Donnerstag, 30. Juni 2011

ruhrgebietsdeutsch: brass.

Wir im Ruhrgebiet haben es gut, wir haben nämlich Brass:

Quelle: http://www.ruhrgebietssprache.de/lexikon/brass.html

Brass haben macht manchmal Spaß, vor allem, wenn man den Brass rauslassen kann, das tut dann ungemein gut. Aber meist ist so ein Brass eher anstrengend, denn man geht sich damit fast immer und am mehrsten selbst auf die Nerven. 

Brass ist angesammelte, aufgestaute Wut oder Ärger, die fast immer einen guten Grund hat. Brass hat man, wenn einem den ganzen Tag nichts gelingt und man zwei linke Hände hat. Brass kann aber auch durch andere Menschen, die einem den letzten Nerv rauben, verursacht werden, was einen dann ärgert - und schon hat man ordentlich Brass. Der Brass kriecht einem durchs Gedärm und ist ein dabei ein hartnäckiges Biest.
 
Quelle: http://www.duden.de/suchen/dudenonline/Brass

Hat man so richtig schön Brass, kann man den auf verschiedene Arten auflösen, das hängt immer von der jeweiligen Veranlagung ab: Manche trinken einen Schnaps und verabschieden den Brass so. Andere gehen eine Runde um den Block und treiben Sport, das mag so ein Brass nicht so wirklich und verschwindet freiwillig. Brüllen, jammern, zetern, lachen, schweigen - die Möglichkeiten sind vielseitig.

Und Ihr da draußen in den deutschsprachigen Landen, kennt Ihr das Wort Brass überhaupt? Oder heißt das bei Euch anders?

wortfeilchen

PS. Warum der Brass Brass heißt und woher er kommt, tja, das habe ich leider nicht raugefunden.

musik: wir werden sehen.

Dienstag, 28. Juni 2011

ein wort mit fünf vokalen: desavouieren.

Vielleicht liegt es an meinem Beruf. Vielleicht auch daran, dass ich täglich mehrfach den Duden konsultiere, sehr viel lese und schreibe. Da fällt mir manchmal das ein oder andere Wort ins Auge - und bleibt daran hängen.  

Solch ein Wunderding, das sage und schreibe fünf Vokale in sich birgt, ist das Wort desavouieren. Zugegeben, ein Wort, das ich eher selten bis gar nicht verwende, und dazu nicht einmal um seine Bedeutung wusste.

Desavouieren bedeutet so viel wie im Stich lassen, bloßstellen, nicht anerkennen, herabwürdigen, verleugnen und in Abrede stellen, blamieren, bloßstellen, kompromittieren, zum Gespött machen oder auch vorführen. Es ist - wie man sicherlich bereits hören kann - lateinisch-französischen Ursprungs.

Erwähnte ich es schon? In dem Wort desavouieren kommen fünf Vokale vor. Und an einer Stelle gleich vier hintereinander! Wow, oder?

wortfeilchen

PS. Nun muss ich nur noch eine Möglichkeit finden, um desavouieren in einem Text unterzubringen oder in einem Gespräch völlig nonchalant fallenzulassen.

Montag, 27. Juni 2011

schweizimpressionen: die insel ufnau im zürisee.

Sie ist mit 112.645 qm die größte Insel der Schweiz. Sie liegt (fast) mitten im Zürichsee und ohne eine sehr geschätzte Frau würde ich sie nicht kennen: die Insel Ufenau oder Ufnau, wie sie ursprünglich heißt.

Kein Wort wird der Insel gerecht, sie ist einfach ein Idyll, ein Kleinod, daher lasse ich Bilder sprechen:

Foto: Barbara Piontek
Foto: Barbara Piontek
Foto: Pierino Cerliani
Foto: Pierino Cerliani
Foto: Barbara Piontek
Foto: Pierino Cerliani
Foto: Barbara Piontek
Foto: Pierino Cerliani
Foto: Pierino Cerliani
wortfeilchen

PS. Mehr Informationen von den Freunden der Insel Ufnau.

Freitag, 24. Juni 2011

das ruhrgebiet zum aufkleben.

Nun gibt es sie auch für das Ruhrgebiet - einen, eigentlich sogar zwei Aufkleber, die man sich bevorzugt auf das Auto kleben kann. Beide Aufkleber zeigen den Umriss des Ruhrgebiets. So signalisiert man relativ dezent seinen Lokalpatriotismus und kann selbigen prägnant auf jeder Straße und auch jeder Autobahn ausdrücken. Die beiden Aufkleber namens Aufkleber Ruhrgebiet sehen so aus:

Quelle: http://www.extraruhr.de/shop
Quelle: http://www.extraruhr.de/shop

Die Idee ist nicht neu: In den 1980ern gab es eine ähnliche Manie schon einmal in Form eines Syltaufklebers, der auf unzähligen Golf-Cabrios zu sehen war. Schön fand ich es nicht, war es doch eher Sinnbild sogenannter Yuppies, die mit Vorliebe unsägliche Polohemden zu schrecklichen Bundfaltenhosen trugen - natürlich in grausigen Farben. Pfui und peinlich war das für mich, verstanden habe ich es auch nie und fragte mich insgeheim immer, ob die das nötig haben. 

Und dann mag ich auch keine Aufkleber, generell nicht und auch nicht auf meinem Auto. Obwohl die beiden Ruhrpottaufkleber nun wirklich weder einen peinlichen Spruch noch merkwürdige Farben aufweisen und auch keine einzelne Stadt der Ruhrgebiets präferieren. Hm, vielleicht denke ich doch noch einmal über den Erwerb eines Ruhrpottaufklebers nach.

Wer aber jetzt, sofort und unbedingt mag, kann einen oder beide Aufkleber für recht kleines Geld im Online-Shop von extraRuhr bestellen:

Quelle: http://www.extraruhr.de/shop

wortfeilchen

Montag, 20. Juni 2011

aus dem alltag einer deutschschweizerisch-deutschen beziehung: pfannen & töpfe.

In der Deutschweiz gibt es keine Töpfe, zumindest nicht zum Kochen. Auch nicht zum Braten. Dort wird alles in einer Pfanne zubereitet. Und nur in einer Pfanne. Schweizer kochen und braten in einer Pfanne. Ein Topf in der Deutschschweiz ist das, was wir als Nachtopf kennen. Irritationen sind vorprogrammiert, denn ich koche Kartoffeln in einem Topf, mein Mann in der Pfanne. Meine Suppe kommt aus dem Kochtopf, seine aus der Pfanne.

Warum ist das so?

Das Wort Topf ist in der deutschen Sprache seit der Bibelübersetzung von Luther, also seit dem 16. Jahrhundert bekannt. Der genaue Ursprung des mittelhochdeutschen Wortes in unbekannt, hängt aber möglicherweise mit einer trichterförmigen Vertiefung zusammen.

Das Wort Pfanne ist nachweislich viel älter, es war bereits in altgermanischen Zeiten gebräuchlich, ging von dort ins Althochdeutsche zum Wort phanna und wurde danach zum mittelhochdeutschen Wort pfanne. Pfanne ist aber kein germanisches, sondern ein lateinisches, das von dem griechischen Wort patáne (Schüssel) abstammt.

Ergo sind Deutschschweizer (sprachlich) mal wieder im Mittelalter hängengeblieben, kochen in einer Schüssel und weichen auch keinen Deut von ihrer Haltung ab. Fragt sich, ob sie die Redewendung Jemanden in die Pfanne hauen überhaupt kennen?

wortfeilchen

PS. Eine Ausnahme gibt es allerdings: Der Dampfkochtopf heißt in der Schweiz auch so. Erstaunlicherweise ging der Name der neumodischen Erfindung in den Schweizer Sprachgebrauch über. 

PPS. Ostpreußische Königsberger Klopse kann man aber auch in einer Schweizer Pfanne machen:

Foto: Barbara Piontek

Dienstag, 14. Juni 2011

schweizfund: schweizer eierbecher.

Man muss sich nur zu helfen wissen - das Ergebnis: Eierbecher auf Schweizer Art.

Foto: Barbara Piontek


wortfeilchen

Sonntag, 12. Juni 2011

schweizfund: straßenschild.

Foto: Barbara Piontek

Ein Spaziergang in Zürich, plötzlich dieses Schild vor mir - und ein Fragezeichen in meinen Augen: Was will mir dieses Schild sagen?

Vorschläge? Ideen? Wissen?

wortfeilchen

Freitag, 10. Juni 2011

schweizfund: zoo und regenwald in zürich.

An sich bin ich keine leidenschaftliche Zoobesucherin, eingesperrte Tiere zu sehen gefällt mir einfach nicht. Der Zoo in Zürich bietet aber eine Besonderheit, die ich erleben wollte: einen Regenwald, in dem Pflanzen und Tier so leben dürfen wie sie wollen - frei und lediglich halbwegs eingesperrt.

Zum Glück brachte mich die Straßenbahn den Berg zum Zoo hoch, dann waren es nur noch ein paar Meter zum Eingang des Zoos. Kurz nach dem Eingang merkt man, dass der Zürich Zoo doch anders ist als andere Zoos, denn der Aufbau erinnert eher an einen etwas wilden Park, in dem die Tiere leben und nicht in erster Linie ausgestellt werden. Das große Areal ist nach Kontinenten eingeteilt, die ineinander übergehen:

Quelle: http://www.zoo.ch/xml_1/internet/de/application/d2/d102/f202.cfm
(Der Plan ist wenig hilfreich, wenn man bestimmte Tiere sehen mag. Ich wollte unbedingt Geier sehen, konnte sie aber nicht finden)

Wie man den Plan entnehmen kann, führt der Weg zum Masoala Regenwald durch Südamerika, Asien und Afrika vorbei am Streichelzoo - ein recht lange Strecke, die sehr schweizerisch reichlich auf und ab geht. Dann endlich ein dunkler Tunnel, an dessen Ende quasi eine Schleuse in den Regenwald auf uns wartete.  



Die Wärme im Masoala-Regenwald ist mit etwa 25 Grad Celsius erträglich, während ca. 80 Prozent Luftfeuchtigkeit gleich einen Schweißfilm auf den gesamten Körper zaubern, die Atmung erschweren und meinem niedrigen Blutdruck auch nicht so ganz gefallen. Aber es lohnt sich! Flora und Fauna sind wunderbar authentisch und für Nordeuropäer auf jeden Fall ein Erlebnis. Es kann vorkommen, dass ein Maki durchs Blätterwerk springt und man sieht, wo und wie Bananen und Papayas wachsen.

Im Masoala Regenwald des Zoos in Zürich schaut es so aus:

Foto: Barbara Piontek
Foto: Pierino Cerliani
Foto: Pierino Cerliani

Da wir kurz vor Ende der Öffnungszeiten im Zoo waren, war dieser zwar angenehm leer, aber es blieb nicht genug Zeit, um alle Tiere zu besuchen. Antilopen (unerwartet große Tiere), Gazellen (unerwartet kurzbeinige Tiere), Zebras (erinnern an gestreifte Wildpferde), ein paar Kamele und ein paar Ötschen sahen wir dann doch noch. Aber ein Langschläfer, der erst am Abend munter wird, erwies uns die Ehre - ich verliebte mich sofort in den südlichen Tamandua, von dem es hier ein anschauliches Video mit sprachlichen Tücken zu sehen gibt: Nesto, der kleine Ameisenbär im Zoo von Zürich. (Leider kann man das Video nicht in einen Artikel einbinden).

wortfeilchen

PS. Und danach stellte ich mich dem Abenteuer einer Schweizer Pizza, die mit etwa 40,00 Euro (für zwei Personen) zwar reichlich hochpreisig, dafür aber auch sehr lecker war:

Foto: Pierino Cerliani

Dienstag, 7. Juni 2011

schweizfund: deppenapostrof.


Der falsche Genitiv, das fehlgeleitete Auslassungszeichen, das irrtümliche Häkchen, mit dem man den Ausfall eines Lautes oder einer Silbe kennzeichnet, kurz dat Deppenapostrof findet man auch in der Deutschschweiz, genauer gesagt in Zürich. Und zwar massenhaft. 

wortfeilchen

PS. Erstaunlich auch der unermüdliche Eifer, mit dem man in der Schweiz Angliszismen und Denglisch verwendet. An sich habe ich nichts gegen die ein oder andere Einstreuung, aber man kann es auch übertreiben.

Sonntag, 5. Juni 2011

schweizfund: logoähnlichkeiten.

Watschelt man durch Zürich und schaut sich interessiert um, fallen manche Dinge ins Auge. Zum Beispiel ein Schuhgeschäft namens Dosenbach, das dem deutschen Schuhgeschäft Deichmann sehr ähnelt - kein Wunder, es handelt sich um Filialen eines Unternehmens.

Schwieriger war es schon bei folgendem Logo:


Ich habe gerätselt und nachgedacht, aber mir fiel nicht ein, an welches deutsche Logo es mich erinnert. Eher zufällig fiel es mir dann aber doch ein:


Bleibt die Frage, welches Logo eher da war und ob beiden die Assoziationen der jeweiligen Bevölkerungsgruppen bewusst sind?

wortfeilchen

PS. Quelle Screenshot 1. Quelle Screenshot 2.

Freitag, 3. Juni 2011

ausschreibung: literaturpreis ruhr 2011.

Seit 1986 vergibt das LiteraturBüro Ruhr den Literaturpreis Ruhr. Natürlich wird der mit 10.000 Euro dotierte Hauptpreis auch dieses Jahr vergeben. Weiterhin werden zwei Förderpreise zum Thema Keine Kohle ausgeschrieben, die mit einem Preisgeld von je 2.555 Euro verbunden sind. 

Gefragt sind Geschichten, die mit dem utopischen Potenzial des Ruhrgebiets spielen. Bewerbungen können noch bis zum 30.06.2011 eingereicht werden, aber bitte keine Eigenbewerbungen. 


wortfeilchen

Mittwoch, 1. Juni 2011

fehlerfreie texte - mehr als korrekte rechtschreibung.

Die deutsche Sprache hat es schwer: neue Rechtschreibung, Facebook, Twitter, Tageszeitungen, generell die sogenannten Medien und auch das Internet nutzen eine scheinbar willkürliche Rechtschreibung, gewöhnungsbedürftige Grammatik und Orthografie. Es ist nicht einfach, den Durchblick zu behalten und die Verständlichkeit der Texte bleibt leider auch viel zu oft auf der Strecke. Das wirkt sich wiederum auf die Glaubwürdigkeit aus und lässt auf mangelnde Sorgfalt, Unzuverlässigkeit, unzureichende Qualität oder ein niedriges Bildungsniveau schließen.

Gerade für Unternehmen kann dies zu einen negativem Image führen, denn eigene Aussagen und Texte stellen die Visitenkarte des Unternehmens dar - sie präsentieren ein Bild des Unternehmens, das maßgeblich von den Texten abhängt. 

Die Themen Suchmaschinenoptimierung, Content-Provider und Schreiben kann doch jeder übergehe ich dezent, sie würden den Rahmen dieses Artikels sprengen. Sicherlich gibt es Praktikanten, Mitarbeiter und Familienangehörige, die Texte verfassen können, aber werden diese Texte auch gelesen, sind sie verständlich abgefasst, sinnvoll aufgebaut und entsprechen dabei auch noch den Anforderungen der Kunden und sind zusätzlich korrekt in ihrer Rechtschreibung, Grammatik und Zeichensetzung? 

Nicht ganz einfach, aber nach Aussage des folgenden Videos ist das alles kein Problem:


Grundsätzlich stimme ich der Aussage des Videos zu, aber eben nicht ganz, denn es entsteht der Eindruck, dass eine Software die Lösung aller Sorgen und Probleme ist. Aber mehr als eine Hilfe, eine Orientierung bietet sie nicht: Einer Software ist es nicht möglich jeden Rechtschreibfehler, jeden Grammatikpatzer und jedes falsche Satzzeichen zu erkennen. Grobe, formale Fehler, die sich in Form von Algorithmen programmieren lassen, findet sie möglicherweise, aber wie sieht es mit der Betonung aus? Wie mit einer inhaltlichen Prüfung? Und was ist mit stilistischen Patzern, die keine Software jemals erkennen wird.

Was das Video nämlich verschweigt, ist die Tatsache, dass sich immer mehr Verlage, Agenturen und Unternehmen das Korrektorat und Lektorat schenken und eben auf solche Programme verlassen. Dabei gilt aber auch immer die Regel: Ein Programm ist nur so gut wie sein Anwender. Denkt mal drüber nach!

wortfeilchen

PS. Es gibt nicht nur den Duden, er ist nicht der Heilige Gral der deutschen Sprache.

PPS. Herzlichen Dank an den wunderbaren @tiniaden.