Donnerstag, 23. Oktober 2008

Offensiv-Attacke

Mittagszeit in Bochum. Ich arbeite fleißig, als es an der Tür klingelt. Da ich auf eine Sendung warte und davon ausgehe, dass diese eintrifft, öffne ich die Tür. Ich telefoniere gerade semi-beruflich mit meiner Lieblingsgraphikerin und Freundin und gedenke die Sendung einfach wortlos zu unterschreiben und anzunehmen.

Vor mir steht eine junge Frau, geschätzte Anfang 20, angemalt und gestylt wie für den bevorstehenden Disco-Besuch: Sehr knappe Kleidung umschließt ihren untrainierten Körper, hier und dort blitzt nackte Haut hervor, Modeschmuck und Piercings glitzern, sonnengebräunte Haut und eine Bemalung, die jeden Zirkus-Clown begeistern würde.

Sie schaut mich grimmig an, begrüßt mich nicht, schielt an mir vorbei ins Büro und sagt: Haben Sie einen Internet- und Telefonanbieter?

Klar, habe ich - ich telefoniere schließlich und das Schild an der Tür weist auf eine Firma im Bereich Werbung hin - da sind Telefon und Internet schon ganz angebracht. Aber eigentlich habe ich den Telefonhörer nur in der Hand, um so zu tun als ob.

Ich habe ein viel besseres Angebot für Sie!

Danke nein. Ich würge sie ab.

Warum nicht?

Weil ich versorgt bin und gerade mit einem Kunden telefoniere.

Dann eben nicht.

Sie dreht sich um und stapft von dannen - und natürlich lächelt mich eine großflächige Tätowierung über ihrem Allerwertesten an.

Jetzt machen die schon Haustürgeschäfte - was soll denn das? Ich schwanke zwischen Mitgefühl und Kopfschütteln und frage mich, welcher Anbieter solche Geschöpfe losschickt? Wie wäre es mit einem guten Tag oder ähnlichen Floskeln freundlich rübergebracht? Warum macht sie einen Job, wenn sie ihn nicht gerne macht? Hat sie eine Persönlichkeit und wenn, wo ist diese versteckt? Kann sie lächeln? Wie offensiv kann sie werden? Andererseits, wer weiß, ob die wirklich was verkaufen wollte ...

Ich werde alt, denn so etwas finde ich weder gut noch schön.

wortfeilchen

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