Donnerstag, 27. Januar 2011

erbsenzähler & korinthenkacker.

Menschen, die besonders pingelig, pedantisch, korrekt, sorgfältig, genau, ordnungsliebend und gewissenhaft sind, nennt man gerne Erbsenzähler. Dabei ist das keinesfalls als Kompliment gemeint, sondern abwertend. 


Gehen wir in der Geschichte zurück und widmen uns der Anekdote, die möglicherweise zu dem Begriff Erbsenzähler geführt haben soll: Karl Baedeker, Herausgeber der fast schon legendären Reiseführer, die im 19. und 20. Jahrhundert an Beliebtheit nicht zu schlagen waren, begab sich nach Mailand, genau gesagt zum Mailänder Dom. Die gotische Kirche ist hoch, sehr hoch sogar und bietet die Besonderheit, dass man über eine Treppe (oder wahlweise einen Aufzug) das Dach betreten kann und von dort sicherlich eine fantastische Aussicht genießt. 

Herr Baedeker wollte angeblich ganz genau wissen, wie viele Stufen es bis dort oben sind. Er ging die Treppe hoch und alle 20 Stufen steckte er eine getrocknete Erbsen von seiner Westentasche in seine Hosentasche. Oben angekommen multiplizierte er die Anzahl der Erbsen in seiner Hosentasche einfach mit 20 und schon konnte er ganz genau sagen, wie viele Stufen zum Dach des Mailänder Doms führen. Gut, ich bin vielleicht noch genauer, denn ich frage mich, wie er sich eine mögliche Zahl unter 20 gemerkt hat. Und dann habe ich auch nicht rausgefunden, wie viele Stufen es nun wirklich sind - aber so soll der Begriff Erbsenzähler entstanden sein.

Natürlich gibt es regionale Synonyme für den Erbsenzähler: Nach der kleinsten Rosinenart, der Korinthe, wurde der Korinthenkacker benannt; ganz ähnlich erging es dem Kümmelspalter und auch dem Haarspalter. In Österreich nennt man ihn i-Tüpferlreiter und in der Schweiz und Süddeutschland Tüpflischisser. Ganz anders in den Niederlanden, wo Krentenkakker so viel wie Geizhals bedeutet und der Mierenneuker (man möge es mir nachsehen, aber es heißt Ameisenficker) unserem Erbsenzähler entspricht.

Demnach ist jemand, der sich mit unheimlich kleinen Dinge abgibt (bzw. diese begatten) möchte, ein Erbsenzähler und das ist gar nicht gut. Warum nur? Eigentlich ist der Erbsenzähler doch nur sehr genau und wenn er etwas macht, macht er es richtig. Neid der Besitzlosen, denen die Fähigkeit zur Akribie fehlt?

wortfeilchen

Kommentare:

ohrenflimmern hat gesagt…

Ich hatte eigentlich immer die Assoziation, dass Erbsenzähler sehr genau sind und Korinthenkacker bzw. Haarspalter eher besserwisserisch gemeint ist.

Francisco Kuhlmann hat gesagt…

Eine schöne Geschichte! Warum hat Herr Baedeker 20 als Einheit genommen? War das zu seiner Zeit die runde Einheit, so wie heute 10 oder in anderen Kulturkreisen das Dutzend? Der Korinthenkacker ist mir auch geläufig, bei den Süd-D/A/CH-Ausdrücken hapert es bei mir. Unsere niederländischen Freunde sind natürlich wieder sehr charmant - das Merke ich mir mal für meinen NL-Wortschatz.

Ich glaube, es geht beim Erbsenzählen nicht um Besitz und Neid. Vielleicht heißt das Spannungsfeld (!! - Obacht, ist mir gerade eingefallen), also, vielleicht heißt das Spannungsfeld eher Pedanterie vs Gelassenheit.

Die einen sagen: Der Dom hat echt krass viele Treppenstufen. Die anderen wollen die genaue Zahl wissen.

Beim letzen Köln-Besuch habe ich einen Turm des Doms bestiegen. Unten an der Kasse stand die Zahl der Stufen (habe ich vergessen). Ich habe beim Aufstieg nicht gezählt (hatte weder Erbsen noch Chilis) mit. Ich kann nur sagen: Es sind krass voll viele Stufen! :-)

LG
FK
PS Das Beil stecke ich wieder weg - es hat mir wohl gefallen! ;-)

ahabicher hat gesagt…

Nun ja, die Kritik am Erbsenzähler bezieht sich ja nicht auf Akribie, sondern darauf, dass er die kleinen Details und Groschenbeträge höher wertet - oder zu werten scheint - als Gefühl und Menschlichkeit. Der klassische Erbsenzähler setzt seine Abrechnung absolut und nimmt in Kauf, dass Einzelne ausgelöscht werden oder in Not geraten, bevor er Kompromisse zugesteht. Nm?

wortfeilchen | barbara piontek hat gesagt…

@ohrenflimmern Ich auch, daher bin ich gerne Erbsenzählerin und hoffe, ich nerve nicht.

wortfeilchen | barbara piontek hat gesagt…

@Francisco Du hast mir ja einen Roman gewidmet - ui!

Ich hätte 10 als Einheit genommen, aber ich kann auch nicht wirklich rechnen ...

Findest Du nicht, auch ein Erbsenzähler kann entspannt sind? Du und ich doch auf jeden Fall, oder doch nicht?

Ich steige auf keinen Dom nicht, ich kletter auch nicht auf Berge und so. Punkt ;-)

wortfeilchen | barbara piontek hat gesagt…

@ahabicher Was ist schon absolut? Irrungen und Wirrungen sind Alltag, Kompromisse ebenso. In diesem Sinne ;-)