Donnerstag, 7. Januar 2010

Verlorene Worte: Drangsal

Ein frohes, neues Jahr wünsche ich allen mehr oder weniger geneigten Lesern meines kleinen Blogs - und steige gleich wieder ein. Nämlich mit dem schönen Wort Drangsal, das wir viel zu selten benutzen - warum eigentlich?

Drangsal ist weiblich, es heißt die Drangsal; früher, als die Gummistiefel noch aus Holz waren, sagte man auch das Drangsal, wobei der neutrale Genus meiner Meinung nach dem Begriff nicht so ganz gerecht wird. Der Plural von Drangsal lautet die Drangsale. Das passende Verb ist drangsalieren.

Drangsal steht synonym für viele andere Worte: Bedrückung, Dilemma, Elend, Kalamität (auch sehr schick), Misslichkeit, Qual, Zwangslage, Bedrängnis, Malaise, Misere und Tribulation gehören dazu.

Somit ist Drangsal ein Wort, das in vielen Lebenslagen angewendet werden kann, aber woher kommt es?

Mittelhochdeutsch Dranc, was Gedränge und Bedrängnis bedeutet, ist der Ursprung von Drangsal. Dranc geht zurück auf althochdeutsch drangon und mittelhochdeutsch drangen, was übersetzt sich drängen bedeutet. Daraus wurde im Spätmittelhochdeutschen Drancsal, die Bedrängung oder Nötigung.

wortfeilchen

Kommentare:

tinius hat gesagt…

... und dann drangen sie in den Saal. ;) Schön, Dich wieder zu lesen. Möge das Jahr für Dich ein erfreuliches werden. :) LG tinius

wortfeilchen | barbara piontek hat gesagt…

Dankeschön, das wünsche ich Dir auch von Herzen!

Kaum bist Du da, kommt gleich was hoch, nämlich der Unterschied zwischen dringen und drängen; früher zwei verschiedene Worte, heute nur noch kleinere Schwankungen; das eine stark, das eine schwach ... ach, ich bin einfach mal ruhig.

tinius hat gesagt…

Das war ja nur ein kleines, nicht ernstgemeintes Wortspielchen. ~sal und Saal haben ja nun auch wenig miteinander zu schaffen. ;)

wortfeilchen | barbara piontek hat gesagt…

Oh, wie schön: Labsal, Rinnsal, Schicksal, Mühsal und eben Drangsal. Anhängsel, Füllsel, Überbleibsel kommen auch da her.

Hui, Du inspirierst mich. Klar, ein belesener Mann mit Humor ... was kann ich dagegen schon tun?!

Marco Spindler hat gesagt…

Damit die Verwaltung uns drangsalieren kann, gibt es den Kalamitätsnutzen bei den Einkünften aus Land- und Forstwirtschaft.

Dieser ist aus steuerlicher Sicht postitiv für den der ihn erlitten hat; insgesamt ist der Nutzen der Kalamität aber trotzdem negativ, der er sicherlich niedriger ausfällt als ein nachhaltiger Nutzen.

Liebe Grüße; ich schaue immer wieder gern hier vorbei.

Marco Spindler
Steuerberater

wortfeilchen | barbara piontek hat gesagt…

Danke, Herr Spindler!

Na, dann kann ich eigentlich sehr froh sein, zumindest mit Land- und Forstwirtschaft nichts zu tun zu haben ;-)

Schön, dass Sie hier lesen!