Mittwoch, 16. Dezember 2009

Woher kommt es? Verknackst.

Gestern habe ich mir den Fuß bzw. den Knöchel verknackst und humpel nun rum, aber wieso eigentlich verknackst?

Nein, es hat nicht geknackt und etymologisch hat es auch mit dem Verb knacken so rein gar nichts zu tun. Sich etwas verknacksen steht umgangssprachlich für verstauchen, verdrehen oder verrenken. Medizinisch sagt man eine Distorsion erleiden und in Österreich scheinbar überknöcheln. Weh tun alle Variationen!

Sich etwas verknacksen stammt von verstauchen und dies wiederum von dem niederdeutschen Verb stuken oder auch dem niederländischen Verb stuiken, was so viel wie jemanden zurechtweisen bedeutet. Unser Verb stochern stammt aus der gleichen Ecke; wir finden es heute noch in den Worten Zahnstocher und etwas schüren. Verstauchen entstand im 17. Jahrhundert als Präfixbildung zu den Verben des 16. Jahrhunderts.

wortfeilchen

Kommentare:

tinius hat gesagt…

Erstmal gute Besserung und vor allem wenig Schmerzen ! :)
Diese Wortgeschichte ist interessant, aber den Weg von Stauchen / stuken zu verknacksen kann ich überhaupt nicht nachvollziehen, da ja nicht einmal der Wortstamm erhalten geblieben scheint... Gibt es da Entwicklungsstufen ? LG tinius

wortfeilchen | barbara piontek hat gesagt…

Dankeschön, ich schone den Knacks ;-))

Also, es geht los mit stuken/stuiken, geht zu verstuken/verstuiken und wurde zu verstauchen.

Verknacksen leitet sich umgangssprachlich davon ab, wobei auch die Möglichkeit besteht, das verknacksen von dem Knacks (Sprung, Riss) abstammt, was wiederum verwandt mich knacken sein könnte. Knacken stammt von mittelhochdeutsch knacken (krachen,platzen, einen Sprung bekommen) und steht mit dem Geräusch, das ein Riss macht in Verbindung. Verknacken aus der Gaunersprache hat auch mit knacken zu tun, ebenso die Knackwurst, die ja knackende Geräusche macht, wenn man draufbeißt.

tinius hat gesagt…

Die Ableitung aus "knacken" ist mir jedenfalls nachvollziehbarer als die von "stuken"... Aber ich bin ja auch kein Germanist oder Sprachwissenschaftler. ;) Hätt ich das Abi dazumal geschafft, hätte ich es aber durchaus werden können / wollen... LG tinius

wortfeilchen | barbara piontek hat gesagt…

Mir auch, aber sicher ist es nicht, wie öfter mal, wenn es um Umgangssprache geht.

Ich bin ja in erster Linie Germanistin und Mediävistin, aber vielleicht liest hier ein Sprachwissenschaftler mit und kann die ganze Geschichte aufklären?!

Heike hat gesagt…

Wenn dein Knöchel einen Knacks weg hat, tut das auf jeden Fall weh ... Gute Besserung, du armes Hascherl!

wortfeilchen | barbara piontek hat gesagt…

Danke Dir, aber ich laufe schon wieder relativ normal, denke, spätestens Samstag hüpfe ich wieder durch die Gegend.

Urs alias buffy2 hat gesagt…

Da kann ich richtig mitfühlen, denn solche Malheure erlebte ich zu genüge. Ich kenne hierfür auch die Begriffe "übertreten" oder "überdehnt". Beide Begriffe machen mir Sinn, denn zum einen könnte man seine Limiten übertreten haben bzw. sind meistens die Bänder zu arg strapaziert worden. Demzufolge kann durchaus auch "zurechtweisen" einen Sinn ergeben.
Auch von meiner Seite gute Besserung.