Dienstag, 3. August 2010

heinz-peter lengkeit. ganz oder gar nicht. ebertbad oberhausen.

Ganz oder gar nicht (the full monty) heißt ein Film aus dem Jahr 1997, der nicht nur eine Menge Auszeichnungen erhielt, sondern in erster Linie wunderbar amüsant und unterhaltsam ist. Er spielt im englischen Sheffield, einer gebeutelten Stahlstadt, in der sechs ganz gewöhnliche arbeitslose Männer überlegen, wie sie zu Geld kommen können. Ein Auftritt der Chippendales bringt eine Idee an den Tag: Wenn so viele Frauen bereit sind für den Anblick nackter Männer Geld zu bezahlen, warum eigentlich nicht selbst den full monty präsentieren? Die Geschichte nimmt mit allerlei Verwicklungen ihren Lauf.

Im Oberhausener Ebertbad wird eine Adaption des Filmes aufgeführt. Warum auch nicht? Vergleichbar sind die Verhältnisse der nordenglischen Ex-Industriestadt mit dem Ruhrgebiet allemal. Gesagt, getan. Gerburg Jahnke (ja, eine der Missfits) führt Regie und raus kommt Ganz oder gar nicht, aber eben à la Ruhrpott. Wer nun denkt, jaja, langweilig, einfach eine Nacherzählung, der irrt, und das gewaltig. Der heimische Dialekt und die Charaktere geben dem Ganzen nämlich ganz viel Eigendynamik und man merkt, wie viel Spaß die Darsteller und das Publikum haben.

Was erwartet den Zuschauer?

Ganz viel Lachen, ein wenig Nachdenkliches, rauhe Sprache, die wie die Region hart, aber herzlich ist und gelungene Interaktion mit dem Publikum.

Quelle des Fotos.

Zugegeben, ich war reichlich neugierig einen der Schauspieler live agieren zu sehen. Schließlich kannte ich ihn aus alten Zeiten von Lengkeit gegen Bender. Ewig ist es her, Heinz-Peter Lengkeit ist sein Name. Er ist (unter anderem) Schauspieler und spielt in Ganz oder gar nicht HP, einen leicht mopsigen Arbeitslosen, der verheiratet ist und eine Schwäche für die Luftgitarre hat.

Foto: Pierino Cerliani

Bisschen zu spät gekommen, schnell Platz genommen und los ging es. Bereits nach 5 Minuten hatten wir vor Lachen Tränen in den Augen und am Ende des Stückes war ich mir erneut sicher: Heinz-Peter Lengkeit begeistert mich auch heute noch.

Warum? Der Mann kann mit einer kleinen Geste, einem Blick, einer Nuance so viel bewirken, so viel aussagen. Das ist Talent, das ist pure Freude. Aber damit nicht genug, er ist ein Sprachtalent (er spricht Ruhrdeutsch wie kaum ein anderer), spielt Luftgitarre wie ein junger Gott (das macht ihm keiner nach) und was vielleicht noch viel wichtiger ist, er hat selbst eine Menge Spaß da oben auf der Bühne. Er kann laut, leise, albern, ernsthaft, selbstironisch, spontan, nachdenklich, traurig und witzig sein - und das alles in einem Theaterstück. Danke Heinz-Peter!

Quelle des Fotos: Andreas Heiser

wortfeilchen

PS. Dreimal kann man sich diesen Leckerbissen noch anschauen, also ganz schnell hier Karte buchen und ansehen!!

PPS. Es wäre völlig ungerecht, wenn ich die anderen tollen Jungs auf der Bühne vergessen und sie nicht erwähnen würde, denn richtig klasse sind sie allesamt:
  • Jeff Zach, der Schwung (und eine besonders schicke Unterhose) in die Bude bringt, aber auch emotional sein kann und seelenvolle Augen hat.
  • Hajo Sommers, ein überzeugend scheuer Mamaliebling voller Eigenkomik auf langen Beinen. (Mama hat ne Bude)
  • Nito Torres: Verdammt gut ausgestattete Frohnatur mit Hang zum eigenen Geschlecht und ausgeprägter Mimik.
  • Omega Awlime: Nicht nur ein Name wie Musik, sondern ein Anblick, der Frauen den Schweiß unter die Arme und die Sehnsucht in die Augen treibt. Adonis mit Rhythmus im Blut und Bauchmuskeln, die erblassen lassen.
  • Sebastian Faust, ernsthafter Buchhalter mit eigenen Sorgen.

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