Dienstag, 1. März 2011

grundsatzfrage: alles bio?

Nicht erst seit den letzten Lebensmittelskandalen liegen Bio-Produkte im Trend - die Nachfrage ist vorhanden, möglicherweise groß und beruhigt wohl auch das Gewissen. 

Grundsätzlich stellt sich mir die Frage, ob die angebotenen Lebensmittel wirklich so bio wie angepriesen sind? Was ist bio überhaupt? Wie definiert es sich? Und schreibt man es eigentlich bio oder Bio?

Unzählige Siegel und Label versprechen Orientierungshilfe, definieren biologisch-dynamische Landwirtschaft, artgerechte Haltung oder ökologischen Anbau. Erläuterungen und Aufklärung über die vielen Zeichen und Siegel der einzelnen Anbieter finde ich bei label-online, schließlich ist nicht alles Gold, was da in den Läden glänzt:


Schön und gut, aber was ist eigentlich mit den einzelnen Inhaltsstoffen bzw. Bestandteilen der Produkte? Und wie steht es um die Verpackung, die zumeist aus Plastik(-folie) besteht?

Ein willkürlich ausgewähltes Beispiel:


Es handelt sich um einen handelsüblichen Bio-Blätterteig, den ich letztens im Supermarkt in Zürich gekauft habe - natürlich bio, dachte ich und schaute genauer hin. Werfen wir einen Blick auf die Zutaten und ich werde stutzig, denn warum finde ich in einem Schweizer Bio-Produkt Mehl aus der Schweiz, Europa und Amerika? Was macht Palmöl aus Amerika in dem Produkt? (Wobei ich der Meinung bin, in einen ordentlichen Blätterteig gehört nur Mehl und Butter.) Und dann die Verpackung: Wieso sind die meisten Bio-Produkte großzügig in Plastik jeglicher Art verschweißt?

Was ist mit der sogenannten grauen Energie, die für Herstellung, Bearbeitung, Transport, Lagerung, Verkauf und Entsorgung des Produktes anfällt? Liege ich falsch, oder definiert sich bio nur für mich folgendermaßen: Ein Produkt belastet die Umwelt umso mehr, je weiter weg es hergestellt und je weiter es transportiert werden muss? Je natürlicher und je lokaler, desto mehr bio - so sehe ich das. 

Bio heißt für mich im Endeffekt und in aller Konsequenz: Ich vermeide den Kauf derartiger Produkte und kaufe mit meinem Leinenbeutel (oder sonstigem Behältnis) vor Ort vom lokalen Hersteller, auf dem Wochenmarkt, im Hofladen um die Ecke oder lasse mich im Höchstfall noch von einem Bio-Händler auf seiner wöchentlichen Runde beliefern, es gibt sie nämlich diese Bio-Bringdienste und Hofläden. Dazu schaue ich mir die einzelnen Zutaten und Inhaltsstoffe der Produkte an - und erwarte Aufklärung über das verwendete Verpackungsmaterial. Alles andere ist meiner Meinung nach die falsche Einstellung und Schummelei, wenn nicht sogar Bigotterie.

Hier der Link zum Bioverzeichnis, wo eine lange Liste mit Biofachhändlern und Biolieferdiensten zu finden ist.

wortfeilchen

PS. Die Biolinie naturaplan der coop-Kette verweist auf dieser Webseite auf die umweltgerechte Verpackung ihrer Produkte, leider ist die Seite derzeit nicht erreichbar.

PPS. Bevor wieder Eidgenossen unnötig und unangemessen aus der Haut fahren, erwähne ich es lieber gleich: Es ist ein Beispiel, das stellvertretend für viele Produkte aus Deutschland, Europa und der Schweiz steht und weder die Handelskette coop, die Schweiz oder wer auch immer sich noch angegriffen fühlen mag anprangert. (Diese Erklärung beruht auf Erfahrungswerten und sollte eigentlich nicht notwendig sein.)

Kommentare:

tina hat gesagt…

Oh, das ist ne gute Frage. Aber mal so rein sprachlich, verweist da "bio" nicht erst einmal nur auf eine Produktion ohne Insektizide, Dünger und Konservierungsdinger? Wäre nicht eher "nachhaltig" der Begriff für eine _rundum_ verantwortungsvolle Herstellung? Da wären dann vielleicht nochmal Label nötig. Aber vielleicht bin ich mit meiner Pseudoerklärung auch auf einem biologisch abbaubaren Holzweg.

wortfeilchen | barbara piontek hat gesagt…

Nachhaltig ist doch auch ein dehnbarer Begriff und ob bio so nachhaltig ist? Schau mal hier: http://www.heute.de/ZDFheute/inhalt/19/0,3672,8198803,00.html

wortfeilchen | barbara piontek hat gesagt…

Oder hier:

http://koeln-bonn.business-on.de/baumwolle-bio-boomer-pestizide-nachhaltigkeit-_id31310.html