Dienstag, 19. September 2017

… und ne buddel voll rum!

Heute ist, wie täglich, wieder einer dieser Tage, der unter einem Motto steht. Heute, am 19. September ist der International Talk Like A Pirat Day

Ins Leben gerufen haben ihn John Baur, Piratenname Ol' Chumbucket, und Mark Summers, Piratenname Cap'n Slappy, im Jahr 1995. Die Beweggründe? Das vermeintlich Goldene Zeitalter der Piraterie nicht in Vergessenheit geraten zu lassen. 

Ob es wirklich eine so idyllische Zeit war, das wage ich zu bezweifeln, die Umsetzung und damit die Anwendung der Seemannssprache, insbesonders des Piratischen im Alltag, nun, das kann man durchaus machen. Immerhin wollten die Begründer des Piratentages den Spaß nicht zu kurz kommen lassen, daher: Yo-ho-ho, Aye-Aye-Sir und ein markiges Arrrrr

Foto: pixabay

Mittwoch, 6. September 2017

schlicht falsch | kontaminiertes zumindestens.

Foto: pixabay
In den letzten Jahren höre und, schlimmer noch, lese ich vermehrt das Wort zumindestens. Überall. Es ist eine Seuche.

Hielt ich es anfangs noch für einen Versprecher, Unwissen oder Ignoranz, sieht es mittlerweile so aus, als wäre die Verwendung völlig üblich und in der Umgangssprache angekommen – schön is dat nich, weil es das Wort zumindestens nicht gibt. Auf zur Spurensuche! 

Freitag, 21. Juli 2017

veto | kostenlose texte und gratis-arbeit.

Ich hatte gerade wieder den Fall und wurde von einer Agentur nach einem kostenlosen Probetext gefragt. Ohne Briefing, ohne weitere Angaben zu Vorgehen, Zeitrahmen oder Vergütung - auch auf meine Nachfrage wurde nicht geantwortet, dafür wurden mir doch bereits Vorgaben in dem einzigen Kontakt geschickt, den es vermutlich jemals gab und geben wird. Berufliches Interesse an mir? Nicht vorhanden. Referenzen anschauen? Zu mühsam.  

Foto: pixabay
Kostenloses Arbeiten ist eine heikle Sache. Ich habe ausreichend Referenzen, die meine Fähigkeiten zeigen, und ich möchte mich nicht wie ein Bittsteller fühlen. Echte Zusammenarbeit basiert auf gegenseitigem Interesse und auf Augenhöhe. 

Ja, grundsätzlich verstehe ich, dass mein Gegenüber wissen möchte, was von mir zu erwarten ist, die Sache mit der Katze im Sack, aber: Wir wollen doch nicht heiraten oder unser Leben gemeinsam verbringen – wir wollen zusammenarbeiten und etwas erreichen. Um zu wissen, ob Sie und ich ein gutes Team wären, können Sie mit mir reden und ich Ihnen problemlos Referenzen präsentieren. Geht es Ihnen um hochwertige Inhalte oder billige Preise? Oder geht es um Ihre Kunden und Ihre Produkte? Was sind Ihnen Ihre Kunden wert?

Dienstag, 18. Juli 2017

ingber | das nutzbare, galante und curiöse frauenzimmer-lexicon

Ende des 17., Anfang des 18. Jahrhunderts lebte in Leipzig ein uns heute (und möglicherweise auch damals) vielleicht etwas merkwürdig anmutender Zeitgenosse, der Gottlieb Siegmund Corvinus hieß. Über sein Leben ist nicht allzu viel bekannt: Er studierte an der Universität Leipzig, wurde kaiserlicher Notar und Advokat, lehnte die Ernennung zum Hofpoeten am sächsischen Hof ab und starb. 

Viel interessanter ist sein Werk, das der Schriftsteller unter dem Pseudonym Amaranthes veröffentlichte. Wir erinnern uns, Amarant, auch Amaranthus, das ist die hirseähnliche Pflanze, die auch Fuchsschwanz genannt wird und übersetzt unverwelkliche Blume heißt. Ein zum Werk passendes, vielleicht sogar humorvolles Pseudonym. 

Anfangs veröffentlichte der Unverwelkliche Gedichte, die gerne wegen ihrer Anzüglichkeit konfisziert wurden, Romane und Erzählungen. Bekannt wurde er durch das Frauenzimmer-Lexicon, in dem er sich detailliert mit dem Leben der Frau beschäftigt. Oder was er für das Leben der Frau hält. Er war der Meinung, die Frau sei mit der lateinischen Terminologie der damals üblichen Lexika schlicht überfordert und gibt ihr viele Ratschläge und Tipps für alle Gelegenheiten - in deutscher Sprache.

Dienstag, 4. Juli 2017

schlicht falsch | groß oder klein nach dem doppelpunkt.

Jeder von uns hat Schwächen, korrekte Rechtschreibung und Grammatik sind nicht jedem gegeben. Macht ja auch nichts, eigentlich – denn ein Text, der vor Fehlern nur so strotzt, macht keinen guten Eindruck. 

Privat werden Sie sicher ein Auge zudrücken, aber beruflich? Im Geschäftsbereich? Nun, da sieht die Sache schon anders aus. Wem sprechen Sie Kompetenz zu? Wem vertrauen Sie? Na, eben, Fehlerfreiheit hilft beim berüchtigten ersten Eindruck oder anders: Wer richtig schreibt, der bleibt.

Ein Problemfall ist der Doppelpunkt. Die beiden unschuldigen, vielleicht zu unscheinbaren Punkte, die auch noch übereinanderstehen. Welchen Sinn mögen sie haben? Vom Nutzen ganz zu schweigen. 

Vielleicht liegt es daran, dass der Doppelpunkt ausstirbt und immer seltener genutzt wird? Weil kaum noch jemand weiß, warum es ihn gibt.


Montag, 26. Juni 2017

ruhrdeutsch: lecker bremsklötze für zum essen.


Meine Sprache verrät, woher ich komme. Mein Vokabular kann mich auch in einer globalen Welt verorten. Blöd nur, dass genau das wohl doch nicht immer funktioniert. Jedenfalls nicht, wenn es um die Wurst, ähm, Frikadelle geht. So heißt der Fleischklops nämlich offiziell in meiner Gegend, dem Ruhrgebiet. Inoffiziell und weitaus häufiger ist aber die wenig schmeichelhafte Bezeichnung Bremsklotz. Ja, wirklich, wir machen, braten und essen kalte und warme Bremsklötze mit und ohne Senf. Dabei ist es egal, ob die Dinger ein bisschen zu lange oder scharf gebraten wurden - selbst blasse Frikadellen sind Bremsklötze.

An sich, denn auch Türstopper, Löwenköttel, Bauarbeiterpraline, Bärenköttel, Frikadösen und Friko kenne ich als Synonyme des Wortes Frikadelle. Mein Mann, der aus der Deutschschweiz stammt, nennt sie übrigens Hacktätschli und nur Hacktätschli. Klingt das eigentlich besser und ansprechender?

Und Ihr so?

Dienstag, 20. Juni 2017

schlicht falsch | typo-fehler: halten sie abstand!

Es gibt Fehler und Fehler. Ich korrigiere sie alle. Aber besonders gerne Typografie-Fehler, die gerne übersehen werden. Grafiker und Mediengestalter lieben oder hassen mich deswegen. Damit kann ich leben.

Duden empfiehlt die Schreibweise Typografie, erlaubt mir aber alternativ auch meine bevorzugte, nämlich Typographie. Die Abkürzung Typo steht für die Gestaltung von Druckerzeugnissen und digitalen Medien mittels Schrift, Fotos/Bildern, Linien und Flächen. Natürlich könnte ich noch mehr über Mikrotypografie und Makrotypografie erzählen, aber es geht um Typo-Fehler und dabei heute um fehlende Abstände bei Abkürzungen.

Foto: http://unsplash.com/photos/zFz3jThypsA by Mr Cup/Fabien Barral

Die folgenden Fehler tauchen mit 99-prozentiger Wahrscheinlichkeit in jedem PDF auf, das ich zur Bearbeitung bekomme. Also, fangen wir an:

Sonntag, 18. Juni 2017

die mär vom friseur und seinen genderspezifischen preisen.

Ich gehe gar nicht gerne zum Friseur. Lieber gehe ich zum Zahnarzt. Ab und an muss ich, ich habe sehr kurze Haare, aber wollen will ich nicht. Es sind viele Kleinigkeiten, die sich rotten und ein geballtes Hindernis ergeben:

Ich mag nicht drei oder sechs Monate im Voraus einen festen Termin vereinbaren, ich mag nicht so weit in die Zukunft planen, das schränkt mich ein, also gehe ich zu einem Friseur, den ich relativ spontan aufsuchen darf. 

Ich mag auch nicht warten. Die meisten Salons sind laut und riechen penetrant nach Parfüm, also warte ich draußen und hätte gerne eine maximale Wartezeit von 5 bis 10 Minuten. In der Realität hocke ich 30 bis 45 Minuten sinnlos herum, bekomme einen Platz zugewiesen, warte wieder, bekomme die Haare gewaschen, warte wieder, bekomme die Haare geschnitten und gehe zur Kasse, wo ich wieder warte. Ein Vorgang, der innerhalb von 15 bis 20 Minuten erledigt sein könnte, zieht sich hin und am Ende fehlen mir zwei Stunden.

Freitag, 2. Juni 2017

mensch- und umweltverträgliches waschmittel schlicht und simpel selber machen.

Ich gehöre zu den Menschen, die nicht alles hinnehmen, nach dem Warum fragen, nachdenken und dann eine Lösung suchen. Das gilt generell, allgemein und auch für Waschpulver. Davon verbraucht ein durchschnittlicher Mensch eine große Menge. Die muss hergestellt, transportiert, bezahlt und nach Hause geschleppt, um verbraucht zu werden und in der Mülltonne zu landen. Unterwegs gelangt es in die Wäsche, auf die Müllkippe (wo die Verpackung meist verbrannt wird), ins Wasser, in die Kläranlage und wieder zurück zu uns, auf den Acker, in die Wiesen, Seen und Flüsse. Ist halt alles ein Kreislauf. 

Verpackung & Kosten 

Mehr oder weniger sinnvoll ist die Verpackung von Waschmitteln: Üblicherweise handelt es sich um Plastikflaschen, Pappkartons oder Plastiktüten in verschiedenen Größen. Diese werden aus Rohstoffen hergestellt, wobei Energie verbraucht wird, um danach (mit Kraftstoffverbrauch und CO2) in die Geschäfte gebracht zu werden, wo wir sie dann kaufen, um sie ins Auto zu laden, zu Hause verbrauchen und, wenn leer, in den Müll werfen. 

Nachfüllbar? Ich kenne keine Möglichkeit und kein Angebot. Ich möchte aber auch nicht so viel mit dem Auto fahren, die Straßen und Parkplätze sind sowieso schon so voll und die Abgase, nee, lass mal. Und mal ehrlich, wer von Euch geht zu Fuß zum nächsten Supermarkt, zur Drogerie oder fährt mit dem Fahrrad? 

Waschpulver wiegt auch was, das passt in einen Rucksack, aber ins Handtäschchen nun nicht gerade. Günstig ist so ein Waschmittel auch nicht. Das geht ins Geld. Bio-Waschmittel sind sogar noch teurer. Ob die Preise gerechtfertigt sind? Möglich, schließlich hängt da ganz viel dran und das global. Waschmittel werden weltweit hergestellt, international rumgefahren und was da alles drin ist ... 

Handelsübliches, ganz gewöhnliches Waschmittel 

Die meisten Waschmittel enthalten ungemein viele Zusatzstoffe, die Wäsche, Maschine und Mensch gar nicht brauchen. Sogenannte waschaktive Substanzen, verschiedene Tenside, Alkalien, Bleichmittel, optische Aufheller, Schaumregulatoren, Proteasen, Inhibitoren, Stabilisatoren und Enzyme. Dazu kommen Duftstoffe und Parfüme, die uns das Waschen einfacher und schöner machen (sollen) und die Wäsche sauberer, weicher, duftender, fluffiger, strahlender usw. Egal ob flüssig, als Pulver oder Gel – Waschmittel enthält eine Menge chemischer Stoffe, die alle wieder zu uns zurückkommen. 

Einige, eigentlich sogar recht viele dieser Inhaltsstoffe sind biologisch sehr schwer abbaubar und lagern sich in der Umwelt, in unserer Luft, unserem Wasser, den Böden, Lebensmitteln und in uns ab. Das Klärwerk schafft es nicht, beispielsweise optische Aufheller, Phosphate oder Vergrauuungsinhibitoren abzubauen. Das gilt auch für viele Duftstoffe, z. B. einige ätherische Öle, die sich nachweislich in Fischen wiederfinden. 

Ganz übel sind übrigens Flüssigwaschmittel und sonstige Waschmittel (Bleiche, Weichspüler etc.), die in Plastikflaschen angeboten werden. Allein die Verpackung produziert ungemein viel unnötigen Müll und die Inhaltsstoffe belasten das Abwasser sogar noch stärker, als es Waschpulver inklusive Bleichmittel und sonstigen Zusatzstoffen hinkriegt. Dabei reicht stets eine kleine Menge, um die Wäsche sauber zu machen, und die Temperatur hilft auch. 

Bio-Waschmittel 

Ja, dann kaufen wir halt Biowaschmittel. Schließlich gibt es die mittlerweile fast überall als Waschpulver, Kompaktwaschmittel, Flüssigwaschmittel, Tabs oder Gel. Pustekuchen, denn der Zusatz Bio bedeutet nicht automatisch umweltfreundlich. Es gibt keine festen Regeln, Vorschriften und Gesetze, die vorgeben, was Ökowaschmittel und Biowaschmittel beinhalten sollen, können oder dürfen. Steht Bio drauf, sagt das lediglich etwas über die Herkunft der Inhalts- und Rohstoffe aus. Aber nichts über die Produktionsbedingungen, Sozialverträglichkeit, Verpackung und schon gar nicht über den Transport. 

Grundsätzlich enthalten Bio-Waschmittel meist weniger Duftstoffe, weniger Farbstoffe, weniger Aufheller, dafür aber nachwachsende Rohstoffe. Da ist es aber wie bei den Waschnüssen (siehe nächster Absatz): Es kommt darauf an, unter welchen Bedingungen die Rohstoffe hergestellt werden. Vor ein paar Jahren gab es zum Beispiel einen Boom mit Orangenschalenöl, das unter hohem Wasserverbrauch und mit Einsatz von Pestiziden und Düngemitteln hergestellt wurde – und giftig für einige Wasserorganismen ist. Die Abbaubarkeit von Öl, das aus Orangenschalen hergestellt wird, ist einfach nicht gegeben. 

Also, gilt auch für Bio- und Ökowaschmittel: Die Dosis macht das Gift. Schließlich muss auch das hergestellt, verpackt, transportiert und aus dem Abwasser entfernt werden. Daher auch damit sparsam umgehen und vernünftig dosieren. 

Waschnüsse & Konsorten 

Waschnüsse sind Nüsse; sie werden daher geknackt, in einen Beutel gesteckt und in die Waschtrommel gegeben. Die Schalen sind waschaktiv, entfernen Flecken aber nicht unbedingt so gut. Die Nussschalen werden blass, wenn sie verbraucht sind und können auf den Kompost; so einer vorhanden ist. Klingt gut, denken viele, und kaufen Waschnüsse. Nicht ganz, denn die Waschnuss wird in erster Linie in Asien angebaut und durch die erhöhte Nachfrage werden Waschnüsse übertrieben viel angebaut, um auch ein Stück vom Kuchen zu bekommen und die eigene Existenz zu sichern. Das ist nicht verwerflich, aber es entstehen Monokulturen, Überbewirtschaftung unter Einsatz von Düngemitteln, Pestiziden etc. und ganze Gebiete werden gerodet. In Europa angebaute Waschnüsse gibt es auch, sie sind allerdings teurer und in kleineren Mengen erhältlich. Also, auch keine Lösung. 

Alternativen mit mehr oder weniger guter Erhältlichkeit, lokaler Herkunft, akzeptabler Preisgestaltung und ausreichender Waschwirkung sind Kastanien oder Rosskastanien, Seifenkraut, Ringelblumen, Efeu, Primeln, Ahorn, Seifenbohnenbäume oder auch Rüben. 

Das Baukastensystem ist eine gute Idee, mir aber mit zu viel Aufwand verbunden. Ich mag nicht jedes Mal entscheiden und dosieren, wie viel Waschpulver, Bleiche, Fleckensalz und Wasserenthärter ich verwenden will, muss und kann. 

Dienstag, 9. Mai 2017

etymologisches mit ruhrdeutschem und helvetischem einschlag: betrügerisches kamuff und kamelartiges kamuffel.

Sie wissen, als Ruhrgebietseingeborene teile ich Heim und Herd mit einem Deutschschweizer. Ich lebe also quasi in einer multikulturellen Ehe. Sie wundern sich vielleicht, aber glauben Sie mir, die sprachlichen und kulturellen Unterschiede sind ausgeprägt vorhanden. Glücklicherweise kennen wir das im Ruhrpott nicht anders, keiner von uns kommt ursprünglich von hier weg, und selbst ein indigener Zürcher hat hier Platz und seine Berechtigung. 

Warum ich darauf hinweise? Nun, im Alltag ergeben sich für eine Germanistin mit Vorliebe für Linguistik erforschenswerte und aufregende Zufälle. Dieses Mal kennt er Kamuff, während ich Kamuffel kenne. 

Kamuff und Kamuffel – die Bedeutung 

Während das Schweizer Kamuff einen dummen, spaßigen Kerl oder Dummkopf bezeichnet, sieht es mit meinem Kamuffel einen Hauch anders aus: Das Kamuffel ist ein träges, bequemes, nicht unbedingt helles, aber recht harmloses Geschöpf. Kamuffel ist eher liebevoll denn grob beleidigend gemeint und wird meist zu männlichen Exemplaren der Gattung Mensch gesagt. Haben Sie schon einmal eine Frau Kamuffel genannt? 

Im Ruhrdeutschen neigt das Kamuffel, wie das Kamel, zum Neutrum, in den Deutschschweizer Dialekten ebenfalls (was etwas ungewöhnlich ist, das Alemannische grüßt zumeist deutlich). Plural und Singular unterscheiden sich nicht, ein Kamuffel oder fünf Kamuffel, es tut sich nichts. Klar, so ein Kamuffel ist von Natur aus nicht gerade sehr bewegungsfreudig. 

Foto: Daniela Castro, 

Kamel oder Halunke – der Ursprung 

Im Unterschied zum Kamuff hat es das Kamuffel in den Duden geschafft, wo seine Herkunft dem Italienischen zugeordnet wird: Kamuff ist älter als Kamuffel, quasi ein Vorgänger, bedeutet Halunke oder Schuft und kommt von dem italienischen Wort camuffo, was so viel wie Betrüger oder Halunke bedeutet und eine Substantivierung oder Ableitung zu dem italienischen Verb camuffare, also betrügen oder täuschen, ist. 

Nach Brockhaus Wahrig, der nicht online zu finden ist, soll es schlicht eine versteckte Weiterleitung von Kamel sein. 

Küpper und Pons gehen einen Schritt weiter und finden, Kamuffel ist eine Verschmelzung aus Kamel und Muffel, wobei der Muffel laut Duden ein verdrießlicher, unfreundlicher Mensch ist. Das passende Verb muffeln, was so viel wie mürrisch, knurrig, etwas schlecht gelaunt bedeutet, hat seine Ursprung im mittelhochdeutschen Wort muffen oder mupfen, was den Mund verziehen bedeutet. Küpper und Wahrig datieren die Wortschöpfung Kamuffel übrigens auf 1800. 

Das DWDS findet, Kamuffel ist hebräischen Ursprungs. 

 

Das Schweizer Idiotikon weist auf den italienischen Ursprung von camuffo hin und meint, Kamuff sei ein Synonym oder eine Analogie auf das Kamel. Spannend sind die verschiedenen Ausformungen des Kamuff im Schweizerischen, die von Camúff, Kamüff, Kamóff, Ka(r)mufti, Kamuffer, Camüffer und Kamüffer bis zu Chumüff und Kanuff reichen. 


Kamuff und Kamuffel – was denn nun? 

Wenn Sie mich fragen, halte ich die Verbindung zum Kamel für wahrscheinlich. Allein deshalb, weil das italienische Verb camuffare (blenden) und das französische Verb camouflage (tarnen, vertuschen, verschleiern) für mich ebenso wenig passen, wie die Deutung über Betrüger, Schuft oder Halunke. Dafür sind das Schweizer Kamuff und das deutsche Kamuffel als träge Doofköppe doch eher nicht in der Lage. Das vielleicht vermeintlich gemütliche, etwas dumm anmutende Kamel passt da schon besser.

Foto:
Kawtar CHERKAOUI,

PS: Falls Sie von mir in nächster Zeit öfter das Verb camouflieren (bildungssprachlich tarnen, verbergen) hören, lassen Sie mir die Freude, es klingt so schön.

Mittwoch, 22. Februar 2017

ruhrdeutsch: ein pinn fleischwurst. eine spurensuche nach dem pinn.

Neulich beim Metzger meines Vertrauens. Vor mir ein männlicher Kunde, geschätztes Alter 50+, hinter der Theke eine Verkäuferin, (auf Nachfrage) 44 Jahre alt.

Ein Pinn Fleischwurst mit Knoblauch, bitte. 

Eine ganze? 

Nee, ein Pinn. 

Kennich nicht. Wie viel ist das?

Halt ein Stück. So 10 bis 15 Zentimeter.

Ich bin ein wenig erstaunt, schließlich ist genau dieser Ausdruck feinster Lokalkolorit und völlig üblich. Dachte ich. Ist aber nicht (mehr) so, viel mehr war es wohl so. Daher widme ich diesen Artikel dem Pinn Fleischwurst. Gerne mit Brötchen. Das gehört dazu, wahlweise mit Senf.

Foto: Barbara Piontek

Fleischwurst? Fleischwurst.

Fange ich vorne an, denn bereits Ausdruck und Wesen der Fleischwurst können durchaus Fragen aufwerfen. Es scheint eine lokale Lebensgewohnheit, Pardon, eine Essgewohnheit des Ruhrgebietes zu sein. Schließlich werde ich nördlich und südlich von hier in Sachen Fleischwurst schräg angeschaut. Was vielleicht daran liegen mag, dass allein das Wort und die Sache an sich, nämlich die Fleischwurst nicht im gesamten deutschsprachigen Raum bekannt ist.

Bei einer Fleischwurst handelt es sich um eine (geräucherte) Brühwurst, die in anderen Gegenden Deutschlands unter dem Namen Lyoner bekannt ist. Wobei ich einwerfen muss, dass die Rote, wie die Lyoner im Raum Nagold genannt wird, schon etwas anderes als die heimische Fleischwurst ist. Farblich, geschmacklich und auch von der Größe und Konsistenz.

Im Ruhrgebiet gehört Fleischwurst zum Alltag und es lässt sich kaum ein Metzger finden, der keine herstellt oder anbietet. Abgepackt, eingeschweißt und als Massenware taugt sie nicht viel. Besonders ist heiße Fleischwurst, die direkt aus dem Kessel und dem Sud, in dem sie gebrüht wird, kommt und aus der Hand gegessen wird. Vielleicht noch mit oder in einem Brötchen, vielleicht einer Scheibe Toast, aber auf jeden Fall ohne Messer, Gabel und Teller. Das Ganze funktioniert eigentlich nur auf dem lokalen Wochenmarkt und ist eine Kindheitserinnerung und ein Stück Lebensqualität.

Kurz: Ich liebe Fleischwurst. Heiße, lauwarm oder kalte, ohne Senf, aber mit Brötchen. Fleischwurst geht morgens, zum Frühstück, zwischendurch, als Mahlzeit, Snack, abends, nachts und eigentlich immer. Und das geht nicht nur mir so, auf Baustellen, in Büros oder zwischendurch auf dem Parkplatz wird nicht, wie den Eingeborenen des Ruhrgebiets so oft unterstellt, Currywurst gefuttert, nein, es ist durchaus die Fleischwurst, eben, ein Pinn Fleischwurst. Gerne auch in oder mit einem Brötchen dabei und dazu. Und danach eine Currywurst. Oder davor und dazu. Oder gar nicht und einzeln. Currywurst geht halt immer, Fleischwurst sowieso.

Wortsuchereien nach dem Pinn.

Damit sind wir beim Maß aller Dinge – dem Pinn. Pinn ist ein Wort, das im Ruhrgebiet allerlei Verwendung findet: Pinne sind Beine, die ich mir durchaus in den Bauch stehen kann, ein Pinn inne Fott ist der Stock im Allerwertesten, der bildhaft die Steifheit mancher Menschen beschreibt, der Pinn ist ein Hebel, der betätigt werden will, Pinnchen oder Pinneken heißt das Schnapsglas für den Kurzen und ein Pinn ist ebenfalls ein (dürrer) Baum, ein Zweig, ein Ast, ein Stock.

(Lesenswert in diesem Zusammenhang ist der einzige in den Weiten des Internets vorhandene Text, der den Pinn Fleischwurst erwähnt und sich mit dem Pinn beschäftigt.)

Der Duden kennt die Pinnwand, die Pinnnadel, die Pinne, die Pinna (übrigens eine Vogelmuschel des Mittelmeeres) und die Verben pinnen, anpinnen, abpinnen (abschreiben), aber ein Pinn? Nichts zu finden, nichts zu wollen.

Weitersuchen, zurück zu den Wurzeln, zu Grimms Wörterbuch. Und dort ist etwas zu finden, das passen könnte. Denke ich, denn die Erklärungen klingen logisch. Vorsicht, nun wird es ein wenig kompliziert, es geht um 5 Ecken und über 3 Brücken:

Ein Pinn ist etwas hartes, relativ kleines, zum Beispiel ein Nagel, was die Form des Pinnes Fleischwurst erklären könnte. Jedenfalls wenn die Fleischwurst nicht besonders gut ist, denn dann ist sie hart und nicht so lecker. Und diese kann ich in ein Brötchen schieben. So ich will.


Gehe ich weiter, lande ich bei Pfinne und Pfinnig, wo ich unter 2 und Pfinnig wirklich etwas mit Fleisch finde. Könnte auch passen, da wir im Lebensbereich Ruhr das f weglassen; d. h. wir haben kein Pferd, sondern ein Ferd, was genauso klingt wie fährt, falls also ein Ferd fährt ist das in heimischen Gefilden gar kein Problem und aus Pfinne kann problemlos ein, ähm, Finn werden. Mist, das war nichts.


Vielleicht ist sowieso alles viel einfacher und es handelt es sich ganz einfach um den Pinn, an dem die Fleischwurst nach dem Brühen oder im Laden des Metzgers aufgehangen wird? Oder die Fleischwurst wurde früher nicht mit einem Bindfaden zugebunden, sondern mit einem Pinn verschlossen, damit die Pampe nicht in die Brühe lief?

Der Pinn – ein Pole?

Die Sprache des Ruhrgebietes ist aber nicht nur mannigfaltig, verliert in der Aussprache gerne mal die ein oder andere Silbe und verkürzt sich mit Vorliebe, sie gibt sich Einflüssen anderer Sprachen hemmungslos hin und macht etwas daraus. Einer dieser Einflüsse kommt vermeintlich aus Polen; es existiert sogar die Bezeichnung Ruhrpole, wie Wikipedia mir mitteilt.

Der Pole an sich, entgegen aller gängigen Vorurteile, ein fleißiger, ruhiger Zeitgenosse, der im Ruhrgebiet nicht nur viel gearbeitet hat und selbiges heute noch tut, bereichert uns seit Jahrhunderten mit Speise, Trank und zuweilen mit Worten und Wörtern. So benutzen wir keinen Hammer, sondern einen Mottek. So das denn polnisch ist.

(Passend dazu hat ein ungemein netter, kluger und humorvoller Mensch, der bei mir bereits vor Jahren mächtig Eindruck hinterlassen hat, einen lesenswerten Artikel geschrieben. Der von mir geschätzte Herr, namentlich Heinz H. Menge, unterrichtete mich an der Ruhruniversität Bochum im Bereich Germanistik und nicht nur deswegen lege ich den Artikel gerne geneigten Lesern vor die Nase.)

Die sprachliche Einflüsse des Polnischen sind also mehr oder weniger belegbar vorhanden, daher stellte ich mir die Frage, ob der Pinn vielleicht so seinen Weg zu uns gefunden hat. Wörterbücher brachten mich nicht weiter, also habe ich Menschen gefragt, die des Polnischen mächtig sind. Leider ohne Ergebnis, bis ich meinen Getränkelieferanten anrief, der gebürtiger Pole ist und jedes Mal, wenn er meinen Nachnamen hört, der Meinung ist, ich sei ebenfalls eine und würde die Sprache beherrschen. Dem ist nicht so, sonst würde ich die Antwort ja kennen, doch dieses Mal nutzte ich die Gunst der Stunde und fragte ihn, ob er einen Pinn kennen würde. Kennt er, weiß er und es folgt:

Der Pinn – ein schlüpfriger Zeitgenosse.

Der Getränkemann, der an dieser Stelle anonym bleibt, erklärte mir, dass er den Pinn aus dem Polnischen als umgangssprachlichen Ausdruck für Pimmel kennt und es sich bei der Verkleinerung Pinorek dementsprechend um ein Pimmelchen handeln würde.

Ja, wir bewegen uns gerade in schlüpfrigen Sprachbereichen, aber unter uns: Das Ruhrdeutsche neigt zu derben Worten, vulgärer Direktheit und unverblümten Ausdrücken und im Sinne der Wahrheitsfindung muss ich mich sprachlich schon anpassen und mitmachen. Bestätigungen für diese Übersetzung, bzw. Interpretation habe ich allerdings nicht gefunden.

Doch, vielleicht im Kroatischen, wo das im Ruhrdeutschen gebräuchliche Wort Pimpek, das einen kleinen Hebel, Pin, Stift, Bolzen oder Gegenstand ebenso benennt wie der Pinorek, die Entsprechung oder besser Übersetzung von Penis, bzw. Pimmel sein soll. Wie weit auf kroatische Online-Wörterbücher Verlass ist, nun, das vermag ich nicht zu entscheiden.

Pinngröße – wie viel Fleischwurst ist ein Penis?

Ehrliche Antwort? Ich weiß es nicht. Ein Pinn bemisst sich in seiner Handlichkeit – er passt bequem in die Hand und bietet ausreichend Platz zum Abbeißen. Und er passt in ein Brötchen; wozu ein Loch in selbiges, also das Brötchen geprockelt wird oder es lapidar durchgeschnitten wird, dann der Pinn Fleischwurst unzerteilt zwischen die Hälfen gelegt und das Brötchen wieder zusammengeklappt wird – und guten Hunger.

Da sich die Größen von Händen unterscheiden, die von Brötchen und Fleischwürsten ebenfalls, ist die Pinngröße nicht genau feststellbar. Vielleicht existiert aus diesem Grund die Bezeichnung Pinn und kann mit einem Penis in Verbindung gebracht werden? Da weiß man auch nicht so genau, will es vielleicht nicht wissen und schweigt lieber dezent.

Was ich kann, ist die Größenabstufungen der undefinierbaren länglichen Dinge mitzuteilen: Der Pinn ist das größte Ding, es folgen der Pinorek und der Pimpek, deren Abgrenzung voneinander nicht so einfach ist, und dann folgt das kleinste Dingen, der Nupsi. Und der Eumel. Ach, es gibt noch sehr viel zu tun.