Montag, 15. Oktober 2007

Ich fress kein Papier ...

... oder woher kommt die Redensart kein Blatt vor den Mund nehmen?

Jemand, der kein Blatt vor den Mund nimmt, spricht Dinge offen, direkt und unbeschönigt aus. Es gibt zwei Möglichkeiten, woher diese Redewendung kommt:

Als die Gummistiefel noch aus Holz waren, gab es kein Fernsehen, kein Radio und schon gar nicht Internet. Man musste sich persönlich unterhalten, um an die neusten Gerüchte und Informationen zu kommen. Darum ging man auch ins Theater. Auf der Bühne konnte man seine Meinung sagen, aber nicht jede Bühne hatte genug Geld, um sich teure Kostüme und Masken zu leisten. Dennoch wollte man ungestraft auch ungehörige Dinge sagen, auf die möglicherweise eine Strafe stand. Denn damals waren die Sitten und Gesetze viel strenger und so manche Aussage galt als anstößig, weil sie obzön oder politisch nicht korrekt war. Die Schauspieler hielten sich Blätter vor den Mund, unterschieden sich so von anderen Akteuren, niemand konnte sie erkennen und wegen ihrer deutlichen Worte zur Rechenschaft ziehen.

Die andere Möglichkeit stammt aus dem kirchlichen Bereich; möglicherweise sogar aus der Bibel. Wiederum erfuhr man die neusten Gerüchte nicht aus den Medien, weil es diese nicht gab. Anständige Menschen gingen nicht ins Theater, aber in die Kirche. Hier hielt man sich ebenfalls ein Blatt vor den Mund, um in Ruhe und unbemerkt mit seinem Nachbarn über Dinge zu unterhalten, die für Ohren anderer nicht bestimmt waren.

Der Bereich gibt aber noch mehr her. Eine weitere Erklärungsmöglichkeit findet man hier.

wortfeilchen

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