Freitag, 11. Dezember 2009

Verlorene Worte: vermaledeit

Vermaledeit. Wer hat das Wort in letzter Zeit gehört? Ich jedenfalls nicht. Leider, denn eigentlich ist es sehr nützlich und klingt dazu noch äußerst liebreizend.

Vermaledeit ist Umgangssprache und steht für verdammt und verflucht, wobei es etymologisch mit Erstem nicht viel zu tun hat. Althochdeutsch firdamnon, mittelhochdeutsch verdam(p)nen stammt von dem Lateinischen damnum, was so viel wie (Geld)buße, Verlust, Schaden oder Nachteil bedeutet. Es kommt aus der Kirchensprache und steht in Verbindung mit dem Ausstoß aus der göttlichen Gnade, also eine Art Fluch von oben.

Zurück zu vermaledeit, das eher für verflucht steht und eine Anlehnung an das lateinische Verb maledictus ist. Maledictus kann mit schlecht sagen, schlecht reden, schlecht heißen und verfluchen übersetzt werden. Hier steckt der (heidnische) Sinn des Verwünschens und Verfluchens drin. Der Gegensatz dazu ist benedicere, was natürlich gutsagen, gutheißen oder auch segnen und lobpreisen bedeutet. Gebenedeien, auch so ein verlorenes Wort, ist die deutsche Entsprechung zu benedicere.

wortfeilchen

Kommentare:

Heike hat gesagt…

"Du bist gebenedeit ..." kommt ja wenigstens noch im Rosenkranz vor. Vermaledeien dagegen hat dieses Glück nicht. Also sollten wir es alle mindestens einmal pro Woche verwenden! Am besten im Zusammenhang mit "übelbeleumundet".

wortfeilchen | barbara piontek hat gesagt…

Stimmt, aber mein Papa benutzte es immer statt beruhigen: Gebenedei Dich doch mal! :-)))))

Wie bringe ich denn nun vermaledeit mit übelbeleumundet in Zusammenhang? Vermaledeiter und übelbeleumundeter Mistdreck?

Heike hat gesagt…

Echt, das sagt er? Mal ausprobieren, wie das klingt so aus meinem heidnischen Munde: "Gebenedei dich doch mal" ... Super, klingt harmlos, und die Konsonanten können wunderbar die gebremste Wut abpuffern!

So, und jetzt kurz vor Zweiohrküken noch ein Serviervorschlag:
"Der gebenedeit sich eh nicht, dieser übelbeleumundete Tunichtgut!"

wortfeilchen | barbara piontek hat gesagt…

Vielen Dank, die Ex-Katholikin wird üben: "Der gebenedeit sich eh nicht, dieser übelbeleumundete Tunichtgut!"

Schönes Wochenende!

Anonym hat gesagt…

Gerade heute habe ich dieses Wort wieder in einem E-Mail benutzt. Natürlich nicht ohne mich vorher über die Rechtschreibung und genaue Bedeutung zu vergewissern. Woher ich dieses Wort kenne? Von Dagobert Duck (aus den Lustigen Taschenbüchern). MfG

Anonym hat gesagt…

Ich habe das Wort in der deutschen Synchronfassung des Kinofilms "Sherlock Holmes: Spiel im Schatten" gehört :-)

Anonym hat gesagt…

" vermaledeit" kommt auch im dritten Fluch der Karibik vor. Als Übersetzung für das englische " blimey". Es ist also zum Glück noch nicht ganz ausgestorben.

wortfeilchen | barbara piontek hat gesagt…

Blimey klingt schön - I like!

Anonym hat gesagt…

Ich habe, als Kind, gerne Hörspielkassetten von "Hui Buh, das Schlossgespenst" gehört. Dort wurde "vermaledeit" auch sehr gerne benutzt.

Anonym hat gesagt…

Mein Sohn hat mir gerade erzählt, dass Kapitän Hook in der Zeichentrickserie immer schimpft: “Dieser vermaledeite Peter Pan!“ Das fand ich doch mal wieder schön!
LG! Katey

Susan hat gesagt…

Das hat mich jetzt überrascht, dass das schon vor mehr als 4 Jahren als ausgestorben klassifiziert wurde ;) - ich benutze "vermaledeit" durchaus. Insbesondere gerade bei diesem vermaledeiten Google Chrome Icon in meinem System-Tray, dass mir das ganze Startleistenlayout irgendwie versaubeutelt.