Montag, 5. Mai 2014

werbung: hauptsache tot, hauptsache lustig und immer kreativ.

Menschen unterscheiden sich. Einer ist so, ein anderer so. Das gilt für alle Lebensbereiche und auch für den Tod. Manche Menschen betrachten das Sterben, den Tod und die Bestattung als hochernste Angelegenheit, die viel mit Würde und Pietät zu tun hat. Religiöse und moralische Traditionen und Glaubensmuster spielen ebenfalls eine mehr oder weniger wichtige Rolle, während genau diese Dinge anderen Menschen völlig abgehen: Sie sehen den Tod prosaisch als natürliches Ereignis, wo Pathos und Gott nichts zu suchen haben und der Rest Mensch einfach unter die Erde gebracht wird. Also ein ziemlich schwieriger Bereich, um zielgruppengerecht zu werben. 

Ganz anschaulich wird das Problem mit einem Blick auf diese Werbung. Eine baumgesäumte Straße führt zu einem Bochumer Friedhof, den Freigrafendamm. Auf der rechten und linken Straßenseite vor dem Eingang zum Friedhof betreiben zwei oder drei Gärtnereien bzw. Blumemläden bzw. Bildhauer ihr Gewerbe, von denen einer wohl dem Bund deutscher Friedhofsgärtner angehört, die wiederum einen Verbund namens Dauergrabpflege - Leben braucht Erinnerung gegründet haben und die Es lebe der Friedhof! zu verantworten haben.

© barbara piontek

Das Motiv, nun ja, es ist Geschmackssache: Manche Menschen finden Bild, Text und Aussage möglicherweise erfrischend, passend oder auch witzig, andere wiederum völlig daneben, fast schon beleidigend. 

© barbara piontek

Neben dieser Anzeige gibt es weitere, die auf der Seite Es lebe der Friedhof! gezeigt werden. Die Kampagne heißt Gräbern ein Gesicht geben. So möchten 2000 Friedhofsgärtnereien in NRW ihre Vision eines modernen, kreativen und inspirierenden Friedhofs mitteilen und ihren Beruf vorstellen, der modern und ideenreich ist und gleichzeitig alle Kundenwünsche erfüllen kann. 

Klappt das? Oder hapert es mit der Umsetzung? Und ist Es lebe der Friedhof! nicht schon ein Oxymoron?

Kommentare:

Missmarple hat gesagt…

Sooooo schön, was sich kreative Kreative so an den Haaren herbeizerren.
Ob ich auf einem Friedhof neben einem miesen Wortwitz auf den Tag des Jüngsten Gerichts warten mag? Hm. Gleich mal ins Testament aufnehmen, man möge mir ein ablenkendes gutes Buch mit in die Urne stopfen - sonst wird das Warten auf die Ewigkeit zur Un-Un-Unendlichkeit. :-)

barbara piontek hat gesagt…

... und das war bestimmt nicht mal billig oder preiswert.