Donnerstag, 2. Dezember 2010

buchtipp: wortklaubereien von mario scheuermann.


Bekommen habe ich es bereits im Oktober, gelesen erst jetzt. Eigentlich immer mal wieder und zwischendurch. Mal mit einem Tee in der Hand, mal wenn mir nach ein wenig Ablenkung und Amüsement war und besonders gern am Küchentisch oder auch direkt am Herd. Eindeutig, Mario Scheuermanns Wortklaubereien passen an viele Orte. 

Kleine Extrakte reiht der Journalist und Autor aneinander. Auf den ersten Blick wirken sie unterhaltsam, witzig sogar, aber oftmals folgt ein Aha-Effekt oder auch ein verspätetes Auflachen. Man kann sich in der Sammlung verlieren, mehr wollen und blättert die nächste Seite um. 

Ja, ich koche gerne, ich lese gerne, ich esse gerne, aber das ist nicht der Punkt, warum mir die Wortklaubereien so gut gefallen. Es liegt an der vielfältigen Zusammenstellung, den liebevollen Illustrationen von Michaela von Aichberger und nicht zuletzt an dem spielerischen Umgang mit kulinarischen Worten und deren Auslegung im deutschsprachigen Raum. Denn genau das ist Mario Scheuermann gelungen: Er versammelt Zitate aus drei Jahrhunderten, aus Deutschland, der Schweiz und Österreich, aus Zeitungen, Zeitschriften und Bücher - und kreiert ein buntes Sammelsurium, das einfach Freude macht und zugleich Wissenswertes präsentiert. 

Die Idee ist nicht ganz neu, alphabetische Breviere gibt seit Jahrhunderten. Schiller hatte eins, Flaubert ebenfalls - und ich nun auch.

Zur Veranschaulichung aber vielleicht besser ein oder zwei Beispiele?

Dosenwurstbeisser
Das mag auf obrigskeitshörige Dosenwurstbeisser zutreffen. 
Effilee, Januar/Februar 2010. (Scheuermanns Wortklaubereien, Seite 24.)

Bratlingspulver
Mehlsuppe, Graupen, Sauerkohl, Sparbrot, Bratlingspulver und Holzwurst. Klingt alles nicht so, als ob man es unbedingt essen möchte.
Hamburger Abendblatt, 7./8. Oktober 2000. (Scheuermanns Wortklaubereien, Seite 15.)

Rohrbraten
Indessen haben sie [die Sparherde] auch zu jenen ausgedorrten Rohrbraten die Veranlassung gegeben, die man überall in Oberdeutschland antrifft.
C. F. von Rumohr, Geist der Kochkunst, 1832. (Scheuermanns Wortklaubereien, Seite 69.)

wortfeilchen

PS. Bestellen!

Keine Kommentare: