Freitag, 16. Januar 2009

Mein lieber Scholli!

Liebster Telefon- und Internetanbieter in Magenta!

Auch wenn es nicht immer leicht ist, und mich bei Nennung Deines Namens schon einmal hochgezogene Augenbrauen und fragende Blicke verfolgen, ich stehe zu Dir. Es ist auch nicht ganz so tragisch, dass Deine monatlichen Preisforderungen im Vergleich zu anderen Anbietern manchmal schon etwas happig sind, denn fast immer schenkst Du mir ungetrübt gute Übertragungsraten und einwandfreie Dienstleistungen. Bisher sind wir selten aneinandergeraten und wenn doch, konnte ich Dir immer eine Lösung anbieten, die Du akzeptiert hast. Ja, es ist leider so, dass Du anscheinend auch mit meinen Daten nicht immer richtig sorgfältig umgeht, aber ich bin nicht nachtragend. Du hast nicht die qualifiziertesten Mitarbeiter und so richtig schnell und freundlich sind sie auch nicht immer - und damit komme ich zum Kernproblem unserer Beziehung:

Es ist sicherlich durchaus nett von Dir gemeint, mir telefonisch Angebote zu machen, die Dir unwiderstehlich erscheinen, aber wie Du weißt, bin ich nicht ganz so inkompetent, wie vielleicht andere Deiner Lebenspartner. Ich verstehe, dass Du meine Fragen nicht immer ausführlich oder angemessen beantworten kannst, aber was mich so richtig stört, ist der Umgang Deiner vielen kleinen Helferlein mit mir.

Ich bin eine geduldige Frau, aber sie rufen regelmäßig an - wobei mir die Abstände viel zu kurz sind - unterdrücken ihre Telefonnummer, was ich als sehr unfreundlich empfinde und wenn ich nicht sofort begeistert Interesse zeige, legen sie auf. Ja, sie verabschieden sich nicht. Sie entschuldigen sich nicht. Sie legen einfach den Hörer auf - bis zum nächsten Anruf. Insgeheim - wenn ich gerade mal nicht so viel zu tun habe - freue ich mich manchmal auf die lieben Kleinen, denn sie stellen allzu oft eine psychologische Spielwiese dar: Es gibt die unfreundlichen und ungeduldigen Heinzelmännchen, die wortlos auflegen, wenn ich nicht sofort begeistert reagiere. Andere bemühen sich redlich und versuchen mich in ein viel zu langes - und unnötiges - Gespräch zu verwickeln, während der angenehmste Teil erfreulicherweise aus ruhigen, freundlichen und fähigen Anrufenden besteht.

Darum merke Dir bitte für die Zukunft ein paar Kleinigkeiten, denn dann werden wir über eine lange Zeit eine monogame und wunderbare Beziehung führen:
  • Respektier mich einfach und behandel mich entsprechend.
  • Ruf bitte nicht so oft an.
  • Mach mir keine Angebote, ohne vorher meine Daten und Wünsche zu beachten.
  • Unterdrücke Deine Telefonnummer nicht.
  • Wähle Deine dienstbaren Geister mit Bedacht aus und schule sie ordentlich. Ja, ich weiß, all diese Mitarbeiter gehören nicht zu Deiner näheren Familie, aber vergiss bitte nie, sie repräsentieren Dich - jedenfalls bei mir.
wortfeilchen

Kommentare:

herbstfrau hat gesagt…

.wieder einmal ein Text nach meinem Geschmack. Hintergründiger Hzumor, Witz und Satire, schöne Wortwahl.. alles vorhanden- naja- eben typisch Wortfeilchen.
Bis zum nächsten Mal grüßt Herbstfrau

wortfeilchen hat gesagt…

Danke Regina, allerdings scheinen alle Anbieter so zu verfahren? Rufen sie Dich auch an?

Anonym hat gesagt…

Hallo Frau Wortfeiler - ich habe anscheinend den falschen Anbieter und könnte fast (!) auf die Idee kommen, zu den Telekomikern zu wechseln (dann bekomme ich auch so tolle Anrufe)... oder denen mal ein gutes Telefontraining anzubieten!

Viele Grüße aus Düsseldorf!

wortfeilchen hat gesagt…

Hallo Lieblingscoach!

Sollte ich nun fragen, wer Dein Anbieter ist? Ich würde ja zu meinem Handy-Anbieter wechseln, aber ISDN-DSL bieten leider so wenige an.

Ja! Schul sie! Bring Ihnen den Business-Knigge nah, kurz - zeig ihnen, wo der Frosch die Locken hat.