Montag, 25. Januar 2010

kannstema uber dem deutsch seine entwicklung eine diskusion fuhren?

So lautet der Untertitel eines Artikels in der Welt vom 24.01.2010. Obendrüber wird der Zusammenhang klarer: Deutsche Umlaute ä, ö und ü sterben in Zukunft aus, heißt es nämlich dort. Das Ergebnis wäre ein solch verquerer Satz, der selbst im Ruhrgebiet ein wenig befremdlich anmutet und dennoch einen Fehler beinhaltet, schließlich beginnt er im Online-Artikel mit einem Großbuchstaben am Satzanfang.

Nein, das hat sich kein findiger Journalist ausgedacht und ist auch kein abstruses Experiment, es scheint, als haben Sprachforscher eine Vorhersage gewagt. Die Prognosen lassen meine Nackenhaare hochstehen, ist doch die Rede von konsequenter Kleinschreibung, neuen Wortendungen und dem Aussterben der Umlaute.

Ja, was denn noch?!

Der Genitiv existiert nur noch als vereinsamte Randerscheinung - der Kinder wegen - und auch die starken Verben dümpeln gelangweilt vor sich hin. Ich erinnere mich noch, als ich das erste Mal die Sonne scheinte vernahm - schön war das nicht.

Und halt die Umlaute. Von survival of the fittest ist da die Rede, denn nur was sich bewährt, bleibt erhalten. I, e und ü seien bei der Verständigung zu leicht zu verwechseln, daher könnte man da ruhig was streichen. Das erscheint mir halbwegs logisch, denn meine Erfahrung zeigte mir, dass man zum Beispiel im Norden Deutschlands gerne mal das ü verwendet, wo es nicht hingehört. Weiterhin seien die meisten Sprachen mit den Vokalen a, i und u völlig glücklich, daher geht man davon aus ä, ö und ü werden sich ebenfalls von selbst erledigen. Aha.

Ein weiterer Faktor ist die Durchmischung der Sprachen, die so genannte Kreolisierung, die in den USA gang und gäbe ist und so langsam auch das Einwanderungsland Deutschland erwischt. Schlecht sind solche Neuzugänge ja nicht unbedingt, immerhin schaffen es jährlich 800 Begriffe in den Duden und bereichern, mehr oder weniger, unsere Sprache. 2009 fielen zum Beispiel die Federbüchse und das Verb scharmieren raus, dafür kann das Hybridauto nun twittern. Ein gerechter Tausch? Ich finde nicht. Bedenklich auch, dass weiterhin Anglizismen zu uns strömen und noch schlimmer, es werden kaum noch deutsche Äquivalente gesucht oder ausprobiert.

Kanaksprach oder Kiezdeutsch und Jugendsprache zählen nicht wirklich, zumindest nehmen die Sprachforscher diese ebenso wenig ernst wie Sprachschöpfungen aus dem Internet oder Wortkreationen, die durch das SMSen entstehen.

Mein Trost ist die Tatsache, dass der Engländer an sich noch heute so spricht wie vor 300 Jahren - vielleicht hält sich die deutsche Sprache ebenso tapfer?!

wortfeilchen

Kommentare:

Angelika (Szintilla) hat gesagt…

Das wird ja immer drolliger, was wollen wir außer der Großschreibung und den Umlauten noch alles einsparen? Vielleicht auch das h beim "SCH"? Das ist doch eigentlich auch über. Wie neue Wortendungen aussehen könnten darüber mache ich mir grad so meine Gedanken und hab so gar keine Idee. Hoffen wir, dass sich die deutsche Sprache tapfer hält.

Liebe Grüße, Angelika

ps. Ich würde dich gern auf meinem Blog verlinken. Ist das okay?

wortfeilchen | barbara piontek hat gesagt…

Hast Du verstanden, wann das alles passieren soll?

Bei den Verben gibt es nur noch schwache Verben: Ich seinte, habte, laufte, rufte ... muss man sich mal auf der Zunge zergehen lassen, im Ohr ertrage ich das nämlich gar nicht.

Die Endungs falln weg. mit den Vokals.

Rettet dem Deutsch! Bitte. Und gebt mir eine Zeitmaschine, ich will woanders sein. Scotty, you know what to do!

PS. Sicher, danke, das ehrt mich :-)

Angelika (Szintilla) hat gesagt…

Nee, habich nich vastandn wann datt passieren soll. Abba watt wolln die denn dann mitte Endungn? Datt machen wa doch schon imma so. *mbg* Im Übrign meinte ich, datt wir auf datt "C" im SCH verzichtn könn. Habich nich aufgepasst.
:-( Da frach ich mich jetze abba, wo willze denn sein wenn nich hier? Meinze woanders is datt bessa? Undie Verben..., watt meinze wattich oft zu lesn kriech, dais die "Katze sprungte..., der Hund lagte..." und "der Vogel fliegte.." maso garnix. *g*

Liebe Grüße, Angelika

ps. Dann valink ich dich jetz ma und du komms direkt bei mich bei auffem Blog...*zwinker

wortfeilchen | barbara piontek hat gesagt…

Ich denk, die mein nichn Pott, die mein allet, wat da noch so um uns rum is.

Dann abba so: sheisse.

Stimmt, hattn wa ja schon, woanders is auch scheiße. Annerseits Skandinavien, da is et mitti Sprache ganz anners.

Nee, oder? Sone Kacke. Lern mich Deutsch! ;-)

PS. Dann guck ich ma bei dich im Blog ;-))

Szintilla hat gesagt…

Kauf dich einfach ne Tüte Deutsch, datt hat mich auch gehilft.
Freu mich man auf dein Besuch..., aber nich datte sachs woanders is auch sheisse. *mbg*

wortfeilchen | barbara piontek hat gesagt…

Besser Tüte übern Kopf und schämen!

Schlimm wird es erst, wenn ich Dich auch noch verlinke, so als offiziellen Liebesbeweis ;-)

Szintilla hat gesagt…

Auweia! Dann tun wir uns eben beide ma ganz ordentlich schäm. Ich stell mich auch inne Ecke, wennet denn sein muss. Abba Tüte üban Kopp ich weiß nich... *mbg*

iselin hat gesagt…

Sprache ist nun einmal ständig im Wandel. Ich finde zwar auch einige Veränderungen grausam, aber Sprache ist doch keine Zwangsjacke, sondern soll von den Menschen benutzt und angepasst werden, auch auf kreative Weise (bitte davon ruhig etwas mehr in Zukunft!). Und der Mensch ist nun mal faul (siehe bisherige deutsche Sprachgeschichte) und wählt den einfachsten Weg; da ist es nur folgerichtig, starke Verben abzubauen...
Und mal nebenbei: Die Brüder Grimm boykottierten die erste (kaiserliche) Rechtschreibereform, weil sie nicht einsahen, warum man bitteschön Substantive groß schreiben sollte. Denkt mal über den Sinn solcher Regelungen nach, dann muss man wohl einiges relativieren.

wortfeilchen | barbara piontek hat gesagt…

@iselin:

Sicher ist sie das, meist ist es gut so. Aber eben nicht immer, weil Wurzeln verloren gehen könnten, um die es mir leid täte.

Die erwähnten Wandlungen sollen sich ja in einem Zeitraum von Jahrhunderte abspielen, ergo werde ich es nicht mehr erleben ;-)

Als Mediävistin liebe ich nun einmal meine starken Verben und will es nicht einfach haben, egal ob die Brüder Grimm so was schon mal gemacht haben oder nicht. Eine persönliche, völlig subjektive Meinung gestehst Du mir hoffentlich zu? :-)