lappen geht?

Das Wort Lappen ist recht alt, im Althochdeutschen hieß es zwar noch lappa oder lappe, aber bereits im Mittelhochdeutschen lappe - die Bedeutung hat sich in den letzten Jahrhunderten aber nicht verändert: Ein Lappen bezeichnet ein herabhängendes Stück Zeug oder ein schlaffhängendes Stück Haut. Mit diesem Substantiv verwandt ist auch das niederländische Substantiv lap, das einen Fetzen, Lumpen und - war klar - einen Lappen meint. Das schwedische Wort lapp bezeichnet ebenfalls einen Lappen, Flicken oder Fetzen. 

Wörter, die mit Lappen verwandt sind, lauten Laffe, Lippe, schlaff, schlapp, so auch das Ohrläppchen und der Jammerlappen.

Zurück zu durch die Lappen gehen:

Damals, als die Gummistiefel noch aus Holz waren, veranstaltete man Treibjagden, d. h. Wild wurde durch Treiber aufgescheucht und in Richtung der Schützen getrieben. Weil das sicherlich recht anstrengend und mühsam war, und das Wild nicht gleich wieder entkommen sollte, wurden Stofffetzen an Schnüren aufgehängt, die sich im Wind bewegten und so das zusammengetriebene Wild erschreckten - es lief nicht mehr weg und konnte geschossen werden. Durch die Lappen gehen stammt also aus der Jägersprache, denn wenn die Lappen in ausreichender Zahl und korrekt hängen, geht das Wild nicht durch diese Lappen.

wortfeilchen

PS. Es gibt eine Ergänzung, denn das mittelhochdeutsche Substantiv lappe, das wir nicht mehr kennen, beschrieb auch einen einfältigen Menschen. Die Ableitung Laffe, also ein geckenhafter Mann, ist der Nachfolger des Lappen, der so hieß, weil er entweder eine hängende Lippe hatte oder mit offenem Mund einfältig gaffte. 

PPS. Die Einwohner Lapplands mögen mir bitte den kruden Umgang mit ihrer Zugehörigkeit zu einem Volksstamm nachsehen; in Schweden und Norwegen heißt dieser Lappe schließlich auch Same.



Montag, 23. Januar 2012

update spendenaufruf l'chaim - to life!

Was macht ein Leben, einen Menschen aus? Geld, Erfolg, Reisen, das Jetset-Leben? All das kennt Chaim Lubelski - hat es ihn glücklicher gemacht? 

Nein! Chaim hat sein Leben lang immer alles geteilt. Sein Geld, seinen Humor und vor allem seine Liebe. Mit Obdachlosen, jüdischen Gemeinden, seinen Eltern. Bedenkt man seinen Background als Sohn von Holocaustüberlebenden, ist sein Handeln vielleicht schwer zu verstehen. 

Wie schafft er es so authentisch, so voller Hoffnung sein? 

Chaim hat niemals das Menschsein vergessen, er wertet und pauschaliert nicht. Nicht nach Nationalität, Aussehen oder Status. Er hat seinen Humor, seinen Glauben nie verloren, die Hoffnung nie aufgeben. Er lebt seinen Namen - L'Chaim! Auf das Leben! 

Und genau das können wir alle von ihm lernen: Wir können vor unserem Schicksal, unserem Karma nicht weglaufen, aber wir können versuchen es zu akzeptieren und das Beste aus unserem Leben machen. Ohne Angst, ohne ein Opfer zu sein, dafür mit Liebe und Vertrauen in uns selbst und andere. 

Regisseur Elkan Spiller berührt mich mit seinem Kurzfilm, daher möchte ich Euch dieses Projekt ans Herz legen - es braucht unsere Unterstützung, um daraus einen Langfilm zu machen. 

Auf der Kickstarterseite von L'Chaim könnt Ihr noch 29 Tage spenden. Bisher sind es fast 14.000 Dollar - vielen Dank - aber das reicht noch nicht ganz, daher: Es wäre sehr schön, wenn Ihr Euch ein paar Minuten Zeit nehmt und den Kurzfilm anschaut. Jede Spende, jedes Teilen des Links hilft!

wortfeilchen

Samstag, 14. Januar 2012

crowdfunding: l'chaim! (auf das leben!)

Glaube, Liebe, Hoffnung – nicht unbedingt in dieser Reihenfolge – das sind 3 der vielen Aspekte, die den Protagonisten Chaim ausmachen. Ihn darauf zu beschränken, wird ihm nicht gerecht: Chaim Lubelski ist voller Facetten – er ist authenthisch, manchmal bis zur Schmerzgrenze, humorvoll, voller Liebe und Lachen, die er großzügig verbreitet und er wertet nicht.

Ein Mensch wie du und ich. Fast! Denn Chaim schenkt ganz viel Liebe und Lachen - und nicht zuletzt sich selbst. Immer wieder, ohne eine Gegenleistung zu verlangen oder zu erwarten.

Es ist seine pure, fast schon philosophische Authentizität, die berührt. Besonders in Momenten, wenn er sagt: Es ist im Blut. Es ist den Genen. Es ist im Wesen. Die Vergangenheit. Der Holocaust ist die Gegenwart.

Schon wieder ein Film über den Holocaust und seine Opfer, der ein ungutes Gefühl hinterlässt und betroffen macht?

Eben nicht! Der Dokumentarfilm L'Chaim! zeigt, ohne Anklage zu erheben und mit viel Humor und Wärme, wie der Holocaust das Leben der Kinder der Überlebenden ganz real beeinflusst. Aber in erster Linie zeigt er einen ganz besonderen Menschen: Chaim. Er wurde in ein Schicksal geboren – sein Leben war und ist nicht einfach, aber er hat einen besonderen Weg gefunden dieses Schicksal zu meistern.

Wie sein Name, der Leben bedeutet, steht dieser Mann für das echte, pure Leben. Mit Liebe, Hoffnung und seinem Glauben. Er akzeptiert sein Schicksal und gibt die Hoffnung niemals auf. Warum auch? Das Leben geht weiter!

Seid Ihr neugierig geworden? Dann schaut Euch den Kurzfilm an und macht Euch selbst ein Bild:


Der Kurzfilm gibt einen kleinen Einblick, der komplette Film wird mit Eurer Hilfe natürlich viel mehr zeigen. Mehr Liebe, mehr Lachen, mehr Erlebnisse – eben wie der jüdische Trinkspruch: L'Chaim! Auf das Leben! 

Was könnt Ihr tun, damit aus L'Chaim! ein großartiger Dokumentarfilm wird? 
Geht in den nächsten 38 Tagen auf die Kickstarter-Seite von L'Chaim! und spendet. 

Könnt Ihr 10 oder 50 Dollar erübrigen, dann spendet bitte, denn jeder Dollar zählt! Ihr spendet nicht einfach so: Für eine Spende in Höhe von 25 Dollar erhaltet Ihr die Möglichkeit, den fertigen Film downzuloaden. Wer 100 Dollar spendet, bekommt eine spezielle DVD des Films und für 300 Dollar wird Euer Name im Abspann genannt!

Auch wer nicht die finanziellen Mittel verfügt, um zu spenden, kann etwas tun: Bitte verbreitet den Kickstarter-Link und helft auf diese Art!

Falls Ihr Fragen zum Film, zum Projekt oder Kickstarter habt, könnt Ihr diese als Kommentar hier posten oder auch direkt den Regisseur Elkan Spiller bei Facebook fragen. Ich werde in den nächsten Wochen immer wieder Updates in meinem Blog posten und Euch so auf dem Laufenden halten.

wortfeilchen

PS. Weitere Informationen und Updates zum Projekt L'Chaim! findet Ihr bei Facebook, im Blog des Regisseurs Elkan Spiller und natürlich bei Kickstarter.

PPS. Vielleicht fragt Ihr Euch, warum ich dieses Projekt unterstütze? Es ist so, wie es in diesem Artikel der Online-Ausgabe der Welt steht: „Die Deutschen meinen, sie müssten immer selbstkritisch sein, um den Rückfall in den Nationalismus zu verhindern. Das liegt auch an der Art, wie in der Schule Geschichte unterrichtet wird." 

Ich finde, sich schuldig zu fühlen ist keine Lösung; Veranwortung zu übernehmen - ja, aber Schuld - nein, das haben wir Deutschen zu lange stillschweigend und beschämt getan. Wenn Chaim seine Lebensgeschichte, sein Erbe und sein Leben akzeptieren kann, können wir von ihm lernen: Wir vergessen nichts, aber das Leben geht auch weiter!

Donnerstag, 12. Januar 2012

von meinen schwierigkeiten mit schweizer büchern oder wortfindungsstörungen: schnurre

Der Deutschschweizer an sich spricht kein Hochdeutsch, er empfindet dieses Vorgehen als reichlich affektiert, als eine Art Bühnendeutsch und fühlt sich reichlich unwohl dabei. Man spricht den lokalen Dialekt. Schluss, aus, fertig. Hochdeutsch, das in der Deutschschweiz Schriftdeutsch heißt, wird - wie es der Name bereits aussagt - lediglich schriftlich genutzt. Oder Standarddeutsch. Oder doch Regiolekt. Oder eine selbsterfundene Mischung. Die Befindlichkeiten des Deutschschweizers bezüglich seiner Artikulation sind eigen. Bedingt durch die Erfahrungen der letzten Jahre war mir dieses Verhalten durchaus klar, auch wenn ich es nicht nachvollziehen oder logisch erklären kann.

Aber es begibt sich, dass ich hin und wieder Bücher lese, die aus der Deutschschweiz stammen, dort geschrieben oder zumindest dort lektoriert wurden. An sich kein Problem. Sollte man denken. 

Ist es aber doch, denn ohne Duden irre ich manchmal sehr verloren durch die Deutschschweizer Sprachlandschaften. In solchen Büchern tauchen Wörter auf, die ich in keinen Zusammenhang bringen kann. 

Ein Beispiel ist das Wort Jupe. Ein anderes Schopf. Steht in einem Buch, das mir meine Schwiegermutter ans Herz gelegt hat. Ja, wird der geneigte Leser nun sagen, Du kennst keinen Schopf, den man betreten kann? Nein, muss ich dann zugeben, ich musste nachfragen und recherieren:


Nun wurde ich vom weltbesten Mann, nämlich meinem, großzügig beschenkt, eine Biografie des heißgeliebten Friedrich Dürrenmatt. Ein wunderschönes, edles, gebundenes und dickes Buch, aber erneut wirft die Wortwahl immer wieder Fragen auf; dieses Mal stolperte ich über das Wort Schnurre. Immer wieder.

Nachdenken brachte mich weiter, für mich schnurrt eine Katze, aber eine Schnurre aus dem Leben Dürrenmatts? Trug der Fritz einen Schnurrbart und so heißt die Rotzbremse in der Schweiz? Eine Schnur kann es doch auch nicht sein, also musste wieder ein Wörterbuch ran. Aha, eine Schnurre ist eine scherzhafte Erzählung:



Man beachte bitte den Zusatz veraltet, dem ich auf meiner Suche nach Deutschschweizer Wörtern sehr oft begegne. Schaue ich nämlich tiefer in die jeweilige Etymologie, stoße ich fast immer auf mittelhochdeutsche Wurzeln der rätselhaften Wörter.

So auch bei der Schnurre: Im ausgehenden Mittelalter, im 16. Jahrhundert gab es eine lärmende Gerätschaft, die Schnurre hieß und wohl das war, was wir als Ratsche, Knarre oder Brummkreisel kennen. Possenreißer und Bettler machten damit auf sich aufmerksam und - jetzt kommt es - daraus entstand die Assoziation von Schnurre zu Posse/komischem Einfall. Das schnurrende Geräusch kündigte hörbar eine lustige Anekdote an. Nebenbei bemerkt erfand man im 18. Jahrhundert das passende Adjektiv schnurrig, das possierlich oder lächerlich bedeutet.

Sicher, ein Deutscherschweizer Buch ist ein Abenteuer, eine spannende Herausforderung, schließlich wird es nie langweilig, weil ich etwa auf jeder Seite gefordert bin, mich fragend am Kopf kratze, auf die Suche gehe und dabei immer etwas lerne. Andererseits kann es auch reichlich ermüdend sein und mich gehörig nerven. 

wortfeilchen

PS. Und nun sagt mir bitte, ob Ihr Jupe, Schopf und Schnurre kennt?

Dienstag, 20. Dezember 2011

wortfeiler wünscht weihnachten.

Foto: Pierino Cerliani


2011 war für mich ein aufregendes und schönes Jahr - dafür danke ich vielen Menschen, besonders aber meinem Mann.

Allen Freunden, Bekannten, Geschäftspartnern und ihren Familien wünsche ich angenehme Weihnachtstage und ein neues Jahr, das uns allen viel Freude bereitet.

Wir lesen, sehen und hören uns 2012!

wortfeilchen

Montag, 10. Oktober 2011

etymologische fundstücke: gully.

Man denkt doch nie drüber nach. Zum Beispiel, warum sich der Gully nicht Gulli schreibt und warum er überhaupt Gully heißt?

Die korrekte Rechtschreibung hat Herr Korrekturen.de hier erläutert:


Im Englischen ist ein Gully viel mehr als unser Gully, nämlich nicht nur ein Abzugskanal und ein Einlaufschacht, sondern auch eine enge Schlucht, ein Senkloch, ein Straßenablauf, eine Erosionsrinne, eine schlichte Rinne, ein Schlammfang, eine Saugrinne, ein Schleusenschacht, ein Sinkkasten, ein Schmutzfang, ein Saugwagen, eine Grabeneorsion, eine Wasserfurche - und für alle Leser in der Schweiz, in Süddeutschland und in Österreich auch eine Runse.

Zeit zu schauen, woher das Wort Gully überhaupt kommt:

Unser Gully ist ein noch recht junges Lehnwort aus der englischen Sprache. Eigentlich bedeutet es Rinne - ein weitreichender Begriff, der über unsere Bezeichnung Gully hinausgeht. Es stammt wahrscheinlich von dem altfranzösischen Wort goule/gole, dessen Verkleinerungsform gullet ist und Schlund bedeutet. Der französische Schlund geht zurück auf die lateinische Kehle bzw. die Speiseröhre, nämlich das Wort gula. Gueule - also recht ähnlich - ist das französische Wort für Kehle.

Kehle, verwandt mit dem Kiel, ist ein altes westgermanisches Wort und bedeutet verschlingen, verzehren und auch fressen. Im Mittelalter kannte man noch das Wort kehlen, was so viel wie rinnenartig aushöhlen, aber auch einen Fisch ausnehmen bezeichnet. Wir kennen heute noch das Verb auskehlen. Der Gully verzehrt gnadenlos alles, was ihm vor die Nase kommt, daher passt die Bezeichnung.

Unser Wort Gully hätte gar nicht den Umweg über Italien, Frankreich und England nehmen müssen, sondern gleich zu Hause bleiben und Kehle heißen können.

wortfeilchen

Montag, 26. September 2011

europäischer tag der sprachen.

Seit 2001 findet jährlich der Aktionstag Europäischer Tag der Sprachen statt - natürlich auch heute wieder.

Die Sprachen
23 Amtssprachen und 60 Sprachgemeinschaften in 45 teilnehmenden Ländern. Zu den Regional- und Minderheitensprachen gehören Katalanisch, Samisch, Bretonisch, Ladinisch, Gälisch oder Walisisch.

Die Vision 
Mehr Menschen zum Erlernen von Fremdsprachen motivieren! Jeder soll zwei Fremdsprachen können, sich der Vielfalt der heimischen Sprachen bewusst werden und die sprachliche und kulturelle Fülle pflegen.

wortfeilchen

PS. Mehr Informationen, die lesenswert und spannend sind, findet Ihr hier.