Mittwoch, 3. März 2010

verlorene worte: schlingel

Nachdem wir den Rabauken bereits abgehandelt haben, folgt nun der Schlingel.

Der Duden sagt, Schlingel stehe scherzhaft für übermütiger Junge bzw. freches Kerlchen. Der Schlingel ist, meiner Meinung nach, dem Rabauken durch seine weniger rabaukenhafte Art und seinen unbestreitbaren Charme überlegen. Für mich tendiert der Strolch in die gleiche Richtung wie der Schlingel.

Im Gegensatz zum Wort Strolch ist die Herkunft des Wortes Schlingel geklärt:

Damals, als die Gummistiefel noch aus Holz waren, nämlich im 15. Jahrhundert, gab es im Niederdeutschen die Bezeichnungen Schlüngel, Schlingel bzw. Slungel, die so etwas wie einen Müßiggänger bezeichnen - auch so ein schönes Wort, das ich mir vorsorglich notieren sollte.

Die niederdeutschen Bezeichnungen gehen auf das mittelhochdeutsche Verb slingen zurück. Slingen bedeutet so viel wie schleichen, schlendern, sich winden oder auch kriechen. Daraus wurde im Laufe der Zeit unser Schlingel, der gerissen ist und Streiche ausheckt.

wortfeilchen

PS. Übrigens, der Plural von Schlingel lautet ebenfalls Schlingel, also ein Schlingel, fünf Schlingel ...

Kommentare:

sufix hat gesagt…

Also schlurft ein Schlingel wie ein Schlendrian?

wortfeilchen | barbara piontek hat gesagt…

Etymologisch auf jeden Fall, alles andere bleibt ihm selbst überlassen, dem Schlingel.

Heike hat gesagt…

Also mit "schleichen" ist das verwandt, nur indirekt mit "den Kopf aus der Schlinge ziehen"? Passt gut. Während ich mir Rabauken eher laut und wild (Radau machend - vielleicht erinnert mich das klanglich daran) vorstelle, kann ein Schlingel auch ganz still und leise schlingelig sein. Beispielsweise während er im Tischlerschuppen Holzmännchen schnitzt ... :-)