Dienstag, 12. April 2011

verlorene worte: liederliche liederlichkeiten und liederliches.

Leichtfertig, oberflächlich und gering bedeutet das Adjektiv liederlich. Geschrieben wurde liederlich bereits im Mittelhochdeutschen so, aber die Bedeutung war anders, denn ursprünglich meinte liederlich schlaff, schwach oder auch leicht und zierlich in Wuchs und Bewegung.

In seiner Bedeutung wandelte sich liederlich im Laufe der Jahrhunderte: Während es im 15. Jahrhundert leicht, geringfügig und unwichtig bedeutete, wurde daraus im 16. Jahrhundert leichtfertig und ausschweifend.

Verwandt ist liederlich nicht mit dem Wort Luder, dafür mit lottern (was schlampig und liederlich bedeutet), dem Lotterleben, dem verlotterten Lotterbett und ebenfalls mit den Verben schlottern und schlummern.

Das Substantiv Liederlichkeit im Sinne von Unachtsamkeit, Leichtsinn und großer Freigiebigkeit wird seit dem 15. Jahrhundert in der deutschen Sprache benutzt - und weckt für mich Assoziationen mit kirchlichen Moralvorstellungen des Mittelalters.   

Heute steht liederlich synonym für unordentlich, nachlässig, nicht gewissenhaft, nicht gründlich, nicht sorgfältig, ungenau, ungepflegt, unsorgfältig, inakkurat, lax, schlampig, schludrig, ausschweifend, frivol, hemmungslos, lasterhaft, schamlos, sittenlos, sündig, unmoralisch, unsolide, unzüchtig, verdorben und verwerflich.

Liederlich hat fast immer eine moralische Konnotation im Sinne von Das macht man nicht!. Ein liederlicher Lebenswandel verurteilt und wertet einen eher schlampigen, verkommenen Lebenstil, der von zahlreichen (sexuellen und anrüchigen) Bekanntschaften über ungewöhnliche Schlaf- und Arbeitszeiten bis zu Drogenkonsum jeder Art und absoluter Gleichgültigkeit alles umfasst. Andersrum könnte man aber auch sagen, Liederliches ist fern von disziplinierter Spießigkeit und gesellschaftlichen Normen und Verpflichtungen - also durchaus erstrebenswert.

Erstaunlicherweise wird Liederlichkeit im alltäglichen Sprachgebrauch eher mit Frauen in Verbindung gebracht - ein Mann wird nie als liederlich bezeichnet, eine Frau aber liederliches Frauenzimmer genannt. Immerhin gibt es den Liederjan oder Liedrian, eine Bildung aus liederlich und der Kurzform von Johann. Der Liederjan bezeichnet seit dem 19. Jahrhundert umgangssprachlich einen liederlichen Menschen. Es scheint, als wäre dieser männlich und mit dem Dummerjan verwandt. Sicherlich ein Cousin des Schlendrian.

wortfeilchen

PS. Die Steigerungsformen: liederlich, liederlicher, am liederlichsten

1 Kommentar:

Anonym hat gesagt…

Ob Menschen, die gerne Lieder singen,
deshalb schon gleich liederlich sind?
Es heißt doch:
"Da wo man singt, da lass dich ruhig nier,
böse Menschen haben keine Lieder.
Dass Augen sprechen, kennt man.
Ob sie nicht vielleicht auch singen können?
Augenlieder!
Oh, die stell' ich mir schön vor.

Liedliche Grüße
Alfons L.