Montag, 1. August 2011

redewendungen: frieren wie ein schneider.

Auch wenn mir das kühle, nasse Wetter der letzten Wochen ausnehmend gut gefallen hat, so gab es doch einige Beschwerden und laute Rufe nach dem Sommer. Allzu oft fielen die Worte: Ich friere wie ein Schneider!, denn so bitterlich kalt war es manchen Zeitgenossen.

Woher kommt diese Redewendung?

Damals, als unsere Kleidung noch in Handarbeit angefertigt und repariert wurde, gab es einen Handwerksberuf, der sich Schneider nannte. Es war kein sehr angesehener Berufszweig, schließlich handelte es sich dabei zumeist um einen Mann, der den ganzen Tag still in seiner Ecke saß und nähte. Ein Schneider war also ein Stubenhocker, der nicht körperlich arbeitete und dadurch verweichlicht, nicht abgehärtet und überempfindlich war. Daher dachte man, so ein Schneider müsse sehr schnell frieren - und die Redewendung bürgerte sich in unserem Sprachgebrauch ein.

Die andere Theorie besagt, dass ein Schneider ein recht ärmliches Leben führte, denn die genähte oder reparierte Kleidung wurde meist nicht bar bezahlt, sondern erst später. Schneider mussten ihre offenen Rechnungen nicht selten eintreiben, was dazu führte, dass sie ihre Werkstatt oft nicht ausreichend heizen konnten und auch schon mal hungern mussten - um die Zahlungsmoral vieler Kunden war es eher schlecht bestellt. Daher mutmaßte man, ein Schneider sei wegen seines geringen Körpergewichts sehr schwächlich und würde sehr schnell frieren.

Es gibt aber noch weitere Redewendungen, die mit einem Schneider zu tun haben:
 
Herein, wenn es kein Schneider ist! - auch hier gibt es zwei Deutungsmöglichkeiten: Erstens, ein Schneider war als Besucher nicht erwünscht, weil er doch immer seine Rechnungen eintreiben wollte und zweitens, weil es ursprünglich Herein, wenn es kein Schnitter ist! hieß. Der Schnitter war eine Metapher für den Sensenmann, also den Tod. 

Aus dem Schneider sein, sagt man, wenn man einer unangenehmen Situation entkommen ist oder diese vermeiden konnte. Auch hier gibt es wieder mehrere Entstehungstheorien, denn belegt sind sie alle nicht: Weil ein Schneider so erbärmlich dünn war und nicht einmal 30 Lot wiegen würde, ist jeder, der mehr wiegt aus dem Schneider und dementsprechendung fit und gesund. Die Lebenserwartung eines Schneiders war wegen seiner schlechten sozialen Lage nicht besonders hoch, wurde jemand also älter als 30 Jahre, war er aus dem Schneider und hatte gute Chancen alt zu werden.

wortfeilchen

PS. Nein, ich habe nicht rausgefunden wie viel so ein handelsübliches Lot wiegt, Ihr aber vielleicht?

Kommentare:

wortfeilchen | barbara piontek hat gesagt…

Glaube ich Wikipedia, was ich selten tue, dann: http://de.m.wikipedia.org/wiki/Alte_Ma%C3%9Fe_und_Gewichte

Andere Vorschläge?

haushundhirschblog hat gesagt…

Sehr schön, etwas über die tapferen Schneiderlein und deren Lebensbedingungen zu erfahren! Noch besser: der einleitende Satz zur Wetterbefindlichkeit. Es lebe der Herbst mit seinen kühleren Tagen!!