Mittwoch, 23. März 2011

etymologische fundstücke: fenster & windauge.

Es ist ein Wort, das vielfältige Verwendung findet, Fenster finden wir an vielen Orten und Stellen unseres täglichen Lebens. Aber schon mal gefragt, warum wir eigentlich das Wort Fenster benutzen? Gut, Französen und Italiener nutzen ein ähnliches Wort, aber im englischsprachigen Raum heißt es window, Norweger nennen es vindu - also warum diese Unterschiede?

Fenster geht auf das lateinische Wort fenestra zurück. Es bedeutet Öffnung für Luft und Licht in der Wand. Von dort machte sich das Lehnwort Fenster auf den Weg - und daraus entstanden zum Beispiel das althochdeutsche Wort fenstar, das altenglische Wort fenester, das niederländische Wort venster und auch das schwedische Wort fönster.

Alles klar, mag man denken, aber nicht ganz, denn das Wort Fenster verdrängte lediglich unsere ursprüngliche Bezeichnung für das Loch in der Wand, durch das Luft und Licht ins Haus kommen. 

Im Altisländischen hieß diese (augenförmige) Öffnung für den Wind vindauga, im Gotischen augadaúro und im Althochdeutschen augatora. Na, dämmert es? Richtig, übersetzt bedeutet es nichts anderes als Tor oder Öffnung in Form eines Auges und Windauge - eben window oder vindu.

Bei uns, und auch in Frankreich und Italien, hat das lateinische Lehnwort Fenster das germanische Windauge verdrängt, während es sich in nördlicheren Ländern - mit Ausnahme von Schweden - nicht durchsetzen konnte. Eigentlich klingt das Wort Windauge doch viel schöner als Fenster. Und älter ist es auch.

wortfeilchen

Kommentare:

Francisco Kuhlmann hat gesagt…

Meine Gute,

das ist mal wieder sehr interessant. Das spansiche "ventana2 geht dann auch auf die lateinischen Ursprünge zurück. Im Zusammenhang mit dem Windauge fiel mir gerade das "Bullauge" bei Schiffen ein. Bsteht da ein Zusammenhang? Hmm. *grübel*
LG
FK

wortfeilchen | barbara piontek hat gesagt…

Mein rassiger Halbspanier,

in der Tat, es besteht: Niederdeutsch "bulloog" (rundes Fenster) setzt sich sehr interessant zusammen. Bulle/Stier ist mit dem Ball verwandt, also was mit schwellen, und dem männlichen Glied, also wieder schwellen. Auge ist eine augenförmige Öffnung oder ein augenförmiger Tupfen. Also doch eigentlich Richtung "geschwollenes Auge"? ;-)))

Hühnerauge und Pfauenauge gehört auch zu den Beispielen.

wortfeilchen | barbara piontek hat gesagt…

Nun ja, das Ständerauge wollte ich mir eigentlich verkneifen ;-))

Francisco Kuhlmann hat gesagt…

Nun denn - ich nehme das mal so hin! #Ständerauge