Mittwoch, 22. September 2010

blogparade Sprachen lernen web: der sprache ihren lauf lassen?

Dani Schenker von Sprachen lernen web hat eine Blogparade gestartet und mich um meine Teilnahme gebeten. Ehrensache und eine Freude für mich!

Ich möchte aber vorausschicken, dass ich jede Frage grundsätzlich mit einem Essay beantworten könnte, was aber manche langweilen würde, ergo fasse ich mich so kurz wie möglich:

Stört es dich, dass deine Sprache verloren geht, indem wir z. B. immer mehr englische Wörter gebrauchen?

Jein. Englische Wörter gehören zum Leben, zumindest in Zeiten des Internets. Oder möchtest Du dort alle Wörter übersetzen? Generell funktioniere ich europäisch, vielleicht sogar weltweit und empfinde eine Durchmischung von Sprachen durchaus als Bereicherung.

Was ist eigentlich meine Sprache? Deutsch, aber es ist keine rein germanische Sprache, denn Einflüsse aus verschiedenen Kulturen haben sie seit Jahrhunderten beeinflusst. Speziell jiddische Wörter gehören dazu oder im Ruhrgebiet polnische Ausdrücke, die abgewandelt im lokalen Sprachschatz aufgehen. Eine gute Sache.

Aber es stört mich schon, dass sehr viele deutsche Worte aussterben, einfach aus dem Wortschatz, der Sprache, dem Duden gestrichen werden. Ein Grund, warum ich verlorene Worte blogge.

Dialekte, die keine Sprachen sind, sterben aus, was absolut ein Verlust ist, denn so geht viel Kulturgut verloren.

Vielleicht bin ich mittlerweile zu alt, aber ich verstehe einige Wörter der Jugendsprache einfach nicht wirklich. Ein Beispiel ist endnice. Was will mir das sagen? Und warum?

Denkst du, es ist sinnvoll die Entwicklung der Sprache zu steuern zu versuchen?

Du meinst, so wie es die Isländer machen, die jedes Wort ins Isländische übersetzen? Das ist aber nur möglich, weil Island so ein kleines Land mit recht wenigen Einwohnern ist.

Kann man Sprache überhaupt steuern? 
Sprache lebt und bewegt sich, sie zu steuern wäre unfair und würde ihr die eigene Kreativität, Lebendigkeit sowie die Fähigkeit der Entwicklung nehmen.

Wie soll so eine Steuerung funktionieren? Wörter werden gestrichen und verboten und jedem, der ein Wort benutzt, dass nicht zum gängigen Wortschatz gehört, wird der Mund mit Seife ausgewaschen?

Benutzt du selbst Wörter in anderen Sprachen, die du eigentlich auch auf Deutsch benutzen könntest?

Privat eindeutig! Mein Mann ist Schweizer, da rüste ich Gemüse, versorge die Einkäufe und mache Telefone ... für mich reichlich fremde, antiquierte Ausdrücke. Da ich einige Sprachen spreche, fällt mir manchmal das deutsche Wort nicht ein. Es kann vorkommen, dass ich zum Bespiel ein norwegisches Wort benutze oder ein fremdsprachiges Wort beschreibt treffender, was ich sagen möchte.

Aber: Ich bin Germanistin, Mediävistin, Philologin, schreibe Werbetexte und Webseitentexte, wenn mir keine deutschen Synonyme einfallen, bin ich irgendwie falsch. Üblicherweise kann ich ein deutsche Wort mehrfach umschreiben und bin daher ungeeignet diese Frage zu beantworten.

Gibt es andere Wege die eigene Sprache zu bewahren, ohne der Entwicklung im Wege zu stehen?

Da ich keine eigene Sprache habe und Dialekt keine Sprache ist, gehe ich davon aus, wir sprechen von der deutschen Sprache. (Auch wenn die 26 Schweizer Kantone sicherlich die Ansicht vertreten, der jeweilige Dialekt sei eine eigene Sprache und kein alemannischer Dialekt)

Ja, Worte, die auszusterben drohen bewahren, indem man sie nutzt und nicht in Vergessenheit geraten lässt. Sprachpflege ist angesagt! Zum Beispiel sterben die starken Verben aus; mittlerweile scheinte die Sonne weitaus häufiger als sie schien ...

Die Initiative sollte aber nicht vom Gesetzgeber oder Duden bierernst und trocken vorgegeben werden, sondern mit Spaß, der Lust am Entdecken und Experimentieren mit Worten.

Findest du man soll der Sprache einfach ihren Lauf lassen und sich einfach anpassen?

Man sollte der Sprache auf jeden Fall ihren Lauf lassen, denn dann hat sie die Chance sich zu entwickeln. Demokratisch, frei und unangepassst sollte Sprache ihre eigenen Grenzen ertasten und nicht dogmatisch sein. Altes bewahren, Neues erlauben ist meine Maxime.

Anpassen ist übrigens ein unschönes Wort, es intoniert für mich einen Einheitsbrei, den ich auf keinen Fall möchte. Die Facetten der verschiedenen Sprachen, die regional unterschiedlichen Ausprägungen und Ausartungen machen Sprache erst zu dem, was ich darunter verstehe: Ein spannendes und vielseitiges Kommunikationsmittel.

wortfeilchen

1 Kommentar:

Dani Schenker hat gesagt…

Vielen Dank für deinen Beitrag Barbara :)
Wie immer interessant zu lesen!
Liebe Grüsse
Dani