Donnerstag, 15. September 2011

altkleider in bochum. eine odyssee.

Früher war alles besser. Oftmals ein blöder Spruch, aber in diesem Fall passt er wie die Faust aufs Auge. Früher gab es nämlich im Bereich der Bochumer Innenstadt Container für Altglas, Altkleider und Schuhe. Seit ein paar Jahren sind diese sang- und klanglos - und ohne Ankündigung - einfach verschwunden.

Mein Altglas muss ich nun sammeln und zum Wertstoffhof bringen oder - wie mir die lokale Müllabfuhr mitteilt - einfach in den Restmüll werfen. Ebenso verfahre ich mit meinen Altkleidern. Container für Altglas, Altkleider und Schuhe gibt es nur noch außerhalb des sogenannten Rings von Bochum. 

Nun habe ich drei Tüten voller Altkleider und möchte diese nicht in die Mülltonne werfen oder umständlich mit öffentlichen Verkehrsmitteln einen Wertstoffhof aufsuchen. 

Also habe ich die Müllabfuhr in Bochum, den USB Umweltservice Bochum GmbH angerufen. Dort war man nicht nur sehr freundlich und hilfsbereit, sondern erklärte mir ebenfalls, dass man leider nichts unternehmen könne, denn - und nun kommt es - die Bezirksregierung Bochum-Mitte möchte nicht, dass solche Container das Stadtbild verunzieren und Anwohner möchten ebenfalls keine Container in ihrem Wohnumfeld haben. 

Die nächste Altkleidersammelstelle ist in der Nähe des Bergbaumuseums Bochum oder ich müsse einen der beiden Wertstoffhöfe in Bochum aufsuchen oder ich könnte mein Altglas und meine Altkleider in der Restmülltonne entsorgen. Man teilte mir auch mit, dass einige Anwohner in der Innenstadt Bochum sich bereits beschwert hätten, aber sie als Müllentsorger keine Möglichkeiten gegen kommunale Entscheide hätten.

Unzufrieden legte ich auf, dachte nach und rief ein paar lokale karitative Vereine in Bochum an. Vielleicht würden die meine Altkleider nehmen oder wüssten zumindest an wen ich mich wenden kann. Auch dort war man sehr freundlich, konnte mir aber lediglich den Tipp geben, es bei Kirchengemeinden zu versuchen. Natürlich gelangte ich auch dort zu keiner Lösung.

Nun stehe ich hier mit meinen Altkleidern und frage mich, was ich mit denen anstelle?

Ich stelle vermehrt fest, dass die Bochumer Innenstadt sehr wohl dazu geeignet ist, Besucher von außerhalb mit zahllosen Festivitäten anzulocken - um die Anwohner und deren Müll will man sich aber nicht kümmern. 

Umweltfreundlich ist das Vorgehen natürlich auch nicht, schließlich muss ich (natürlich mit dem Auto) zum Wertstoffhof fahren oder mein Altglas und meine Altkleider im Restmüll entsorgen. Aber wie dort hinkommen, wenn man nicht mobil ist? Laut USB fragen nämlich sehr viele Senioren nach Sammelcontainern - und werfen recycelbare Rohstoffe mangels Möglichkeiten in die Mülltonne.

Gut, mich stört es in Zukunft nicht mehr persönlich, ich ziehe um und dort finden sich Container, aber den Bewohnern der Bochumer Innenstadt (und den zahllosen Senioren) und der Umwelt, der sogenannten Nachhaltigkeit ist damit auch nicht geholfen.

Liebe Bezirksregierung, liebe Stadt Bochum, liebe Bochumer,
außen hui, innen pfui - das reicht nicht.

wortfeilchen

Kommentare:

Francisco Kuhlmann hat gesagt…

Unglaublich! Wie kann man sich von diesen Containern gestört fühlen? Wir haben direkt um die Ecke 3 Altglas-, 3 Papier- und 2 Altkleider-Container. Für das Altglas gibt es Hinweise, zu welchen Uhrzeiten man einwerfen sollte (nicht am Sonntag und nicht früh morgens oder nach 19/20h , wenn ich mich nicht irre).
Schlimm finde ich die Leute, die dort auch Müll abstellen, der dort nicht hingehört (habe dort schon Beutel mit Medikamenten gefunden - und direkt nebenan ist eine Grundschule!!! Geht es denn noch?)

Zum Wertstoffhof bringe ich all den anderen Kram (ausrangierte Elektrogeräte, Batterien, sperrmüll, usw.). Der ist aber in der Nachbarkommune und daher sammel ich immer erst.

Was ich bei meinem letzten Besuch im Baskenland der spanischen Seite der Pyrenäen gesehen habe, hat mir sehr imponiert: Sammelcontainer für Altöl aus der Küche (wo die Spanier doch so gerne frittieren, kommt da bestimmt viel zusammen). Das war sehr interessant, weil vor noch einigen Jahren wir in Deutschland doch immer sehr belächelt wurde, ob unserer Leidenschaft für das Mülltrennen! :-)
Letztendlich wäre das alles sehr hilfreich, wenn der Bürger/die Bürgerin da auch ernsthaft mitmachen würde. Einmal die Woche muss bei uns ein Wagen vorbeikommen, der den Müll einsammelt, der dort abgestellt wurde, obwohl er nicht dorthin gehört.
Immer am Ball bleiben und andere Leute überzeugen und auch darauf hinweisen, wenn sie dort den falschen Dreck ablegen.
So schaffen wir das!
LG
FK

Sigrid Strohschneider-Laue hat gesagt…

Das ist ein sehr kurzsichtiges Agieren der Stadtverwaltung! Das ist Ressourcenverschwendung und in diesem Fall - auch hinsichtlich der sich verschärfenden wirtschaftlichen Lage vieler Menschen - unsozial.
Hier in Wien wird strikt Verwertbares vom Restmüll getrennt und es funktioniert prima. Es gibt sogar ein "Vorzeige"projekt in einer großen Siedlung am Stadtrand mit Mülltonnen für kompostierbare organische Stoffe. Conatainer verschiedener Organisationen (Humana, Kolping) stehen in erreichbarer Nähe. Das einzige Problem der Altkleidercontainer ist, dass sie zuweilen geplündert werden und es danach wüst ringsum aussieht. Wer möchte, kann auch direkt bei der Caritas abgeben. Altkleidersammelstellen sind eher am Land rar geworden, so dass ich zuweilen mit leerem Auto auf Besuch und mit einer "Altkleidersammlung" der gesamten Nachbarschaft retour fahre.

Carola Heine hat gesagt…

Caritas wäre auch mein Tipp gewesen, ich habe an die Kleiderkammer auch schon ein Paket geschickt, wenn es zeitlich nicht anders hinkam (Öffnungszeiten sehr unpassend für mich).