Freitag, 13. August 2010

helvetismen: verzeigen.

Auch als Germanistin ist man nicht vor unbekannten Worten gefeit. Seit meine Verbindungen in die Schweiz inniger sind, überraschen mich dort immer wieder unbekannte Worte, die nicht nur anders klingen, sondern ebenfalls in ihrer Bedeutung variieren.

Gestern war es wieder so weit: Auf einem Plakat las ich das Wort verzeigen. Der Zusammenhang war nicht wirklich klar, daher fragte ich den Mann an meiner Seite, was dies bedeuten würde. 

Eigentlich nicht spektakulär, aber gewöhnungsbedürftig lautete die Erläuterung: Verzeigen ist das Schweizer Synonym zu eine Anzeige erstatten bzw. dem deutschen Verb anzeigen. Passend zur Anzeige gibt es in der Schweiz die Verzeigung

Übrigens durchaus alltäglich und gebräuchlich in der Schweiz, bleibt dennoch die Frage, warum es so und nicht anders heißt?

Gehen wir zu den Wurzeln der deutschen Sprache, so sagt mir die Etymologie, dass die Anzeige vom althochdeutschen zeigari stammt, was so viel wie Zeigefinger bedeutet. Das mittelhochdeutsche Wort zeiger bedeutet ebenfalls Zeigefinger sowie Anzeiger, Vorzeiger und seit dem 14. Jahrhundert auch Uhrzeiger. Durch Zusammensetzungen und Präfixbildungen entstand das Wort anzeigen, das zeigen, angeben, bekanntgeben, ankündigen und seit dem 16. Jahrhundert auch Strafanzeige erstatten bedeutet. 

Aber: Weit und breit keine Spur von einem Verzeiger oder einer Verzeigung. Daher, liebe Schweizerinnen und Schweizer, könntet Ihr bitte erklären, warum Ihr das Wort verzeigen benutzt? Am liebsten wäre es mir, wenn sich jemand bemüht mir die Sache gleich  etymologisch zu erklären.

Merci!

wortfeilchen

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