Freitag, 21. Juli 2017

veto | kostenlose texte und gratis-arbeit.

Ich hatte gerade wieder den Fall und wurde von einer Agentur nach einem kostenlosen Probetext gefragt. Ohne Briefing, ohne weitere Angaben zu Vorgehen, Zeitrahmen oder Vergütung - auch auf meine Nachfrage wurde nicht geantwortet, dafür wurden mir doch bereits Vorgaben in dem einzigen Kontakt geschickt, den es vermutlich jemals gab und geben wird. Berufliches Interesse an mir? Nicht vorhanden. Referenzen anschauen? Zu mühsam.  

Foto: pixabay
Kostenloses Arbeiten ist eine heikle Sache. Ich habe ausreichend Referenzen, die meine Fähigkeiten zeigen, und ich möchte mich nicht wie ein Bittsteller fühlen. Echte Zusammenarbeit basiert auf gegenseitigem Interesse und auf Augenhöhe. 

Ja, grundsätzlich verstehe ich, dass mein Gegenüber wissen möchte, was von mir zu erwarten ist, die Sache mit der Katze im Sack, aber: Wir wollen doch nicht heiraten oder unser Leben gemeinsam verbringen – wir wollen zusammenarbeiten und etwas erreichen. Um zu wissen, ob Sie und ich ein gutes Team wären, können Sie mit mir reden und ich Ihnen problemlos Referenzen präsentieren. Geht es Ihnen um hochwertige Inhalte oder billige Preise? Oder geht es um Ihre Kunden und Ihre Produkte? Was sind Ihnen Ihre Kunden wert?

Ich habe Referenzen, davon sehr viele und unterschiedliche. Die können Sie sich anschauen und dazu gerne auch Fragen stellen. Und ich kann beurteilen, ob ich etwas kann oder nicht. Ich kann im Brustton der Überzeugung sagen, dass ich die falsche Ansprechpartnerin für Mode-Texte bin. Über schwingende Kleider in Schlupfform kann ich ohne Drogen nicht schreiben, mich aber für Themen begeistern, von denen Sie möglicherweise noch nie gehört haben. Vielleicht kann ich Ihnen sogar einen Teilchenbeschleuniger verkaufen, lassen Sie es mich ruhig versuchen! Dennoch gibt es Grenzen und die habe ich: Ich schreibe nicht kostenlos, es gibt keine Gratis-Texte. 

Schreiben kann jeder: Zu viele fühlen sich berufen. 

Es ist mühsam und irgendwann ist mir die Geduld ausgegangen, geändert hat es nichts daran, dass fast jeder Bürger meint, ich bin ein Lokaljournalist, jede Hausfrau und Mami eine Bloggerin, und jeder, der eine Werbeagentur von innen gesehen, ein paar Semester an der Uni rumgehangen oder einen VHS-Kurs hinter sich gebracht hat, ist dann halt ein Texter. 

Ja, keine Frage, es gibt sie, die Quereinsteiger, die alles richtig und toll machen – aber wissen Sie was? Die sind selten, sehr sogar. Und wie und woran messe ich den Erfolg? An Followerzahlen bei twitter? Freunden bei Facebook? Likes bei instagram? Großen Namen im Portfolio? 

Schreiben kann doch jeder! Ach, wirklich? Na, dann machen Sie es doch selbst. Oder Ihre Praktikantin, Ihr Kind, Ihr Mann, Ihr Schwager, Ihre Nachbarin, Nachbars Lumpi, Schmidts Katze oder wer auch immer. Murksen Sie großzügig rum. Ich habe damit kein Problem, Sie aber schon. Vor allem, wenn Sie einen Text klauen oder nächtelang grübeln und nichts kommt dabei raus. 

Oder wissen Sie was? Kaufen Sie doch einfach einen billigen Text, ist doch egal, liest sowieso keiner. Jemand wird sich schon für eine Handvoll Euro erbarmen, quasi ein Almosen reicht als Ausgabe völlig. 

Leben Sie mit dem austauschbaren Ergebnis! Wenn Sie sich selbst nichts wert sind, Ihre Produkte und Dienstleistungen quasi Wegwerfartikel sind und Ihnen Ihre Kunden sowieso egal sind – na, dann los! Zeigen Sie der Welt, was Sie von Ihr halten. 

Und hoffen Sie, dass es niemand merkt. Das wird nämlich irgendwann passieren. Wenn die Webseite nicht den gewünschten Erfolg bringt, die Sache mit dem Geldscheffeln nicht funktioniert. Der Nachteil an dem ganzen Social-Media-Gedöns sind nämlich die Menschen. Die reden, fragen und tauschen sich aus. Und dann kommt meist raus, was nie rauskommen sollte: Heiße Luft ist halt nur heiße Luft.

Und seufzend weiß ich schon heute, Sie kommen wieder. Mutig angekrochen, nervig angeschissen. Schade, dass ich dann vielleicht keine Zeit habe, weil mich gerade jemand zu schätzen weiß und ich gerade die individuellen Texte, die eine Lösung erarbeite und nicht Ihrem Gejammer nachgebe. 

Was Texter und Texter unterscheidet

Was macht also so ein Texter? Ich arbeite mich ein. Nicht nur in das Thema, ich schaue mir an, was der Kunde bisher gemacht, an Kommunikation betreibt, was die Konkurrenz macht, was Kunden und Suchmaschinen sagen, was da ist, was fehlt, also das ganze Paket. Inklusive ausführlicher Recherchen. Wirklich alles. Und ich denke darüber nach. Dann rede ich mit dem Kunden, frage nach und mache ihm ein Angebot. 

Und ich mache mir Gedanken, brainstorme, spiele mit Worten, Bildern und Ideen und finde Lösungen und meinetwegen auch Ziele. Heraus kommt ein Konzept und es folgen Texte. In denen stecken meine Erfahrung, mein Wissen, meine Kreativität und das sogenannte Herzblut. Die 4 Entwürfe, die ich Ihnen nicht zeige, die endlosen Notizen, die Sie nie zu Gesicht bekommen, die vielen Recherchen und Nachdenkereien, die nötig waren, die Überarbeitungen und auch die mittelmäßigen Ideen, die mir auf dem Weg in den Sinn kamen, nee, die kennen Sie nicht. 

Natürlich könnte ich einen Text hinklatschen – nur genau das merkt dann jeder, der diesen Text liest. 

Kollegenschweine oder Feilschen um jeden Cent 

Auftraggeber, Agenturen oder Kunden, die kostenlose Arbeit völlig normal finden und erwarten, gibt es, viel schlimmer sind Texter, die sich auf das Gefeilsche einlassen – und zu Preisen arbeiten, die mich wortlos machen. Texter, für die es Alltag ist, kostenlose Probetexte zu liefern, über ein noch so überflüssiges Produkt zu bloggen und dafür einen Schlüsselanhänger, eine Gesichtscreme oder einen Schal zu erhalten. Oder Websitetexte auf den Bildschirm rotzen, die ihren Namen nicht einmal verdient haben. 

Wer sind diese Spaßtexter und selbsternannten Profis, die sich auf so etwas einlassen? Surfen Sie doch mal und schauen Sie sich Webseiten und Social-Media-Profile an! Die meisten Texte, die Ihnen begegnen, sind verdammt schlecht und völlig lieblos geschrieben. 

Wer hat die nur verfasst? Welcher professionelle Texter arbeitet für einen Hungerlohn?
  • Jemand, der es nötig hat. 
  • Jemand, der es nicht besser weiß. 
  • Jemand, der nicht nachdenkt. 
  • Jemand, dem es egal ist. 
Andererseits schmeckt Kaviar vom Discounter auch nicht so gut wie echter, oder? Außer es ist Ihnen egal. Denn jeder Texter weiß, dass er nicht von Cent-Preisen leben kann. Dass kein einzigartiger, lesefreundlicher, strukturierter, recherchierter, fundierter und fehlerfreier Text für Peanuts zu haben ist. Darüber sollten nicht nur Auftraggeber nachdenken, sondern auch Texter, die sich prostituieren oder verklaven. 

Die Erkenntnis: Nichts ist umsonst, Texte auch nicht.

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Ich verweigere mich dem Motto: Lasset die Schäflein zu mir kommen! Sie sind kein Gott, ich kein Schaf – so einfach ist das. 

Arbeit muss bezahlt werden. Das gilt auch für Probetexte. Es gibt Ihnen niemand das Recht, einen anderen Menschen auszubeuten und zu benutzen! 

Etwas anderes ist es nämlich nicht, wenn jemand, in diesem Fall ich, sich hinsetzt und für eine Handvoll Euro eine oder mehrere Stunden Lebenszeit opfert, um vielleicht am Monatsende seine Miete, Krankenkasse, Steuern, Versicherungen und vielleicht sogar 3 Tage Urlaub bezahlen zu können. 

Ich mache das, was ich wirklich gut kann. Und ich mache es auch noch sehr gerne. Ich kann zwar auch ziemlich gutes Brot backen und mit der Nähmaschine prima umgehen, aber was ich richtig, richtig gut kann, das ist mein Beruf. Ich bin Texterin. Ich habe viele Qualifikationen, die mich zu dem machen, was ich bin. Es ist nicht mein Hobby, auch kein Selbstverwirklichungsprojekt, mein Mann ist nicht mein Versorger und wann ich wohltätig bin, entscheide ich ebenfalls selbst. 

Deswegen wollen Sie meine Arbeitskraft, meine Leistung, meine Zeit - Sie wollen mich, weil ich sehr gut bin. Weil ich mich voll und ganz Ihnen widme. Mit meinen Fähigkeiten, Erfahrungen und Qualifikationen. Weil ich nicht zwischen zwei Terminen mal eben lustlos Ihre Texte hinwerfe. Weil ich nicht austauschbar, sondern unverwechselbar bin. Sie wollen mich, weil ich kompetent bin – und nicht, weil ich billig bin. Dann schauen Sie mir auch in die Augen und wertschätzen mich. Und das funktioniert in Form von fairer Bezahlung und fairen Preisen für beide Seiten.

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